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Erster Bürgermeister eröffnet autonomen Fahrgastbetrieb Mit HEAT autonom durch die HafenCity

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Hamburger*innen erleben HEAT noch vor dem ITS-Weltkongress


HEAT Fahrzeug Pressefoto Henrik Falk HOCHBAHN und Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

Mit HEAT autonom durch die HafenCity

Zwei Monate bevor sich Fachexpertinnen und -experten aus aller Welt in Hamburg die Mobilität der Zukunft auf dem ITS-Weltkongress anschauen, können sich die Hamburgerinnen und Hamburger bereits ab heute selbst ein Bild davon machen. Der autonom fahrende Kleinbus des Projekts HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation) startete heute in Anwesenheit des Ersten Bürgermeisters, Dr. Peter Tschentscher, in den Betrieb mit Fahrgästen in der HafenCity.

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Mit HEAT wird eine neue Technologie des autonomen Fahrens in den Hamburger Straßenverkehr integriert. Das ist ein starker Impuls für die Entwicklung der Mobilität von morgen. Als Alternative zum eigenen Auto sollen in Zukunft in der gesamten Stadt komfortable und klimafreundliche Angebote des öffentlichen Nahverkehrs zur Verfügung stehen. Das Projekt HEAT bietet zugleich einen Ausblick auf den ITS Weltkongress im Oktober, auf dem Hamburg die Mobilität der Zukunft zeigt: Dazu gehören das autonome Fahren im Echtbetrieb, intelligente und vernetzte Verkehrssteuerung auf Straße und Schiene sowie digitale Dienste, die unsere Mobilität einfacher und komfortabler machen. Ich danke den Initiatoren und wünsche „gute Fahrt.““

Bis zum Kongress Mitte Oktober können Interessierte auf dem knapp zwei Kilometer langen Rundkurs mit fünf Haltestellen im Fahrzeug mitfahren. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h absolviert das Fahrzeug die Runde ab Sandtorkai über Sandtorpark und Kaiserkai entlang der Elbphilharmonie.

HEAT Fahrzeug Pressefotoan bei der Elbphilharmonie


Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende: „Die erweitere Zulassung für den Fahrgastbetrieb auf der Gesamtstrecke entlang der Elbphilharmonie ist ein weiterer Meilenstein für die Mobilität von morgen. Die Hamburgerinnen und Hamburger können jetzt auf einer Gesamtstrecke von zwei Kilometern autonomes Fahren in einem elektrischen Bus im urbanen Umfeld einer Großstadt erleben. Das zeigt sehr gut, welchen Beitrag elektrisch betriebene, autonome Kleinbusse in innerstädtischen Quartieren, aber auch der äußeren Stadt in Zukunft leisten könnten, um die Menschen sicher, bequem und emissionsfrei ans Ziel zu bringen und an das bestehende Schnellbahnnetz anzubinden. Das ist in dieser Form weltweit einzigartig und unterstreicht Hamburgs deutschlandweite Vorreiterrolle im Bereich digitaler nachhaltiger Mobilitätskonzepte.“

Trotz Pandemie hat das Projekt HEAT alle wesentlichen Projektziele bereits deutlich vor dem ITS-Weltkongress erreicht. Kernziel des Forschungs- und Entwicklungsprojektes ist die Beantwortung der Frage, ob autonome Kleinbusse sich für den Einsatz im ÖPNV eignen und akzeptiert werden. Der nun startende Betrieb mit Passagieren rundet das Forschungsprojekt mit dem praktischen Erlebnis ab.

Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der HOCHBAHN: „Mit HEAT sind wir deutschlandweit das erste Forschungsprojekt, bei dem ein autonomer Bus unter realen Verkehrsbedingungen und Einbindung einer Leitstelle mitten in einer deutschen Metropole unterwegs ist. Alle Hamburgerinnen und Hamburger sind jetzt eingeladen, mitzufahren und so die Mobilität von morgen zu erleben.“

Der autonome Kleinbus wurde von der IAV entwickelt, verfügt über drei Sitz- und vier Stehplätze und ist für den barrierefreien Ein- und Ausstieg mit einer Rampe ausgestattet. Aufgrund der aktuellen Hygienebestimmungen ist die Mitfahrt von bis zu drei Personen zeitgleich möglich. Voraussetzung für die Mitfahrt bleibt lediglich die Registrierung per App sowie das Tragen einer medizinischen Maske.

Matthias Kratzsch, Vorsitzender der Geschäftsführung, IAV GmbH: „Mit HEAT gelingt es uns, ein vollautomatisiertes Shuttle im öffentlichen Personennahverkehr in der HafenCity Hamburg sicher zu bewegen. HEAT zeigt, wie die nachhaltige, nutzerorientierte Mobilität von morgen aussehen kann – eine Zukunft, die IAV als Tech Solution Provider maßgeblich mitgestaltet.“

Die direkte Umfeldwahrnehmung des Fahrzeuges fußt auf einem System aus Radar- und Lidar-Sensoren, das durch Kameras ergänzt wird. Darüber hinaus greift das Fahrzeug auf die von Siemens Mobility entwickelte und durch Hamburg Verkehrsanlagen (HHVA) installierte neuartige Streckeninfrastruktur zu. Weiterhin nutzt es die von der Freien und Hansestadt Hamburg zur Verfügung gestellten und auf wenige Zentimeter genaue HD-Karte über die aktuelle Strecke. Die Informationen aus der HD-Karte verwendet das Shuttle, um nach Fusion mit den eigenen Umfelddaten seine Position präzise zu bestimmen. Dank dieses Zusammenspiels kann der autonome Kleinbus unter anderem automatisiert links abbiegen, Hindernisse umfahren, mit bis zu 25 km/h fahren und fügt sich so optimal in den fließenden Verkehr der HafenCity ein.

Manfred Fuhg, Vice President Sales Rail Infrastructure Deutschland, Siemens Mobility: „Nur durch intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Formen von Mobilität gelingt die notwendige Verkehrswende in Städten, der verstärkte Wechsel vom Individualverkehr zum öffentlichen Nahverkehr. Autonome Shuttle können dabei eine wesentliche Rolle als neue attraktive Form der Mobilität spielen. Dafür brauchen wir smarte Verkehrssysteme.

HEAT demonstriert, welchen Beitrag die Verknüpfung von Infrastruktur und Fahrzeugdaten zur Zuverlässigkeit des Systems beitragen kann. Die Erkenntnisse aus HEAT wird Siemens Mobility nutzen, um die Vision von autonomen ÖPNV-Lösungen in Städten weiter voranzutreiben.“

Die Nutzung der straßenseitigen Infrastruktur ist eine Besonderheit des Projektes HEAT im Vergleich zu anderen Projekten mit autonom fahrenden Fahrzeugen. Sie liefert zusätzliche Streckendaten zu Fahrzeugen, zum Radverkehr und zu Fußgängerinnen und Fußgängern, die sich außerhalb des Sichtfeldes seiner Sensoren befinden. Diese Erweiterung der Umfeldwahrnehmung zahlt somit direkt auf Verkehrssicherheit ein. Außerdem ermöglicht die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur das Passieren von Ampelanlagen ohne eine Aktion des Fahrzeugbegleiters. Durch das Zusammenwirken aller Komponenten kann das Fahrzeug den gesamten Kreuzungsbereich inklusive sich nähernder Verkehrsteilnehmer und Verkehrsteilnehmerinnen zu Fuß oder per Rad selbstständig einsehen und im Abbiegevorgang entsprechend selbstständig stoppen und wieder anfahren.

Mit dem Live-Betrieb mit Passagieren geht auch die nutzerzentrierte Begleitforschung des DLR in die entscheidende Phase. Fahrgäste werden, wie schon während des ersten Probebetriebes, nun direkt im Umfeld ihres Fahrerlebnisses befragt. Im Vergleich zu den Fahrgastfahrten im vergangenen Jahr haben Streckenlänge und Haltestellenanzahl nun die volle Ausbaustufe des Projektes erreicht. Zudem ist auch der Zeitraum des Fahrgastbetriebes länger, sodass insgesamt noch mehr Menschen als im vergangenen Jahr die Chance haben mit dem Kleinbus zu fahren und ihr Erlebnis zu schildern. Ein weiterer Forschungsgegenstand sind die Tätigkeiten in der Leitstelle.

Prof. Dr. Michael Ortgiese, stellvertretender wissenschaftlicher Institutsleiter, DLR - Institut für Verkehrssystemtechnik: „Unsere Forschung fokussiert die Menschen und ihre Bedürfnisse und Anforderungen im Zusammenhang mit neuen Mobilitätssystemen. Da sind auf der einen Seite die Nutzer*innen: Wir wollen wissen, wie sie das autonome Fahren erleben und was sie brauchen, um sich wohlzufühlen. Auf dieser Grundlage können wir technische Lösungskonzepte für einen nutzerorientierten fahrerlosen Betrieb entwickeln. Auf der anderen Seite bietet HEAT auch eine herausragende Möglichkeit zu untersuchen, wie sich durch den Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge im ÖPNV Tätigkeiten in der Leitstelle verändern und welche Anforderungen sich daraus an die Gestaltung zukünftiger Leitstellenarbeitsplätze ergeben.“

Eine der größten Herausforderungen im Forschungsprojekt bleiben die rechtlichen Rahmenbedingungen für das autonome Fahren. Erst im Mai dieses Jahres hat der Bundesrat in einem verkürzten Fristrahmen einem Gesetzesbeschluss zugestimmt, nach dem autonome Fahrzeuge perspektivisch bundesweit in festgelegten Bereichen des öffentlichen Straßenraumes ohne Fahrpersonal fahren können. Für das Projekt HEAT kam diese Entscheidung jedoch zu spät. Damit bleibt der Fahrzeugbegleiter zur Sicherheit bis zum ITS-Weltkongress an Bord.

Matthias Hartwig, Teamleiter Mobilität, Wissenschaftlicher Referent, IKEM, Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.: "HEAT zeigt die Möglichkeiten und Grenzen des bestehenden Rechtrahmens mit Blick auf innovative Mobilitätskonzepte auf. Mit seinem gesamtheitlichen Ansatz liefert das Projekt wichtige Impulse für neue Gesetzesvorhaben zum autonomen Fahren."

Interessierte Hamburgerinnen und Hamburger können sich über die aktuellen Betriebszeiten des autonomen Kleinbusses unter www.hochbahn.de/heat informieren. Dort steht auch die HEAT-App zum Download zur Verfügung, mit der die kostenfreie Registrierung für eine Mitfahrt erfolgt.

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