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Forschung Professor Jürgen May ist neuer Leiter am Bernhard-Nocht-Institut

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Führungswechsel an Deutschlands größtem Institut für Tropenmedizin

Zum 1. Oktober übernimmt der Infektionsepidemiologe Prof. Dr. Jürgen May die Leitung des renommierten Forschungsinstituts. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Professor Egbert Tannich geht in den Ruhestand. Inmitten der Corona-Pandemie zeigt sich abermals, dass Forschung zu Krankheitserregern und Erfahrung bei der Bekämpfung von Infektionserkrankungen wichtiger sind denn je. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg ist eines der ältesten Tropeninstitute weltweit und die größte Einrichtung für globale Infektionen in Deutschland.  

Professor Jürgen May ist neuer Leiter am Bernhard-Nocht-Institut

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank: „Ich freue mich sehr, dass wir mit Prof. Dr. Jürgen May einen renommierten Wissenschaftler und exzellenten Kenner des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin langfristig an Hamburg binden können. Prof. May ist bereits über viele Jahre der Stadt eng verbunden und sowohl bundesweit als auch international exzellent vernetzt. In den vergangenen anderthalb Jahren ist überdeutlich geworden, wie wichtig die Forschungsbereiche Virologie, Epidemiologie und Infektiologie für die gesamte Gesellschaft sind. Ich bin mir sicher, dass es dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und dem neuen Vorstandsvorsitzenden gelingt, die Wissenschaft mit ihren wichtigen Forschungsergebnissen weiter voranzubringen. Dies passt auch hervorragend zu den Vorhaben des Senats, diese Forschungsfelder perspektivisch noch weiter zu entwickeln und auszubauen. Ich wünsche Prof. May für die bevorstehenden Aufgaben eine glückliche Hand, erfolgreiche Projekte und beglückwünsche ihn im Namen des gesamten Senats herzlich zur neuen Aufgabe.“

Prof. Dr. Jürgen May, Vorstandsvorsitzender Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM): „Ich danke dem Vorstand, den Gremien und unseren Geldgebern für ihr Vertrauen und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. Mir liegt besonders unsere Arbeit in den Ländern des globalen Südens am Herzen. Spätestens die Coronavirus-Pandemie hat gezeigt: Infektionsausbrüche machen nicht an Grenzen halt. Das gilt auch für tropentypische Krankheitserreger, besonders mit Blick auf die Klimaerwärmung. Die Coronavirus-Pandemie führt uns deutlich vor Augen, wie wichtig es ist, sich auf Epidemien vorzubereiten und neu auftretende Erreger frühzeitig zu bekämpfen. Heute sind wir als Leibniz-Institut für globale Infektionen an großen Forschungsverbünden beteiligt – mit der Kernaufgabe, Krankheiten zu verhindern und Gesundheit zu erhalten. Hierbei werden uns Klimaerwärmung, Globalisierung und Mobilität in Zukunft vor große Herausforderungen stellen. Unsere Vision ist es, das traditionsreiche Institut als moderne Forschungseinrichtung in einem internationalen Netzwerk weiterzuentwickeln.“

Prof. Dr. Egbert Tannich, scheidender Vorstandsvorsitzender Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM): „Es war mir eine große Freude, die Entwicklung des Instituts in verantwortlicher Position begleiten zu dürfen. Dabei fühlte ich mich stets von Vorstand, Kuratorium und wissenschaftlichem Beirat konstruktiv unterstützt. Ich danke ihnen und allen Institutsangehörigen für die gute Zusammenarbeit. Meinem Nachfolger wünsche ich von Herzen viel Erfolg und alles Gute.“ 

Hintergrund

Die Wissenschaftler:innen am BNITM forschen vom Molekül über die Krankheitserreger bis hin zur Epidemiologie von Infektionskrankheiten. Dafür stehen Hochsicherheitslabore, Insektarien und die modernsten Elektronenmikroskope der Welt zur Verfügung. Besonders wichtig dafür sind starke Partnerschaften mit Institutionen in Afrika und anderen Regionen mit einem erhöhten Aufkommen an armutsbedingten Krankheiten. Dem BNITM ist es daher wichtig, in den betroffenen Ländern Diagnostiklabore aufzubauen und Personal auszubilden, da nur so Infektionskrankheiten wie COVID-19, Malaria oder Ebola nachhaltig bekämpft und Ausbrüche frühzeitig erkannt werden können.

Die Wissenschaftler:innen des BNITM betonen, dass COVID-19 auch für Afrika eine fortbestehende Bedrohung darstellt, die mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass andere Infektionskrankheiten nicht vernachlässigt werden dürften, die das tägliche Leben der Menschen in einkommensschwachen Ländern bestimmen und dort Armut und Krankheit gegenseitig verstärken.

Gemeinsam mit dem bisherigen Vorsitzenden Tannich hat der neue Vorstand Pläne für den Ausbau eines modernen Tropeninstituts vorgelegt. Das historische Institutsgebäude am Hamburger Hafen soll auf einen zeitgemäßen Stand gebracht und um einen neuen Forschungsbau ergänzt werden. Dort soll auch in Zukunft erforscht werden, wie Epidemien besser beherrscht, Erregerstrukturen entschlüsselt und armutsbedingte Erkrankungen verstärkt bekämpft werden können. Mit Unterstützung durch die Politik kann das modernisierte BNITM am historischen Ort weiterhin einen wichtigen Beitrag für die exzellenten Forschungsstandorte Hamburg und Deutschland leisten. 

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Immunologie, Epidemiologie und Klinik tropischer Infektionen sowie die Mechanismen der Übertragung von Viren durch Stechmücken. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) sowie ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNITM umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger und das WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.

Der Bund und die Länder finanzieren das BNITM gemeinsam gemäß des Abkommens der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) mit den Schlüssel 50 Prozent Bund, 50 Prozent Länder (37,5 Prozent Sitzland und 12,5 Prozent Ländergemeinschaft). Hinzu kommen Sonderfinanzierungen für besondere Maßnahmen. So unterstützt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, insbesondere im Hinblick auf den Forschungsschwerpunkt Afrika in den kommenden Jahren.

Zwei Forschende des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM), Dr. Maria Rosenthal und Dr. Renke Lühken, haben im November 2020 zudem jeweils rund zwei Millionen Euro für ihre innovativen Forschungsansätze im Bereich der Prävention und Therapie neu auftretender Infektionskrankheiten eingeworben. Rosenthal aus der Abteilung Virologie sowie Lühken aus der Abteilung Arbovirologie werden ab sofort ihre eigenen Arbeitsgruppen aufbauen, um in den nächsten fünf Jahren die bewilligten Projekte zu realisieren. Gefördert werden beide durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Globalisierung, Klimawandel und die steigende Zahl resistenter Erreger erhöhen das Risiko für die globale Ausbreitung und Zirkulation von Infektionskrankheiten. Neue Einschleppungen von durch Stechmücken übertragene Viren beobachten Forschergruppen zunehmend auch für Zentraleuropa, beispielsweise Ausbrüche und Infektionen beim Menschen durch Usutu- oder West-Nil-Viren in Deutschland.

Auch die potentielle Gefahr für die Bevölkerung durch Bunyavirus-Epidemien wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgehoben und im WHO-Forschungs- und Entwicklungsplan verdeutlicht. Impfstoffe oder wirksame Medikamente gegen Bunyavirus-Infektionen gibt es bisher nicht.

Perspektiven

In der Metropolregion Hamburg bestehen exzellente Voraussetzungen, um in der Infektionsforschung eine internationale Spitzenstellung zu erlangen. Der Standort verfügt über universitäre Arbeitsgruppen an der Universität Hamburg und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die bereits einen bedeutenden Beitrag zu einem tieferen Verständnis von Infektionen leisten. Darüber hinaus gibt es in Hamburg hervorragende außeruniversitäre Forschungsinstitute wie das Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI), das zusammen mit dem Forschungszentrum Borstel (FZB) und dem BNITM das Leibniz Centre Infection (LCI) bildet, und das European Molecular Biology Laboratory (EMBL).

Einzigartig am Standort Hamburg sind der Zugang zu den europaweit einmaligen Strahlungsquellen des Deutschen Elektronen-Synchrotons (DESY) und der European X-Ray Free-Electron Laser Facility (XFEL) sowie das breite Wirt-Pathogen-Spektrum (Mensch, Pflanze, Tier), welches durch die diverse Forschungslandschaft der unterschiedlichen Institute und Einrichtungen abgedeckt wird. Diese bieten das Potenzial, Infektionsmechanismen in ihrer gesamten Breite sowie in struktureller Tiefe zu erforschen und zu verstehen.

Auch im Bereich der Strukturbiologie bietet der Campus Bahrenfeld die technischen Voraussetzungen, zelluläre Prozesse dynamisch und in hoher Auflösung zu beobachten. Durch die high-end Kryoelektronenmikroskopie am Centre for Structural Systems Biology (CSSB) können außerdem kleinste molekulare Strukturen in 3D dargestellt werden. Das Ziel des wissenschaftlichen Kooperationsprojekts CSSB ist es, die Wirkungsweise von Krankheitserregern bis zur atomaren Ebene aufzuklären. Die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung am CSSB werden im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in der Anwendungsforschung genutzt, z.B. bei der Entwicklung von Medikamenten. Die Universität Hamburg bildet seit 2012 gemeinsam mit anderen universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen einen von sieben Standorten des DZIF.

Die Vernetzung am Standort mit HPI, UKE und CSSB ist Teil der Strategie für eine neue Initiative für ein geplantes Exzellenzcluster im Bereich Infektionsforschung und Immunologie. Das BNITM ist dabei ein wesentlicher Baustein in der Strategie Hamburgs, um ein gemeinsam mit der Universität Hamburg, dem UKE und weiterer außeruniversitärer Forschung wie dem HPI in den kommenden Jahren ein neues Exzellenzcluster aufzubauen.

 

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