20. Mai 2019 Senatsempfang Verleihung Goldene Taube an die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher. Es gilt das gesprochene Wort.

Senatsempfang Verleihung Goldene Taube an die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte

Sehr geehrter Herr Professor ter Haseborg,
sehr geehrter Herr von Beust,
sehr geehrter Herr Dr. von Dohnanyi,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Damen und Herren, 

herzlich willkommen zur Verleihung der Goldenen Taube im Hamburger Rathaus! 

30 Artikel hat die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Vereinten Nationen verabschiedet wurde. 

Und genauso viele „Goldene Friedenstauben“ schuf der Landshuter Künstler Reinhard Hillinger zum 60. Jahrestag des Inkrafttretens der Menschenrechtscharta im Jahr 2008. 

Seitdem sind die 30 Tauben weltweit als wandernde Preise unterwegs und ehren Menschen oder Organisationen, die sich für Demokratie, Frieden und Grundrechte einsetzen. 

Im vergangenen Jahr ging einer der Preise an das Projekt „Herzbrücke“ der Albertinen-Stiftung, das kranken Kindern aus Afghanistan eine lebensrettende Herzoperation und einen Gastaufenthalt in Hamburg ermöglicht. 

In diesem Jahr reicht die Albertinen-Stiftung die Goldene Taube an die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte weiter. 

Herzlichen Dank für diese Ehrung! 

Unsere Stiftung, so wurde es bei ihrer Gründung vor 33 Jahren formuliert, „soll vornehmlich solche Verfolgten fördern, die sich durch Wort, Schrift oder ihr sonstiges Wirken in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen und sich nachhaltig und stellvertretend für alle politisch Verfolgten in ihrer Heimat für den Schutz und die Wiederherstellung der Menschenrechte einsetzen.“ 

Seit ihrer Gründung hat die Stiftung über 250 Gäste in Hamburg aufgenommen. Die „Goldene Friedenstaube“ ist eine große Anerkennung dieses Einsatzes für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte. 

Die Stiftung für politisch Verfolgte ermöglicht Journalisten, Künstlern und anderen Menschen, die in ihrer Heimat für Demokratie und Menschenrechte eintreten und dafür auf vielfältige Weise eingeschränkt oder bedroht werden, ein Jahr lang in Hamburg zu leben, zur Ruhe zu kommen und sich mit Kolleginnen und Kollegen in Europa zu vernetzen. 

Zu unseren Gästen gehört zum Beispiel Shahindha Ismail, die vor 14 Jahren die NGO Maledivian Democracy Network gründete. 

Shahindha Ismail wandte sich in ihrer Heimat gegen religiösen Fundamentalismus und setzte sich für die Freilassung politischer Häftlinge ein. Die Malediven mögen für viele deutsche Touristen ein Traumziel sein – Shahindha Ismail aber brachte das politische Engagement in der Heimat in Lebensgefahr. 

Anderen Gästen – wie dem Chefredakteur Baris Ince und dem Juristen und Wissenschaftler Hakan Mertcan aus der Türkei – droht in ihren Herkunftsländern die Inhaftierung ohne ein rechtsstaatliches Verfahren. 

Nicht alle Gäste der Stiftung können nach ihrem Stipendium ohne Gefahr in ihre Heimat zurückkehren. Aber viele fühlen sich nach dem Aufenthalt gestärkt und kehren in ihre Herkunftsländer zurück, um sich dort als wichtige Stimmen für Freiheit und Demokratie für Reformen einzusetzen. 

Meine Damen und Herren,

als die Stiftung für politisch Verfolgte 1986 auf Initiative des damaligen Ersten Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi und mit Zustimmung aller in der Hamburgischen Bürgerschaft vertretenen Parteien gegründet wurde, waren das Ende des Kalten Krieges und die deutsche Wiedervereinigung noch nicht absehbar. 

Seither hat es in Europa in Bezug auf die Menschen- und Bürgerrechte große Fortschritte gegeben. 

Viele osteuropäische Länder sind jetzt Mitglied der Europäischen Union, die weltweit für Meinungs- und Pressefreiheit und für eine unabhängige Justiz steht. Die Bürgerinnen und Bürger können ihre Gedanken dort frei aussprechen, aufschreiben, drucken oder twittern – aber eben nicht überall auf der Welt. 

Hamburg ist eine weltoffene, tolerante und wohlhabende Metropole. Darin sehen wir eine besondere Verantwortung, für Frieden und Freiheit in der Welt einzutreten, als „Mittlerin“ – wie es in der Präambel unserer Verfassung heißt – „im Geiste des Friedens“. 

Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte unterstützt diejenigen, die sich weltweit für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, und ist dabei auch Vorbild für andere. 

Sie hat ähnliche Projekte in Berlin und den Niederlanden beraten, ist Partnerin für das Auswärtige Amt, für entsprechende Referate anderer Länder und für internationale Organisationen wie Reporter ohne Grenzen. 

Ich bedanke mich bei allen, die diese Arbeit in den letzten Jahrzehnten unterstützt haben, und sage noch einmal „herzlichen Dank“ an die Albertinen-Stiftung, dass Sie mit der Übergabe der „Goldenen Taube“ der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte Vertrauen und Anerkennung schenken. 

Vielen Dank.

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