Senatskanzlei

7. Mai 2019 70. Übersee-Tag

Rede des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher. Es gilt das gesprochene Wort.

70. Übersee-Tag

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Karliczek,
sehr geehrter Herr Behrendt,
sehr geehrte Mitglieder des konsularischen Korps,
sehr geehrter Erster Vizepräsident der Hamburger Bürgerschaft,
sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrte Mitglieder des Übersee-Clubs,
sehr geehrten Damen und Herren, 

herzlich willkommen zum Übersee-Tag im Hamburger Rathaus, der in diesem Jahr zum 70. Mal stattfindet. Herzlichen Glückwunsch zu diesem beeindruckenden Jubiläum. 

Seit seiner Gründung vor fast 100 Jahren verfolgt der Traditionsclub unter anderem das Ziel, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen und ein einheitliches Handeln von Wirtschaft und Politik zu fördern. 

Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – das sind drei Welten mit unterschiedlichen Denkarten. 

„Brauchen Metropolen Wissenschaft?“ und „Braucht Wissenschaft Metropolen?“ waren die Fragen des Übersee-Tages im vergangenen Jahr, die wir in Hamburg beide eindeutig mit „Ja“ beantworten. 

Denn wenn Metropolen wie Hamburg

  • mit den Anforderungen der Mobilität von bald 2 Millionen Einwohnern,
  • mit der höchsten Wirtschaftskraft und der höchsten Wertschöpfung pro Einwohner in ganz Deutschland,
  • mit einem starken industriellen Sektor 

weiterhin wettbewerbsfähig bleiben und unter gesunden Lebensbedingungen im Einklang mit der Natur leben und arbeiten wollen, dann geht das nur mit neuen Technologien:

  • Neuen Antriebstechnologien für eine emissionsfreie Mobilität,
  • mit einer klimafreundlichen Industrie und Digitalisierung der Unternehmen,
  • mit einer besseren Gewinnung, Speicherung, Übertragung und Nutzung regenerativer Energien.

Daher ist das Wissen um die Potenziale des technischen und sozialen Fortschritts die entscheidende Dimension. 

Deshalb fördern wir die Wissenschaft in Hamburg und freuen uns sehr, dass Sie, Frau Karliczek, in der vergangenen Woche gemeinsam mit den Wissenschafts- und Finanzministern der Länder vereinbart haben, den Pakt für Forschung und Innovation fortzuführen und einen Zukunftsvertrag Studium und Lehre zu schließen. 

Meine Damen und Herren, warum ist das für uns so wichtig? 

Hamburg ist die zweitgrößte Stadt der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt. Wir sind eine der attraktivsten und wirtschaftlich dynamischsten Regionen Europas.

Hamburg hat aber seine besondere Stellung unter den europäischen Metropolen dabei anders als London, Madrid oder Paris nie aus einer Eigenschaft als Hauptstadt und Sitz der Nationalregierung heraus entwickelt, sondern immer aus seiner wirtschaftlichen Kraft und einem Vorsprung an Modernität, die mit einer attraktiven Stadt und hoher Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger verbunden sind. 

Damit Hamburg als Wirtschaftsstandort dauerhaft wettbewerbsfähig bleibt, müssen wir unsere traditionellen Stärken wie Hafen, Industrie, Dienstleistungen und Handel weiterentwickeln, neue Branchen wie die Luftfahrt, die Windenergie und die Gesundheitswirtschaft ausbauen und in allen Bereichen dafür sorgen, dass unsere Unternehmen auf der Höhe der Zeit oder – noch besser – ihr immer einen Schritt voraus, also innovativ sind. 

Dafür brauchen wir eine starke Grundlagenforschung und wir müssen sicherstellen, dass ihre Ergebnisse in die Praxis, zur Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen gelangen, die dann auch marktreif werden. 

Die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die Praxis ist im Grunde eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit, die wiederum neue Erkenntnisse und Fragestellungen für die Grundlagenforschung bringt. 

In einem solchen Zyklus – Grundlagenforschung, Wissenstransfer zur Entwicklung neuer Produkte, Markteinführung und breite Anwendung, neue Impulse für Grundlagenforschung – in einem solchen Zyklus besteht Innovation. 

Um dies zu fördern, schaffen wir in Hamburg Räume, in denen Wissenschaft, etablierte Unternehmen und Startups zusammenkommen. 

Unsere Technologiezentren bieten unter einem Dach flexible Büro- und Laborflächen, Konferenzräume, Schulungs- und Dienstleistungsangebote. Dadurch können sich die Akteure vernetzen, gemeinsam Ideen entwickeln und in neuen Geschäftsmodellen einsetzen. 

Das funktioniert hervorragend. 

Im Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung auf Finkenwerder entwickeln zum Beispiel Airbus, Lufthansa Technik, Wissenschaftler der Technischen Universität und junge Startups gemeinsam Innovationen für die Luftfahrt der Zukunft. 

In Bergedorf liegt der Schwerpunkt auf Windenergie, 3D-Lasertechnologie, Energiespeicherung und Netzen. Mit dem Energie-Campus und der Fraunhofer Einrichtung für Additive Produktionstechnologien haben wir dort zwei international renommierte wissenschaftliche Forschungseinrichtungen, die durch einen Neubau für das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik ergänzt werden. 

Unser Projekt, das am weitesten in die Zukunft reicht, ist die geplante Science City in Bahrenfeld. 

Dort soll in den kommenden Jahren im Umfeld des DESY, des European XFEL, des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie, des Centre for Structural Systems Biology der Universität Hamburg und anderer Forschungseinrichtungen ein neuer Stadtteil für die Wissenschaft entstehen. 

Innovativen Startups und Unternehmen wollen wir in Lurup in direkter Nachbarschaft zum DESY ein Angebot machen. Die Science City Bahrenfeld soll uns auf Augenhöhe bringen mit den großen deutschen Wissenschafts- und Innovationsstandorten München-Garching und Berlin-Adlershof. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 

die großen Metropolen der Welt sind Pioniere der gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung. Die Metropolen können damit auch einen großen Beitrag leisten für den Strukturwandel, die Energiewende, die technologische Transformation im Sinne des Klimaschutzes und der Digitalisierung in ganz Deutschland. 

Informatik ist eine Schlüsseldisziplin für Innovation und digitale Transformation. Deshalb bauen wir Lehre, Forschung und Ausbildung im Bereich der Informationstechnologie aus und erhöhen die Zahl der Informatik-Professuren an unseren Hochschulen von derzeit 65 auf über 100. 

Um die Innovationszyklen zu beschleunigen und zu verstetigen, fördern wir die Exzellenz unserer Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, schaffen wir neue Studiengänge, ermöglichen wir gute schulische und berufliche Bildung und wollen die klügsten Köpfe aus aller Welt nach Hamburg locken. 

Fast die Hälfte aller Mitarbeiter in Hamburger Startup-Unternehmen kommt aus dem Ausland. Diese Internationalität Hamburgs ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. 

Wissenschaft und Innovation – so hat es der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft auf seiner Rede am Übersee-Tag im vergangenen Jahr betont – entstehen nur in vielfältigen, urban verdichteten, multikulturellen Metropolen.

Denn Innovation wächst nicht auf Bäumen. Sie entsteht in vielen klugen Köpfen – durch Interaktion, Kommunikation, interdisziplinäre Forschung und Anwendung, durch Kooperationen und gemeinsame Projekte. 

Um die klügsten Köpfe zu gewinnen und die jungen Menschen zu halten, muss aber auch das Lebensumfeld stimmen. Dazu gehören

  • bezahlbare Wohnungen,
  • familienfreundliche Rahmenbedingungen mit kostenfreien Kitas und guten Schulen,
  • eine nachhaltige und moderne Mobilität mit
  • einem guten öffentlichen Nahverkehrsangebot und komfortablen Rad- und Fußwegen.

Dazu gehören auch ein anspruchsvolles und vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot sowie Parks und Spielplätze, viel Grün und Wasser. 

Das alles gibt es in Hamburg. 

Aber nun, meine Damen und Herren, 

freue ich mich, dass Frau Bundesministerin Anja Karliczek den Blick auf ganz Deutschland richtet und ich bin gespannt, wie wir unser Land insgesamt als Umschlagplatz für Ideen, Innovationen und kreative Köpfe noch attraktiver machen können. 

Herzlichen Dank.