Begriffserklärungen

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Lothar Danner

(22.4.1891 Schöneberg – 2.2.1960 Hamburg)
Chef der Ordnungspolizei, Sozialdemokrat, Senator
Jungfrauenthal 22 (Privatadresse, 1938)
Fuhlsbüttler Straße 756, bestattet auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Prominentenliste, Grab, K 6 , 506
Dannerallee , Horn (benannt 1964)

Der Historiker und ehemaliger Polizei präsident von Hamburg Wolfgang Kopitzsch charakterisiert Lothar Danner wie folgt: „Danner war bereits als Chef der Ordnungspolizei, deren Leitung er mit 32 Jahren übernahm, ein schwieriger Vorgesetzter, der vor allem aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten große Anforderungen an sich und andere stellte. Seine Herkunft aus dem Offizierkorps des Kaiserreichs führte – trotz seiner Zugehörigkeit zur SPD – wiederholt dazu, dass er Offizieren gegenüber insbesondere bei rechtsradikalen und nationalsozialistischen Sympathien zu nachgiebig war. (…) Besonderes politisches Engagement zeigte er (…) nicht. Dennoch galt Danner in Hamburg vielen als überzeugter Sozialdemokrat, Republikaner und Garant der Demokratie. Nicht erst sein Verhalten 1942 muss daran aber Zweifel aufkommen lassen.“ (Wolfgang Kopitzsch: Lothar Danner, in: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon. Bd. 2. Hamburg 2003, S. 97.)

Über Lothar Danner schreibt der Historiker David Templin:
Lothar Danner wurde 1891 in Schöneberg, dem heutigen Berlin-Schöneberg, geboren und besuchte in Köln das Katholische Gymnasium.[1] Seit 1909 diente er beim Thüringischen Ulanenregiment, zunächst als Fahnenjunker, dann als Leutnant und Oberleutnant. 1915 wurde er zum Reserve-Infanterieregiment 74 versetzt, zwei Jahre später zum Rittmeister befördert. Während des Ersten Weltkrieges wurde er mehrmals schwer verwundet und zwei Mal mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Im Dezember 1918 wurde er Generalstabsoffizier und war Teil des Freikorps „Division Gerstenberg“ und des „Landesschützenkorps“. Mit der Division Gerstenberg nahm er an Kämpfen gegen linke Aufständische in Berlin und Bremen teil.[2]
Im März 1919 wurde er als Generalstabsoffizier zur Kommandantur in Altona versetzt, bei Straßenkämpfen am Rathaus wurde er in den folgenden Monaten am Kopf verletzt. Vom August 1919 bis Juni 1920 wirkte er als Major und Kommandeur der Schutzmannschaft der Hamburger Polizei , im März 1920 erfolgte die Ernennung zum Chef des Stabs der Sicherheitswehren. Seit Juli 1920 war Danner bei der Ordnungspolizei beschäftigt, wo er am 1. September 1921 zum Polizei oberstleutnant und am 1. Juli 1924 zum Polizei oberst und Chef der Ordnungspolizei befördert wurde. Bereits im Oktober 1923 war er mit deren Leitung beauftragt worden und war in diesem Kontext auch an der Niederschlagung des kommunistischen „Hamburger Aufstandes“ maßgeblich beteiligt.[3] Eine „soldatische Grundeinstellung“ prägte Danners Polizei arbeit, wie Erwin Boldt hervorgehoben hat.[4]
Seit 1919 war Lothar Danner Mitglied der SPD. Im Landesschützenkorps wurde er als „gemäßigter Mehrheitssozialist“ beurteilt.[5] 1922 bis 1924 war er Mitglied einer Freimaurerloge.[6] In den 1920er Jahren veröffentlichte er Artikel im sozialdemokratischen Hamburger Echo.[7] 1928 hielt er bei einer Versammlung des Altonaer Reichsbanners eine Ansprache, in der er die „Vertiefung des republikanischen Geistes“ anmahnte.[8] In der Endphase der Republik musste sich Danner mit der NS-Bewegung auseinandersetzen, die unter Polizei beamten Zellen bildete. Der Historiker Wolfgang Kopitzsch kritisiert ihn dafür, „Offizieren gegenüber insbesondere bei rechtsradikalen und nationalsozialistischen Sympathien zu nachgiebig“ gewesen zu sein.[9] Die NSDAP beantragte im Februar 1932 einen Untersuchungsausschuss und warf Danner Korruption vor. Im Januar 1933 war er Ziel von Angriffen in der Bürgerschaft und der Presse.[10] Als sozialdemokratischer Chef der Ordnungspolizei stand er im Fokus der Nationalsozialisten, die in ihm einen Vertreter der Weimarer Ordnung erblickten.
Einen Tag nach dem Rücktritt der sozialdemokratischen Senatoren Hamburgs bat Lothar Danner am 4. März 1933 um eine mehrwöchige Beurlaubung und eine anschließende Prüfung, ob er aufgrund seiner zunehmenden Schwerhörigkeit dem Dienst noch gewachsen sei.[11] In seinen 1958 veröffentlichten Erinnerungen zitiert er einen „Tagesbefehl“ an seine Mitarbeiter, in dem er erklärt, dass „die politischen Verhältnisse meinen Verbleib im Amte nicht mehr“ ermöglichten.[12] In den Hamburger Nachrichten war am Morgen des 5. März zu lesen, dass Danner „mit sofortiger Wirkung beurlaubt“ und ersetzt worden sei, da der Senat der NSDAP entgegenzukommen trachtete, um ein Eingreifen des Reiches zu verhindern. Der nationalsozialistische Reichsinnenminister hatte zuvor eine Ablösung Danners und die Übergabe der Polizei gewalt an Alfred Richter gefordert.[13] Am 15. März folgte ein Gutachten, das Danner für „nicht mehr polizeidienstfähig“ erklärte. Der neue Polizei senator Richter versetzte ihn zum 30. Juni 1933 in den Ruhestand.[14] Danner forderte im April eine günstigere Ruhestandsregelung ein. Der neue Senat wies diese Beschwerde zurück und betonte, dass der „eigentliche Grund“ seiner Pensionierung darin bestünde, dass er durch „seine politische Betätigung“ in Form der Bekämpfung der NS-Bewegung innerhalb und außerhalb der Ordnungspolizei „politisch heute völlig untragbar wäre“.[15] Mit dem Erlass des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde die Pensionierung zurückgenommen und Danner im Juni 1933 als Sozialdemokrat mit Verweis auf § 4 des Gesetzes entlassen.[16]
In den folgenden zwei Jahren arbeitete Lothar Danner zunächst als Makler, von 1936 bis 1938 war er dann Leiter der Buchhaltungsabteilung der Fischer eigesellschaft „Nordsee“. 1939 wurde er Büroleiter der Firma Wulff, Fürst & Co, 1941 kurzzeitig Geschäftsführer der „Aromengesellschaft“.[17]
1934 oder 1935 wurde Danner Mitglied der Deutschen Arbeitsfront und der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt.[18] Als 1935 ehemalige Offiziere in den Beurlaubtenstand erhoben wurden, wurde dies Danner verweigert. Er bemühte sich in der Folge sowohl beim Militär als auch bei der Polizei um seine Rehabilitation. Dabei sprach er von der „Schande dieses Ausschlusses“, erklärte, „stets mit ganzer Seele Soldat gewesen“ zu sein und sich für die „Wiederaufrichtung unserer Wehrmacht“ einsetzen zu wollen. Entsprechende Schreiben schloss er mit der Grußformel „Heil Hitler“.[19] Er erreichte 1937, dass sich der Polizei präsident an Reichsstatthalter Kaufmann wandte, der Danners Bitte jedoch abschlägig beschied.[20]
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam es zu einem Umdenken an der Spitze des Hamburger NS-Regimes. Kaufmann wandelte die Entlassung Danners im September 1939 mit Verweis auf die „positive politische Haltung, die Oberst Danner seit 1933 bis heute gezeigt“ habe, in eine Versetzung in den Ruhestand um. Zugleich erklärte er, es zu begrüßen, wenn „die militärischen Fähigkeiten“ Danners „im heutigen Kriege für das Vaterland nutzbar gemacht würden“.[21] Danners Bemühungen um einen Einsatz für Wehrmacht oder Schutzpolizei scheiterten jedoch am Reichsführer der SS und Chef der Deutschen Polizei , Heinrich Himmler, der einer „Wiederverwendung“ im April 1940 seine Zustimmung versagte.[22] Himmler unterband also die Versuche der Hamburger NS-Führung um Kaufmann , im Krieg auf Danners militärische Fähigkeiten zurückzugreifen. Laut Wolfgang Kopitzsch bewarb sich Danner dann 1942 erfolglos um die Aufnahme in die Waffen-SS.[23] Diese Angabe konnte ich nicht verifizieren.
Vom Oktober 1941 bis Oktober 1942 war Danner bei der Firma Arnold Otto Meyer beschäftigt, für die er nach Kolomea/Kolomyja in das besetzte Generalgouvernement Polen reiste, wo er als „chief manager“ und Prokurist arbeitete.[24] Die Firma zählte zu rund 40 sogenannten Kreisgroßhandelsfirmen, die nach fortschreitender Enteignung und Ghettoisierung jüdischer Händler im Generalgouvernement die Handelsbranche übernahmen und dabei eine wichtige Rolle in der Ausbeutung der polnischen Bevölkerung einnahmen.[25] Seit März 1942 bestand in Kolomea ein jüdisches Ghetto, in dem über 18.000 Menschen leben mussten, von denen rund 16.000 in das Vernichtungslager Belzec deportiert wurden.[26] In seinem Entnazifizierungsfragebogen schrieb Danner zum Grund, warum er die Stelle aufgab: „I did not want to see the extermination of the Jews in Galizien“.[27] Mit 21.000 RM Jahreseinkommen hatte er 1942 so viel verdient, wie in keinem anderen Jahr.[28] Unmut darüber gab es auf Seiten der SS: So beklagte sich ein SS-Führer, dass mit Danner ein angeblicher Vertreter der Novemberrevolution „belohnt [werde], indem er aus den neugewonnenen Ostgebieten ein riesiges Einkommen zieht“.[29] Als Prokurist bei Arnold Otto Meyer wirkte Danner insofern mit am System der ökonomischen Ausbeutung der polnischen Bevölkerung, auch wenn seine genaue Rolle – insbesondere in Hinblick auf die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, von der die Firma profitierte – im Unklaren bleibt.
Im September 1942 trat Danner an die Hamburger Staatsverwaltung mit der Bitte heran, ihn „in einem kriegswichtigen Aufgabengebiet“ zu beschäftigen.[30] Nach einem Gespräch mit Konstanty Gutschow wurde er im Oktober beim Amt für kriegswichtigen Einsatz (AkE) als Leiter des Transportwesens eingestellt, formal war er Privatangestellter Gutschows. In dieser Funktion war er u.a. für die Koordination von Transportaufgaben für den Luftschutz- und Ersatzwohnungsbau sowie die Beseitigung von Kriegsschäden verantwortlich.[31] Im Frühjahr 1943 bemühte er sich um eine Anerkennung seiner Tätigkeit als Position im öffentlichen Dienst, die ihm allerdings verweigert wurde. Danner bat daraufhin – offenbar aufgrund von Konflikten mit anderen AkE-Mitarbeitern – im November 1943 um seine Entlassung, die ihm zum Jahresende gewährt wurde.[32] Gutschow dankte ihm für seine „verdienstvolle Arbeit“.[33]
Nach seinem Abschied aus dem Dienst Gutschows arbeitete Danner 1944/45 als Leiter der Buchhaltung für den Güternahverkehr Hamburg.[34] Laut Angabe des Hamburger Echo von 1960 meldete er sich bei der Ankunft der britischen Truppen vor Hamburg bei diesen und wurde zu den Verhandlungen über die Übergabe der Stadt herangezogen.[35] Die Militär regierung sah im November 1945 keinen Grund, gegen Danner vorzugehen, und hatte auch 1946 keine Einwände dagegen, dass ihm weiter eine Pension gezahlt wurde.[36] Der sozialdemokratische Vorsitzende des Entnazifizierungs-Zentralausschusses, Adam Remmele, betonte im September 1946, Danner sei „als Anti-Nazi bekannt“.[37] 1948 wurde er als „tragbar“ in die Kategorie V eingestuft.[38]
Nach dem Ende des NS-Regimes wurde Danner von der britischen Militär regierung im Juli 1945 zum Leiter des Amtes für Verkehr ernannt.[39] In dieser Funktion kooperierte er eng mit den britischen Stellen und sorgte u.a. dafür, NS-belasteten Betrieben Kraftfahrzeuge zu entziehen und politisch Geschädigten zur Verfügung zu stellen. Dabei beurteilte er Personen, die 1932 NSDAP-Mitglied geworden waren, als „unmöglich“ und „mitschuldig, dass die Leute überhaupt zur Macht gekommen sind“, während er gegen „ein harmloses Parteimitglied“ als Transport-Subunternehmer keine Bedenken hatte.[40]
Im Sommer 1947 beantragte der Senator für Wirtschaft und Verkehr Otto Borgner (SPD) Danners Ernennung zum Präsidenten des Verkehrsamtes.[41] Trotz senatsinterner Bedenken, dass dieser aufgrund seiner Schwerhörigkeit „kaum in der Lage“ sei, die Leitung des Amtes „ordnungsmäßig wahrzunehmen“, wurde Danner zum Präsidenten ernannt – um ihm „persönlich eine Genugtuung zu verschaffen“ für seine 1933 erfolgte Entlassung, wie es im Senat hieß.[42] Im November 1950 wurde Danner von der Bürgerschaft zum Polizei senator gewählt. Dieses Amt übte er bis zur Ablösung des SPD-Senats Ende 1953 aus und baute dabei u.a. die Bereitschaftspolizei auf. Er sprach sich in dieser Zeit öffentlich für die militärische Wiederbewaffnung Westdeutschlands, aber auch die Möglichkeit zur Kriegsdienstverweigerung, aus.[43] Anschließend war er bis zu seinem Tod für die SPD Mitglied der Bürgerschaft. In den 1950er Jahren war er außerdem Erster Vorsitzender im Bund für alkoholfreien Verkehr.[44] 1954 bat Danner darum, ihm eine Stelle im Staatsarchiv zu gewähren, um eine Geschichte der Polizei in der Weimarer Republik und unter dem Nationalsozialismus schreiben zu können.[45] Diese erschien vier Jahre später als Buch unter dem Titel „Ordnungspolizei Hamburg. Betrachtungen zu ihrer Geschichte 1918 bis 1933“. Kopitzsch attestiert der Arbeit streckenweise „apologetische Züge“.[46]
1953 stellte Danner mit Verweis auf seine 1933 erfolgte Entlassung einen Antrag auf Wiedergutmachung aufgrund von Vermögensschäden.[47] Sein Antrag wurde dabei „bevorzugt behandelt“,[48] und im Dezember 1954 wurde eine Auszahlung von 7.500 DM an Danner vereinbart.[49] Anfang Februar 1960 starb Lothar Danner an einem Herzschlag. In der lokalen Presse wurde er als „Vorbild des Bürgers in Uniform“ und „Mann, der sein ganzes Streben dem Aufbau einer republikanischen staatstreuen Polizei gewidmet hatte“, gewürdigt.[50] 1964 benannte der Senat eine durch Horn und Billstedt führende Straße nach ihm.[51]
Text: David Templin

Quellen:
1 Bei der folgenden biographischen Skizze handelt es sich um die leicht überarbeitete Fassung einer Kurzbiographie, die 2017 im Rahmen eines wissenschaftlichen Gutachtens für das Staatsarchiv Hamburg erstellt wurde. Das vollständige Gutachten ist einsehbar unter: www.hamburg.de/contentblob/13462796/1d4b36cbfb9adc7fca682e5662f5854d/data/abschlussbericht-ns-belastete-strassennamen.pdf (zuletzt aufgerufen am 14.4.2020).
2 Erwin B. Boldt: Die verschenkte Reform. Der Neuaufbau der Hamburger Polizei zwischen Weimarer Tradition und den Vorgaben der britischen Besatzungsmacht (1945-1955) (Veröffentlichungen des Hamburger Arbeitskreises für Regionalgeschichte, 12), Münster/Hamburg/London 2002, S. 267.
3 Ebd., S. 267f.
4 Ebd., S. 273.
5 Beurteilung Landesschützenkorps über Hauptmann Danner, Jäger-Regiment, 14.3.1919 (Abschrift), in: Staatsarchiv Hamburg (StAHH), 131-15, A 68.
6 Personalfragebogen bei Baurat Konstanty Gutschow, ausgefüllt von Lothar Danner, 21.10.1942, in: StAHH, 131-15, A 68.
7 Vgl. den Hinweis in: Ermittlungsbericht Polizei -Kriminalamt, Special Branch II, 9.9.1947, in: StAHH, 221-11, TN 8482.
8 Der politische Polizei oberst, 24.2.1928, in: StAHH, 731-8, A 754 Danner, Lothar.
9 Wolfgang Kopitzsch: Danner, Lothar, in: Franklin Kopitzsch/Dirk Brietzke (Hg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon, Band 2, Hamburg 2003, S. 96-97, hier S. 97. Diese Kritik findet sich auch bei Herbert Diercks: Dokumentation Stadthaus. Die Hamburger Polizei im Nationalsozialismus . Texte, Fotos und Dokumente, hg. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg 2012, S. 18. Zu Danners retrospektiver Darstellung der Auseinandersetzungen mit NS-Zellen in der Polizei siehe Lothar Danner: Ordnungspolizei Hamburg. Betrachtungen zu ihrer Geschichte 1918 bis 1933, Hamburg 1958, S. 213-224.
10 Danner, Ordnungspolizei, S. 230f., S. 237f.
11 Lothar Danner an Polizei präsident, 4.3.1933, in: StAHH, 131-15, A 68.
12 Danner, Ordnungspolizei, S. 243f.
13 Um die Führung der Hamburger Polizei , in: Hamburger Nachrichten, 5.3.1933, Morgen-Ausgabe, S. 2.
14 Formular Polizei behörde Hamburg, Ruhestandsversetzung, März 1933, in: StAHH, 131-15, A 68; Vermerk Senator und Polizei herr Richter, 18.3.1933, in: ebd.; Senator und Polizei herr [Richter] an Polizei oberst Lothar Danner, 25.3. 1933, in: ebd.
15 Auszug aus dem Protokolle des Senats, 10.4.1933, in: StAHH, 131-15, A 68.
16 Verfügung Senator und Polizei herr Richter, 17.6.1933, in: StAHH, 131-15, A 68; Polizei herr Richter an Polizei oberst Lothar Danner, 29.6.1933, in: ebd.
17 Special Branch PS, Notification of Appointment betr. Lothar Danner, 5.11.1945, Anlage: Enclosure „e. Employment“, in: StAHH, 221-11, TN 8482. Vgl. auch Fragebogen Military Government of Germany, ausgefüllt von Lothar Danner, 10.9.1945, in: ebd., allerdings mit falschen Jahresangaben.
18 Personalfragebogen bei Baurat Konstanty Gutschow, ausgefüllt von Lothar Danner, 21.10.1942, in: StAHH, 131-15, A 68; Fragebogen Military Government of Germany, ausgefüllt von Lothar Danner, 10.9.1945, in: StAHH, 221-11, TN 8482; Zentralausschuß, Fragebogen Action Sheet betr. Lothar Danner, 4.6.1948, in: ebd.
19 Polizei oberst a.D. Danner an Herr Polizei präsident, 25.10.1937, in: StAHH, 131-15, A 68.
20 Der Polizei präsident an Reichsstatthalter in Hamburg, 27.10.1937, in: StAHH, 131-15, A 68; Hamburgisches Staatsamt, Abt. II, an Reichsstatthalter in Hamburg, 23.11.1937, in: ebd.; Karl Kaufmann (Der Reichsstatthalter in Hamburg) an Polizei präsident, 1.12.1937, in: ebd.
21 Karl Kaufmann an Staatsverwaltung der Hansestadt Hamburg, September 1939 (Abschrift), in: StAHH, 131-15, A 68.
22 Generalmajor der Ordnungspolizei (Der Höhere SS u. Polizei führer bei den Reichsstatthaltern u. Oberpräsident en in Hamburg, in Oldenburg u. in Bremen, in Hannover u. in Schleswig-Holstein im Wehrkreis X – Der Befehlshaber der Ordnungspolizei –) an Polizei präsident in Hamburg, 23.7.1940, in: StAHH, 131-15, A 68.
23 Kopitzsch, Danner, S. 96; dort leider ohne Angabe eines Quellenbelegs.
24 Anzeige des Unternehmer s über die Einstellung eines Arbeiters oder Angestellten an Arbeitsamt Hamburg, ausgefüllt für Lothar Danner, 21.10.1942, in: StAHH, 131-15, A 68; Fragebogen Military Government of Germany, ausgefüllt von Lothar Danner, 10.9.1945, in: StAHH, 221-11, TN 8482.
25 Diese Informationen beruhen auf Angaben von Felix Matheis, der in seiner Dissertation das Thema „Hanseaten im Osten – Bremer und Hamburger Firmen im Generalgouvernement 1939-1945“ bearbeitet (E-Mail an den Verfasser, 13.7.2017).
26 Dieter Pohl: Nationalsozialistische Judenverfolgung in Ostgalizien 1941-1944. Organisation und Durchführung eines staatlichen Massenverbrechens, München 1997 (2. Auflage), S. 191-198, S. 227f.; Thomas Sandkühler: „Endlösung“ in Galizien. Der Judenmord in Ostpolen und die Rettungsinitiativen von Berthold Beitz 1941-1944, Bonn 1996, S. 242-249; Israel Gutman (Hg.): Encyclopedia of the Holocaust, Band 2, New York u.a. 1990, S. 813.
27 Fragebogen Military Government of Germany, ausgefüllt von Lothar Danner, 10.9.1945, Anlage: Enclosure „e. Employment“, in: StAHH, 221-11, TN 8482.
28 Fragebogen Military Government of Germany, ausgefüllt von Lothar Danner, 18.11.1945, in: StAHH, 131-15, A 68.
29 Persönlicher Stab Reichsführer SS: Auszug aus dem Bericht des SS-Führers beim O.K.W.-Stab z.b.V. vom 18.9.1942, S. 2, in: Bundesarchiv (BArch), NS 19/300. Ich bedanke mich bei Felix Matheis für die Informationen zur Firma Arnold Otto Meyer und den Hinweis auf dieses Dokument.
30 Vermerk Amt für kriegswichtigen Einsatz (Bauverwaltung Hamburg), 2. Abschrift an Hauptverwaltungsamt z.Hd. Senatsdirektor Dr. Lindemann, 25.9.1942, in: StAHH, 131-15, A 68.
31 Vermerk, 21.10.1942, in: StAHH, 131-15, A 68; Vermerk Amt für kriegswichtigen Einsatz, 9.11.1942, in: ebd.; Konstanty Gutschow (Architekt, Baurat), Zeugnis für Lothar Danner, 31.1.1944, in: ebd.
32 Lothar Danner an Amt für kriegswichtigen Einsatz, 30.3.1943, in: StAHH, 131-15, A 68; Lothar Danner an Amt für kriegswichtigen Einsatz, 10.11.1943, in: ebd.; Lothar Danner an Herrn Gutschow, 15.11.1943, in: ebd.
33 Konstanty Gutschow an Polizei oberst a.D. Lothar Danner, 20.12.1943 (Durchschlag), in: StAHH, 131-15, A 68.
34 Special Branch PS, Notification of Appointment betr. Lothar Dnner, 5.11.1945, Anlage: Enclosure „e. Employment“, in: StAHH, 221-11, TN 8482.
35 Lothar Danner, in: Hamburger Echo, 3.2.1960, in: StAHH, 731-8, A 754 Danner, Lothar.
36 Special Branch PS, Notification of Appointment betr. Lothar Dnner, 5.11.1945, in: StAHH, 221-11, TN 8482.
37 Vermerk Remmele, Anlage 1 zum Fragebogen Action Sheet vom 5.9.1946, in: StAHH, 221-11, TN 8482.
38 Zentralausschuß, Fragebogen Action Sheet betr. Lothar Danner, 4.6.1948, in: StAHH, 221-11, TN 8482. Vgl. auch den polizeilichen Ermittlungsbericht: Ermittlungsbericht Polizei -Kriminalamt, Special Branch II, 9.9.1947, in: ebd.
39 Boldt: Die verschenkte Reform, S. 269. Die These, dass Danner nach der Befreiung der Stadt kurzzeitig als Leiter der Polizei fungiert habe und am 26. Mai durch Bruno Georges ersetzt worden sei (vgl. etwa Kopitzsch, Danner, S. 97), wird von Boldt, Die verschenkte Reform, S. 269f., für „unwahrscheinlich“ gehalten und als nicht belegt zurückgewiesen.
40 Protokoll [Präsident Amt für Verkehr] vom Dienstag, 18.12.1945, in: StAHH, 371-16 I, 2230; Protokoll vom 7.1.1946, in: ebd.
41 Senator Borgner an Personalamt Hamburg, 7.7.1947, in: StAHH, 131-15, A 68.
42 Senatsvermerk, Juli 1947, in: StAHH, 131-15, A 68; Senatskanzlei, Auszug aus der Niederschrift über die 58. Senatssitzung, 9.9.1947, in: ebd.
43 Kopitzsch, Danner, S. 97; Ins Amt eingeführt, in: Hamburger Abendblatt, 30.11.1950, S. 3; Ohne mich?, in: Hamburger Abendblatt, 23.1.1951, S. 3; Vier Hundertschaften, in: Hamburger Abendblatt, 2.3.1951, S. 3.
44 Kopitzsch, Danner, S. 97; Wer ist Verkehrsfeind Nr. 1?, in: Hamburger Abendblatt, 19.11.1956, S. 5; Kampf dem Alkohol, in: Hamburger Abendblatt, 4.2.1959, S. 6.
45 Vermerk Mestern, 12.1.1954, in: StAHH, 131-15, A 68
46 Kopitzsch, Danner, S. 97. Vgl. Danner, Ordnungspolizei; Mehr als nur Polizei geschichte, in: Hamburger Abendblatt, 15.12.1958, S. 5.
47 Lothar Danner ( Polizei behörde, Der Senator) an Sozialbehörde, 2.5.1953, in: StAHH, 351-11, 52183; Antrag Amt für Wiedergutmachung (Sozialbehörde Freie und Hansestadt Hamburg), ausgefüllt von Lothar Danner, 6.5.1953, in: ebd.
48 [Amt für Wiedergutmachung] an Polizei behörde, Anweisungsstelle, 12.11. 1954, in: StAHH, 351-11, 52183.
49 Vergleich zwischen Sozialbehörde, Amt für Wiedergutmachung, und Senator a.D. Lothar Danner, 17.12.1954, in: StAHH, 351-11, 52183.
50 Ein Vorbild des Bürgers in Uniform, in: Die Welt, 3.2.1960, in: StAHH, 331-1 II, 862; Abschied von Lothar Danner, in: Hamburger Echo, 9.2.1960, in: StAHH, 331-1 II, 862. Vgl. auch weitere Presseartikel zu Danners Tod, in: ebd.; StAHH, 731-8, A 754 Danner, Lothar.
51 Boldt, Die verschenkte Reform, S. 269.
 

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Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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