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28. Oktober 2019 Deutscher Preis für Philosophie und Sozialethik

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher. Es gilt das gesprochene Wort.

Deutscher Preis für Philosophie und Sozialethik

Sehr geehrter Herr Dr. Lüthje,
sehr geehrte Frau Professor Herzog,
sehr geehrte Damen und Herren, 

herzlichen Dank für die Einladung zur Verleihung des Deutschen Preises für Philosophie und Sozialethik der Max Uwe Redler- Stiftung. 

Lieber Herr Lüthje, Sie haben für diesen Anlass einen passenden Ort gefunden. 

Wie alle Hörsäle hier im Hauptgebäude ist dieser Raum nach einer bedeutenden Persönlichkeit aus den Anfangsjahren unserer Universität benannt, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. 

Er ist Agathe Lasch gewidmet, die 1923 als erste Frau in der Geschichte der Universität Hamburg eine Professur erhielt und zugleich die erste in ihrem Fach, der Germanistik, in ganz Deutschland war. 

Dies scheint mir ganz im Sinne von Max Uwe Redler zu sein, der als Zuhörer über viele Jahre Vorlesungen an der Universität besucht hat. Sein Interesse galt den Geisteswissenschaften und insbesondere der Philosophie, deren Instrument die Sprache ist. 

Testamentarisch verfügte er, dass sein Vermögen, das er als Bank- und Außenhandelskaufmann erarbeitet hatte, über eine Stiftung zur Förderung dieser Disziplin eingesetzt werden sollte. 

Wir sind sehr froh über das bürgerliche Engagement in unserer Stadt. Bedeutende Auszeichnungen wie der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft, der Hamburger Wissenschaftspreis oder der Ernst-Jung-Preis für Medizin sind eine Bereicherung für Wissenschaft und Forschung. 

Damit verbunden ist nicht nur die nachträgliche Anerkennung der Ergebnisse und der Arbeitsleistung der jeweiligen Preisträger. Sie sind auch immer eine Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit aller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem jeweiligen Gebiet, und sie sind oft verbunden mit einer zusätzlichen finanziellen Ausstattung, die neue Projekte und wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglicht. 

Der Deutsche Preis für Philosophie und Sozialethik ist mit 100.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung im deutschsprachigen Raum, die von einer privaten Stiftung in den Geisteswissenschaften verliehen wird. 

Er würdigt die Werke herausragender Philosophinnen und Philosophen, die sich mit der Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft beschäftigen und sich durch eine besondere gesellschaftliche Aktualität und Relevanz auszeichnen. 

Für ihre beiden Essays „Freiheit gehört nicht nur den Reichen“ und „Die Rettung der Arbeit“ erhält heute Frau Prof. Lisa Herzog den Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik. 

Die Jury würdigt sie als „eine politische Philosophin“, die ihre   Gedanken und Argumente in einfache und ansprechende Sprache zu fassen vermag und damit über den Wissenschaftsbetrieb hinaus ein breites Publikum erreicht. 

Meine Damen und Herren, 

Hamburg ist eine traditionelle Kaufmannsstadt, in der wirtschaftlicher Erfolg nicht selten in einer gemeinnützigen Stiftung mündet. Hamburg ist aber zugleich ein ambitionierter Wissenschaftsstandort. 

Wir sehen Wissen und Wissenschaft als die entscheidende Dimension unserer künftigen Entwicklung. 

Wissenschaft ermöglicht uns den entscheidenden Vorsprung einer innovativen Wirtschaft. Sie entwickelt klimaschonende und emissionsarme Technologien, die uns das Leben in einer modernen Metropole im Einklang mit der Natur unter gesunden Bedingungen ermöglichen. 

Sie hilft uns, die Mobilität in einer urban verdichteten Metropole zu verbessern, den digitalen Wandel unserer Gesellschaft zu gestalten und viele weitere Herausforderungen der Zukunft zu bestehen.

Auch die Weiterentwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften an unserer Universität ist ein Teil unserer Wissenschaftsstrategie, für die wir den Wissenschaftsrat um Empfehlungen gebeten haben. 

Als charakteristische Stärke sehen die Experten die große Fächervielfalt, sowie die Breite des Studienangebots und die Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten. 

Auch die hohe interdisziplinäre Forschung wurde positiv gewürdigt. Ein besonderes Beispiel hierfür ist das Exzellenzcluster Manuskriptkulturen, in dem die Fakultät für Geisteswissenschaften mit den MINT-Fächern zusammenarbeitet. 

Verbesserungsbedarf sieht der Wissenschaftsrat unter anderem in der Profilbildung und bei der Sichtbarkeit über die Grenzen Hamburgs und Deutschlands hinaus. Dazu kann die Arbeit der Max Uwe Redler Stiftung einiges beitragen. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 

eine exzellente Universität muss naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Fragestellungen, Dimensionen und Kompetenzen zusammenführen. 

Das beste Beispiel hierfür ist unser Exzellenzcluster im Bereich der Klimaforschung – bundesweit das einzige, das dreimal in Folge ausgezeichnet wurde. 

Klimaforschung, Klimawandel und Klimaschutz sind nicht nur eine Frage der Meteorologie. Es geht dabei auch um gesellschaftliche Auswirkungen des Klimawandels, um technologische Innovationen für besseren Klimaschutz oder um gesellschaftliche Akzeptanz bzw. Bereitschaft für Verhaltensänderungen und neue Prioritätensetzungen. 

Sehr geehrte Frau Prof. Herzog, 

ich hoffe, der Preis kann Ihnen helfen, sich auch in Zukunft mit anspruchsvollen Fragen unseres Zusammenlebens und unserer Wirtschaftssysteme auseinanderzusetzen. 

Für jede Innovation, die Wissenschaft und Technik möglich machen, benötigen wir auch ein Verständnis für den verantwortungsvollen Umgang und die gesellschaftlichen Auswirkungen der Innovation. Das ist die Leistung der Philosophie und Sozialethik, wie Sie es auf eindrucksvolle Weise in „Die Rettung der Arbeit“ beschreiben. 

Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere wissenschaftliche Arbeit alles Gute und viel Erfolg. 

Herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik 2019! 

Vielen Dank.

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