Dokumente

Drucken

Alwin Benecke

(13.9.1878 Hamburg – 11.11.1967 Maschen/Kreis Harburg)
Gewerbelehrer, Direktor des Staatlichen Amtes für Leibesübungen
Sierichstraße 106 (Privatadresse)

Dr. Hans-Peter de Lorent hat über Alwin Benecke Portrait verfasst, das in Hans-Peter de Lorents Buch: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz. Band. 3. Hamburg 2019 erschienen und im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg erhältlich ist. Hier der Text: 
„Den üblen Methoden der Partei habe ich immer ferngestanden und mich, soweit es möglich war, auch dagegen aufgelehnt.“

Ein besonderer Fall im Hamburger Bildungswesen war Alwin Benecke. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte Benecke als herausragender Schwimmer und Kunstspringer bei den Olympischen Spielen in Athen 1896 zur deutschen Olympiamannschaft. Als Leistungssportler und Funktionär in verschiedenen Sportvereinen war er für die Nationalsozialisten 1933 nach Ablösung des sozialdemokratischen Leiters des Amtes für Leibesübungen, Erich Harte, ein geeigneter Nachfolger. Benecke trat in die NSDAP ein, behielt aber eine eigene Auffassung, die ihn mit vielen Sportfunktionären der NSDAP in Konflikte brachte. Dies führte er in seinem Entnazifizierungsverfahren 1945 aus und wurde ohne Einschränkungen in den Ruhestand versetzt.

Alwin Benecke wurde am 13.9.1878 in Hamburg geboren. Er besuchte in Hamburg die Volksschule, anschließend von 1894 bis 1900 das Lehrerseminar, das er mit der ersten Lehrerprüfung 1900 abschloss. Seit dem 1.4.1900 war er Volksschullehrer, bestand 1903 die zweite Lehrerprüfung und blieb Lehrer an der Volksschule bis zum 1.4.1922.[1] Danach wechselte er in die Fortbildungsanstalt für Knaben, arbeitete an der Gewerbeschule Steinhauerdamm 6 als Gewerbeoberlehrer für Sport und leitete nebenberuflich Lehrerfortbildungskurse am Amt für Leibesübungen.[2]

Alwin Benecke war Leistungssportler, Schwimmer und Kunst- bzw. Turmspringer, und vertrat Deutschland bei den Olympischen Spielen in Athen 1896. Er war verheiratet, hatte drei Kinder und zog am 3.8.1914 in den Krieg, aus dem er erst 30.9.1919 als Unteroffizier nach einem Jahr in Kriegsgefangenschaft zurückkehrte.[3]
Alwin Benecke widmete seine Leidenschaft auch nach seiner aktiven Zeit als Leistungssportler weiterhin insbesondere dem Schwimmsport. 1928 war er Delegationsleiter der deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen in Amsterdam und fungierte gleichzeitig als Schiedsrichter und Schwimmverbandsfunktionär bei internationalen Wettkämpfen und Konferenzen.[4]

Wie in vielen anderen Bereichen auch waren die Nationalsozialisten 1933 personell nur schwach aufgestellt, sodass sie im Mai 1933 nach der Ablösung des bisherigen Leiters des Amtes für Leibesübungen, Erich Harte, auf die Idee kamen, den populären ehemaligen Leistungssportler, Lehrer und Schwimmsportfunktionär Alwin Benecke zum Nachfolger als Direktor zu ernennen, während der Sozialdemokrat Harte als technischer Lehrer an die Oberrealschule Eilbek in der Uferstraße versetzt wurde. Über Benecke schrieb das „Hamburger Fremdenblatt“ am 5.5.1933:
„Alwin Benecke ist einer der bekanntesten und fähigsten Führer des Deutschen Schwimmverbandes. Der heute 55-Jährige hat Deutschland schon 1896 auf den Olympischen Spielen in Athen vertreten und sich später in der Verwaltungsarbeit des Deutschen Schwimmverbandes große Verdienste erworben. Benecke hat seit Jahrzehnten engste Fühlung mit dem aktiven Sport und Turnen. Die Hamburger Schwimmer der Vorkriegszeit werden sich noch seiner Leistungen im Springen, die ihm den Meistertitel einbrachten, erinnern. Wir begrüßen in dem neuen Leiter des Amtes für Leibesübungen den ‚Aktiven‘ und den ‚Hamburger‘.“[5]

Nach halbjähriger kommissarischer Leitung wurde Alwin Benecke von dem Präsidenten der Landesunterrichtsbehörde, Karl Witt, zum 1.11.1933 endgültig zum Direktor des Amtes für Leibesübungen vorgeschlagen und bestellt.[6]

In der Folgezeit gab es einige Komplikationen und Schwierigkeiten für Alwin Benecke, die er im späteren Entnazifizierungsverfahren zu seinen Gunsten darzustellen versuchte. Benecke war zwar mit Amtsantritt in die NSDAP eingetreten, war auch Mitglied im NSLB seit dem 1.5.1933, behielt aber in vielen Fragen seine eigene Auffassung. Schon nach zwei Jahren wurde Benecke mit einer anderen Aufgabe betraut, er wechselte in die Schulverwaltung, war dort Landesschulrat Willi Schulz unterstellt und mit der Verwaltung der Sportplätze und sportlichen Einrichtungen betraut. Aus einer von ihm später mit seinem Entnazifizierungsfragebogen eingereichten Übersicht über sein Einkommen in den Jahren von 1933 bis 1945 geht hervor, dass sich seine Besoldung durch diesen Wechsel nicht veränderte[7], er nunmehr als Studienrat in der Verwaltung beschäftigt wurde. Als ihm diese Wechsel von Oberregierungsrat Henry Edens am 30.9.1935 vorgetragen wurden, gab Benecke zu Protokoll: „Ich habe zu dieser Versetzung nichts zu bemerken.“[8] Ein seltenes Dokument, das vermuten lässt, dass Benecke eine ganze Menge dazu zu bemerken gehabt hätte.

In einem Rundschreiben von Karl Witt an alle Referenten, Abteilungen und Dienststellen der Landesunterrichtsbehörde vom 9.1.1936 wurden Beneckes neue Aufgaben genauer beschrieben. Dazu gehörten:
„Bearbeitung aller Angelegenheiten der körperlichen Erziehung, insbesondere auch die Angelegenheiten des Flugsports in den Schulen einschließlich des Werkstättenunterrichts, des Schülerruderns, des Schülerschwimmens, der Schülersportvereine, der sportlichen Schülerwettkämpfe. Die hierauf gerichtete Tätigkeit des Herrn Studienrat Benecke wird vom Landesschulrat geleitet, dem insofern das Referat für Leibesübungen persönlich verbleibt. Die Aufsicht über den Turnunterricht verbleibt bei den zuständigen Schulaufsichtsbeamten.“[9]
Hinzu kam noch die „Überwachung der Schulturnhalle und ihre Einrichtung; Beratung des Baureferenten und Hauskurators in allen hierauf bezüglichen Angelegenheiten; Erstattung von Gutachten über Unfälle im Schulturnen.“[10]

Später, 1941, kam dann noch die Mitgliedschaft im pädagogischen Prüfungsamt dazu.[11] Zum Direktor des Instituts für Leibesübungen wurde zum 1.4.1936 Dr. Eugen Zerbe berufen, dessen Biografie ebenfalls in diesem Band nachzulesen ist.[12]
Alwin Benecke war also schlichtweg entmachtet bzw. degradiert worden.

Interessant ist, wie sich Benecke 1945 im Entnazifizierungsverfahren dazu äußerte. Er hatte am 19.5.1945 seinen Entnazifizierungsfragebogen ausgefüllt und etwas später, am 5.7.1945, ein Gesuch um sofortige Pensionierung an die Leitung der Schulverwaltung geschrieben.[13]

Auf seinem Entnazifizierungsfragebogen hatte Alwin Benecke am Ende angemerkt:
„Ich war nie politisch interessiert und habe mich nie in irgendeiner Weise politisch betätigt. Meine Berufung in die Schulverwaltung geschah nicht aus politischen Gründen, sondern nur wegen meiner fachlichen Eignung. Mein Eintritt in die Partei war unvermeidbar. Ich habe aber immer mit Erfolg abgelehnt, in der Partei oder einer NS-Organisation ein Amt anzunehmen oder mich sonst wie zu betätigen.“[14]

Am 5.7.1945 schrieb Alwin Benecke an die neue Leitung der Hamburger Schulverwaltung. Er bat um seine sofortige Pensionierung und führte aus:
„Am 21.6.1945 wurde ich mit sofortiger Wirkung entlassen, und zwar gemeinsam mit den Oberbeamten der Schulverwaltung. Ich nehme daher an, dass auch ich zu den Oberbeamten der Behörde gerechnet wurde. Das ist aber ein Irrtum. Ich wurde zwar 1933 zum Direktor des Amtes für Leibesübungen berufen, aber schon zwei Jahre später wegen Konflikten mit der politischen Führung abgesetzt und in eine untergeordnete, abhängige Stellung gebracht. Wie eine Anzahl Turnlehrer der Oberschulen war ich Studienrat und als solcher fast zehn Jahre Sachbearbeiter des Referenten für Leibesübungen. Allerdings wurde ich am 12.6.1944 mit der ‚vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte des Referenten‘ betraut, blieb aber nach wie vor Studienrat. Ich kann also nicht zu den Referenten, sondern nur zu den Turnlehrern gezählt werden, die zu Studienräten ernannt wurden. Als solcher bitte ich hiermit, da ich das 67. Lebensjahr erreicht habe, um meine sofortige Versetzung in den Ruhestand nach den gegenwärtig gültigen Bestimmungen.“[15]

Alwin Beneckes Hauptargument:
„Ich bin zwar auf Anforderung der Partei beigetreten, habe mich aber in meiner Amtsführung nicht von politischen, sondern immer nur von fachlichen Grundsätzen leiten lassen. Den üblen Methoden der Partei habe ich immer ferngestanden und mich, soweit es möglich war, auch dagegen aufgelehnt, wie zahlreiche Konflikte mit der politischen Führung beweisen. Wie wenig ich als politische Persönlichkeit im Sinne der Partei gewertet werden kann, mögen folgende Tatsachen beweisen, die im einzelnen durch Akten oder Zeugenaussagen bestätigt werden können.“[16]

Das Grundmuster der Argumentation von Alwin Benecke findet man in vielen Entnazifizierungsverfahren wieder. Es wurden Konflikte mit Einzelpersonen oder mit Dienststellen angeführt, die dann als grundsätzliche Ablehnung der Partei oder des Nationalsozialismus aufgebauscht wurden. In diesem Fall führte Alwin Benecke aber konkrete Beispiele an, die ihn in Schwierigkeiten mit anderen Sportfunktionären brachten, die belegten, dass Benecke einen eigenen Kopf hatte und auch die Auseinandersetzung nicht scheute, wenn Partei- oder Sportfunktionäre von ihm Entscheidungen forderten, die er als nicht sachgemäß empfand. Ein paar Beispiele sollen dazu angeführt werden:
„Als 1933 der ehemalige Direktor des Staatlichen Amtes für Leibesübungen, Herr Erich Harte, der Mitglied der Sozialdemokratischen Partei war, ersetzt werden sollte, suchte man einen Nachfolger, der zugleich Sportsmann und Schulmann, also auf beiden Gebieten Fachmann war. Da unter den zahlreichen Parteimitgliedern, die sich damals zu diesem Amt drängten, niemand war, der dieser Bedingung entsprach, wurde ich von Frau Purucker, der Frau des damaligen Polizeipräsidenten, die wiederholt an den von mir ehrenamtlich geleiteten Sportkursen teilgenommen hatte, der Hamburger Gauleitung als Nachfolger des Herren Harte vorgeschlagen. Zu meiner Überraschung und besonders auch zur Überraschung des damaligen Senators Witt wurde ich Anfang Mai 1933, obgleich ich kein Parteimitglied war, zum kommissarischen Direktor des Staatlichen Amtes für Leibesübungen ernannt. Ich glaube, demnach feststellen zu dürfen, dass für meine Berufung nicht politische, sondern rein fachliche Gründe maßgebend waren.“[17] Sicherlich half Benecke auch seine Prominenz als ehemaliger Leistungssportler, mit der die NSDAP sich öffentlich schmücken konnte.

„Nach meiner Ernennung forderte man nun von mir den sofortigen Eintritt in die Partei. Ich hatte bis dahin meine ganze Freizeit dem Sport gewidmet und mich um politische Fragen so gut wie gar nicht gekümmert. Deshalb habe ich bis 1933 nie einer politischen Partei angehört und war auch den Vorstellungen befreundeter Berufskameraden, in die NSDAP einzutreten, immer ausgewichen. Jetzt reizte mich die Aufgabe, den Leibesübungen, die zu meiner Lebensaufgabe geworden waren, an leitender Stelle zu dienen. Ich überwand meine grundsätzlichen Bedenken und trat in die Partei ein. Der Eintritt wurde im Parteibuch auf den 1. Mai 1933 zurückdatiert. Der eigentlichen Parteiarbeit habe ich immer ferngestanden und ich bin deshalb auch zu Parteidienststellen niemals in engere Beziehungen getreten. Weder in der Partei, noch in einer der ihr angegliederten Organisationen habe ich mich jemals betätigt oder ein Amt bekleidet. Meine Parteizugehörigkeit bestand buchstäblich nur darin, dass ich für Partei, NSV und NSLB die von mir geforderten Beiträge entrichtete.“[18]

Anschließend listete Alwin Benecke konkrete Fälle auf, in denen er in Konflikt mit anderen Nationalsozialisten geraten war.

„Da ich in meinem Amte den Leibesübungen dienen wollte und mich deshalb nur von fachlichen Gesichtspunkten leiten ließ, geriet ich schon nach wenigen Wochen mit den eingesetzten politischen Führern des Hamburger Sports in Konflikt. Der erste unter ihnen, Egon Arthur Schmidt, verklagte mich nacheinander beim Senat, beim Reichssportführer und schließlich beim Gaugericht der Partei, das mich mit einem Verweis bestrafte, weil ich die politischen Sportführer an der Durchführung ihrer Maßnahmen gehindert hatte. Ich hatte zum Beispiel den sozialdemokratischen Verein ‚Wasserfreunde von 1909‘ durch rechtzeitige Umschaltung der Vereinsführung vor Auflösung und Beschlagnahme seines unter großen Opfern aufgebauten Strandbades in Over geschützt. Einer härteren Bestrafung entging ich nur dadurch, dass ich Herrn Schmidt in seiner Amtsführung Verfehlungen nachweisen konnte, die nur als Korruption bezeichnet werden können. Sein Nachfolger Paul Intrau verklagte mich während seiner kurzen Amtsführung beim Senat. 1935 widersetzte ich mich den Plänen des ‚Sportsenators Richter‘. Ich lehnte in mehreren Schriftsätzen den Bau der Hanseatenhalle ab, widersetzte mich unter Hinweis auf die Erfahrungen anderer Städte der Errichtung eines repräsentativen Stadions und hintertrieb, dass einem Hamburger Sportverein, dem Senator Richter nahe stand, völlig ungerechtfertigt ein Darlehen von 300.000 Reichsmark gewährt wurde. Nun verlangte Senator Richter meine Entfernung aus dem Amte. Im Dezember 1935 wurde ich meiner Stelle als Direktor des Amtes für Leibesübungen enthoben und mit der Amtsbezeichnung Studienrat als Sachbearbeiter für Leibesübungen in die Schulverwaltung übernommen. Damit kam ich in eine abhängige, untergeordnete Stellung, denn die Führung der schulischen Leibesübungen übernahm als Referent für dieses Gebiet der Landesschulrat Schulz. Im Juni 1944 wurde ich mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte des Referenten betraut, doch ist die Ernennung zum Oberschulrat, die ein Erlass des Reichsministeriums vom Jahre 1937 für dieses Amt vorsieht, nicht erfolgt, obgleich eine freie Oberschulratsstelle im Haushaltsplan vorhanden war. Ich galt nun einmal der Gauleitung infolge der Art meiner Amtsführung und weil ich mich in der Partei nicht betätigt hatte, als politisch unzuverlässig.“[19]

In der Biografie Hermann Schmidt in diesem Band beschreibe ich, wie hartnäckig Alwin Benecke sich als Referent der Schulverwaltung mit selbstherrlichen Schulleitern auseinandersetzte.
Alwin Benecke fürchtete, dass man ihm seine Pension infrage stellen würde. Er schloss sein Schreiben:
„Ich habe dem Staat 45 Jahre gedient, wobei fünf Jahre Frontdienst und Kriegsgefangenschaft nicht doppelt gezählt sind. Bis zum Jahre 1933 habe ich mir nie einen Tadel meiner Vorgesetzten zugezogen; nur im sogenannten Dritten Reich kam es wegen meiner gegensätzlichen Einstellung zu Konflikten. Im Vertrauen auf eine gerechte Beurteilung glaube ich daher, dass man mir meine Bitte, mich ohne Rücksicht auf die ausgesprochene Entlassung mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand zu versetzen, nicht ablehnen wird.“[20]

Dieser Bitte von Alwin Benecke entsprach die Schulverwaltung. Seine Pensionierung wurde auf Anordnung der Britischen Militärregierung am 27.9.1945 vollzogen.[21]

Der Fachausschuss 2 im Entnazifizierungsverfahren empfahl am 22.2.1949 Alwin Benecke als „Entlasteten“ in die Kategorie V einzugruppieren.[22]

Als Benecke am 13.9.1958 seinen 80. Geburtstag feierte, berichtete die „Welt“ über ihn und schrieb, dass „der verdiente Pädagoge in seiner Jugend ein bekannter Schwimmer war, mehrfach die Meisterschaft im Turmspringen errungen hatte.“[23]

Alwin Benecke starb am 11.11.1967.[24]

Text: Hans-Peter de Lorent

Anmerkungen
1 Alle Angaben laut Personalakte Benecke, StA HH, 361-3_A 1172
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Siehe das Urlaubsgesuch von Benecke vom 9.7.1928, das für die Olympiade in Amsterdam befürwortet wurde, Personalakte a. a. O.
5 „Hamburger Fremdenblatt“ vom 5.5.1933.
6 Schreiben von Karl Witt vom 23.10.1933, Personalakte a. a. O.
7 Entnazifizierungsfragebogen Benecke vom 19.5.1945, Entnazifizierungsakte, StA HH, 221-11_Ed 1156
8 Vermerk vom 30.9.1935, Personalakte a. a. O.
9 Rundschreiben vom 9.1.1936, Personalakte a. a. O.
10 Ebd.
11 Laut Personalakte a. a. O.
12 Siehe Biografie Eugen Zerbe in diesem Band.
13 Beides in der Entnazifizierungsakte Benecke, a. a. O.
14 Entnazifizierungsfragebogen in der Entnazifizierungsakte Benecke, a. a. O.
15 Gesuch des Studienrats Alwin Benecke um sofortige Pensionierung vom 5.7.1945, sowohl in der Personalakte a. a. O. als auch in seiner Entnazifizierungsakte a. a. O.
16 Ebd.
17 Ebd.
18 Ebd.
19 Ebd.
20 Ebd.
21 Personalakte a. a. O.
22 Entnazifizierungsakte a. a. O.
23 Die „Welt“ vom 15.9.1958.
24 Personalakte a. a. O.
 

Namen

Personensuche

  • (am besten nur Vor- ODER Nachname. Sie können aber auch nach Gebäuden, Firmen, Behörden, Lagern, NS-Orgnaisationen suchen.)

Je nach Suchfeld, können Sie entweder freie Suchbegriffe eingeben oder aus einer Liste auswählen.
Bitte beachten Sie, dass über das Suchfeld "Freier Suchbegriff" nach Übereinstimmungen im Namen, Kurztext und Langtext sowie zugeordneten Schlagwörtern gesucht wird.
 

Geografische Spuren

Meine Straße

Geografisch

 

Schlagwörter und freie Suche

Schlagwörter und Kategorien

Einträge in dieser Datenbank sind verschiedenen Schlagwörtern zugeordnet. Diese sind als Vorschläge zu verstehen. Mehrfachzuordnunegn sind dabei möglich.
Nutzen Sie auch gern die freie Suche. Dabei werden Übereinstimmungen im Namen, Kurztext und Langtext sowie in der Verschlagwortung gesucht.
Die Auswahl eines Schlagwortes überprüft dagegen nur Verknüfungen mit dem Schlagwortregister.

Thematische Suche

  • (z.B. Berufe, Gebäude, spezielle Orte)

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Datenbank online Die Dabeigewesenen

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

NS-Dabeigewesene

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand Januar 2024: 914 Kurzprofile und 332 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.

Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

rechte spalte

Themenübersicht auf hamburg.de