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Georg Bonne

(12.8.1859 Hamburg – 1.5.1945 Hamburg)
Arzt, Wohnungs- und Lebensreformer, Publizist, Schriftsteller
Jürgensallee 42 (Wohnadresse 1939)
Georg-Bonne Straße (1949 benannt, 1996/97 teilweise umbenannt)

Georg Bonne wurde 1859 in Hamburg als eines von acht Kindern eines Kaufmanns geboren.[1] Er besuchte zunächst eine Privatschule und von 1875 bis 1880 Gymnasien in Stade und Glückstadt. Von 1880 bis 1884 studierte er Medizin in Leipzig, Marburg und Göttingen, wo er mit einer Arbeit zur Blutgerinnung promovierte. In den folgenden Jahren arbeitete er als Arzt in Würzburg und Barmen und durchlief eine militärärztliche Ausbildung, die zu seiner Ernennung zum Stabsarzt der Reserve 1895 führte. 1887 hatte er sich als Landarzt im damaligen Dorf Klein Flottbek niedergelassen. Im Ersten Weltkrieg nahm Bonne als Stabs- bzw. Oberstabsarzt teil. Im Mai 1915 wurde er auf Vorschlag des Regierungspräsidenten in Schleswig zum Sanitätsrat ernannt, 1920 erhielt er den Rang eines Generaloberarztes a.D. 1923 übergab er seine Arztpraxis einem seiner Söhne und zog nach Adendorf bei Lüneburg. Von 1926 bis zum Ende der 1920er Jahre arbeitete er als Gefängnisarzt in Lüneburg, um Anfang der 1930er Jahre nach Klein Flottbek zurückzukehren.[2]

Bonne engagierte sich seit den 1890er Jahren zum einen als Gemeindevertreter in Klein Flottbek,[3] zum anderen in verschiedenen Lebensreformbewegungen, die sich v.a. dem Gewässerschutz, der Wohnungsreform und der Bekämpfung von Rauschmitteln widmeten.[4] 1900 wurde er Vorstandsmitglied des „Internationalen Vereins zur Reinhaltung der Flüsse, des Bodens und der Luft“. In dieser Funktion, aber auch publizistisch engagierte er sich gegen die Verschmutzung von Gewässern und entwickelte eigene Vorschläge zur Elbsanierung und Abwasserverwertung.[5] 1899 initiierte er die Gründung des „Bauvereins der Elbgemeinden“, um dem „Wohnungselend“ und der Proletarisierung der Arbeiterschichten durch genossenschaftliche Selbsthilfe und die Anlage von Siedlungen am Stadtrand entgegenzuwirken. Bonnes Weltbild war von Großstadtfeindschaft geprägt und der Vorstellung, über „Dezentralisierung“ und den Bau von Siedlungen außerhalb der innerstädtischen Elendsviertel eine „Volksgesundung“ herbeiführen und revolutionären Bestrebungen entgegenwirken zu können.[6] Seit 1897 war er Mitglied des Guttempler-Ordens, der sich gegen den Alkoholkonsum einsetzte. Als Streiter gegen Alkohol- und Nikotinkonsum hielt Bonne zahlreiche Vorträge, verfasste Schriften und initiierte die Gründung weiterer Guttempler-Logen im Deutschen Reich. 1930 wurde er von seiner Loge durch die Benennung eines „Georg-Bonne-Haus“ in Altona geehrt, dessen Ausbau mit städtischen Mitteln gefördert wurde.[7]

Der gemeinsame Nenner bzw. Leitbild von Bonnes Aktivismus war, wie Jochen Eversmeier richtig konstatiert, der Schutz der „Volksgesundheit“ und die „Rassenhygiene“.[8] Bonne war Anhänger einer völkischen Ideologie, der in Mietskasernen, Tabak und Alkohol „Volksgifte“ erblickte.[9] Er entfaltete eine umfangreiche publizistische Praxis, allein bis 1934 erschienen an die 400 Publikationen von ihm. Darunter waren auch Romane, Gedichte und Theaterstücke.[10] Seit 1910 veröffentlichte er die teilweise autobiographisch geprägte Trilogie der Bände „Im Kampf um die Ideale“ (1910), „Im Kampf um den Weltfrieden“ (1930) und „Im Kampf gegen das Chaos“ (1931). Im ersten Band beschwor er u.a. die Überlegenheit des Germanentums als „Herrengeschlecht“ und zeichnete Figuren entlang eines Rassenschemas, wobei dem blonden „Typ des Ariers“ die kranken, dicken, jüdischen, degenerierten Menschen gegenübergestellt wurden.[11] Das Buch erlebte in mindestens 40 Auflagen eine enorme Verbreitung.[12] In seiner Schrift „Volksgesundung durch Siedlung!“ (1928) präsentierte er seine wohnungsreformerischen Vorstellungen, die er als sozial- und rassenhygienisches Rezept gegen den drohenden „Rassetod“ des deutschen Volkes anpries.[13] Antisemitismus zählte dabei spätestens seit den 1880er Jahren zum konstitutiven Bestandteil von Bonnes Weltbild.[14]

Bonne war seit 1910 Mitglied der Freimaurerloge „Phönix zur Wahrheit“, 1901 und 1914 taucht sein Name in den Mitgliederlisten des Alldeutschen Verbandes auf, und nach dem Ersten Weltkrieg war er Mitglied im deutschnational orientierten „Stahlhelm“ und im Kyffhäuserbund.[15] Obwohl er keiner politischen Partei angehörte, zählte er spätestens seit 1931 zu den Anhängern und Bewunderern Adolf Hitlers und seiner nationalsozialistischen Bewegung, was er in Briefen an Hitler zum Ausdruck brachte.[16] In einem Brief von 1936 behauptete er sogar, Hitler bereits in dessen Gefängniszeit (1923/24) Publikationen zugeschickt zu haben.[17] Dabei erteilte er diesem auch Ratschläge und kritisierte z.B. den Alkoholkonsum von Nationalsozialisten. 1932 schickte er Hitler das von ihm verfasste antisemitische Schauspiel „Judas Ischariot“ zu, das er selbst als „streng nationalsozialistisch“ charakterisierte, mit der Bitte, es Hitler widmen zu dürfen.[18]

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler schickte Bonne ihm ein persönliches Glückwunschschreiben, in dem er ihn als „Retter Deutschlands“ ansprach und bekräftigte, „der eiserne Besen“ sei notwendig, „um das Ungeziefer auszutilgen“.[19] In einem Briefwechsel von 1933 bezeichnete er sein eigenes Lebenswerk als „Wegbereitung“ und „vorbereitende Kleinarbeit“ für den Nationalsozialismus und diesen als „Erfüllung meiner Jünglingsträume“.[20] Seine Identifizierung mit Hitler gipfelte in der Behauptung, dass er sich mit diesem „in meinem ganzen Denken und Fühlen vollständig eins“ wisse, insbesondere nach der Lektüre von „Mein Kampf“.[21] Mit dem „Dritten Reich“ verband Bonne die Hoffnung auf die Umsetzung seiner wohnungs- und lebensreformerischen, aber auch antisemitischen Ideen.

Zum 1. Mai 1933 trat Bonne laut NSDAP-Mitgliederkartei der Ortsgruppe Altona der NSDAP bei.[22] Ende 1933 wurde er Mitglied im Reichsverband Deutscher Schriftsteller und in der Reichsschrifttumskammer.[23] Der Beleg für Bonnes Parteimitgliedschaft steht im Widerspruch zu seinen Angaben aus den folgenden Jahren, in denen er – etwa auf einem Fragebogen der Reichsschrifttumskammer von 1937 – eine Mitgliedschaft verneint.[24] Möglicherweise hatte seine Logenzugehörigkeit doch einer Mitgliedschaft im Weg gestanden, wie er in einem Schreiben von 1938 andeutet (so habe es ihn „tiefgeschmerzt [...], daß ich nicht [...] mit im Rahmen der Partei für Deutschlands Wiederaufstieg kämpfen darf“)[25] – allerdings hätte auch ein etwaiger Ausschluss auf Bonnes Karteikarte verzeichnet sein müssen.

In seinen Publikationen aus den 1930er und 1940er Jahren transportierte Bonne nationalsozialistische, rassistische und antisemitische Ideologieelemente. Mit der 1935 erfolgten Neuausgabe seiner Schrift „Wie können wir Deutschlands Ernährung vom Auslande unabhängig machen?“ (1921) wollte er einen Beitrag zu den Autarkiebestrebungen des NS-Staates liefern – gegen den „jüdisch geleiteten Marxismus“.[26] In „Das Geschlecht der Lappe“ (1939) rief er zur Unterstützung des Nationalsozialismus auf, in dem er die „Verschmelzung des völkischen Gedankens“ mit einem Christentum der Tat erblickte. Die NS-Rassentheorie aufgreifend, erblickte er in Jesus und Goethe Vertreter des „arische[n] Geist[es]“ und Blutes.[27] Bonne war stolz darauf, mit seinen Büchern zur Festigung nationalsozialistischer Auffassungen im Volk beizutragen, was er in einem Schreiben mit dem Beispiel eines einfachen Arbeiters illustrierte, der ihm gegenüber angeblich erklärt habe: „die ihre Bücher gelesen haben, sind jetzt alle begeisterte Verehrer von Hitler, der ja dasselbe will, wie Sie“. Er habe so „viele Hunderte“ seiner Patienten „für Hitler und unseren Nationalsozialismus gewonnen“.[28]

Mit 76 Jahren nahm Georg Bonne 1935 seine Praxis als Arzt in Klein Flottbek wieder auf.[29] Zu seinen Geburtstagen oder seinem 50-jährigen „Doktorjubiläum“ erschienen ehrende Artikel in der gleichgeschalteten Hamburger Presse. „Die Synthese des Nationalen mit dem Sozialen, wie wir sie heute im Nationalsozialismus verkörpert sehen, ist seit 50 Jahren Ziel und Richtung für Bonnes gesamte Lebensarbeit gewesen“, lobten ihn etwa die Altonaer Nachrichten 1934.[30]

Nationalsozialistische Funktionäre teilten diese Meinung nicht unbedingt. Das Reichspropagandaministerium verfügte 1937, das Buch „Im Kampf gegen das Chaos“ einzuziehen und zu beschlagnahmen, nachdem Beschwerden aus der Reichsschrifttumskammer laut geworden waren, dass Bonne sich dort „in schamloser Weise“ über Hitler und den Nationalsozialismus geäußert habe. Anfang 1938 wurde es in die Liste des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ aufgenommen und jede weitere Verbreitung verboten.[31] Ausschlaggebend waren Passagen, in denen Bonne Ludendorffs „Haß gegen die Juden“ als „unfruchtbar“ kritisiert, und solche, in denen er Hitler Ratschläge erteilt bzw. erklärt hatte: „Der Adolf Hitler mit seinen Nationalsozialisten weiß offenbar selbst nicht, was er will“.[32] Bonne erblickte in dem Verbot zunächst ein Missverständnis, wie er seinem Verleger gegenüber erklärte: „Daß aber die Nationalsozialisten mich jemals als ihren Gegner ansehen könnten, – auf den Gedanken wäre ich selbst in Fieberträumen nicht gekommen [...].“[33]Er legte Einspruch ein und bat schließlich darum, beanstandete Passagen ersetzen zu dürfen – beide Bemühungen waren vergeblich.[34]

Bereits 1935 war es zu einem Konflikt mit NS-Funktionären gekommen, nachdem Bonne in der Zeitschrift Ethik Artikel veröffentlicht hatte, in denen er die NS-Pläne zur Sterilisierung „Minderwertiger“ als nicht ausreichend kritisierte.[35] Bonne teilte zwar die völkische Perspektive des Regimes und ging von der Existenz „Millionen von […] Minderwertige[r]“ aus, sah die Ursache jedoch v.a. im Alkohol- und Nikotinkonsum, deren Bekämpfung er aus rassenpolitischer Sicht für zentral hielt.[36] Das Rassenpolitische Amt der NSDAP kritisierte den Text als streckenweise „antinationalsozialistisch“, Bonne musste sich vor der Gestapo verantworten.[37] In diesem wie in anderen Fällen (etwa einem Schreiben an SA-Stabschef Ernst Röhm) sah sich Bonne selbst im Einklang mit den Gedanken Adolf Hitlers, aber im Konflikt mit den „vielen ,kleinen Hitler[n]ʻ“.[38]

Auch eine Veröffentlichung des bereits 1932 vollendeten Schauspiels „Judas Ischariot“ gelang Bonne nicht bzw. erst 1942 unter dem Titel „Der Ewige Jude“.[39] Es verfolgte eine Geschichte der Juden bzw. des jüdischen Geistes vom Mord an Jesus bis zur russischen Revolution und enthielt eine Vielzahl antisemitischer Stereotype: die Schuld der Juden am Tod Jesu; die Existenz einer jüdischen Weltverschwörung mit dem Ziel der Weltherrschaft; die Vorstellung von Juden als Parasiten mit den Deutschen als „Wirtsvolk“; der Händler-, Wucherer- und Schachergeist sowie die Raffgier von Juden; die Verschlagenheit von Juden, die sich mit falschen Namen tarnten; die Kontrolle der Presse durch Juden; die Lenkung sowohl der Finanzwirtschaft als auch des Bolschewismus durch Juden; sowie die „Vernichtung Deutschlands“ als Ziel der jüdischen „Rasse“. Hinzu kam, dass Bonne die Auffassung vertrat, Juden würden über die Alkohol- und Tabakindustrie das deutsche Volk verdummen. Im letzten Akt des Schauspiels erkennt Judas seine Schuld, zieht gen Palästina und erhängt sich selbst. Bonne wollte mit dem Schauspiel „jüdische[n] Verrat und jüdische Anmaßung“ aufzeigen und über die „Gefahren“ aufklären, die der Welt „durch die jüdische Pest drohen“.[40] Die Deutschen müssten sich unter der „genialen Führung“ Adolf Hitlers „mit allen unseren Kräften“ gegen die Juden als „Fremdkörper in dem Fleisch unserer Nation“ wehren.[41] Bonne sah sein Werk als Teil eines „heiligen Kampf[es]“ an und als öffentliche „Rechtfertigung unserer Haltung gegen die Juden“ – also als schriftstellerische Legitimationsarbeit für die NS-Judenpolitik.[42]

Er versuchte zwischen 1932 und 1934 einen Verlag zu finden und wandte sich u.a. persönlich an Joseph Goebbels und Alfred Rosenberg, jedoch ohne Erfolg.[43] Erst 1942, als die NS-Judenpolitik bereits in die organisierte Massenvernichtung, den Holocaust, übergegangen war, gelang ihm die Herausgabe des Schauspiels im Dresdener Strom-Verlag. Die Auslieferung des Buches wurde jedoch im Februar 1943 durch das NS-Propagandaministerium mit der Begründung verboten, es sei „völlig veraltet“.[44] Ein Jahr zuvor waren bereits die Restbestände von Bonnes 1927 erschienenem Buch „Verbrechen als Krankheit“ von der Gestapo beschlagnahmt worden. Nachdem der Chef der Sicherheitspolizei und des SD einen Verbotsantrag gestellt hatte, ordnete das Reichspropagandaministerium im Februar 1943 die vollständige Beschlagnahme an.[45]

Kurz vor dem Ende des „Dritten Reiches“ starb Georg Bonne am 1. Mai 1945.[46] Zu einer Entnazifizierung kam es daher nicht mehr. Bereits vier Jahre nach seinem Tod wurde eine Straße in Hamburg-Nienstedten nach ihm benannt.[47]

Bis in die 1990er Jahre wurde Bonne vor Ort als „Wohltäter“, als „Engel von Flottbek“ und Vorkämpfer ökologischer Bestrebungen verehrt und publizistisch gewürdigt.[48] Erst 1995 entspann sich eine Debatte um die Umbenennung der Georg-Bonne-Straße , nachdem bekannt geworden war, dass der Internationale Seegerichtshof in die Straße ziehen sollte. Während u.a. Vertreter der SPD auf die NS-Belastung des Namensgebers hinwiesen, wurde Bonne im Nienstedtener Heimatbote als „Idealist“ gelobt, der im Stadtteil „beliebt und geachtet“ gewesen sei. Seine antisemitischen Äußerungen wurden als „impulsiv“ und „emotional“ heruntergespielt.[49] Der Streit endete 1997 mit einem „Kompromiss“. Der Senat beschloss, dass ein Teil der Straße ihren Namen beibehalten, ein zweites Stück „Am internationalen Seegerichtshof“ heißen und ein dritter Abschnitt in „ Christian-F.-Hansen-Straße “ umbenannt werden sollte.[50] Im Zuge erneuter Debatten um die Umbenennung NS-belasteter Straßennamen und nach der Veröffentlichung eines entsprechenden Gutachtens des Verfassers, das im Auftrag des Staatsarchiv Hamburgs erstellt worden war, beschloss die Bezirksversammlung Altona im Februar 2020 die Umbenennung der Georg-Bonne-Straße und des Bonneparks.[51]

Text: David Templin

Quellen:
1 Bei der folgenden biographischen Skizze handelt es sich um die leicht überarbeitete Fassung einer Kurzbiographie, die 2017 im Rahmen eines wissenschaftlichen Gutachtens für das Staatsarchiv Hamburg erstellt wurde. Das vollständige Gutachten ist einsehbar unter: www.hamburg.de/contentblob/13462796/1d4b36cbfb9adc7fca682e5662f5854d/data/abschlussbericht-ns-belastete-strassennamen.pdf (zuletzt aufgerufen am 14.4.2020).
2 Lebenslauf und Schriftenverzeichnis von Sanitätsrat Dr. med. Georg Heinrich Bonne, Generaloberarzt a.D. Kleinflottbek bei Hamburg- Altona, Februar 1934, in: Staatsarchiv Hamburg (StAHH), 424-88/12, 1; Jochen Eversmeier: „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“: Georg Bonne und der Gewässerschutz von den 1890er Jahren bis 1914. Ein Beitrag zur Umweltgeschichte des Deutschen Kaiserreiches, unveröffentlichte Magisterarbeit, Hamburg 1996, S. 15-21.
3 Ebd., S. 18.
4 Zur Lebensreform und den verschiedenen Reformbewegungen um die Jahrhundertwende vgl. Bernd Wedemeyer-Kolwe: Aufbruch. Die Lebensreform in Deutschland, Darmstadt 2017; Diethart Kerbs/Jürgen Reulecke (Hg.): Handbuch der deutschen Reformbewegungen 1880-1933, Wuppertal 1998. Zur Einordnung Bonnes in die Lebensreform vgl. Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 46-48.
5 Lebenslauf und Schriftenverzeichnis von Sanitätsrat Dr. med. Georg Heinrich Bonne, Generaloberarzt a.D. Kleinflottbek bei Hamburg- Altona, Februar 1934, in: StAHH, 424-88/12, 1. Vgl. Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“; David Templin: Wasser für die Volksgemeinschaft- Wasserwerke und Stadtentwässerung in Hamburg im „Dritten Reich“ (Forum Zeitgeschichte, Band 26), Hamburg/München 2016, S. 25.
6 Lebenslauf und Schriftenverzeichnis von Sanitätsrat Dr. med. Georg Heinrich Bonne, Generaloberarzt a.D. Kleinflottbek bei Hamburg- Altona, Februar 1934, in: StAHH, 424-88/12, 1; Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 33-37; Kurt Grobecker: 100 Jahre BVE. Die 100-jährige Chronik, hg. vom Bauverein der Elbgemeinden eG, Hamburg 1999, S. 42-45.
7 Lebenslauf und Schriftenverzeichnis von Sanitätsrat Dr. med. Georg Heinrich Bonne, Generaloberarzt a.D. Kleinflottbek bei Hamburg- Altona, Februar 1934, in: StAHH, 424-88/12, 1. Vgl. Die I.D.G.T.-Loge „Frühlingsbote“ Nr. 88, in: Altonaer Nachrichten, 27.2.1933; Werner-Altenburg-Abend, in: Altonaer Nachrichten, 5.5.1933; Der Gau VII ( Altona-Südwestholstein) des Deutschen Guttemplerordens (D.G.T.O.), in: Altonaer Nachrichten, 14.9.1933; Georg-Bonne-Haus, in: Altonaer Nachrichten, 16.11.1933; Die vereinigten Heime des Deutschen Guttemplerordens im Georg-Bonne-Haus e.V., in: Altonaer Nachrichten, 15.2.1934. Das Haus wurde 1936 von der Stadt Altona in Besitz genommen, um es für den Wohnungsbau zu nutzen. Vgl. Umbau des „Georg-Bonne-Hauses“, in: Hamburger Nachrichten, 7.6.1936, Morgen-Ausgabe.
8 Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 5f., S. 9, S. 135f.
9 Zur völkischen Bewegung vgl. Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht (Hg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918, München u. a. 1996.
10 Lebenslauf und Schriftenverzeichnis von Sanitätsrat Dr. med. Georg Heinrich Bonne, Generaloberarzt a.D. Kleinflottbek bei Hamburg- Altona, Februar 1934, in: StAHH, 424-88/12, 1.
11 Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 43-45, Zitate S. 44. Vgl. Georg Bonne: Im Kampf um die Ideale. Die Geschichte eines Suchenden, München 1910; ders.: Im Kampf um den Weltfrieden. Die Geschichte eines Mannes, eines Volkes, einer Menschheit, München 1930; ders.: Im Kampf gegen den Chaos. Nicht Untergang, sondern Aufstieg, München 1931.
12 Sanitätsrat Dr. Bonne an Herr Mühlberg, 19.12.1941, in: StAHH, 424-88/12, 34.
13 Georg Bonne: Volksgesundung durch Siedlung! Eine christliche und soziale Notwendigkeit, München 1928, Zitat: S. 16.
14 Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 24f.
15 Die Reichsschrifttumskammer, Fragebogen für schriftstellerisch Tätige, ausgefüllt von Georg Bonne, 1.9.1937, in: Bundesarchiv (BArch), R 9361-V, 4263; Sanitätsrat Dr. Bonne (Generaloberarzt a.D., Altona-Klein Flottbek) an Gau-Geschäftsführer der N.S.D.A.P. Gauleitung Schleswig-Holstein, Altona/Elbe, 23.6.1934, in: StAHH, 424-88/12, 53-5; Rainer Hering: Konstruierte Nation. Der Alldeutsche Verband 1890 bis 1939 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Band 40), Hamburg 2003, S. 300.
16 Vgl. die zwischen 1930 und 1933 verfassten Briefe Bonnes an Hitler: StAHH, 424-88/12, 53-12.
17 Sanitätsrat Dr. Bonne an Ernst Reinhardt Verlag, 26.9.1936, S. 5, in: BArch, R 9361-V, 4263.
18 Sanitätsrat Dr. Bonne an Herrn Hitler, 13.6.1932, in: StAHH, 424-88/12, 53-12.
19 [Georg Bonne] an Adolf Hitler, Reichskanzler des Deutschen Reiches, 28.2.1933, in: StAHH, 424-88/12, 53-12.
20 Sanitätsrat Dr. Bonne an Herrn Johst, 28.4.1933, in: StAHH, 424-88/12, 34.
21 Sanitätsrat Dr. Bonne an Ernst Reinhardt Verlag, 26.9.1936, S. 6, in: BArch, R 9361-V, 4263.
22 BArch, R 9361-VII / IX KARTEI, Karteikarte „Bonne, Georg“.
23 Die Reichsschrifttumskammer, Fragebogen für schriftstellerisch Tätige, ausgefüllt von Georg Bonne, 1.9.1937, in: BArch, R 9361-V, 4263.
24 Ebd.
25 Sanitätsrat Dr. Bonne an Ernst Reinhardt Verlag, 27.2.1938, S. 4, in: BArch, R 9361-V, 4263.
26 Georg Bonne: Wie können wir Deutschlands Ernährung vom Auslande unabhängig machen? Ein volksgesundheitlicher und volkswirtschaftlicher Leitfaden für jeden wahrhaft nationalsozialistisch gesonnenen Bürger unseres dritten Reiches, Dresden 1935 (2. Auflage), Zitat S. 9. Vgl. die Rezension: Kann Deutschland sich selbst ernähren?, in: Altonaer Nachrichten, 14.10.1935.
27 Georg Bonne: Das Geschlecht der Lappe. Die Geschichte einer alten deutschen Familie, Oldenburg/Hamburg 1939, Zitate: S. 79, S. 77; zu Jesus und seiner „arische[n] Lehre“: ebd., S. 16.
28 Sanitätsrat Dr. Bonne an Ernst Reinhardt Verlag, 26.9.1936, S. 7, in: BArch, R 9361-V, 4263.
29 Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 19.
30 L. Schumacher: Ein Arzt seines Volkes, in: Altonaer Nachrichten, 13.3.1934. Vgl. Georg Bonne zum 75. Geburtstag, in: Altonaer Nachrichten, 11.8.1934; Sanitätsrat Dr. Heinr. Georg Bonne 75 Jahre alt, in: Hamburger Anzeiger, 11./12.8.1934; Sanitätsrat Dr. Bonne 80 Jahre alt, in: Hamburger Neueste Zeitung, 12.8.1939; Dr. Bonne achtzig Jahre alt, in: Hamburger Anzeiger, 12./13.8.1939; Dr. Bonne 83 Jahre alt, in: Hamburger Anzeiger, 12.8.1942; Arzt, Siedlungspolitiker, Dichter. Zum 85. Geburtstag Georg Bonnes am 12. August, in: Hamburger Anzeiger, 11.8.1944.
31 Reichsschrifttumskammer, Gruppe Buchhandel, an Reichsschrifttumskammer, 16.8.1937, in: BArch, R 9361-V, 4263 (erstes Zitat); Hederich (Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda) an Präsident der Reichsschrifttumskammer, 15.11.1937, in: ebd.; [Reichsschrifttumskammer] an Verlag Ernst Reinhardt, 18.2.1938, in: ebd.
32 [Reichsschrifttumskammer] an Verlag Ernst Reinhardt, 25.4.1938, in: BArch, R 9361-V, 4263.
33 Sanitätsrat Dr. Bonne an Ernst Reinhardt Verlag, 27.2.1938, in: BArch, R 9361-V, 4263.
34 Ernst Reinhardt Verlag München an Präsident der Reichsschrifttumskammer 11.3.1938, in: BArch, R 9361-V, 4263; Sanitätsrat Dr. Bonne an Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, 23.4.1938, in: ebd.; [Reichsschrifttumskammer] an Verlag Ernst Reinhardt, 25.4.1938, in: ebd.; Sanitätsrat Dr. Bonne an Präsident der Reichsschrifttumskammer, 9.5.1938, in: ebd.; Dr. Koch (Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda) an Präsident der Reichsschrifttumskammer, 3.6.1939, in: ebd.; [Reichsschrifttumskammer] an Sanitätsrat Dr. Bonne, 15.6.1939, in: ebd.; Sanitätsrat Dr. Bonne an Präsident der Reichsschrifttumskammer, 20.6.1939, in: ebd.
35 Vgl. Andreas Frewer: Medizin und Moral in Weimarer Republik und Nationalsozialismus. Die Zeitschrift „Ethik“ unter Emil Abderhalden, Frankfurt a.M./New York 2000, S. 102-108, S. 131f.; Thorsten Sueße/Heinrich Meyer: Abtransport der „Lebensunwerten“. Die Konfrontation niedersächsischer Anstalten mit der NS-„Euthanasie“, Hannover 1988, S. 32f.
36 Georg Bonne: Über Eugenik und Euthanasie im Licht der nationalsozialistischen Ethik, in: Ethik, 11. Jg., 3. Heft, Januar/Februar 1935, S. 127-132, Zitat S. 131. Vgl. bereits ders.: Eugenik, Papst und Ethik, in: Ethik, 9. Jg., Heft 3, Januar/Februar 1933, S. 155-162.
37 Wilhelm Schneider: Etwas über die lebensgesetzlichen Grundlagen des nationalsozialistischen Staates. Eine Klarstellung, in: Ethik, 11. Jg., 5. Heft, Mai/Juni 1935, S. 207-213, Zitat S. 209. Vgl. NSDAP Gauleitung Halle (Saale), Der Beauftragte des Rassepolitischen Amtes der NSDAP im Gau Halle-Merseburg, an Sanitätsrat Dr. Georg Bonne, 3.6.1935 (Abschrift), in: StAHH, 424-88/12, 53-20.
38 Sanitätsrat Dr. Bonne an Herr Mühlberg, 8.1.1942, in: StAHH, 424-88/12, 34. Vgl. Sanitätsrat Dr. Bonne an Stabschef Röhm, 7.10.1933, in: StAHH, 424-88/12, 53-18.
39 Georg Bonne: Der Ewige Jude. Eine Menschheitstragödie, Dresden 1942.
40 Ebd., S. 8.
41 Ebd., S. 80, S. 78; Sanitätsrat Dr. Bonne an Rudolf Wiesener, 19.4.1934, in: StAHH, 424-88/12, 34.
42 Sanitätsrat Dr. Bonne an Herrn Vollmer, 4.4.1933, in: StAHH, 424-88/12, 34; Sanitätsrat Dr. Bonne an Albert Zimmermann, 22.11.1933, in: ebd.
43 Vgl. die Korrespondenz in: StAHH, 424-88/12, 34.
44 Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda an Strom-Verlag GmbH, 22.3.1943 (Abschrift), in: StAHH, 424-88/12, 55-23. Vgl. weitere Dokumente in der Akte, sowie StAHH, 424-88/12, 55-30; [Sanitätsrat Dr. Bonne] an Reichsminister Dr. Goebbels, 4.9.1944, in: StAHH, 424-88/12, 53-6.
45 SS-Sturmbannführer v. Kielpinksi (Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD) an Präsident der Reichsschrifttumskammer, 23.5.1942, in: BArch, R 9361-V, 4263; Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda an Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, 23.2.1943, in: ebd.
46 Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 19.
47 Herbert Cords: Dr. Georg Bonne im Zwielicht, in: Heimatbote, Juni 1995, in: StAHH, 731-8, A 752 Bonne, Georg.
48 Ebd., der von „Wohltäter“ spricht, ebenso wie Maike Bruhns: Georg Bonne, in: 700 Jahre Nienstedten – Die Zeit-Schrift (Nienstedtener Perspektiven), Hamburg 1997, S. 38-41, hier S. 38; Eversmeier, „Für die Reinhaltung unserer herrlichen deutschen Ströme“, S. 9.
49 Herbert Cords: Dr. Georg Bonne im Zwielicht, in: Heimatbote, Juni 1995, in: StAHH, 731-8, A 752 Bonne, Georg. Vgl. Bruhns, Georg Bonne, die zwar differenzierter argumentiert und auch auf Bonnes Antisemitismus hinweist, aber verharmlosend von einer „verhängnisvollen Verkennung der wahren Natur des Nationalsozialismus“ durch Bonne spricht.
50 Vgl. Georg Bonne im Zwielicht, in: Hamburger Abendblatt, 27.4.1995, S. 15; Drei Namen für eine Straße?, in: Hamburger Abendblatt, 4.9.1996, S. 14; Reemtsma soll Streit um Straßennamen schlichten, in: Hamburger Abendblatt, 7./8.9.1996, S. 14; Straße wird umbenannt, in: Hamburger Abendblatt, 22.1.1997, S. 13; Schilda liegt an der Elbe, in: Hamburger Abendblatt, 23.8.1997, S. 11; Leserbrief: Austauschen, in: Hamburger Abendblatt, 2.9.1997, S. 13.
51 Matthias Schmoock: Warum der Name Georg Bonne aus dem Straßenbild verschwindet, in: Hamburger Abendblatt, 21.2.2020. Vgl. das in Anm. 1 erwähnte Gutachten.
 

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Datenbank online Die Dabeigewesenen

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Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand Mai 2020: 819 Kurzprofile und 275 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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