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Kurt Uhlig

(17.2.1904 Hamburg – 2.10. 1984)
Regierungs- und Schulrat in die Landesunterrichtsbehörde
Etzestraße 9 (Wohnadresse 1954)

Dr. Hans-Peter de Lorent hat über Kurt Uhlig ein Portrait verfasst, das in Hans-Peter de Lorents Buch: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz. Band. 3. Hamburg 2019 erschienen und im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg erhältlich ist. Hier der Text: 

Subjektiv als notwendige Anbiederung verstandener Opportunismus ist schwer von der Übereinstimmung mit der nationalsozialistischen Ideologie zu unterscheiden.
Wie stark die Abhängigkeit der Generation der um 1900 geborenen Lehrerinnen und Lehrer von der sozialen und wirtschaftlichen Situation in der Weimarer Republik insbesondere nach der Weltwirtschaftskrise gewesen war, zeigt auch der Fall des Lehrers Kurt Uhlig. Unsoziale und unsichere Beschäftigungsverträge, die die materielle Existenz niemals absicherten, trieben viele Lehrer dieser Generation in die Arme der NSDAP, die versprochen hatte, auf dem sozialen Gebiet für Veränderungen zu sorgen. Durch eine Personalpolitik nach der Verabschiedung des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7.4.1933 und der Herabsetzung des Pensionsalters der Lehrerschaft auf 58 Jahre, der Lehrerinnen auf 52 Jahre, wurden in Hamburg über 800 Personen entlassen oder in den Ruhestand geschickt. Die freigewordenen Stellen besetzte die NS-Schulverwaltung vorwiegend mit bis dahin arbeitslosen männlichen Lehrkräften oder den jungen Lehrern, die vorher auf ungesicherten Stellen oder in Teilbeschäftigungen waren. Dazu gehörte Kurt Uhlig, der daraufhin am 1.5.1933 in die NSDAP eintrat und durch enge Kontakte zu dem NSLB-Gauamtsleiter und Landesschulrat Willi Schulz Karriere machte.

Kurt Uhlig wurde am 17.2.1904 als Sohn des „Schauamtsgehilfen“ Curt Emil Uhlig in Hamburg geboren. Von Ostern 1910 bis 1916 besuchte er die Seminarschule in der Binderstraße und wechselte danach auf die Oberrealschule am Kaiser-Friedrich-Ufer , wo er 1923 die Reifeprüfung bestand. Aufgrund der begrenzten materiellen Mittel der Familie „widmete ich mich dem kaufmännischen Beruf und war bis Oktober 1926 bei zwei Hamburger Exportfirmen tätig“, schrieb Uhlig in seinem Lebenslauf.[1]
Im Wintersemester 1926/27 begann er an der Universität Hamburg ein Volksschullehrerstudium mit dem Hauptfach „neuere deutsche Literaturgeschichte und allgemeine Literaturwissenschaft“. Nach bestandenen Prüfungen im Dezember 1929 bewarb sich Kurt Uhlig um eine Anstellung als Volksschullehrer, die am 6.1.1930 an der Westerschule in Finkenwerder erfolgte.[2]
Aufgrund der angespannten ökonomischen Situation kündigte die Schulverwaltung 1931 allen nicht unbefristet beschäftigten Lehrerinnen und Lehrern und schrieb den Betroffenen:
„Im Einverständnis mit dem Senat wird die Oberschulbehörde bemüht sein, allen von der vorsorglichen Kündigung betroffenen Lehrkräften unter möglichster Schonung der Familienversorger eine auf die Hälfte herabgesetzte Weiterbeschäftigung vom 1. Oktober 1931 ab zu ermöglichen. Zur Vorbereitung dieser Maßnahmen wird um die Beantwortung der nachstehenden Fragen bis zum 19. des Monats ersucht. Von einer mündlichen Darlegung der Verhältnisse ist vorläufig abzusehen.“[3]
Abgefragt wurden der Familienstand und die wirtschaftlichen Verhältnisse der Betroffenen. Kurt Uhlig gab an, ledig zu sein, noch bei den Eltern zu wohnen und ein Nettogehalt von 260,18 Mark zu beziehen. Ergänzend merkte er am 18.8.1931 an:
„Ich bitte zu berücksichtigen, dass mein Vater kurz vor der Pensionierung steht und als Schlachthofgehilfe eine sehr geringe Pension beziehen wird, die nicht ausreicht, mich für den Fall einer Halbbeschäftigung zu unterstützen. Zweitens ich die Absicht hatte, im Herbst zu heiraten, was wirtschaftliche und persönliche Verpflichtungen verursacht hat, sodass mich ein 50-prozentiger Gehaltsausfall sehr schwer treffen würde. Ich sehe augenblicklich gar keinen Weg und bitte, nach Möglichkeit, mich vollbeschäftigt im Amt zu lassen. Ganz abgesehen von der wirtschaftlichen Frage ist die seelische Depression zu erwähnen, in die man gerät, wenn man einen Beruf, den man gern ausübt und den man jahrelang erstrebt hat (ich stehe im 28. Lebensjahr), aufgeben muss, wenn auch nur teilweise.“[4]
Vermerkt wurde auf dem Schreiben am 7.9.1931, dass Uhlig ab dem 1.10.1931 mit dreiviertel Tarifgehalt weiter beschäftigt würde.[5]
Am 26.10.1931 wandte sich Uhlig noch einmal an die Landesschulbehörde, berief sich auf eine Unterredung mit Schulrat Fritz Köhne und auf eine Anregung von Schulrat Richard Ballerstaedt. Er stellte folgenden Antrag:
„Nach Beendigung des Studiums in Hamburg bin ich seit dem 7.1.1929 in der Westerschule Finkenwerder tätig. Als Tarifler bin ich jetzt auf 75 % Arbeitszeit und Gehalt gesetzt. Da ich mich verheiraten will, bitte ich um Vollbeschäftigung bei vollem Gehalt. Die Heiratsurkunde könnte ich im Laufe des Novembers vorlegen. Ich erlaube mir, darauf aufmerksam zu machen, dass meine Braut, die während des Sommers in einem Nordseekinderheim beschäftigt war, im Winter Arbeitslosenunterstützung beziehen wird. Durch eine Verheiratung würde (bei Vollbeschäftigung) mein Gehalt zwar höher liegen als jetzt, dafür fiele aber die Unterstützung meiner Braut fort, sodass eine größere Belastung der Staatskasse nicht erfolgen würde. Ohne Mehrausgaben für den Staat könnte also zwei Menschen geholfen werden, und ich bitte darum nochmals, meinem Antrag zu entsprechen.“[6]
Damit hatte Kurt Uhlig erst einmal keinen Erfolg. Er heiratete dann am 9.1.1932 Luise Roosch und stellte am 5.7.1932 erneut den Antrag auf Vollbeschäftigung, die laut seiner Personalakte aber erst am 30.5.1933 erfolgte. Dafür musste Kurt Uhlig noch seine zweite Lehrerprüfung ablegen (am 8.12.1933). Für ihn hatte sich auch Willi Schulz eingesetzt, der nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten Oberschulrat für das Volksschulwesen geworden war, 1934 dann auch Landesschulrat und Gauamtsleiter des NSLB. Laut Personalakte gehörten Willi Schulz und Kurt Uhlig zum Kreis des Erziehungswissenschaftlers Gustaf Deuchler, bei dem Schulz vorübergehend eine Assistentenstelle innegehabt hatte.[7] Gustaf Deuchler war zu einem fanatischen Nationalsozialisten geworden, der seit 1933 seine Vorlesungen in SA-Uniform abhielt. Und Kurt Uhlig hatte eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Institut für Lehrerfortbildung (IfL) bekommen. Er machte dann das ­Latinum nach und wurde am 8.9.1936 promoviert mit einer Arbeit zum Thema: „Die Autobiografie als erziehungswissenschaftliche Quelle“.[8] Er war am 1.5.1933 in die NSDAP eingetreten und ein Jahr später Mitglied des NSLB geworden.
Offenbar profilierte sich Kurt Uhlig als kompetenter Mitarbeiter. Im NSLB arbeitete er mit in der Gauhauptstelle Erziehung und Unterricht, als deren Leiter Wilhelm Arp fungierte.[9]
Die Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am IfL war in der Verwaltung der Bücherei angesiedelt und hatte Uhlig offenbar auch Möglichkeiten für sein Promotionsvorhaben geboten. Ab dem 1.4.1936 war er dann mit der Wahrnehmung von Aufgaben in der Verwaltung der Lehrerbildung beauftragt. Und zum 1.11.1939 wurde er als Regierungs- und Schulrat in die Landesunterrichtsbehörde berufen, wo er als enger Mitarbeiter von Landesschulrat Willi Schulz fungierte.[10] Dabei hatte er sich besonders profiliert, als es Landesschulrat Willi Schulz darum ging, den Plan des Reichserziehungsministeriums 1939 zu kommentieren, der die Einführung der Hauptschule vorsah. Mit Uhligs Unterstützung, der für die Hamburger Staatsverwaltung 1940 an einer Wiener Tagung zum Thema „Hauptschule“ teilgenommen hatte und der Schulz auf die Gefahren für den Aufbau des Hamburger Schulwesens aufmerksam machte, versuchte Willi Schulz insbesondere die Abschaffung der Aufbauschule in Hamburg zu verhindern. Die Aufbauschulen waren 1920 eingerichtet worden, sie sollten begabten Schülerinnen und Schülern nach vollendetem vierten Volksschuljahr die Möglichkeit zur höheren Schulbildung bieten und hatten sich nicht nur nach Auffassung von Landesschulrat Schulz sehr bewährt. Die Auflösung der Aufbauschulen konnte auch von Willi Schulz nicht abgewendet werden, zeigte aber die enge vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schulz und Kurt Uhlig.[11]
Wohl aber gelang es, die Einführung der Hauptschule zu verhindern. Uwe Schmidt schrieb dazu: „In der Langzeitbetrachtung hat das Engagement des nationalsozialistischen Landesschulrats Wilhelm Schulz zweifellos dazu beigetragen, die spezifische hamburgische Form einer mittleren allgemeinen Schulbildung des 7.-10. Schuljahres aufrecht zu erhalten und abzusichern.“[12] Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Vertrauter von Schulz hatte Kurt Uhlig daran wesentlichen Anteil.
Kurt Uhlig war also am 1.8.1939 Wissenschaftlicher Rat und Beamter auf Lebenszeit geworden, am 20.10.1939 in die Schulverwaltung gewechselt als Regierungs- und Schulrat. Das war eine Tätigkeit schon in Kriegszeiten und für Uhlig musste am 15.10.1940 eine Uk-Stellung eingeholt werden, mit Hinweis auf seine Tätigkeit als Vorsitzender von Prüfungsausschüssen und zwei Lehraufträge an der Hansischen Hochschule für Lehrerbildung.[13]
Dennoch erfolgte die Einberufung des 37-jährigen Kurt Uhlig am 3.3.1941. Offenbar bewährte sich Uhlig auch bei der Wehrmacht, er wurde am 1.4.1942 zum Unteroffizier befördert, später zum Feldwebel.[14] Seit dem 14.5.1943 war er bei der „Abwehrstelle“ in Paris tätig.[15] Kurt Uhlig geriet in Holland am 9.5.1945 in kanadische Kriegsgefangenschaft und kehrte am 5.11.1946 nach Hamburg zurück.[16]
Nach seiner Rückkehr fand Uhlig in Fritz Köhne, der schon in der Weimarer Zeit sein Schulrat gewesen war und ihn auch aus der Arbeit in der Schulverwaltung der NS-Zeit kannte, einen Fürsprecher, der am 15.11.1946 erklärte: „Gegen eine Verwendung als Lehrer keine Bedenken.“[17] Gegenüber Zurückgekehrten aus der Kriegsgefangenschaft herrschte in der Regel in den Entnazifizierungsausschüssen generell eine gewisse Milde. Wobei den Fachausschuss 6 b unter Vorsitz von Kurt Zeidler sicherlich auch andere Gründe bewogen hatten bei seiner Entscheidung: „Der Fachausschuss hat eine unverbindliche Vorprüfung der politischen Tragbarkeit des früheren Regierungs- und Schulrats Dr. Kurt Uhlig vorgenommen und ist zu der Auffassung gekommen, dass Aussicht dafür vorhanden ist, Dr. Uhlig als Volksschullehrer im Staatsdienst weiter zu beschäftigen. Der Fachausschuss hat daher keine Bedenken gegen die sofortige Beschäftigung von Dr. Uhlig in der Verwaltung auf der Grundlage des Gehalts eines Volksschullehrers.“[18] Und Fritz Köhne bat am 14.1.1947 um Zuweisung Uhligs „an die Dienststelle Schulfürsorge (englische Schulkinderspeisung)“.[19]
Kurt Uhlig konnte Leumundszeugnisse beibringen, die ihn in ein positives Licht rückten. So etwa von Prof. Rudolf Peter, einem NS-Gegner, der am 15.12.1946 schrieb:
„Uhlig gehört nicht zu den politischen Karrieremenschen; dazu hat er in nicht mehr jungen Jahren sein Studium viel zu ernsthaft angefasst. Der Schulpolitik des Ministeriums Rust und der Bayreuther Zentrale des NSLB stand er sehr kritisch gegenüber und hat aus seiner Stellung auch nie einen Hehl gemacht. Duckmäuser ist er nie gewesen. Man kann sich auf ihn verlassen.“[20]
Und der ehemalige Schulleiter und langjährige Lehrerfunktionär der „Gesellschaft der Freunde“, Peter Jacobsgaard, der auch im NSLB nach 1933 in der „Abteilung Wirtschaft und Recht“ bei den sozialen Kassen weiter arbeitete[21], bemerkte über Kurt Uhlig, er habe sich „in den Sitzungen nie im Sinne des Nationalsozialismus betätigt“.[22]
Kurt Uhlig hatte am 15.11.1946 den ausgefüllten Entnazifizierungs-Fragebogen vorgelegt und zu seiner Parteimitgliedschaft erklärt, „dass ich am 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP wurde, weil ich als ¾ beschäftigter Hilfslehrer mit Frau und Kind ohne Zugehörigkeit zu einer Organisation damals nicht mit Vollbeschäftigung oder Festanstellung rechnen konnte. Mein Interesse und mein Einsatz lagen in der Folgezeit nicht auf politischem sondern ausschließlich auf fachlichem Gebiet. Ich legte meine Dissertation aus dem Jahre 1936 vor, welche mein damaliges Interessengebiet ausweist. Es wäre damals zweckmäßiger und leichter gewesen, eine politische Dissertation bei einem politisch einflussreichen Universitätslehrer zu erarbeiten. Während meiner kurzen Amtszeit als Regierungs- und Schulrat in der Staatsverwaltung war ich nicht schulaufsichtlich sondern vorwiegend administrativ tätig, da die eigentliche Schulaufsicht der gemeindlichen Schulverwaltung delegiert war. Meine Bemühungen galten vor allem der Verteidigung des Hochstandes des Hamburger Volksschulwesens und seiner Oberbauform gegenüber den Nivellierungsbestrebungen der Berliner Stellen nach der Aufhebung der hamburgischen Schulautonomie.“[23]
Uhlig hatte eine Anlage zum Fragebogen beigefügt, auf der er vermerkte:
„In der zweiten Hälfte des Jahres 1936 wurde ich während einiger Monate durch die NSDAP, Ortsgruppe Hammer Park, mit der Betreuung eines Blocks als Blockhelfer beauftragt. Ich war jedoch nicht ordnungsgemäß ernannter Blockleiter, hatte weder Ausweis noch Uniform und nahm auch nicht an den Versammlungen und Schulungen der Politischen Leiter teil. Als Ende 1936 die Schulverwaltung ein politisches Gutachten zwecks Festanstellung über mich anforderte, lautete dies wörtlich etwa so: ‚Uhlig lehnt jeden Auftrag mit irgend einer Ausrede ab und kann daher nicht als zuverlässig im Sinne der NSDAP bezeichnet werden.‘ Wegen der Misshelligkeiten mit der NSDAP konnte meine Festanstellung damals nicht erfolgen, und ich war gezwungen, am 1.4.1937 meine Wohnung in einen anderen Stadtteil zu verlegen. Außer der genannten Zeit habe ich weder vorher noch nachher irgendwelche Funktionen ausgefüllt.“[24] Kurt Uhlig konnte dafür zwar keinen Beleg beifügen, aber offenbar vertraute ihm der Entnazifizierungsausschuss, der ihn am 10.5.1947 als Volksschullehrer bestätigte.[25]
Was Kurt Uhlig nicht erwähnt hatte, war, dass er seit seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Bücherei des Instituts für Lehrerfortbildung und nach seinem Parteieintritt für die „Hamburger Lehrerzeitung“ der Adressat für Buchrezensionen war. Uhlig schrieb auch selbst kurze Buchbesprechungen. Es sollen nur drei Beispiele zitiert werden, deren Motiv vielleicht auch der Wunsch nach Festeinstellung gewesen war. Es zeigt sich aber, wie eng der Wunsch nach sozialer Absicherung dem Opportunismus ähnelte und mit politischer und ideologischer Verstrickung zusammenfiel. Das Buch „Heimkehr ins Dritte Reich“ von Hans Fuchs rezensierte Uhlig folgendermaßen: „Das Tagebuch eines Offiziers des Kreuzers ‚Königsberg‘ von der großen Auslandsreise 1932/33. Eine Fülle von Erlebnissen, Abenteuern und Eindrücken landschaftlicher oder politischer Art ist hier in fesselnder Weise wiedergegeben. Die besondere Note bekommt das Buch durch die innere Spannung aller Fahrtteilnehmer, die nur aus der Ferne die gewaltige Umwälzung des Reiches erleben können. Der Bericht über diese einzigartige ‚Heimfahrt ins Dritte Reich‘ schließt mit der Schilderung der Begrüßung des Schiffes im Heimathafen durch den Führer. Prächtige Fotos und gute Ausstattung geben dem Buch eine würdige äußere Form.“[26]
Im selben Heft rezensierte Kurt Uhlig auch das Buch „Jude und Arbeiter“ von dem Autor F. Schulz: „In sorgfältiger Ausarbeitung unter exakter und zahlreicher Quellenangabe wird hier der Zusammenhang zwischen Judentum und Marxismus beleuchtet. In zwei grundlegenden Kapiteln über Marx und Lassalle weist der Verfasser nach, wie soziales Ressentiment und Rassenhass als Wurzeln der marxistischen Ideologie der jüdischen Führer in der deutschen Arbeiterbewegung gewirkt haben. Zum ersten Male wird auch lückenlos und sachlich eine Darstellung von der moralischen Zersetzung der deutschen Heimatfront während des Weltkrieges gegeben. Das Buch hat nicht nur als Aufklärungsschrift, sondern auch als wissenschaftlicher Beitrag zu einer politischen Geschichte Deutschlands große Bedeutung.“[27] Subjektiv als notwendige Anbiederung verstandener Opportunismus ist schwer von der Übereinstimmung mit der nationalsozialistischen Ideologie zu unterscheiden. Und das bereits 1934.
Das Buch von Herbert Blank „Soldaten, Preußisches Führertum von Waterloo bis Ypern“ zeigt Kurt Uhlig auch als Rezensenten, der die nationalsozialistische Diktion übernahm:
„Dieses Werk will Idee, Geschichte und Gestalt des deutschen Offiziers aufzeigen und damit besonders dem preußischen Offizier den Ruhm geben, der ihm von einem zivilistischen Liberalismus so oft geschmäht wurde. Dabei ist das Werk aber nicht die Geschichte eines Standes, dargestellt in seinen verschiedenen historischen Erscheinungen, sondern es zeigt am Wandel soldatischer Formen den Weltanschauungskreislauf von der Geburt des ‚Ich‘ in der französischen Revolution – beispielhaft dargestellt am ‚Tirailleur‘ der Freiwilligenarmee – zur Wiedergeburt des altpreußischen ‚Wir‘ im deutschen Stoßtrupp der letzten Kriegsjahre und in den Sturmabteilungen der nationalsozialistischen Bewegung. Heute ist das ‚Wir‘ der Kampfgemeinschaft über das rein militärische Gebiet hinaus zum allgemeinen Staatsprinzip geworden, und somit liefert das vorliegende Buch – entwickelt an der Geschichte des Soldaten – einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der neuen deutschen Staatsidee.“[28]
Aber konnte man von einem Entnazifizierungsausschuss nach 1945 verlangen, die Buchrezensionen in der „Hamburger Lehrerzeitung“ aus der NS-Zeit nachzulesen?
Kurt Uhlig war also nach seiner Kriegsgefangenschaft direkt weiter beschäftigt worden und kam von der Schulfürsorge zum 20.9.1947 an die Schule Ratsmühlendamm , wo ihm Schulleiter Alwin Tornieporth am 4.12.1947 ein kurzes Gutachten schrieb, in dem es hieß:
„Dr. Uhlig ist ein begeisterter Erzieher, der sich der schwierigen Aufgabe, die ihm gestellt war, mit innerer Anteilnahme widmete. Er hat versucht, alle erzieherischen und unterrichtlichen Möglichkeiten zu nutzen und seine Arbeit verspricht guten Erfolg. Seine Arbeit in der Schulfürsorge behielt er teilweise bei und konnte darum für seine Klasse und die Schule besonders gut sorgen. Als Kollege ist Dr. U. freundlich und entgegenkommend, hilfsbereit und aufgeschlossen. So habe ich einen durchaus positiven Eindruck von der Persönlichkeit Dr. Uhligs bekommen.“[29]
Und Oberschulrätin Julchen Bloom ergänzte: „Er hat sich mit großer Hingabe seiner Aufgabe gewidmet, was beweist, dass er gewillt ist, sich in sozialer Hinsicht voll und ganz in den Dienst des Neuaufbaus Deutschlands zu stellen. Ich habe keinerlei Bedenken, ihn als Lehrer unter den ihm auferlegten Bedingungen weiter zu beschäftigen.“[30]
In den folgenden Jahren bemühte sich Kurt Uhlig dann darum, seinen Status, insbesondere seine Besoldung an dem orientiert zu bekommen, was er in der NS-Zeit erreicht hatte. Vermutlich sah er, wie sich die juristischen Bedingungen verändert hatten und auch, dass ehemalige Nationalsozialisten, die in ganz anderer Weise als er verstrickt und belastet gewesen waren und wichtigere Funktionen und Ämter inne gehabt hatten, es mit Hilfe von Rechtsanwälten schafften, ihre alten Dienstbezeichnungen wieder zu bekommen und, meist als Pensionäre, auch Versorgungsbezüge, die sich an ihren ehemaligen Ämtern orientierten.
Am 1.12.1949 schrieb Kurt Uhlig an den Leitenden Ausschuss beim Staatskommissar für die Entnazifizierung und wies darauf hin, dass er am 10.5.1949 „im Wege der Neuüberprüfung in Kategorie V eingestuft“ worden sei. Daraus würde er gerne ableiten, im Weiteren nicht mehr als Lehrer beschäftigt zu werden:
„Ich bedaure sehr, dass die eingetretenen Umstände (seit 1941 zur Wehrmacht eingezogen zu sein, d. L.) meine wissenschaftliche Tätigkeit im allgemeinen und meine Laufbahn als Erziehungswissenschaftler im besonderen unterbrochen haben. Meines Erachtens ist dem Staat auch mehr gedient, wenn er einen Beamten in seinem eigentlichen Studien- und Erfahrungsgebiet einsetzt, statt ihn in einer Funktion zu belassen, in der seine Kenntnisse und Erfahrungen nicht voll ausgenutzt werden. Ich halte auch die weitgehende Zurückstufung von A 2 c 1 nach A 4 c 2 für eine unbillige Härte.“[31]
Kurt Uhlig brachte jetzt weitere Leumundszeugnisse ein. So etwa von Wilhelm Hellwagen, der erklärte, selbst langjähriger Staatsangestellter zu sein, „naturgemäß als überzeugter Sozialist“ niemals einer NS-Gliederung angehört zu haben und jetzt Mitglied eines Unterausschusses des Fachausschusses für die Entnazifizierung zu sein. Er schrieb, „dass ich selten einen Menschen kennengelernt habe, der in charakterlicher und moralischer Beziehung so sauber und einwandfrei ist wie eben Herr Dr. Uhlig. Aus politischer Überzeugung hat Dr. Uhlig nie gehandelt. Dafür ist er denkbar ungeeignet, sich irgendwie – auch heute – politisch zu betätigen. Seine Lehrtätigkeit war und ist ihm voller Lebensinhalt. Während des letzten Krieges war ich mit Dr. Uhlig bei einer Einheit der Frontaufklärungsgruppen – Wehrmacht und Heer – durch Veröffentlichungen dürfte inzwischen bekannt geworden sein, dass gerade diese Einheiten in schroffem Gegensatz zur damaligen politischen Führung Deutschlands standen und folgerichtig maßgeblich an den Ereignissen des 20. Juli beteiligt waren. In vielen kameradschaftlichen Gesprächen hat er uns Dank seiner hohen Intelligenz die Sinnlosigkeit der Führung durch die damaligen Machthaber aufgezeigt und damit vielen Kameraden wieder die Hoffnung auf ein anderes Deutschland gegeben. Auch im aktiven Geschehen zögerte er nicht, seinen Mann zu stehen. Hierfür ein Beispiel: Im Januar 1945 lagen wir in Holland. Hier hatte der SD drei katholische Priester festgenommen, die im Verdacht standen, für die Widerstandsbewegung tätig zu sein. Dies wurde uns bekannt. Der Klugheit und Initiative Dr. Uhligs gelang es, diese Leute zu befreien ungeachtet der Gefahr, der er sich damit aussetzte.“[32]
Ein anderes Leumundszeugnis verfasste Prof. Heinrich Geffert, der seit der gemeinsamen Lehrerseminarzeit eng mit Willi Schulz befreundet war und eine kurze Zeit im Übergang von der „Gesellschaft der Freunde“ zum NSLB die Verantwortung für die „Hamburger Lehrerzeitung“ hatte. Kurt Uhlig war sein Mitarbeiter im Institut für Lehrerfortbildung gewesen. Geffert schrieb über Uhlig:
„Er zeichnete sich aus durch gewissenhafte Arbeit und ein umfangreiches, sicheres Wissen, das er sich durch ein gründliches Studium in der Universität erworben hatte. Menschlich und charakterlich habe ich ihn sehr geschätzt, vor allem wegen seiner sozialen Einstellung und seiner guten kameradschaftlichen Haltung. Auch während seiner Tätigkeit als Regierungs- und Schulrat hatte ich dienstlich häufig mit ihm zu tun und wir haben oft über politische Fragen, soweit sie die Schule betrafen, gesprochen. Immer hatte ich bei diesen Unterredungen den ganz klaren Eindruck, dass es ihm in der Schule nur auf sachliche Arbeit ankam. Er arbeitete nicht mit Schlagworten, zeigte im Gespräch nicht die geringste parteiliche Beflissenheit und hat, soviel ich weiß, keine politische Propaganda getrieben. Im Gegenteil: oft hat er ministerielle Erlasse, die in die Substanz der Schule eingriffen, heftig kritisiert und sich scharf gegen die Einmischung der HJ in die Schulerziehung ausgesprochen. In den Kreisen der Lehrer war Dr. Uhlig wohlgelitten; er hat meines Wissens keinem geschadet, dagegen vielen geholfen. Von den Verdiensten der Sozialdemokratie um das Hamburger Schulwesen war er sehr überzeugt, und er hat sie oft hervorgehoben.“[33]
Es änderte sich erst einmal nichts. Der Personalreferent für den Volksschulbereich, Schulrat Karl Hoffmann, teilte Uhlig mit, „dass die Behörde nicht beabsichtigt, Sie als Schulrat oder als Dozenten in der Lehrerbildung zu beschäftigen. Sie können meines Erachtens auch keinen rechtlichen Anspruch auf eine entsprechende Einstellung erheben. Nach Art. 131 des Grundgesetzes sind die Rechtsverhältnisse von Personen, die am 8. Mai 1945 im öffentlichen Dienst standen und aus anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen ausgeschieden sind und bisher nicht oder nicht ihrer früheren Stellung entsprechend verwendet werden, durch Bundesgesetz zu regeln. Bis zum Inkrafttreten dieses Bundesgesetzes können Rechtsansprüche nicht geltend gemacht werden.“[34]
Der Justiziar in der Schulverwaltung, Otto von Zerssen, bestätigte für den Personalreferenten, dass nach § 63 des Ausführungsgesetzes zu Art. 131 Grundgesetz der Dienstherr zur Unterbringung des Beamten „verpflichtet ist, aber es einen Anspruch auf eine Unterbringung des erfolgreich entnazifizierten Beamten nicht gibt“.[35] Und weiter:
„Nach § 20 muss sich ein Beamter, dessen endgültige Unterbringung in seiner früheren Rechtsstellung nicht möglich ist, vorübergehend auch mit einem Amt mit geringerem Endgrundgehalt begnügen. Allerdings ist hinzugefügt, dass es ein Amt ‚in derselben oder einer mindestens gleichwertigen Laufbahn‘ sein müsse.[36]
Der Leitende Ausschuss hatte zum Abschluss der Entnazifizierung am 8.8.1951 folgenden Beschluss gefasst:
„Dr. Uhlig ist mit Wirkung vom 15. August 1951 wieder in den Rang eines Regierungsrats einzustufen. Ob er als Schulrat beschäftigt werden soll, muss der Schulbehörde überlassen werden.“[37]
Die Schulbehörde änderte ihre Position trotz mehrfacher Anschreiben von Kurt Uhlig nicht. Am 7.1.1955 schickte der neue Schulsenator Prof. Hans Wenke aus Anlass des 25-jährigen Dienstjubiläums im öffentlichen Dienst Kurt Uhlig ein standardisiertes Glückwunschschreiben mit dem Zusatz:
„Gleichzeitig wünsche ich Ihnen für die Zukunft alles Gute. Möge Ihre Tätigkeit in den weiteren Jahren von Erfolg begleitet sein; nicht nur zum Wohle der Allgemeinheit, sondern auch zu Ihrer eigenen freudigen Genugtuung.“[38]
Kurt Uhlig nahm dieses offenbar zum Anlass, noch einmal den Versuch zu starten, in eine andere Besoldungsgruppe eingruppiert zu werden, die der Tätigkeit eines Regierungs- oder Schulrates entsprach. Er versicherte gleichwohl, keinen Anspruch auf eine anderweitige Tätigkeit geltend zu machen.[39] Ein ähnliches Schreiben hatte er am 5.8.1954 schon einmal an Schulsenator Wenke geschickt.[40]
Behördenintern wies Schulrat Karl Hoffmann darauf hin, es gebe parallel zum Fall Kurt Uhlig noch fünf Fälle, bei denen ein ähnlicher Sachverhalt zu Grunde liege, sodass eine Lösung im Fall Uhlig Ansprüche auch bei den anderen Personen produzieren würde. Es handelte sich dabei um die Fälle Prof. Kurt Holm[41], des ehemaligen Schulleiters Dr. Karl Hamann[42], des ehemaligen Oberschulrats Albert Mansfeld[43] und der ehemaligen Schulräte Wilhelm Lühning[44] und Willi Heher.
Das machte die Entscheidung für die Schulbehörde natürlich nicht leichter.
Dann trat Rechtsanwalt Oscar Toepffer auf den Plan, ehemaliger Leiter des Staatsamtes während der NS-Zeit, Beigeordneter und Senator in der Zeit des Nationalsozialismus und dabei auch vorübergehend für den Schulbereich zuständig. Auch Oscar Toepffer wurde nach 1945 im öffentlichen Dienst nicht weiter beschäftigt, eröffnete dann eine Rechtsanwaltssozietät und vertrat zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten, ehemalige NS-Senatoren und andere Funktionsträger in den Verwaltungen, für die er in der Regel sehr erfolgreich Prozesse gewann oder Vergleiche abschloss.[45]
Oscar Toepffer schrieb im Grunde nichts anderes, als Kurt Uhlig einige Male zuvor. Er fasste zusammen, dass der Leitende Ausschuss in seiner Entscheidung 1951 „von dem Gedanken ausging, dass Herr Dr. Uhlig mindestens die Bezüge erhalten sollte, die seiner früheren Stellung entsprachen“. In der ihm eigenen Diktion führte er dann weiter aus: „Wie ich von Herrn Dr. Uhlig höre, hat er verschiedene Gesuche an die Schulbehörde wegen Regelung seiner beamtenrechtlichen Stellung gerichtet. Das letzte Gesuch vom 27.4.1955 hat zum Ziele die Einstufung in die Besoldungsgruppe L 2. Die Rechtslage stellt sich mir so dar, dass Herr Dr. Uhlig Regierungs- und Schulrat zur Wiederverwendung ist. Da seit 1951 eine größere Zahl von Schulratsstellen verfügbar gewesen ist, ergibt sich die Frage, ob die Behörde von ihrem Ermessen bei der Besetzung dieser Stellen den richtigen Gebrauch gemacht hat, wenn sie Herrn Dr. Uhlig jedes Mal übergangen hat. Ich darf als bekannt voraussetzen, dass sich die Verwaltungsgerichte in neuerer Zeit verschiedentlich mit diesem Problem auseinandergesetzt haben und unter gewissen Voraussetzungen (die möglicherweise auch im Falle des Herrn Dr. Uhlig gegeben sind) einen Rechtsanspruch auf Übertragung der Stelle eines Schulrates anerkannt haben.“[46]
Letztendlich wies Oscar Toepffer darauf hin, dass es Kurt Uhlig gar nicht darum ging, in das ehemalige Amt wieder eingesetzt zu werden, sondern primär um die Besoldung L 2.47
Daraufhin reagierte die Schulbehörde sehr schnell. Der Leitende Regierungsdirektor Birckholtz schlug vor, „diesem Vergleichsvorschlag zu entsprechen und das Personalamt um Entscheidung zu bitten“.[48]
Am 16.6.1956 erfolgte der Ernennungsvorschlag durch Senator Hans Wenke. Am 17.7.1956 unterschrieb Bürgermeister Kurt Sieveking die Ernennungsurkunde. Am 8.3.1966 wurde Kurt Uhlig zum Oberstudienrat ernannt. Am 30.1.1970 trat er in den Ruhestand.[49] Bis 1971 erfüllte Kurt Uhlig dann noch einen Lehrauftrag.
Kurt Uhlig erhielt zu seinem 70. Geburtstag ein Glückwunschschreiben von Landesschulrat Wolfgang Neckel, in dem es unter anderem hieß:
„Unter Ihrer Anleitung entstand zum Beispiel der Entwurf für einen Satz Europa-Briefmarken, mit dem die Schule in Straßburg einen Preis gewann. Die Einführung des Französisch-Unterrichts als zweite Fremdsprache geschah durch Sie. Das Kollegium fuhr 1958 mit Ihnen nach Paris und lernte auf dieser Reise ein Stück Frankreich durch die Vermittlung eines Kenners lieben.“[50] Ob Kurt Uhlig dem Kollegium von seiner Arbeit bei der „Abwehrstelle“ während des Krieges in Paris erzählt hat?
Kurt Uhlig starb am 2.10.1984.[51]
Text: Hans-Peter de Lorent

Anmerkungen
1 Lebenslauf von Kurt Uhlig in seiner Personalakte, StA HH, 361-3_A 3005
2 Personalakte a. a. O.
3 Schreiben vom 15.8.1931, Personalakte a. a. O.
4 Schreiben von Kurt Uhlig vom 18.8.1931, Personalakte a. a. O.
5 Ebd.
6 Schreiben vom 26.10.1931, Personalakte a. a. O.
7 Personalakte a. a. O Siehe auch die Biografie Willi Schulz, in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz, Bd. 1, Hamburg 2016, S. 99 ff.; sowie die Biografie Gustaf Deuchler, in: de Lorent 2016, S. 142 ff.
8 Personalakte a. a. O.
9 Laut Hamburgisches Lehrerverzeichnis für das gesamte Stadt- und Landgebiet, Schuljahr 1938–1939, herausgegeben vom NS-Lehrerbund, Gauwaltung Hamburg 1938. Siehe auch die Biografie Wilhelm Arp, in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und in der Zeit nach 1945, Bd. 2, Hamburg 2017, S. 264 ff.
10 Personalakte a. a. O.
11 Siehe dazu die ausführliche Schilderung von Uwe Schmidt, in: Uwe Schmidt: Hamburger Schulen im „Dritten Reich“, Hamburg 2010, S. 487 ff.
12 Uwe Schmidt 2010, S. 501.
13 Personalakte a. a. O.
14 Personalakte a. a. O.
15 Personalakte a. a. O.
16 Entnazifizierungsakte Uhlig, StA HH, 221-11_53752 KAT
17 Entnazifizierungsakte a. a. O.
18 Schreiben vom 18.12.1946, Personalakte a. a. O.
19 Personalakte a. a. O.
20 Schreiben von Prof. Rudolf Peter vom 15.12.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
21 Siehe auch die Biografie Peter Jacobsgaard, in: de Lorent 2016, S. 397 ff.
22 Entnazifizierungsakte a. a. O.
23 Schreiben vom 15.11.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
24 Entnazifizierungsakte a. a. O.
25 Entnazifizierungsakte a. a. O.
26 Rezension HLZ 43/1934, S. 612.
27 Ebd.
28 Rezension HLZ 43/1934, S. 613.
29 Entnazifizierungsakte a. a. O.
30 Schreiben vom 8.12.1947, Entnazifizierungsakte a. a. O.
31 Schreiben vom 1.12.1949, Entnazifizierungsakte a. a. O.
32 Schreiben vom 31.5.1950, Entnazifizierungsakte a. a. O.
33 Schreiben vom 21.1.1950, Entnazifizierungsakte a. a. O.
34 Schreiben vom 21.10.1950, Entnazifizierungsakte a. a. O.
35 Vermerk von Otto von Zerssen vom 17.8.1951, Personalakte a. a. O.
36 Ebd.
37 Schreiben des Leitenden Ausschuss vom 8.8.1951 an Dr. Kurt Uhlig, Personalakte a. a. O.
38 Schreiben vom 7.1.1955, Personalakte a. a. O. Siehe auch die Biografie von Prof. Hans Wenke, in: de Lorent 2017 S. 208 ff.
39 Schreiben vom 27.4.1955, Personalakte a. a. O.
40 Schreiben an Schulsenator Wenke vom 5.8.1954, Personalakte a. a. O.
41 Siehe die Biografie Kurt Holm, in de Lorent 2016, S. 701 ff.
42 Hamann gelang es nicht, mehr als eine Pension als Lehrer zu erstreiten.
43 Siehe die Biografie Albert Mansfeld, in: de Lorent 2016, S. 118 ff.
44 Siehe die Biografie Wilhelm Lühning, in: de Lorent 2016, S. 738 ff.
45 Siehe die Biografie Oscar Toepffer, in: de Lorent 2017, S. 51 ff.
46 Schreiben von Oscar Toepffer vom 16.9.1955, Personalakte a. a. O.
47 Ebd.
48 Schreiben an das Personalamt vom 7.11.1955, Personalakte a. a. O.
49 Alle Angaben laut Personalakte, a. a. O.
50 Schreiben von Landesschulrat Neckel vom 8.2.1974, Personalakte a. a. O.
51 Personalakte a. a. O.
 

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Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand Dezember 2020: 828 Kurzprofile und 279 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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