Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

City-Teststrecke Automatisiertes und Vernetztes Fahren: Geschäftsstelle für interessierte Unternehmen eingerichtet

Vier Ampeln können bereits Informationen an Fahrzeuge senden / Teststrecke Interessierten vorgestellt / autonomes Fahren ohne Fahrer noch nicht möglich

Das Projekt „Teststrecke Automatisiertes und Vernetztes Fahren“ in der Hamburger City nimmt Fahrt auf: In der vergangenen Woche ist an der Edmund-Siemers-Allee die vierte von 37 vorgesehenen Ampeln so ausgestattet worden, dass sie Informationen per WLAN an Fahrzeuge senden kann. Im Rahmen seiner Strategie für Intelligente Verkehrssysteme („ITS-Strategie“) baut Hamburg in den kommenden zwei Jahren eine rund neun Kilometer lange Teststrecke in der Innenstadt auf – Nutzer-offen und Hersteller-unabhängig, vom Dammtor-Bahnhof über die Messe­hallen, Landungsbrücken, Elbphilharmonie, Rödingsmarkt und zurück. Bei einer Veranstaltung für Bürgerinnen und Bürger am vergangenen Freitag informierten die Verantwortlichen über das Projekt und beantworteten Fragen zum derzeitigen Stand von Verkehrssicherheit und Datenschutz.

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Automatisiertes und Vernetztes Fahren: Geschäftsstelle für interessierte Unternehmen eingerichtet

Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Das automatisierte und vernetzte Fahren entwickelt sich rasant und wird den Verkehr weltweit verändern. Deshalb wollen wir als Stadt diese Entwicklung früh begleiten und im Realbetrieb mit automatisierten Fahrzeugen Erfahrungen sammeln, was uns bei der Gestaltung der künftigen Mobilität hilft und was nicht. Ziel muss dabei sein, dass der Verkehr sicherer und effizienter wird.“

Das automatisierte und vernetzte Fahren ist ein Lösungsbaustein für die zukünftige Mobilität Hamburgs, weil es die Verkehrssicherheit und auch die Verkehrseffizienz für alle Teilnehmer verbessern kann und somit auch zu einer Reduzierung der Lärm- und Schadstoffemissionen führt. Dafür sind Erfahrungen im Realbetrieb mit automatisierten Fahrzeugen auch im urbanen Raum dringend erforderlich. Gemeinsam mit den Nutzern der Teststrecke werden die Anforderungen an die Infra­struktur für das automatisierte und vernetzte Fahren unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Anforderungen immer weiter konkretisiert und baulich umgesetzt, um eine kontinuierliche Erhöhung des Automatisierungsgrads der Fahrzeuge auf einer Teststrecke zu ermöglichen. Ob und wann ein Fahrzeug auf der Hamburger Teststrecke im höchsten Automatisierungsgrad, nämlich autonom, also ohne Fahrer, fahren kann, ist derzeit noch offen. Neben der technischen Ausgestaltung sind insbesondere die internationalen als auch nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und weiter zu konkretisieren.

Parallel zum Strecken-Aufbau, der vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer gesteuert und der Hamburg Verkehrsanlagen GmbH umgesetzt wird, startet noch in diesem Jahr die Vermarktung durch eine Geschäftsstelle. Dafür hat die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation das norddeutsche Mobilitätscluster ITS Mobility in Braunschweig beauftragt. Erste Gespräche mit potenziellen Nutzern werden bereits geführt, das sind Automobil-, Infrastrukturhersteller und -zulieferer sowie Mobilitätsdienstleister.

Eine erhöhte Unfallgefahr durch die Teststrecke besteht nicht, denn die Nutzer müssen wie andere Fahrzeugführer im Straßenverkehr normal lenken und außerdem bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Potenzielle Nutzer können sich bei der Geschäftsstelle bewerben. Voraussetzungen für die Nutzung sind neben einer innovativen verkehrstechnischen Fragestellung mit automatisierten Fahrzeugen auch die Einhaltung der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Teilnahme am Straßenverkehr, die Bereitstellung eines Datenschutzkonzeptes sowie die kontinuierliche Abstimmung der Aktivitäten mit der Geschäftsstelle und die Übermittlung von Erfahrungsberichten an diese.

Die ergänzende verkehrs- und informationstechnische Infrastruktur der Teststrecke beinhaltet unter anderem aktuelle Steuergeräte für die Ampeln sowie sogenannte „Road Side Units“ (RSU). Die RSUs sind dabei Grundbestandteil der für die Vernetzung erforderlichen und auf einem dezidierten WLAN-Standard basierten Kommunikation. Diese definiert sich im Detail durch eine räumlich begrenzte Fahrzeug-zu-Infrastruktur (V2I)- sowie eine Infrastruktur-zu-Fahrzeug-(I2V)-Kommunikation, welche den Austausch von Informationen im Sichtbereich der Ampeln ermöglicht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist nur ein Informationsaustausch von der Infrastruktur (Ampel) zum Fahrzeug realisiert (I2V). Um eine unberechtigte Nutzung sowie eine Manipulation der Kommunikation zu verhindern, werden zusätzlich neueste Sicherheitsmechanismen verwendet, welche den Datenaustausch im Rahmen der Teststrecke auf einen ausgewählten Teilnehmerkreis begrenzt.

Das Projekt wird bisher mit 4,8 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert, weitere Fördermittel sind beantragt. Die Teststrecke zählt zu den Projekten des ITS-Handlungsfeldes „Automatisiertes und Vernetztes Fahren“, zu dem unter anderem auch das Projekt „HEAT“ (Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit autonom fahrenden Kleinbussen in der HafenCity), sowie die Automatisierung der S21 und der neuen U-Bahn-Linie 5 gehören. Die Teststrecke soll auch während des ITS-Weltkongresses 2021 in Hamburg genutzt werden, um neue technologische Entwicklungen zu präsentieren.

Informationen zur ITS-Strategie und deren Umsetzung: www.hamburg.de/its

Illustrationsmaterial zur Teststrecke unter www.hamburg.de/bwvi/projekte-its/

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