Begriffserklärungen

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August Benox

(7.7.1901 Hamburg – 29.6.1966)
Rektor der Volksschule Genslerstraße
Fuhlsbüttler Straße 578 (Wohnadresse 1950)

Dr. Hans-Peter de Lorent hat über August Benox ein Portrait verfasst, das in Hans-Peter de Lorents Buch: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz. Band. 3. Hamburg 2019 erschienen und im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg erhältlich ist. Hier der Text:

„Ich glaubte 1933 mit der Mehrheit des deutschen Volkes, nach dem Versagen der bisherigen Regierungsparteien, in der NSDAP die letzte Möglichkeit eines Wiederaufstiegs unseres Vaterlandes zu erkennen.“
Wie dürftig das Rekrutierungspersonal der NSDAP für Führungspositionen im Lehrerbereich war, zeigt auch das Beispiel August Benox. Er war nicht durch pädagogische Kompetenz hervorgetreten. Was ihm Aufmerksamkeit bei den Nationalsozialisten verschaffte, war seine frühere Mitgliedschaft und Aktivität im völkischen Junglehrerbund Baldur, dem auch der 1933 zum Schulsenator ernannte Karl Witt angehört hatte. Anders als im Bereich der höheren Schulen, in dem die Nationalsozialisten sich auf ehemalige Offiziere mit deutschnationaler Grundhaltung stützen konnten, die in vielen Fällen auch den sofortigen Übergang in die NSDAP vollzogen, war es im Bereich der Volksschullehrerschaft schwierig.
Potenzial fanden die Nationalsozialisten bei den um 1900 geborenen Junglehrern, die in Zeiten der durch die Wirtschaftskrise bedingten ökonomischen Enge über Jahre um ihre materielle Existenz kämpfen mussten.
August Benox wurde am 7.7.1901 in Hamburg als Sohn eines Maurermeisters geboren. Er besuchte nach der Volksschule das Lehrerseminar und machte bereits am 16.2.1922 die Abgangsprüfung. Prüfungsvorsitzender war dabei der reformpädagogische Schulrat Carl Götze. Benox war seit dieser Zeit an der Schule Markmannstraße beschäftigt, wechselte zum 1.4.1927 an die Schule Genslerstraße , wo er ab dem 1.8.1927 fest angestellt wurde. August Benox heiratete 1925 und hatte mit seiner Frau drei Söhne (geboren 1928, 1929 und 1941).[1]
Benox musste wie viele Kollegen seiner Generation darum kämpfen, die Familie zu ernähren. Das geht unter anderem daraus hervor, dass er 1929 eine Notstandsbeihilfe beantragte.[2]
Die Schwierigkeiten waren auch nicht überwunden, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen und August Benox das Amt des Rektors der Volksschule Genslerstraße übertragen wurde. Benox erbat „die Gewährung einer Beihilfe zu den Kurkosten für die Verschickung zweier Söhne“ und er schrieb am 23.3.1939:
„Ich habe in den Jahren 1936 bis 1938 erhebliche Aufwendungen für mehrmalige Operationen meiner Frau und mich selbst machen müssen, sodass es unmöglich war, irgendwelche Ersparnisse zurückzulegen, wie ich auch die über die von der Krankenkasse erstatteten Auslagen hinausgehenden Unkosten nur mithilfe von Darlehen der Diesterweg-Stiftung des NS-Lehrerbundes und eines Gehaltsvorschusses begleichen konnte. Da der bei den Kindern zu behebende Schaden noch verhältnismäßig gering ist und durch baldige Behandlung völlige Heilung zu erwarten ist, bitte ich, die erbetene Beihilfe zu gewähren.“[3]
August Benox war am 6.5.1933 in die NSDAP eingetreten, kurz darauf Mitglied der SA geworden, wo er bis zum Oberscharführer befördert wurde. Dem NSLB gehörte er seit 1933 an und übernahm die Funktion der Vertrauensperson, damals Schulwalter genannt, an der Schule Genslerstraße .[4] Am 18.11.1935 bekam Benox dann an dieser Schule die stellvertretende Schulleitung, parallel dazu arbeitete er als Schöffe beim Landgericht und machte vom 28.10. bis zum 19.12.1935 seine erste militärische Übung.[5]
Vom 16. bis zum 24.5.1936 beurlaubte ihn die Schulverwaltung für ein Führerlager des NSLB. Als der bisherige Schulleiter an der Genslerstraße , Wilhelm Oelmann, aus gesundheitlichen Gründen von der Schulleitung zurücktrat, wurde August Benox am 1.10.1937 zum Schulleiter ernannt. Immer noch in materiellen Schwierigkeiten, beantragte Benox sofort einen Gehaltsvorschuss.[6]
Auch im Weiteren trat Benox nicht unter pädagogischen Gesichtspunkten hervor, durchaus aber mit nationalsozialistischen Aktivitäten, etwa durch SA-Führer-Ausbildungslehrgänge der SA-Standarte 15.[7]
Am 2.6.1941 wurde August Benox zum Kriegsdienst einberufen. Nach zwei Jahren, am 26.5.1943, beantragte die Schulverwaltung die „Entlassung von August Benox aus dem Heeresdienst und spätere UK-Stellung“. Als Haupt-Argument wurde nicht etwa seine „Unabkömmlichkeit aus schulischen Gründen“, sondern sein Gesundheitszustand angegeben. Senatssyndikus Hermann Schultz schrieb an das Reichsverteidigungsreferat: „August Benox befindet sich als Gefreiter im Landesschützen-Bataillon 498 in Hamburg-Billstedt. Er hat ein altes Magenleiden. Ihm muss daher die Gelegenheit zur Selbstverpflegung gegeben werden, weil er die Wehrmachtsverpflegung nicht vertragen kann. Die Einheit würde einen Entlassungsantrag begrüßen.“ Und dann wurde noch notiert: „Da Benox hier dringend als Schulleiter gebraucht wird, bittet die Schulverwaltung, dem Antrag zu entsprechen.“[8]
Tatsächlich wurde August Benox am 4.8.1943 auf Dauer aus dem Heeresdienst entlassen.[9]
Am 13.10.1945 erfolgte Benox’ Entlassung aus dem hamburgischen Schuldienst aufgrund des Gesetzes Nr. 6 der Britischen Militär regierung. Er legte am 22.10.1945 dagegen Widerspruch ein und erklärte diesen mit folgenden Aussagen über seine politische Entwicklung:
„Nach Herkommen und Erziehung mit rechtspolitischen Strömungen sympathisierend sah ich, ohne parteilich gebunden zu sein, in den Jahren nach der Inflation (1932) die innenpolitischen Spannungen in Deutschland sich ständig verschärfen, die außenpolitische Lage des Reiches durch das Gezänk der vielen Parteien anscheinend völlig ergebnislos sich gestalten und die Wirtschaft hoffnungslos von Krise zu Krise abgleiten. Dabei konnte man das Anwachsen der nationalsozialistischen Stimmen bei den Wahlen unmöglich übersehen, und so glaubte ich 1933 mit der Mehrheit des deutschen Volkes, nach dem Versagen der bisherigen Regierungsparteien, in der NSDAP die letzte Möglichkeit eines Wiederaufstiegs unseres Vaterlandes zu erkennen. Deshalb trat ich am 6.5.1933 in die Partei ein, gewillt, aktiv an dem Aufbauwerk tätig zu sein. Auf Drängen der Ortsgruppe, welche den Beitritt zur SA als Zeichen der Einsatzbereitschaft der ‚Spätlinge’ forderte, wurde ich am 1.7.1933 SA-Mann. Formale Ausbildung, weltanschauliche Schulung und Absperrdienst erforderten viele Stunden meiner Freizeit ohne irgendeine Vergütung oder Vergünstigung. Bei Ausbruch des Krieges 1939 erhielt ich die aktive Führung einer Schar und musste nach Einrichtung der SA-Wehrmannschaften als Oberscharführer an der Ausbildung eines solchen Kursus mitwirken. Meine Einberufung zur Wehrmacht im Juni 1941 setzte meiner Tätigkeit in der SA ein Ende.“[10]
Mit dieser Erklärung entwickelte August Benox ein unübliches Profil, weil er sich durchaus zu einem „rechtspolitischen“ Werdegang bekannte und nicht den Versuch machte, alles abzustreiten und zu bagatellisieren. Außerdem rechnete man ihm später hoch an, dass er sich gleich für eine Maurerausbildung meldete. Sicherlich begünstigt durch seinen Vater, der Maurermeister gewesen war und durch die Notwendigkeit, seine Familie zu ernähren.
Zwei Leumundszeugnisse sind dabei durchaus aufschlussreich, die zu Gunsten von August Benox Aussagen machten. Einmal von Wilhelm Oelmann, dem Vorgänger als Schulleiter an der Schule Genslerstraße , der 1937 aus Gesundheitsgründen von der Leitung zurückgetreten war. Er schrieb:
„Ich habe im Einverständnis mit dem Kollegium Herrn Benox zu meinem Nachfolger vorgeschlagen und seine Berufung bei dem damaligen Oberschulrat befürwortet. In der Schule herrschte ein guter Geist; zwischen den Lehrern und der Elternschaft bestand ein gutes Verhältnis; die Schularbeit wurde durch parteipolitische Strömungen nicht gestört und obwohl einige Mitglieder des Kollegiums ausgesprochene Gegner der nationalsozialistischen Partei waren – die Mehrheit war mehr oder weniger gezwungen der Partei beigetreten – wurden parteipolitische Auseinandersetzungen nach Möglichkeit vermieden. Herr Benox hat als Schulleiter sein Bestes getan, dieses gute Verhältnis in der Schule zu pflegen und zu fördern. Er hat sich stets bemüht, in allen Schul- und Erziehungsfragen eine streng neutrale Stellungnahme zu bewahren und sein Amt nicht missbraucht, um parteipolitische Propaganda zu treiben oder zu fördern. Er ist politischen Unterhaltungen nach Möglichkeit ausgewichen und hat immer dafür Sorge getragen, dass die Schularbeit in keiner Weise durch politische Bestrebungen irgendwelcher Art gestört wurde.“[11]
Ob es nun als Qualitätskriterium gewertet werden kann, dass Benox „in allen Schul- und Erziehungsfragen“ streng neutral war und allen „politischen Unterhaltungen nach Möglichkeit ausgewichen ist“, ist die Frage. Aber die Ansprüche in diesen Zeiten waren nicht sehr hoch.
Bemerkenswert auch, dass die Schwägerin von August Benox sich zu Wort meldete. Sie wusste, dass die Objektivität ihres Urteils fraglich sein könnte und betonte, sie hätte beobachten können, ob sich seine politische Tätigkeit im engsten Familienkreis auswirkte und schrieb dazu:
„Ich musste immer wieder feststellen, dass Herr Benox weder seine Frau noch seine beiden Söhne (jetzt 17- und 18-jährig) politisch irgendwie beeinflusste. Seine Frau gehört weder der Partei, noch der Frauenschaft an, und seine Söhne standen dem Nationalsozialismus ziemlich kühl, wenn nicht ablehnend gegenüber. Sie bekleideten in der HJ keine Ämter. Der Vater ließ sie gewähren. Diese Haltung des Herrn Benox führt zu dem Schluss, dass er auch in der Schule durchaus nicht agitatorisch gewirkt hat.“[12]
Aus beiden Stellungnahmen könnte man auch ableiten, dass August Benox ziemlich standpunktlos gewesen war.
Mit Blick auf die Berufungsverhandlung begründete August Benox seinen Einspruch noch einmal. Er schrieb:
„Als ich zur Ausbildung von SA-Wehrmannschaften 1941 befohlen wurde, war mit der Länge des Krieges der Bestand an SA-Männern in den Formationen der SA durch Einzug zum Heere stark gelichtet worden und demgemäß ein Mangel an geeigneten SA-Führern, die für die Leitung der geplanten Kurse infrage kamen, fühlbar geworden. So griff man denn auf uns vom Heeresdienst vorläufig zurückgestellte und ältere SA-Männer zurück, und in Anerkennung dieser Dienste wurde ich zum Oberscharführer befördert.“[13]
Wirklich entlastend las sich dieses Schreiben nicht, es bestätigte nur, wie lange Benox im Dienste der Nationalsozialisten aktiv gewesen war. Auch seine abschließende Bemerkung dokumentierte, dass er bis zuletzt zumindest ideologisch verblendet gewesen war:
„Mit dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems ist mir eine Welt zerbrochen, deren Ideale so ganz anders verwirklicht wurden, als ich es mir vorgestellt hatte. Das trostlose Ende meiner ersten politischen Betätigung hat mir allerdings auch gezeigt, dass die Zusammenballung der Macht in der Hand eines einzigen Menschen nicht die Form sein kann, mit der ein moderner Staat regiert werden muss.“ Als Zeichen von Sühne konnte der Berufungsausschuss auffassen, welche Schlussfolgerungen Benox gezogen hatte:
„Ich arbeite zur Zeit als Maurer und bin bemüht, durch meiner Hände Arbeit ein Stück des zertrümmerten Deutschland wieder aufzubauen; an der Aufgabe mitzuhelfen, ein neues Leben wieder zu erwecken, ist mein verständlicher Wunsch.“[14]
Schulrat Gustav Schmidt gab für den Berufungsausschuss noch eine Stellungnahme aus Sicht der Schulverwaltung ab:
„Benox hat in seiner Jugend schon rechtsgerichteten Kreisen angehört. So ist er einer Vereinigung junger Lehrer, dem ‚Baldur-Bund‘ beigetreten. Von dort bis zur NSDAP ist kein großer Schritt gewesen. So ist es erklärlich, dass er schon 1933 Parteigenosse geworden ist. Die Partei und die SA haben ihm nach ihren Gedankengängen und ihrem Auftreten gelegen. Er hat bestimmt in seinem beschränkten Idealismus Gutes von den Nationalsozialisten erhofft. Er ist wohl aufgewacht, als er in der Kinderlandverstrickung hinter die Verderbtheit der HJ und der Partei gekommen ist und als er damals als anständiger Mann den Kampf dagegen aufgenommen hatte und auf der ganzen Linie unterlag. Seine Haltung damals habe ich ihm gut angerechnet. Zum Schulleiter ist er 1937 bestätigt worden, weil er als älterer Parteigenosse der Schulverwaltung und dem Lehrerbund unverdächtig war und weil er wegen seiner Sachlichkeit keine Zweifel aufkommen ließ, dass er auch anders gerichtete Lehrer seiner Schule selbständig arbeiten ließ. Mir gegenüber hat Benox seine parteipolitische Haltung nicht herausgekehrt, er ist immer zurückhaltend und duldsam aufgetreten. In seiner Schule wurde das nationalsozialistische Drum und Dran nur soweit beachtet, wie es eben nötig war, um nicht aufzufallen. Während des Krieges ist B. Landesschütze gewesen. Er ist wegen seiner schwachen Gesundheit (magenleidend) nicht zum aktiven Einsatz gekommen.
Ich bitte, zu erwägen, ob Benox nach einer gewissen Übergangszeit als Angestellter wieder als Lehrer eingesetzt werden kann.“[15]
August Benox musste noch längere Zeit weiter als Maurer arbeiten, da sich das Entnazifizierungsverfahren hinzog. Auch der Beratende Ausschuss blieb skeptisch und wies auf die frühe Mitgliedschaft von Benox im „rechtsgerichteten Baldur-Bund“ hin, „der gleiche Ziele anstrebte wie die NSDAP“ und stellte fest:
„Das ist also insgesamt eine überaus große politische Belastung! Diese wird nicht gemindert durch die allgemein guten Leumundszeugnisse, die nur das anständige Verhalten und den ehrlichen Charakter des Benox dartun, jedoch nicht eine innere Umkehr des Benox erkennen lassen. Wenn er auch angibt, im Jahre 1940 erkannt zu haben, dass die Ideen des Nationalsozialismus uns ins Unglück brachten, so blieb er doch widerstandslos in allen Bindungen der Partei.“[16]
Der Beratende Ausschuss sprach dann die überraschende Empfehlung aus, „Benox in den Verwaltungsdienst der Schulbehörde zu übernehmen, ihn aber nicht wieder in den Unterrichtsbetrieb einzugliedern“.[17]
Am 11.2.1948 entschied der Berufungsausschuss 17 unter Vorsitz von Rechtsanwalt Soll, dass August Benox wieder als Volksschullehrer beschäftigt werden könne, nach einjähriger Zeit im Angestelltenverhältnis ab dem 31.3.1949 auch wieder als Beamter. Er wurde in die Kategorie IV eingestuft. Seine politische Belastung sei für den Berufungsausschuss unstrittig, insbesondere durch seine Tätigkeit als Oberscharführer in der SA. Andererseits habe er durch die Aufnahme einer Maurerlehre im November 1945 bewiesen, „dass er gewillt ist, positiv am Aufbau des neuen Staates mitwirken zu wollen“.[18]
August Benox wurde erst an der Volksschule Schumannstraße in Bahrenfeld beschäftigt und später in Barmbek an der Schule Langenfort 68. In der Folgezeit unternahm er noch Versuche, wieder als Schulleiter und Rektor eingesetzt und auch entsprechend besoldet zu werden.
Am 5.8.1951 legte er, drei Jahre nach Beschluss des Berufungsausschusses, Einspruch dagegen ein mit der Begründung:
„Meine Mitgliedschaft zum ‚Baldurbund‘, einer kleinen Vereinigung Hamburger Junglehrer, die mit der NSDAP nichts zu tun hatte, und deren Ziele der bewussten Förderung deutschen Fühlens und Denkens in der Schule galten, habe ich als junger Lehrer nie als politische Betätigung betrachtet, und sie ist es auch nicht gewesen. Mein ‚früher‘ Eintritt in die Partei und SA wird als besonders schwerer Vorwurf gewertet. Ich verkenne nicht, dass darin eine Unterstützung der NSDAP zu sehen ist, deren Programmpunkte geeignet waren, politisch ideal denkende, aber unerfahrene Menschen anzulocken. Ich habe seinerzeit auch ehrlich geglaubt, wenn Männer meines Standes und meiner Bildung zur NSDAP und ihren Gliederungen stießen, dass sie Einfluss gewinnen könnten auf Formung und Ablauf der Bewegung, um deren Ausartung der ersten Zeit zurückzuführen und besonders im Hinblick auf die Erziehung ein vernünftiges Maßhalten anzustreben. Wenn ich mich darin sehr geirrt habe, so ist es menschlich bedauerlich, und ich habe es im Ablauf der Jahre mehr und mehr als bitterste Enttäuschung meines Lebens empfunden. In der Schule bin ich bemüht gewesen, das durchzusetzen, was mir im politischen Leben nicht möglich war: als Lehrer, wie auch als Rektor und Schulleiter versuchte ich, störende Einflüsse der Partei fernzuhalten oder ihre Wirkung erträglich zu gestalten.“[19]
Retrospektiv konnte August Benox nicht aus der Welt schaffen, dass er noch 1941 SA-Männer ausgebildet hatte und im Zuge dessen zum Oberscharführer der SA befördert worden war. Sein Bedauern über die Täuschung und Enttäuschung seines Lebens waren anzuerkennen, führten aber nicht zu einer anderen Entscheidung.
In der Folgezeit wurde August Benox häufig krank. Sein Magenleiden verursachte viele Fehlzeiten, in den Jahren bis 1965 war er 30 Monate krankgeschrieben. Am 3.3.1966 wurde er in den Ruhestand versetzt.
August Benox starb am 29.6.1966.[20]
Text: Hans-Peter de Lorent

Anmerkungen
1 Alle Angaben laut Personalakte Benox, StA HH, 361-3_ A 2361
2 Personalakte a. a. O.
3 Schreiben vom 23.3.1939, Personalakte a. a. O.
4 Entnazifizierungsakte Benox, StA HH, 221-11_Ed 4809.
5 Personalakte a. a. O.
6 Personalakte a. a. O.
7 Personalakte a. a. O.
8 Schreiben vom 26.5.1943, Personalakte a. a. O.
9 Personalakte a. a. O.
10 Entnazifizierungsakte a. a. O.
11 Leumundszeugnis vom 17.10.1945, Personalakte a. a. O.
12 Stellungnahme von Wilma Kloth vom 22.10.1945, Entnazifizierungsakte a. a. O.
13 Einspruch gegen Entlassung aus dem Schuldienst vom 15.7.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
14 Ebd.
15 Stellungnahme vom 15.8.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
16 Beratender Ausschuss vom 20.9.1947, Entnazifizierungsakte a. a. O.
17 Ebd.
18 Berufungsausschuss vom 11.2.1948, Entnazifizierungsakte a. a. O.
19 Schreiben vom 5.8.1951, Entnazifizierungsakte a. a. O.
20 Personalakte a. a. O.
 

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Stand August 2021: 880 Kurzprofile und 279 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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