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Guido Höller

(19.12.1871 Hamburg - 11.6.1953)
Rektor der Volksschule Papendamm , später Bachstraße 96, zwischenzeitlich Barmbeker Straße 32, Schriftsteller
Alsterkrugchaussee 438 (Wohnadresse, 1939)

Dr. Hans-Peter de Lorent hat das Portrait über Guido Höller verfasst und in seinem Buch „Täterprofile Band 2“ veröffentlicht.

Guido Höller, der in Hamburg schon 1913 zum Rektor einer Volksschule ernannt worden war, trat 1931 dem NSLB bei und war seit 1932 Mitglied der NSDAP. In der kleinen Gruppe von alten Aktivisten des NSLB bekämpfte er die neue NSLB-Führung um Willi Schulz und zeigte sich als streitsüchtig, weil auch unter NS-Herrschaft keine seiner Egomanie entsprechenden Ämter auf ihn übertragen wurden. Nach seiner Pensionierung, 1934, gegen die er sich vehement wehrte, fungierte er als Schriftsteller, mit begrenzter Resonanz. Seine ausführlichen Schriftsätze in allen Verfahren sind heute historisch wertvoll, weil sie einen (sehr subjektiven) Einblick in die Auseinandersetzungen im Hamburger Bildungs- und Kulturwesen der 1920er- bis 1940er-Jahre geben.

Guido Höller wurde am 19.12.1871 in Hamburg geboren. Sein Vater war Küfer und Lagermeister einer hamburgischen Weingroßhandlung, laut Höller „ein gesuchter Weinkenner und Weinprober“, aus Franken zugewandert.1

Guido Höller hatte als Zweitgeborener noch acht Geschwister, die „über die Kinderjahre hinauskamen“.2

Seine schulische und berufliche Entwicklung beschrieb Höller in der kinderreichen Familie so: „Das erforderte strenges Haushalten. Trotzdem wurde jedoch nicht in unserer Erziehung gespart. Ich besuchte den Fröbelkindergarten, die Paßmannsche Stiftschule und das Lehrerseminar in Hamburg. 1893 wurde ich Lehrer, machte 1896 die zweite Lehrerprüfung, wurde im folgenden Jahr festangestellt, leistete den Bürgereid, bestand 1908 die Mittelschullehrerprüfung in Deutsch, Geschichte und Geographie und wurde 1913 zum Rektor einer Hamburgischen Volksschule ernannt, in welcher Stellung ich bis zu meiner Versetzung in den Ruhestand verblieb. Eine Ernennung zum Schulrat wurde von dem marxistischen Senator, Präses der Oberschulbehörde abgelehnt.“3

Guido Höller war Rektor an der Volksschule Papendamm , später Bachstraße 96, zwischenzeitlich Barmbecker Straße 32.4

Als die Nationalsozialisten auch in Hamburg an die Macht kamen, sah Höller seine Zeit gekommen, war er doch am 1.8.1932 in die NSDAP eingetreten und schon am 1.12.1931 in den NSLB, wo er Fachschaftssprecher der Volksschullehrer war, Ortsgruppenleiter und Presseobmann. Dort gehörte Höller auch der Gruppe der „alten Garde“ an, die sich dagegen wehrte, dass der NSLB nach der Gleichschaltung der „Gesellschaft der Freunde“ neu aufgestellt werden sollte und mit Willi Schulz und Albert Mansfeld eine neue Führung bekam, die den Rückhalt des Gauleiters der NSDAP, Karl Kaufmann, hatte. Darauf ist schon ausführlicher in den Biografien Heinrich Hehn und Erwin Gottsleben in diesem Band eingegangen worden.5 Höllers Rolle im NSLB wird später noch zu beschreiben sein.

Die Nationalsozialisten hatten mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.4.1933 das Hamburger Schulwesen personell erheblich umgestaltet und dadurch 468 Stellen für junge Lehrerinnen und Lehrer geschaffen, die nach vorher prekären Arbeitsverhältnissen feste Anstellungen bekamen. Es waren meist um 1900 Geborene. „Der nationalsozialistische Staat konnte daher sicher sein, dass er sich die meisten der 1933 neu Eingestellten nach den Jahren beruflicher ungesicherter und materieller Not, die sie durchlebt hatten, zu Dank verpflichtete.“6

Nach §6 dieses Gesetzes wurden Versetzungen in den Ruhestand „zur Vereinfachung der Verwaltung“ vorgenommen, insgesamt 555 Pensionierungen, darunter auch zahlreiche Personen, die noch jünger, aber politisch unliebsam waren. Auch Guido Höller sollte mit knapp 63 Jahren pensioniert werden, wogegen er sich am 12.2.1934 schriftlich wehrte: „Die Absicht, die Überalterung des Lehrerstandes zu Gunsten des Nachwuchses in gewissen Grenzen zu beseitigen, hätte mich veranlassen können, selbst den Antrag zu stellen, mich in den Ruhestand zu versetzen, wenn es lediglich eine wirtschaftliche Einbuße für mich bedeutet hätte. Wenn ich es trotzdem unterlassen habe, so wesentlich aus der Erwägung heraus, daß die Zahl der entschiedenen Nationalsozialisten in der Lehrerschaft und im besonderen unter den Schulleitern nicht so groß ist, als daß ich freiwillig zurücktreten dürfte, ich vielmehr die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hätte, auf meinem Posten auszuharren, um die innere Krise der Lauheit und Unsicherheit überwinden zu helfen. Aus diesen Gründen halte ich mich für berechtigt, im Namen des Nationalsozialismus das Ersuchen an die Behörde zu richten, meine Versetzung in den Ruhestand noch einmal überprüfen zu wollen und mich nach der alten gesetzlichen Regelung die kurze Spanne bis zum Ablauf meines 63. Lebensjahres in meinem Amt als Schulleiter zu belassen.“7

Höller bat also um Aufschub für ein halbes Jahr. Auf seinem Schreiben wurde vermerkt: „Keine besonderen Gründe.“ Und am 20.4.1934 antwortete die Schulverwaltung, Justitiar Dr. Schultz, sachlich und lapidar: „Der Herr Senator bedauert ebenso wie die Landesunterrichtsbehörde, daß sich die sehr harten Abbaumaßnahmen im Interesse des Ganzen nicht haben vermeiden lassen können. Da Sie selber im 63. Lebensjahr stehen, also ohnehin nahe vor der Pensionierung standen, war es leider nicht möglich, zu Ihren Gunsten eine Ausnahme zu machen.“8

Es war sicher kein Zufall, dass Guido Höller von dem Zeitpunkt seiner Pensionierung an die Auseinandersetzung im NSLB gegen den neuen NSLB-Gauamtsleiter Willi Schulz und seinen Stellvertreter, Albert Mansfeld, verstärkte und zahlreiche Schriftsätze gegen beide verfasste.

Auch Heinrich Hehn wandte sich am 1.4.1934 an Willi Schulz und versuchte, eine Bresche für SA-Mann Hans Rösch zu schlagen, der gerade wegen einer Rede vor der ganzen Schulgemeinschaft des Wilhelm-Gymnasiums die Schulleitung, das Lehrerkollegium und die Schulverwaltung brüskiert und provoziert hatte und er stellte sich auch hinter Guido Höller: „Der beste Nationalsozialist und Kämpfer den ich in unserem Kreise kenne, ist der SA-Mann Hans Rösch. Es ist ein für unsere Bewegung nicht wieder gut zu machender Schade, wenn unsere besten Kämpfer auf diese Weise verbraucht werden. Hauen Sie doch einmal mit durch, dass die Funken stieben! Müssen wir es dulden, dass der Bürokratismus unsere Bewegung gefährdet dadurch, dass unentbehrliche alte Mitkämpfer wie Guido Höller einfach beseitigt werden, wo sie noch vollkommen rüstig und arbeitsfähig sind? Sind wir schon so fest verankert, dass wir uns solche Maßnahmen gestatten können? Dieser Abbau ist uns unverständlich. Er dünkt uns als ein Verrat am Recht der Kämpfer. Sie wissen doch, Pg. Schulz, wie wenig alte Pgs es unter den zum großen Teil roten Volksschullehrern gibt.“9

Heinrich Hehn, schon die eher primitive Variante des kompromisslosen und dogmatischen Nationalsozialisten, machte in seinem Schreiben deutlich, warum es mit ihm und seiner Gruppe schwer ein einvernehmliches Handeln geben konnte:

„Wo gehobelt wird, fliegen Späne. Und wenn man dem quer geschossenen Bürgergesoxe ein wenig auf die Hühneraugen tritt, so schadet das wirklich nicht. Wir sind Landsknechte und Kämpfer. Wir haben das dritte Reich mit unserem Führer uns erzwungen. Wenn wir damals dazu gut genug waren, so sind wir es heute auch noch. Und wenn wir irgendwo anstoßen, so ist es gegen Mist, der aus dem Wege geräumt werden muss. Wir sind dieselben, gestern und heute und können uns nicht ändern.

Wenn ich als alter Frontkämpfer, der ich durch Not, Tod und Elend gegangen bin, von Treue um Treue spreche, so ist mir das eine heilige Sache. Ohne die Treue meiner Kameraden wäre ich heute nicht mehr am Leben. – Wir sind bereit, auch Ihnen diese Treue zu halten; nur müssen Sie sich zu uns stellen. Und wenn einmal einer von uns vorbeihauen sollte, so haben wir ihm beizustehen. Das Verdienst eines jeden Kämpfers um die Bewegung ist so unerhört, dass, wer anders handelt, Verrat an der Bewegung begeht. Wir haben auch füreinander zu sorgen um der Bewegung willen. Und wenn hier und da noch Missstände sind, so müssen wir die Schuld erst einmal bei uns buchen. Ich bin diesen Weg gegangen, und ich kann nur sagen, von uns aus ist alles in Ordnung. Uneinigkeit unter den alten Kämpfern kommt den Feinden der Bewegung zugute.“10

Guido Höller fungierte in der Gruppe der „alten Garde“ nach seiner Pensionierung als Chronist. Vorher war er im alten NSLB-Vorstand Presse-Obmann. In seiner Chronik aus dem August/September 1934, überschrieben: „Die Auseinandersetzung der alten Mitglieder des NSLB“, führte er 14 Personen an. Für die Geschichte des NSLB ist dies ein wichtiges Dokument. Höller benannte drei Phasen der NSLB-Entwicklung:

„1. Abschnitt: Zeit persönlicher Bewegungen zwischen Gloede, Schönwald, Mansfeld und von der Lieth unsicher in Ziel und Aufgaben – wenig ergiebig in der Arbeit – dauerte bis Dez. 32.

2. Abschnitt: von der Lieth gewinnt Hehn, Oetcke und Teichert zu Mitarbeitern in der Führung – Zeit ernster eifriger Facharbeit, besonders in den Fachschaften für höhere Schulen (Gottsleben), für Volksschulen (Höller), für Berufsschulen (Teichert, später Albers) und für Mädchenschulen (Hedwig Förster) – und in der Arbeitsgemeinschaft der Fachschaftsführer (Höller). Pg. Schulz (Mitglied seit September 32 unter Nummer 89) beteiligte sich in den Arbeiten nicht – Arbeit gipfelte im Aufbau des heutigen Lehrerbundes von gut 100 auf 6–7000 Mitglieder – dauerte bis Ende Mai 33.

3. Abschnitt: Gesunde Entwicklung durch unerwartete Ernennung von Pg. Schulz zum Landesleiter und einsetzende Absetzung der alten Gaugeschäftsleitung beendet. Verbissener Kampf gegen die alte Leitung und ihre Helfer – mit dem Ziel, sie durch gefügige Neulinge zu ersetzen – Rücksicht auf den gleichgeschalteten marxistischen Genitivverein der Untergrund – politische und pädagogische Schulung der Amtswalter und der Lehrerschaft durchaus plan- und ziellos – in den Kreisen und Ortsgruppen – noch von der alten Führung geschaffen – wurde zwar gearbeitet – aber da die Führung versagt auch nur willkürlich und unzulänglich – dauert bis heute und dauert an.“11

Dann führte er die alten Aktivisten auf:

„1. Rudolf Teichert – Studienrat und Diplomhandelslehrer, Mitglied des NSLB seit 1.7.1931, Ämter: Fachschaftsführer für Berufsschule – Gaugeschäftsführer – Kreisleiter, Mitglied der NSDAP seit 1.7.1931. Abgesetzt als Gaugeschäftsführer und durch Neuling ersetzt. Zum 1.1.1934, zum Austritt aus NSLB gezwungen.

2. Guido Höller – Rektor, Mitglied des NSLB seit 1.12.1931 – Ämter: Fachschaftsführer der Volksschullehrer – Presseobmann – Ortsgruppenleiter und Leiter der Fachschaft beamtete Künstler, Mitglied der NSDAP seit 1.8.1932. Als Pressewart durch Schreiben Mai 1933 abgesetzt. In den Ruhestand versetzt, Eingabe um Rückgängigmachung von Pg. Schulz nichtssagend abgewiesen.

3.  Erwin Gottsleben – Studienassessor, Mitglied des NSLB seit 1.1.1932, Ämter: Fachschaftsführer der Lehrer an höheren Schulen – Kreisleiter – Mitglied der NSDAP seit Dezember 31. Als Kreisleiter vorläufig abgesetzt.

4.  Heinrich Hehn – Zeichenlehrer an der Klosterschule, Mitglied des NSLB seit 1.1.1932. Ämter: Gaukassenwart – Kreisobmann, Mitglied der NSDAP seit Dezember 31. Als Gaukassenwart abgesetzt – von den übrigen Ämtern und als politischer Leiter abgesetzt.

5. Fritz Oetcke – Privatlehrer, Mitglied des NSLB seit 1.1.1932, Ämter: Gaufunkwart – Kreisleiter – 2. Gaugeschäftsführer, Mitglied der NSDAP seit 1.8.1932, aus allen Funktionen abgesetzt.

6.  Friedrich Albers – Studienrat und Dipl. Handelslehrer, Mitglied des NSLB seit 1.3.1932, Ämter: Fachschaftsführer der Handels- und Gewerbelehrer – Kreisleiter, Mitglied der NSDAP seit 1.3.1932, als Fachschaftsführer abgesetzt.

7. Julius Hedwig – Gewerbelehrer, Mitglied des NSLB seit 1.3.1932 Ämter: Kreisleiter, Mitglied der NSDAP seit 1.12.1931.

8. Erich Martin – Berufsschullehrer – Mitglied des NSLB seit Mai 32, Ämter: Ortsgruppenleiter, Mitglied der NSDAP seit 1.1.1931.

9.  Gerhard Riecks – Diplomhandelslehrer, Mitglied des NSLB seit Mai 32, Ämter: Gaukassenwart, Mitglied der NSDAP seit August 32, abgesetzt.

10. Hermann Zwiebelmann – Lehrer, Mitglied des NSLB seit August 32, Ämter: Ortsgruppenleiter, Mitglied des NSLB seit August 32, als Ortsgruppenleiter durch anderen ersetzt.

11. Dr. Wilhelm Reye r – Lehrer und Schulleiter, Mitglied des NSLB seit August 32, Ämter: Ortsgruppenleiter – Gauredner. Mitglied der NSDAP seit 1.4.1933, im Kampfbund für deutsche Kultur als Redner tätig. Abgesetzt als Ortsgruppenleiter, als Gauredner ausgeschaltet. Ernennung zum HLZ-Schriftleiter stillschweigend zurückgenommen, einer hässlichen Unmöglichkeitsmachung ausgesetzt.

12. Wilhelm Schönfeld – Gymnasiallehrer, Mitglied des NSLB seit 1.4.1933, Ämter: Ortsgruppenleiter. Mitglied der NSDAP seit 1.4.1933, aber seit 1929 für sie getarnt tätig, die Tochter, Charlotte Koeberle-Schönfeld Mitglied seit 1.2.1929, zum Kreisleiter ernannt, dann aber plötzlich hinterhältig durch anderen ersetzt.

13.  Hans Rösch – Altphilologe, Mitglied des NSLB seit 1.3.1933, Ämter: Führer der Fachschaft für Lehrer an höheren Schulen – Ortsgruppenleiter, Mitglied der NSDAP seit 1.4.1933, aber alter Gegner des Marxismus. Als Ortsgruppenleiter ohne Benachrichtigung abgesetzt, in der Tätigkeit als Fachschaftsführer lahmgelegt und maßloser Hetze ausgesetzt.

14. Reinhard Albrecht – Lehrer und Schulleiter, Mitglied des NSLB seit September 32, Ämter: stellvertretender Ortsgruppenleiter, Referent der HLZ für Politik, Mitglied der NSDAP seit 27.4.33. Als Ortsgruppenleiter stillschweigend ausgeschaltet.“12

Und resümierend polemisierte Höller gegen die alte „Gesellschaft der Freunde“, von ihm stets „Genitivverein“ genannt und insbesondere gegen die HLZ und deren Schriftleitungen:
„Der Kampf der neuen Lehrerbundsleitung um die Macht hat auch die Überführung des Genitivvereins im NSLB behindert – NSLB nur Verbrämung des alten marxistischen Vereins – dessen Arbeitsausschüsse sämtlich bestehen blieben und die die Schulen nach wie vor mit den von ihm bearbeiteten Lernmitteln beliefern, wie Lesebuch, Liederbuch, Deutschbuch und Rechenbuch. Die Hamburger Lehrerzeitung spiegelt dies Verhältnis wieder. Nach der Gleichschaltung übernommen vom Genitivverein, wurde sie kein Kampfblatt des Nationalsozialismus, sondern ein liberalistisches Unterhaltungsblatt. Prof. Krieck hat dies Urteil bestätigt. Die Schriftleiter entstammen dem marxistischen Genitivverein und dem Lehrerfortbildungsinstitut, das von der marxistischen Regierung gegründet worden ist; frühere Hilfskräfte sind gleichfalls für redaktionelle Tätigkeit beibehalten worden. Der Stil der Zeitung hat sich nicht geändert, obgleich die führenden Nationalsozialisten weit abgerückt sind von dem geistreichelnden, verkniffenen und verschachtelten Ausdruck des liberalen Intellektualismus. Aus den Aufsätzen sind natürlich die Gehässigkeiten und Verdächtigungen verschwunden; aber was geboten wird an Abhandlungen und Mitteilungen ist noch immer ein buntes Allerlei persönlicher Meinungen aus allen Gebieten; nationalsozialistisches Kerngut ist selten darunter zu finden. Die Mitarbeit der alten Mitglieder ist ja auch nicht erwünscht. Unser Kampf geht jedoch nicht um unsere Person, sondern um die Sache, um die Erziehung der hamburgischen Jugend.“13

Dabei hatte die HLZ in ihrer Ausgabe 20/1933 am 20.5.1933 einen kurzen Artikel von Guido Höller abgedruckt, ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus, unter der Überschrift: „Volk und Schule“. Höller betrieb darin Abgrenzung. Er betonte, dass der NSLB mit dem alten Genitivverein nichts gemein habe:
„Der größte Feind der nationalen Revolution ist die Lauheit, die Leisetreterei, das Aneinandervorbeigehen und Jedengewährenlassen. Die Meinungen müssen herausgefordert werden, daß sie sich klären und ins Bett der völkischen Mehrheit einmünden. Das setzt aber voraus, daß die Lehrerschaft sich innerlich zum Nationalsozialismus bekennt. Mit der Gleichschaltung allein ist es nicht getan. Sie will nicht ein Nebeneinander heterogener Bestandteile schaffen, sie will vielmehr einen Boden und ein Klima schaffen, darinnen die unverständigen und widerstrebenden Elemente von ihrem falschen Wachstum gesunden können. Darum gibt es für uns keinen Funkenaustausch zwischen NSLB und früherem Genitivverein – das führt nur zur Bastardisierung der Meinungen – sondern der Lehrerbund ist der Sauerteig, der durch einen Gärungsprozess in den Andersdenkenden die falschen Lehrmeinungen zum Ausscheiden bringt. Damit dieser Vorgang stattfinden kann, ist es notwendig, daß sich dem NSLB die gesamte Lehrerschaft widerspruchslos ein- und unterordnet. Die Lehrerschaft muß eine fest geschlossene Hierarchie sein, die in einem Landesschulrat gipfelt und in der der Nationalsozialismus die Entscheidung hat. Das sind wir unserem Führer und unserem Volk schuldig.“14 Dieser einspaltige Artikel, der einzige, den die HLZ nach 1933 von Guido Höller druckte, war ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus, ein Profilierungsversuch, der deutlich machte, warum Höller und seine Gruppe nicht in der Lage waren, die Hamburger Lehrerschaft anzusprechen und in die neue Bewegung zu integrieren:

„Für den Nationalsozialismus ist jede Schule Volksschule. Alle Schulgattungen bis zur Universität und Akademie hinauf haben die eine und die gleiche Aufgabe: den deutschen Volksgenossen zu erziehen. Dieses Ziel ist durch das Wesen, die Geschichte und die Bestimmung des deutschen Volkes gegeben. Es sind zum ersten die altgermanischen, blutvererbten Tugenden der Tapferkeit, der Treue, der Ehre und der Wahrhaftigkeit, die Tacitus mit seiner Germania dem morschenden Römertum ins Herz gestoßen hat; es sind zum andern die durch den geographischen Raum bedingten und in der Geschichte sich entfaltenden deutschen Wesenszüge der Arbeitsfreudigkeit, des schöpferischen Dranges, der Gläubigkeit und der Jenseitssehnsucht, und zum dritten ist es die Mission – jedes Volk hat eine nur ihm auferlegte Aufgabe –, aus dem Zwiespalt zwischen Irdischem und Göttlichem zu erlösen und die Gegensätze des Lebens in die Einheit des Wollens umzuwandeln. Diese Erkenntnis ist in der Vergangenheit oft genug verwirrt und verkannt worden. Fremde Einflüsse haben vielfach die Instinktsicherheit übertäubt, die deutsche Entwicklung in falsche Bahnen getrieben und die Volkwerdung aus dem eigenen Grundstock gefährdet. Wenn die Führer versagen, ist das Volk verloren, das erst durch deren überlegene Tüchtigkeit zum Bewußtsein der notwendigen und dienstlichen Schritte kommt, sie aber dann mit der Begeisterung sehend gewordener Hoffnung geht. Der Nationalsozialismus hat die Urkräfte des deutschen Volkes in lebendiger Einheit geschaut und will sie von allem Artfremden gereinigt zur endgültigen Volksgestaltung auf allen Gebieten des leiblichen und geistigen Lebens einsetzen. Darum sein unerbittlicher Kampf gegen links und rechts, gegen Fremdes und Unechtes, gegen Angenommenes und Aufgezwungenes, gegen alles, was nicht tiefste Wurzeln im eigenen Volkstum hat. In diesem Kampf soll die Schule ein starker Mitkämpfer sein. Sie wird es aber nur sein, wenn Lehrer, Schüler und Eltern in einmütigem Wollen zusammenstehen. Die Schüler zu gewinnen schafft wenig Sorge. Ihre junge Begeisterung hat längst, als die Schule noch im alten, stärkeren Bann lag, das Morgenrot der neuen Zeit gewittert und hat sich überraschend schnell zu ihm bekannt, ehe noch die Torschlüsse gegen die neue Zeit von den Lehrern beseitigt wurden. Es war für viele ein freies Aufjubeln, als sie endlich auch in der Schule Hitlers Namen aussprechen und seine Abzeichen tragen durften. Im Nu war der Geschichtsunterricht von seiner verstaubten Lebensferne befreit, da sie die geschichtlichen Tatsachen aus dem Blickpunkt der sie bewegenden Gegenwart betrachten durften. Die Eltern freilich stehen noch in größerer Zahl abseits oder gar gegensätzlich. Sie dürfen aber dort nicht stehen bleiben, soll sich nicht von neuem eine Kluft zwischen Schule und Haus auftun. Die Schule kann aber nicht warten, bis die Eltern durch ihre Kinder für die neue Schule gewonnen werden. Das kann viel zu lange dauern und eine politische Verstimmung festigen, die das nationalsozialistische Einigungswerk zu gefährden vermag. Die Kollegien müssen daher von sich aus die Eltern zu erobern suchen. Sie müssen jede Gelegenheit wahrnehmen, die Eltern durch Versammlungen, Veranstaltungen und Schulfeste zum Bekenntnis nationaler Verpflichtung zu bringen, also allen Schulunternehmungen einen politischen Charakter zu geben.“15

Frustrierend für Höller, dass er in der HLZ unterm Hakenkreuz keinen Platz mehr fand.

Guido Höller lebte mit Feindbildern und war im Streit mit allen, von denen er sich nicht gewürdigt und unterstützt fühlte.16

Der Entnazifizierungsausschuss brachte es nach Anhörung Höllers und Prüfung der Unterlagen am 19.3.1947 auf den Punkt: „Er führte aus, dass er in den späteren Jahren Differenzen mit dem Nationalsozialismus gehabt habe. Seine eigenen Ausführungen lassen aber erkennen, dass diese Differenzen vor allem darauf zurückzuführen waren, dass die Partei ihn seiner Meinung nach nicht genügend beachtete und seine Ämter seinem Ehrgeiz nicht genügten.“17

Die Vita Höllers war durchaus vielseitig, schillernd, turbulent und interessant gewesen. Als er sich nach seinem Austritt aus dem NSLB am 31.3.1934 nach seiner Pensionierung verstärkt dem Schreiben zuwandte, intensivierte er seine Kontakte zum „Hamburger Tagesblatt“. Er hatte dessen Schriftleiter, Dr. Albert Krebs im September 1931 kennengelernt.18 Im Entnazifizierungsfragebogen vom 26.9.1946 gab Guido Höller an, von Sommer 1933 bis zum 22.3.1939 unbezahlter Mitarbeiter des „Hamburger Tagesblattes“ gewesen zu sein und Berichte über den NSLB, Buchbesprechungen, literarische Aufsätze und Gedichte verfasst zu haben. Aber kein Feld ohne Konflikte für Guido Höller: „Dr. Krebs musste gehen. Der neue Schriftleiter Okraß schob mich stillschweigend ab.“19

1936 bemühte sich Guido Höller, Mitglied der Reichskulturkammer/Reichsschrifttumskammer zu werden. Dafür schrieb er einen ausführlichen Lebenslauf, der interessante Informationen enthielt, aber auch Höllers Konflikte und Scheitern dokumentierte.

Mir bis dahin nicht bekannt war die Behandlung der Volksschullehrer in der Wehrmacht im Ersten Weltkrieg:
„Der einjährig-freiwillige Militärdienst war den Volksschullehrern verschlossen. So wurde 1893 für sie eine besondere Dienstpflicht eingeführt. Es wurden Volksschullehrerkompanien gegründet, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren 10, 6 und 4 Wochen zu dienen hatten, das letzte Jahr innerhalb einer alten Stammmannschaft. Ich diente in Schleswig, in Flensburg und im zweiten Hanseatischen Infanterieregiment No. 76 Hamburg. Zu Reserveübungen wurde ich nicht eingezogen. Mit dem Ausbruch des Weltkriegs wurde meine Schule von der Heeresverwaltung in Anspruch genommen. Nach dem alten Dienstrecht durfte ich nur in meinem Dienstgrad verwendet werden; aber eine andere Rektorstelle war nicht frei. So meldete ich mich zum Kriegsdienst, und ich wurde am 23.9.1914 dem ersten Landsturm-Infanteriebataillon Flensburg IX/17 überwiesen. Wir hatten von Apenrade und später von Hadersleben aus Küstenschutz zu stellen, wurden aber, da viele dänisch-sprechende Landsturmmänner in unseren Reihen standen nach einem halben Jahr zur Gefangenenüberwachung nach Wrohm bei Heide abkommandiert. Ich wurde Gefreiter, in die Schreibstube befohlen und hatte sämtliche schriftlichen Arbeiten für die Kompanie und die 1000 gefangenen Russen, Belgier, Franzosen und Engländer zu machen, und wurde daneben noch mit Sonderaufgaben bedacht: Meldegänger, Totenbestattung (Flecktyphus) und Abendunterhaltungen (Aufführung der Torgauer Heide von Otto Ludwig). Das brachte mir eine Nervenendentzündung ein, die mir das Diensttun immer mehr erschwerte. Ich wurde gv. geschrieben und von meiner Behörde zurückgefordert. Am 25.9.1916 war ich wieder Rektor und zugleich Leiter einer Lebensmittelkarten-Bezirksausgabestelle, wofür ich das Verdienstkreuz für Kriegshilfsdienst erhielt.“20

Nüchtern gelesen ist Höllers Biografie eine Dokumentation der Zerwürfnisse und des Scheiterns. Wobei es Höller und seine Frau persönlich zwischenzeitlich sicherlich besonders getroffen hatte, dass 1930 deren einzige Tochter, 24-jährig, tödlich verunglückte.21

Wo Höller auf- und eintrat, gab es Auseinandersetzungen und Konflikte. Für die Korrespondenz mit der Reichskulturkammer schien es hilfreich zu sein, die Gegner von Guido Höller als Juden und Marxisten zu denunzieren.

„Ich wurde in den Jugendschriftenausschuss gerufen, baute dort die Bücherei auf und verwaltete sie eine Reihe von Jahren. Diese Tätigkeit endete mit meinem Eintritt in die Lehrervereinigung zur Pflege der künstlerischen Bildung. Dort wurde ich Vorsitzender des literarischen Ausschusses, war Mitarbeiter des ‚Säemanns’, Vertreter auf dem 3. Kunsterziehungstag und führte einen langwierigen Kampf mit dem jüdischen Schuldirektor Jacob Löwenberg, der die von der Lehrervereinigung herausgegebene Anthologie: Vom goldenen Überfluß mit jüdischen Dichtern durchsetzen wollte. Mit der Novemberrevolte wurde die Lehrervereinigung in den marxistischen Genitivverein (Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul-und Erziehungswesens) eingegliedert, und ich legte mein Amt nieder und trat aus dem GV aus, als er immer unduldsamer gegen jede andere Meinung wurde. 1919 wandte sich Lothar Schreyer an mich, und die Besprechungen führten zur Gründung der Kampfbühne, die durch Bekämpfung des Epigonentums und des doktrinären Naturalismus die Bahn für die neue Dichtung freimachen, mithin ihr vorderster Stoßtrupp sein wollte. Aber die KB entpuppte sich rasch als ein Werkzeug der aufwuchernden jüdisch-bolschewistischen Kunst, und die Volksbühne geriet ins Schlepptau demokratischer Massenentscheidungen und der Arbeiterbildungsbestrebungen der SPD. Als diese Entwicklungen nicht mehr aufzuhalten waren und auch ein letztes Druckmittel gegen mich, meine Gudrun in der Volksbühne aufzuführen, mich nicht willfähriger machte, legte ich den Vorsitz nieder und schied aus den Unternehmungen aus etwa 1920-21.“22

Auch an der Hamburger Volkshochschule hatte Guido Höller lange mitgearbeitet. Nach Kämpfen gegen „marxistische“ Bestrebungen und „jüdisches Literatentum“ traf er 1933 auf einen anderen Egomanen, den neuen nationalsozialistischen Leiter der Volkshochschule, Heinrich Haselmayer.23 Da war das Zerwürfnis vorprogrammiert. Bei Höller las es sich so: „Die Novembermachthaber riefen im Frühjahr 1919 die Hamburgische Volkshochschule ins Leben. Ich wurde als Dozent für neueste Literatur berufen und hielt im gleichen Sommer meine erste Arbeitsgemeinschaft über ,Werdende Dichtung‘, die so zahlreich besucht wurde, daß sie den Charakter einer Vorlesung annehmen mußte. Doch noch vor Schluß des Jahres überwarf ich mich mit dem marxistischen Schulsenator aus politischen Gründen. Er war mein Schulpfleger gewesen und hatte vergeblich versucht, mich zum Eintritt in die SPD zu bewegen. Ich vermochte es nicht wegen ihrer materialistischen Welt- und Geschichtsauffassung, ihrer Massenverehrung, die den Individualismus umgehen zu können glaubte und ihres Abtuns aller geistigen Lebenshintergründe als Ideologie. Meine Stellung in der Volkshochschule wurde unsicher, und es gab mehr oder minder versteckte Kämpfe um die von mir eingereichten Themen, von denen mir: Vom Ich zum Du und Wir als zu undurchsichtig glatt abgelehnt wurde. Erbitterter wurde der Kampf unter dem neuen Direktor, Dr. Adams, der die Volkshochschule in eine marxistische Funktionärsschule umwandeln wollte. Aber da ich ihm offen in der Versammlung der Dozenten und Hörer entgegentrat und ihn auch im Hamburger Tageblatt kennzeichnete, wurde ich nicht ausgeschaltet, wenn er auch jede Gelegenheit nutzte, mir Schwierigkeiten zu machen. Ich blieb bis zur Niederringung der SPD in der Volkshochschule, obgleich ich immer schärfer gegen das jüdische Literatentum zu Felde zog, und ich blieb auch Dozent, als sie im nationalsozialistischen Geist umgewandelt wurde. Als erster las ich dort über die Edda. Aber infolge Meinungsverschiedenheiten über die methodische Ausgestaltung der Volkshochschularbeit wurde ich von dem damaligen Leiter heimlich ausgebootet. Ein Brief, in dem ich schrieb, daß ein offenes Wort immer echte deutsche Mannesart gewesen sei, blieb unbeantwortet, und so hörte mit dem Winter 1934 meine Tätigkeit in der Volkshochschule auf.“24

Durchaus informativ auch, wie Höller seine Entwicklung zum Schriftsteller beschrieb: „Von den üblichen Reimversuchen aufbrechender Jugend abgesehen, ist der Schaffenstrieb spät in mir erwacht. Als junger Lehrer begann ich, als ich eben in meinem Beruf festen Fuß gefaßt hatte, mich in der Pädagogischen Reform und später im Säemann über methodische, sprachliche und literarische Fragen auszusprechen und Kritik an Jugendschriften und Dichtungen zu üben. Das aber hielt ich nicht für schöpferische Tätigkeit. Die Jugendschrift brachte mich zum Märchen und im besonderen zur Andersenschen Märchenform. Ich fand in seinen Märchen und Geschichten manches unvollkommen übersetzt, ließ mir aus der königlichen Bibliothek zu Kopenhagen die dänische Gesamtausgabe der Märchen kommen, sah meine Vermutung bestätigt, las mich ein und übersetzte die 44 bisher noch nicht ins Deutsche übertragenen Märchen und Geschichten, was mir von dänischer Seite das Lob einer besonders getreuen Übersetzung eintrug. Ich hatte Blut geleckt und gab nun nach und nach Bearbeitungen, Nacherzählungen und Auswahlen anerkannter Schriftwerke und zeitgenössischer Dichter heraus. Sowohl Otto Ernst wie Gustav Falke sprachen mir ihren Dank für die einleitende Darstellung ihres Lebens und ihres Schaffens aus. Aber das war auch noch Kärrnerarbeit. Aus Eigenem wollte es mir nicht fließen. Da kam das Lagerleben des Weltkriegs, und in der einsamen Mittagstunde zwischen Weiden und Hecken kamen geschaute Gestalten zu mir und sprachen mit mir. Der Männersand war die erste, noch in das Märchen gekleidete Erzählung. Aber was damit begonnen hatte, hörte nicht mehr auf mich zu spornen. So entstanden Novellen, Gedichte und Dramen, meist bruchstückweise auf meinen Gängen durch Stadt und Feld, daß ich alles um mich her vergaß und mir einmal ein Radfahrer zurief: Du stirbst einmal auch keinen natürlichen Tod. 1913 wurde ich Theaterreferent am Hamburger Echo, das auch mehrere meiner Novellen zum Abdruck brachte. Als Kritiker lernte ich das ganze Elend des ‚Deutschen‘ Theaters, das mehr eine östliche Angelegenheit war, aus dem Grunde kennen und habe mich auch nicht gescheut, mancherlei auszusprechen, freilich ohne mir dadurch Freunde zu erwerben. Da die von mir abgelehnten Stücke vielfach vom Arbeiterbildungsausschuß in den Spielplan ihrer Gewerkschaftsvorführungen aufgenommen wurden, kam es 1919 zum Bruch.“25

Letztlich glich auch die Arbeit Höllers bei den organisierten Schriftstellern einer Geschichte des Scheiterns:
„Ich trat schließlich in den Schutzverband deutscher Schriftsteller ein, fand aber im Hamburger Gau nicht, was ich gesucht hatte. Die freien Schriftsteller hatten auch damals schwer um ihren Lebensunterhalt zu ringen und nutzten den SDS vorwiegend zu wirtschaftlichen Zwecken aus. Sie waren in den zersetzenden Tendenzen liberaler und jüdischer Aufbauschung und Kleinmacherei zu Hause und steuerten immer tiefer ins kommunistische Fahrwasser hinein. Ich kam nur selten in die Versammlungen, um nicht allzu oft abgebürstet zu werden, denn nur wenige, wie auch ich einige Male, setzten sich zu Wehr. Ich beschloß auszutreten und schrieb am 24.11.1932 an den Geschäftsführer einen dahingehenden Brief. Es geschah nichts darauf. Da kam der 5. März und brachte den Sturz des Berliner Hauptvorstandes. Ich schrieb am 27.3.1933 aufs neue an den Geschäftsführer und wurde für den folgenden Tag aufgefordert im Vorstand zu erscheinen. Ich beantragte die Umbildung des Vorstands und wiederholte den Antrag in der sich anschließenden Hauptversammlung. Er wurde mit Hohn aufgenommen und als Antwort ein jüdisches Mitglied in den Vorstand gewählt. Da riß mir die Geduld. Ich wandte mich sofort an den Kampfbund für deutsche Kultur, der die Ausräumung dann auch gründlich besorgte.“26

Guido Höllers Schlussbetrachtung:
„Ich habe auf fast allen Gebieten des deutschen Schrifttums geschrieben, aber nur selten ist es mir gelungen, gedruckt oder aufgeführt zu werden, trotzdem ich es etliche Male versucht und auch gute Beurteilungen erfahren habe. Doch da ich nicht Not zu leiden brauchte und auch keine Literaturgruppe hinter mir hatte, so ließ ich mich leicht abschrecken und begnügte mich mit Anerkennung im kleinen Kreis, obgleich ich nur zu gut weiß, daß die Schiebeladen des Schreibtischs nicht die Bretter sind, die die Welt bedeuten und das Licht der Öffentlichkeit heller lockt als der Lampenschein am häuslichen Herd.“27

Guido Höller war stolz auf seinen Mitgliedsausweis der Reichskulturkammer. Er bezeichnete sich nach seiner Pensionierung auch als Schriftsteller. Als er am 19.10.1936 einen Fragebogen der Reichsschrifttumskammer ausfüllte, gab er als Auskunftspersonen über sich an: Bruno Peyn, Heinrich Hehn, Hermann Claudius und Heinrich Behnken.28

Nun drohte auch die letzte Bastion Höllers zu fallen. Am 20.9.1941 schrieb die Reichsschrifttumskammer Guido Höller:
„Die Kammer führt Sie bisher als Mitglied in der Voraussetzung, daß eine Tätigkeit als Berufsschriftsteller vorliegt. Diese Voraussetzung dürfte nicht mehr vorliegen, nachdem die Einnahmen der letzten Jahre eine Tätigkeit geringfügigen Umfanges erweisen bzw. nebenberuflicher Art vermuten lassen.“29

Höller antwortete darauf postwendend: „Berufsschriftsteller bin ich niemals in dem Sinne gewesen, daß ich mir durch meine literarischen Arbeiten hätte den Lebensunterhalt erwerben müssen. Ich war also zu keiner Zeit freier Schriftsteller. Auf Anforderung der RSK vom 1.10.1936 übergab ich ihr auch den gewünschten ausführlichen Lebenslauf, in welchem ich meine Lebenszustände und meine schriftstellerische Entwicklung offen darstellte; ich war damals schon pensionierter Rektor. Die angekündigte Entlassung aus der Reichsschrifttumskammer aber kommt mir ungelegen. Wenn ich auch meine Buchmanuskripte den Verlegern in der Regel gegen eine einmalige Entschädigung abtrat, so beziehe ich doch auch jährlich laufende Erträge aus meinem Schrifttum. Außerdem produziere ich noch und möchte weiter Gelegenheit haben, meine Arbeiten, vor allem das germanische Schicksalsdrama – das wesentlich vom griechischen und christlichen-romantischen Schicksalsdrama unterschieden ist – und daß ich bereits überhalb fertig gestellt habe, zur Veröffentlichung anbieten zu können.“30

Es nützte nichts. Am 8.10.1941 erhielt Guido Höller den Bescheid: „Aus den hier vorliegenden Unterlagen habe ich ersehen, daß Sie nicht als Berufsschriftsteller im Sinne meiner amtlichen Bekanntmachung Nummer 88 tätig sind. Damit entfällt die Voraussetzung, Sie weiterhin als Mitglied meiner Kammer zu führen. Ich habe Sie daher mit sofortiger Wirkung aus der Mitgliedschaft entlassen und bemerke dazu ausdrücklich, daß die Entlassung weder mit einer Wertung Ihres schriftstellerischen Schaffens zusammenhängt, noch eine Unterbindung dieser Tätigkeit bedeutet; sie erfolgt vielmehr in Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen, die zur organisatorischen Abgrenzung des Berufsstandes erlassen worden sind.“31

Am 14.10.1941 gab Guido Höller seinen Ausweis zurück, nicht ohne sein Unverständnis über diese Regelung zu formulieren: „Damit bin ich außerhalb des Kreises der Literarisch-Schaffenden gestellt und in der freien Beweglichkeit, meine schriftstellerischen Arbeiten zu nützen, beträchtlich beschränkt worden.“32

Im Unterschied zu früheren Zeiten blieb Höller in seiner Korrespondenz moderat und nicht aufbrausend. Am 23.11.1941 schrieb er:
„Ich hatte es bisher als Vorzug empfunden, daß ich in amtlicher Stellung nicht um Lohn und Brot zu schreiben brauchte, sondern allein aus innerem Antrieb, da die wirtschaftliche Not des freien Schriftstellers, die schon Walther von der Vogelweide als äußerst drückend erschienen war, zu einer maßlosen Vielschreiberei und Überflutung des Büchermarktes geführt hat; bin freilich nun belehrt worden, daß die Anerkennung als Schriftsteller von Zahl und Umfang der jährlichen Veröffentlichungen abhängig gemacht worden ist. Das wird meiner Meinung nach zur Ausmerzung der Mittelschicht zwischen der kleinen Gruppe der schöpferischen und der gewaltigen Gruppe der nur aufnehmenden Volksgenossen führen, die bekanntlich schon durch die wirtschaftliche Not des deutsch-völkischen Interregnums stark gelichtet wurde.“33

Am 19.3.1944 wandte sich Guido Höller noch einmal an den Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, Hanns Johst:
„Auf Ihre Anordnung habe ich im Herbst 1941 aus der Reichsschrifttumskammer ausscheiden müssen, freilich unter der nachdrücklichen Zusicherung, daß dadurch die Möglichkeit veröffentlichen zu können, in keiner Weise berührt werde; ich müsse mir nur rechtzeitig einen Befreiungsschein für meine Arbeiten verschaffen. Aber als ich daraufhin für drei meiner Dichtungen: für die gerade beendigte germanische Schicksalstragödie ‚Der Schildunge Heil‘, für das Treuespiel ‚Gudrun‘ und für das groteske Totentanzepos ‚Die Sesselblütigen‘ diese Scheine beantragte, wurden sie mir mit der Begründung verweigert, ich müsse erst den Nachweis erbringen, daß die Verleger das Papier für deren Druck bereit stellten – wurde mir also die praktische Lösung auf den Kopf gestellt, indem ich ein Ergebnis erzielen sollte, ohne die notwendige Voraussetzung dafür in Händen zu haben. So hatte ich zwar das nominelle Recht drucken zu lassen; doch in Wirklichkeit waren mir alle Pforten in die Öffentlichkeit versperrt.“34

Höller hatte also die Kriegszeit genutzt, produktiv zu sein. Nun folgte er also dem Wunsch, seine Werke auch zu veröffentlichen, zu einem Zeitpunkt, wo es schon andere Sorgen gab:
„Die Reichsschrifttumskammer hat mich zwar zu meinem 70. Geburtstag am 19. Dezember 1941 beglückwünscht, aber sie ist zu spät gekommen und hat in den stiebenden Wind gesprochen. Wenn ich von meiner aufgestauten Saat noch ein wenig ernten soll, wird es höchste Zeit für mich. Ich bitte darum um eine allgemeine Lizenz, daß ich das mir zustehende Recht, zu veröffentlichen, auch ungehemmt ausüben kann.“35

Aber gegen Ende der NS-Herrschaft gab es kein großes Interesse, Höllers Werke zu veröffentlichen. Bald musste er sich darauf konzentrieren, Schriftsätze für den Entnazifizierungsausschuss zu produzieren, was er dann ausgiebig tat. Jetzt ging es um sein Ruhegehalt.

Wie nun argumentierte Guido Höller nach 1945?

Als er 1934 in den Ruhestand versetzt werden sollte, hatte er an die Landesunterrichtsbehörde noch geschrieben: „Als alter Kämpfer für die nationalsozialistische Bewegung fühle ich mich in meiner Ehre schwer gekränkt, daß ich aufgrund des Paragraphen 6 zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt worden bin.“36

Jetzt wurde der Schriftsteller Guido Höller wieder zum umfangreichen „Schriftsatzersteller“. Zur Frage 21 im Entnazifizierungsfragebogen: „Haben Sie sich öffentlich oder nicht öffentlich von der Kirche gelöst?“, schrieb Höller: „Ja, wegen der unduldsamen Wortgläubigkeit der protestantischen Orthodoxie und des ungläubigen Rationalismus des protestantischen Liberalismus.“37

Über seine Konflikte mit der Gesellschaft der Freunde berichtete er, bei seinem Vortrag 1925 zum Thema: „,Schulreform auf anthroposophischer Grundlage‘ stieß ich auf so viel Unverstand und Gehässigkeit, daß ich unter Protest die Arbeitsversammlung verließ und im Verlaufe der Mißhelligkeiten aus dem Lehrerverein austrat.“38

Erwähnt hatte ich schon, dass seine unbezahlte Mitarbeit beim nationalsozialistischen „Hamburger Tageblatt“ endete, als Schriftleiter Albert Krebs in Ungnade fiel.39

Die Lebensgeschichte Guido Höllers dokumentiert Zerwürfnisse, wo immer er sich engagierte.40

In seinen ausführlichen Anmerkungen zum Entnazifizierungsfragebogen beschrieb er, jetzt passenderweise, seine Annäherung an die SPD nach der Novemberrevolution:
„Ich war Theaterreferent für das Hamburger Echo, das auch Novellen von mir veröffentlichte, und habe das ganze Elend des damaligen Schrifttums durchkostet: die Entmündigung der deutschen Sprache bis zum Dadaismus hinunter und die Schändung alles dessen, was dem deutschen Volk durch Sage und Geschichte heilig geworden: Familie, Ehe und Liebe, Vaterland, Heldentum und menschliche Größe, Religion, Gesittung und Scham, gab aber im Sommer 1919, als meine Stellung aussichtsreicher werden konnte, dieselbe auf, wegen Meinungsverschiedenheiten über das dramatische Schaffen. Ich wurde vom Schulsenator mit hamburgischen Parteigrößen in sein Heidehaus geladen, konnte mich aber, als ich die Verbürgerlichung und Täglisierung ihres Lebens vor Augen hatte, nicht entschließen, in die sozialdemokratische Partei einzutreten, vor allem auch grundsätzlich nicht wegen Ausbleibens der sozialen Gerechtigkeit, wegen der gottlosen Bewegung und des historischen Materialismus.“41

Und, natürlich: „Ich überwarf mich auch mit dem Schulsenator wegen der zerstörenden Atomisierung des Schulbetriebs und der Beibehaltung des hohen, nur auf Gnadenwege zu erlassenden Schulgelds für die höheren Schulen, und wurde daher auch nicht Schulrat, obgleich die Schulbehörde zweimal dazu einen Anlauf unternahm.“42

In seinen Anmerkungen beschrieb Höller auch alle seine Konflikte mit der Reichsschrifttumskammer. Aber auch, dass er permanent aktiv war und immer wieder Aufträge übernahm – die freilich selten zufriedenstellend für ihn endeten.

Das Entnazifizierungsverfahren konnte für Guido Höller nicht erfolgreich ausgehen. Schlecht für ihn, dass er dabei mit Kurt Zeidler zu tun bekam, einem profunden Kenner der Hamburger Schul- und Kulturgeschichte.43 Zeidler schrieb für den Fachausschuss daraufhin, dass „es der Fachausschuss für angebracht hält, die Frage zu prüfen, ob dem Rektor i.R. das Ruhegehalt belassen bzw. in voller Höhe belassen bleiben kann. Herr Höller hat sich nach Auffassung einiger Mitglieder des Fachausschusses in den ersten Jahren des Nationalsozialismus als lauter Nationalsozialist gebärdet und im Schulwesen nicht ganz wenig Unheil angerichtet.“45

Der Entnazifizierungsausschuss hatte sich am 19.3.1947 in seltener Deutlichkeit geäußert:
„Herr Höller war Pg. 32 (Ortsgruppenkulturwart 33/35) SA 35–39, NSV 34, NSLB 31 (Ortsstellenleiter 34), Schrifttumskammer 36, VDA 37 (Kreisstellenleiter 38), ferner Kreisstellenleiter im Schrifttumsamt Rosenberg. Seine Belastung ist sowohl durch die frühe Parteimitgliedschaft wie die Vielzahl seiner teilweise bedeutenden Ämter sehr schwer. Er führt aus, dass er in den späteren Jahren Differenzen mit dem Nationalsozialismus gehabt habe. Seine eigenen Ausführungen lassen aber erkennen, dass diese Differenzen vor allem darauf zurückzuführen waren, dass die Partei ihn seiner Meinung nach nicht genügend beachtete und seine Ämter seinem Ehrgeiz nicht genügten. Seine eigenen Ausführungen beweisen ferner, dass er auch vor 1933 alles andere eher als ein Demokrat gewesen ist. Seine Persönlichkeit bietet nicht die geringste Gewähr für eine Mitarbeit im demokratischen Sinne.“46

Der Beratende Ausschuss am 14.12.1947 hatte beschlossen, Höller höchstens das Ruhegehalt eines Volksschullehrers zu belassen. Daraufhin wurde Kurt Zeidler für den Fachausschuss am 9.4.1948 noch einmal schärfer:
„Guido Höller war 1933 einer der lautesten und radikalsten Streiter für den Nationalsozialismus in der Hamburger Lehrerschaft. Daß er sich bei seiner rechthaberischen und streitsüchtigen Natur bald mit seinen Gesinnungsgenossen überwarf und von ihnen beiseite geschoben wurde, ist nicht zu verwundern, entlastet ihn aber politisch nicht im geringsten. Als die Oberschulbehörde ihm 1933 vor der NS-Machtübernahme, wie es damals üblich war, eine Anerkennungsurkunde des Senats für 40-jährige Dienste als Beamter überreichen wollte, verbat er sich diese Ehrung in einer unverschämten Form, die erkennen ließ, daß der Nazi Morgenluft witterte und seine Zeit für gekommen hielt. Mit den berüchtigten Oetje, Teichert und von der Lieth bildete Guido Höller das Kernstück des radikalen Flügels im NS-Lehrerbund und war einer der übelsten Inspiratoren der verhängnisvollen und hetzerischen Schul- und Personalpolitik des NS-Lehrerbundes in den ersten Monaten nach der NS-Machtergreifung. Durch seinen hysterischen NS-Radikalismus hat Höller damals die Lehrerschaft tief beunruhigt, in seinen Vorträgen die ‚Umwertung aller Werte‘ verkündet und mit dem Hochgenuß des geborenen ‚Radikalinski‘ die Menschen an allen traditionellen Werten irre gemacht. Wenn der Fachausschuß 6b diesem höchst gefährlichen Nazi jetzt 50% seines Ruhegehaltes streicht, so ist das eine Maßnahme, die eher wegen ihrer fast ungewöhnlichen Milde zu kritisieren wäre als wegen ungerechtfertigter Härte. Der Fachausschuß hat sich zu dieser großzügigen Regelung auch lediglich im Hinblick auf das hohe Alter des Höller entschlossen. Eine Abschwächung dieser Maßnahme in irgend einer Form muß er sich allerdings mit allem Nachdruck widersetzen. Auch die erbetene Ausfertigung eines Unbedenklichkeitsnachweises für schriftstellerische Tätigkeit kommt für einen Mann nicht infrage, der nach eigenem, keineswegs übertriebenen Eingeständnis alle nur irgend erdenklichen ‚Ismen‘ durchprobiert und öffentlich mit der ihm eigenen Lautheit und fanatischen Unbedingtheit verkündet und vertreten hat.“47

Höller nahm sich einen Rechtsanwalt und dieser, Werner Neuhäuser, beantragte am 12.2.1951, die Kürzung der Pensionsbezüge auf die Hälfte aufzuheben, die vom Berufungsausschuss am 15.12.1948 festgesetzt worden war unter Vorsitz des milden Dr. Kiesselbach, der extra betont hatte: „Trotz seines Alters trat er weiter 1935 der SA bei; wie er erklärt, um für den Fall eines Krieges und etwaiger Unruhen Dienst tun zu können.“

Und: „Höller steht im 77. Lebensjahr. Wenn er jünger wäre, hätte er mit seiner Entlassung aus dem Dienst rechnen müssen.“48

Die Entscheidung des Berufungsausschusses lautete, sich auf eine gekürzte Pension um ein Viertel zu beschränken. So beschloss dann der Leitende Ausschuss am 27.2.1952, wobei das Rektorengehalt dabei zu Grunde gelegt wurde.49

Was die Mitglieder der Entnazifizierungsausschüsse sicherlich auch aufgeregt hatte, war die Unverfrorenheit, mit der sich Höller bei dieser Lebensgeschichte als „Opfer“ des Nationalsozialismus darstellte, „als ein älteres (1.8.1932), und politisches, den kulturellen Parteianschauungen widerstrebendes und in seinen Lebensrechten stark geschädigtes Mitgliedes der NSDAP, damit ich wieder wie vor 1933 veröffentlichen könnte, worin mich die Parteileitung durch alle Jahre ihrer Macht verhinderte.“50

Die Dreistigkeit Höllers wurde auch deutlich, als er sich parallel zum Entnazifizierungsverfahren am 11.4.1948 an die Wiedergutmachungsstelle Hamburgs wandte und tatsächlich behauptete:
„In der Partei galt ich von der Machtübernahme an als verfemtes Mitglied, das seine Zugehörigkeit zur SPD verschweigen wollte, da ich eine Reihe von Jahren mit dem späteren Schulsenator Emil Krause befreundet und als Theaterreferent und Buchkritiker am Hamburger Echo tätig gewesen war.“51

An anderer Stelle in früherer Zeit hatte er noch seine Streitigkeiten mit Emil Krause angeführt.

Guido Höller starb am 11.6.1953.

Seine Witwe Toni Höller, 1875 geborene Paulsen, starb am 4.7.1970.52

Das Buch von Hans-Peter de Lorent: „Täterprofile, Band 2. Hamburg 2017“ gibt es in der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg.

Anmerkungen
1 Ausführlicher Lebenslauf Höllers in seiner Akte der Reichskulturkammer/Reichsschrifttumskammer, BArch, RK B 0078, Bl. 1728
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Laut Personalakte Höller, StA HH, 361-3_A 957.
5 Siehe auch die Biografien Willi Schulz und Albert Mansfeld, in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile Bd.1, Hamburg 2016, S. 99ff. und S. 118ff.
6 Hildegard Milberg: Schulpolitik in der pluralistischen Gesellschaft. Die politischen und sozialen Aspekte der Schulreform in Hamburg 1890–1935, Hamburg 1970, S. 371. Siehe auch: de Lorent 2016, NS-Personalpolitik im Hamburger Bildungswesen, insbesondere S. 35ff.
7 Personalakte Höller, a.a.O.
8 Personalakte a.a.O.
9 Berlin Document Center (BDC), OPG I 83_Bl. 0934. Siehe auch die Biografie Hans Rösch, in: de Lorent 2016, S. 768ff.
10 Berlin Document Center (BDC), OPG I 83_Bl. 0918. Siehe auch die Biografie Heinrich Hehn in diesem Buch.
11 Berlin Document Center (BDC), OPG I 83_Bl. 0906
12 Berlin Document Center (BDC), OPG I 83_Bl. 0906, Bl. 0908, Bl. 0910. Die Liste ist von mir leicht gekürzt worden.
13 Berlin Document Center (BDC), OPG I 83_Bl. 0910
14 HLZ 20/1933, S. 287.
15 HLZ 20/1933, S. 286f.
16 Berlin Document Center (BDC), OPG I 83_Bl. 0910
17 Entnazifizierungsakte Höller, StA HH, 221-11_Misc 7249
18 Laut ausführlichem Lebenslauf, S. 3, Akte Reichskulturkammer, BArch a.a.O.
19 Entnazifizierungsakte a.a.O.
20 Ausführlicher Lebenslauf, BArch a.a.O.
21 Ebd.
22 Ebd.
23 Siehe Biografie Heinrich Haselmayer, in: de Lorent 2016, S. 621ff.
24 Ausführlicher Lebenslauf, BArch a.a.O.
25 Ebd.
26 Ebd.
27 Ebd.
28 BArch. RK Bl. 0078. Siehe auch die Biografie Bruno Peyn, in de Lorent 2016, S. 480ff. Siehe auch die Biografie Heinrich Hehn in diesem Buch.
29 Ebd.
30 Ebd.
31 Schreiben vom 23.9.1941, ebd.
32 Ebd.
33 Ebd.
34 Ebd.
35 Ebd.
36 Schreiben vom 28.3.1934, in: Personalakte a.a.O.
37 Im ausführlichen Fragebogen, ausgefüllt am 26.9.1946, Entnazifizierungsakte a.a.O.
38 Entnazifizierungsakte a.a.O.
39 Nötige Anmerkungen zum Fragebogen, Entnazifizierungsakte a.a.O.
40 Ebd.
41 Ebd.
42 Ebd.
43 Siehe das Kapitel: Die unvollendete Entnazifizierung, in: de Lorent 2016, S. 38ff.
44 Schreiben von Guido Höller vom 6.3.1947, Entnazifizierungsakte a.a.O.
45 Entnazifizierungsakte a.a.O.
46 Ebd.
47 Ebd.
48 Entscheidung des Berufungsausschusses vom 15.12.1948, Entnazifizierungsakte a.a.O.
49 Ebd.
50 Schreiben von Guido Höller vom 6.3.1947, Entnazifizierungsakte a.a.O.
51 Schreiben vom 11.4.1948, in: StA HH, 351-11_1746
52 Personalakte a.a.O.
 

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Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand Mai 2020: 819 Kurzprofile und 275 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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