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Albert Bannwarth

( Dr. Ing.eh. Albert Albert, Lothar, Joachim Bannwarth )
(26.11.1872 Arnsberg – 2.4.1947 Hamburg)
Ingenieur, Direktor der HEW, Mitglied diverser Aufsichtsräte
Heilwigstraße 64 (Wohnadresse)
Bannwarthstraße (1962 benannt in Hamburg-Bramfeld)

Albert Bannwarth wurde am 26. November 1872 in Arnsberg in Westfalen geboren, die Volksschule und das Gymnasium besuchte er in Sigmaringen.[1] Seit 1891 besuchte er die Technischen Hochschulen von Stuttgart und Hannover. 1896 wurde er als Ingenieur bei der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin eingestellt, 1897 wechselte er zur Siemens & Halske AG (später Siemens-Schuckertwerke GmbH) – zunächst in Berlin, seit 1898 dann als Büroleiter in Dresden. 1902 wurde Bannwarth zum Oberingenieur ernannt, als Vorstand des Technischen Büros der Firma in Köln wechselte er für ein Jahr in diese Stadt. Im August 1905 siedelte er nach Hamburg über, wo er als Direktor des Hamburger Firmenbüros tätig war.[2]
Von 1912 bis 1933 amtierte Bannwarth als Generaldirektor der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW), die zunächst ein privatwirtschaftliches und seit 1914 ein gemischtwirtschaftliches Unter-nehmen (mit 50-prozentiger Beteiligung des Hamburger Staates) darstellten. Bannwarth leitete die Verhandlungen mit dem Hamburger Staat und organisierte als HEW-Direktor den Bau, Aufkauf und die Modernisierung zahlreicher Kraftwerke. Unter seiner Leitung kam es zum massiven Ausbau des Unternehmens und der Energieversorgung.[3]
Neben seinem Direktorenposten war Bannwarth von 1919 bis 1933 Mitglied der Handelskammer (als deren stellvertretender Präsens er 1920/21 fungierte), von 1924 bis 1927 Vorsitzender der Vereinigung der Elektrizitätswerke Berlin, 1928 bis 1930 Vorstandsmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure sowie Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Elektrotechniker, im Hamburger Industrie-Verein und im Arbeitgeberverband. 1924 erhielt er den Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule Hannover verliehen, die ihn 1931 auch zum Ehrenbürger ernannte. Zudem war er Mitglied in mehreren Aufsichtsräten, darunter dem der Commerz- und Privat-Bank.[4]
Politisch war Bannwarth vor 1933 Mitglied der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP). Er unterzeichnete einen Aufruf zur Wahl „der bürgerlichen Parteien“ und gegen „den Weg des zerstörenden Radikalismus“, der im September 1930 in deutschen Tageszeitungen veröffentlicht wurde.[5]
Im März 1933 kam es zu einer Kampagne der nationalsozialistischen Presse gegen Bannwarth. Unter dem Titel „Der feine Herr Direktor von der HEW. Wann verschwindet Bannwarth, der Mann mit über 100 000 Mark Einkommen?“ machte das Hamburger Tageblatt Stimmung gegen den HEW-Direktor. Bannwarth wurde dort als „der typische Nutznießer und Günstling des verflossenen Systems“ charakterisiert, der exorbitante Summen verdiene. Ihm wurden abfällige Äußerungen über den neuen Senat unterstellt und betont, dass er „Schwierigkeiten machte, als von ihm gefordert wurde, die Hakenkreuzfahne auf dem Gebäude der HEW zu hissen“.[6] Der Betriebsratsvorsitzende der HEW behauptete 1946 gar, dass sich Bannwarth bei der Machtübernahme geweigert hätte, die Fahne zu hissen.[7] Das Hamburger Tageblatt forderte die „sofortige Entfernung“ Bannwarths.[8] Laut Bannwarths eigenen Aussagen kam es in der Folge jedoch zu Gesprächen mit dem Gauleiter Karl Kaufmann, die bewirkten, dass die nationalsozialistische Presse Richtigstellungen publizierte und ihre Beschuldigungen zurücknahm.[9] Am 6. April war im Tageblatt zu lesen, dass „die Vorwürfe gegen Direktor Bannwarth nicht zutreffen“ und dieser „rückhaltlos hinter dem jetzigen Senat“ stehe.[10] Nichtsdestotrotz wurde Bannwarth an der Spitze der HEW ausgewechselt. Nach einem mehrmonatigen Urlaub schied er am 30. Juni 1933 aus dem Vorstand der HEW aus und trat in den Ruhestand.[11] Bannwarths Ablösung entspricht dem Austausch der Direktorenposten zahlreicher anderer städtischer Unternehmen durch die Hamburger Nationalsozialisten, die diese Posten mit Parteimitgliedern neu besetzten.[12] Laut Bannwarths wenig glaubhafter Darstellung von 1942/43 ging sein Ausscheiden aus den HEW Ende Juni 1933 auf seinen eigenen Entschluss zurück. Zweifel an dieser Darstellung sind auch mit Blick auf die folgenden Sätze angebracht: „Mit bitterem Gefühl nahm ich Abschied, lange Zeit hatte ich gebraucht, bis sich meine Nerven wieder einigermaßen beruhigt hatten. […] Ich war oft sehr niedergeschlagen, wenn ich meine Freunde und Bekannten ihrer gewohnten Arbeit nachgehen sah und selbst zum Nichtstun verdonnert war.“[13] In der Tagespresse wurde sein Ruhestand mit „Gesundheitsgründen“ erklärt.[14]
Die Ablösung Bannwarths auf dem Direktorenposten der HEW lässt sich nur mit Einschränkungen als politisch motivierte Schädigung werten – insbesondere, da Bannwarth bereits Anfang Oktober 1933 in den Aufsichtsrat der Werke aufgenommen wurde, um „die reichen Erfahrungen und das große Wissen des früheren Generaldirektors [...] nutzbar zu machen“, wie es in der Presse hieß.[15] Er blieb über das Ende des NS-Regimes hinaus im Aufsichtsrat. Als 1943/44 innerhalb kürzester Zeit zwei HEW-Direktoren starben, wurde Bannwarth dem Vorstand als ständiger Berater zur Seite gestellt.[16] Insofern wurde er von den neuen Machthabern in Hamburg zwar beruflich geschädigt, indem er in den Ruhestand gedrängt wurde. Andererseits griffen diese auf seine Expertise zurück, womit er – gewissermaßen in einem Arrangement mit dem NS-Regime – weiterhin am Unternehmen beteiligt wurde.
Mitglied der NSDAP wurde Bannwarth nicht. Er trat lediglich der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) bei, dem NS-Bund deutscher Technik und dem Reichskolonialbund.[17] Zudem findet sich in seiner Entnazifizierungsakte ein Hinweis auf eine mögliche Mitgliedschaft als Förderndes Mitglied der SS (FM-SS).[18] Wie Bastian Hein gezeigt hat, warb die SS nach der „Machtergreifung“ aggressiv um Spender/innen. In Bezug auf die fördernde Mitgliedschaft ist insofern von einer „Schutzgeldfunktion“ gesprochen worden. Hein schätzt die Zugehörigkeit zu den FM-SS vor diesem Hintergrund als „weder völlig harmlos noch als schwer belastend“ ein.[19]
In der Zeit des Nationalsozialismus expandierten die HEW, indem sie im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes zum Strommonopolisten Hamburgs aufstiegen.[20] Für den Bau des seit 1938 geplanten HEW-Kohlekraftwerks Alt-Garge bei Bleckede wurden seit 1940 Zwangsarbeit er herangezogen, darunter osteuropäische Kriegsgefangene sowie KZ-Häftlinge aus Polen und Skandinavien.[21] Geprägt war dieser Einsatz von zahlreichen Todesfällen – belegt wurden von John Hopp 49, die HEW selbst sprachen in der unmittelbaren Nachkriegszeit von 61 verstorbenen KZ-Häftlingen.[22] Am Kraftwerksbau beteiligt waren neben den HEW auch weitere Firmen, für die Bannwarth gearbeitet hatte (Siemens-Schuckertwerke AG) oder in deren Aufsichtsrat er saß (Dürrwerke AG).[23] Zur Frage, von wem die Initiative zum Einsatz von KZ-Häftlingen ausging, und zur Rolle der HEW konnte Hopp nur wenige Dokumente ausfindig machen. Es ist anzunehmen, dass die Häftlinge den HEW zur Verfügung gestellt wurden, die sie ihrerseits an Subunternehmen verliehen.[24] Zur Instandsetzung kriegsbeschädigter Anlagen der HEW kamen ebenfalls Zwangsarbeit er zum Einsatz, 1944 waren es insgesamt über 900.[25] Bannwarths spezifische Rolle im Einsatz von KZ-Häftlingen und anderen Zwangsarbeit ern muss an dieser Stelle offenbleiben. Auch wenn es keine Belege für seine direkte Beteiligung an der Anordnung dieses Einsatzes gibt, wird er diesen als ständiger Berater des Vorstandes um 1944 jedoch mit zu verantworten haben.
Bannwarth blieb in der NS-Zeit auch Mitglied diverser Aufsichtsräte, darunter der Commerz- und Privat-Bank, der Bavaria- und St. Pauli-Brauerei und der Dürrwerke AG (Ratingen).[26] Im Winter 1942/43 verfasste Bannwarth seine „Lebenserinnerungen“, die nach seinem Tod 1947 veröffentlicht wurden. Darin berief er sich, Bismarck zitierend, auf das Leitbild der Pflichterfüllung und äußerte seine Hoffnung auf einen Sieg Deutschlands im Zweiten Weltkrieg.[27] Im Gefolge der Kriegszerstörungen Hamburgs wurde Bannwarths Villa zur Zwangseinquartierung Ausgebombter herangezogen.[28]
Nach der britischen Besatzung Hamburgs im Mai 1945 wurde Albert Bannwarth im Alter von 72 Jahren vom neuen Bürgermeister Rudolf Petersen wieder als Generaldirektor der HEW eingesetzt.[29] In einer Stellungnahme im Rahmen seiner Entnazifizierung bezeichnete sich Bannwarth selbst als „keen opponent to the Nazis“.[30] Und auch in einem Polizeibericht vom Juli 1946 hieß es, „Nazi“ sei dieser „niemals gewesen“, sondern habe dem Nationalsozialismus „immer feindlich gegenübergestanden“.[31] Die Entnazifizierungsausschüsse stuften ihn einen Monat später als „einwandfrei“ ein.[32] Kurz vor seinem anvisierten Ausscheiden aus dem Unternehmen starb er im April 1947.[33]
Text: David Templin

Quellen:
1 Bei der folgenden biographischen Skizze handelt es sich um die leicht überarbeitete Fassung einer Kurzbiographie, die 2017 im Rahmen eines wissenschaftlichen Gutachtens für das Staatsarchiv Hamburg (StAHH) erstellt wurde. Das vollständige Gutachten ist einsehbar unter: https://www.hamburg.de/contentblob/13462796/1d4b36cbfb9adc7fca682e5662f5854d/data/abschlussbericht-ns-belastete-strassennamen.pdf (zuletzt aufgerufen am 14.4.2020).
2 Albert Bannwarth: Lebenserinnerungen, Hamburg 1947, S. 1-6; Dr.-Ing. e. h. Bannwarth, in: Hamburger Anzeiger, 25.11.1932.
3 Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 13-21; Rainer Schubach: Die Entwicklung der öffentlichen Elektrizitätsversorgung in Hamburg (Beiträge zur Geschichte Hamburgs, Band 20), Hamburg 1982, S. 115-192.
4 Dr.-Ing. e. h. Bannwarth 60 Jahre alt, in: Hamburger Nachrichten, 24.1.1932, Abend-Ausgabe, Erste Beilage; Der Ehrentag in Hannover, in: Hamburger Nachrichten, 16.6.1931, Morgen-Ausgabe; Der neue Aufsichtsrat der Commerz- und Privatbank, in: Hamburgische Börsen-Halle, 3.4.1932, Morgen-Ausgabe; Chemische Fabriken Harburg-Staßfurt vormals Thörl & Heidtmann Actien-Gesellschaft, in Liquidation, in: Hamburger Nachrichten, 14.9.1932, Abend-Ausgabe; Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 21.
5 Fragebogen Military Government of Germany, ausgefüllt von Dr. Ing. Albert Bannwarth, 25.5.1945, in: StAHH, 221-11, T 335; An unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen, in: Hamburger Nachrichten, 1.9.1930, Abend-Ausgabe; Festkommers im VDJ, in: Hamburger Nachrichten, 11.10.1932, Abend-Ausgabe.
6 Wann verschwindet Bannwarth, der Mann mit über 100 000 Mark Einkommen? Der feine Herr Direktor von der HEW, in: Hamburger Tageblatt, 29.3.1933.
7 Polizei Hamburg, Kriminalamt, Sonderdienststelle Esplanade 6, Zeugenaussagen in der Sache Albert Bannwarth, Zeugenaussage Gustav Köhn, 9.7.1946, in: StAHH, 221-11, T 335.
8 Wann verschwindet Bannwarth, der Mann mit über 100 000 Mark Einkommen? Der feine Herr Direktor von der HEW, in: Hamburger Tageblatt, 29.3.1933.
9 Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 21f.
10 Wir stellen richtig, in: Hamburger Tageblatt, 6.4.1933.
11 Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 21, der vom „traurigste[n] Kapitel meiner ganzen Praxis“ spricht.
12 Vgl. die Vorgänge bei der Hamburger Wasserwerke GmbH, der Altonaer Gas- und Wasserwerke GmbH und der Hamburger Hochbahn AG: David Templin: Wasser für die Volksgemeinschaft. Wasserwerke und Stadtentwässerung in Hamburg im „Dritten Reich“ (Forum Zeitgeschichte, Band 26), Hamburg/München 2016, S. 46-48, S. 54-57, S. 59f.; Christoph Strupp: Nahverkehr und Nationalsozialismus . Die Hamburger Hochbahn AG im „Dritten Reich“ (Forum Zeitgeschichte, Band 22), Hamburg/München 2010, S. 60f.
13 Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 21f., Zitat S. 22.
14 Wechsel im Vorstand der Elektrizitätswerke, in: Hamburger Anzeiger, 23.6.1933, Erste Beilage; Dr. Ing. e. h. Albert Bannwarth tritt in den Ruhestand, in: Hamburgischer Correspondent, 23.6.1933; Wechsel in der Leitung der HEW, in: Altonaer Nachrichten, 24.6.1933; Dipl.-Ing. Otte Generaldirektor der HEW, in: Hamburger Nachrichten, 24.6.1933, Abend-Ausgabe.
15 HEW. Weitere Belebung der Absatzes, in: Hamburger Nachrichten, Handelszeitung, 5.10.1933, Abend-Ausgabe; GV der Hamburgischen Electricitäts-Werke, in: Hamburgische Börsen-Halle, 5.10.1933, Abend-Ausgabe.
16 Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 26.
17 Fragebogen Military Government of Germany, ausgefüllt von Dr. Ing. Albert Bannwarth, 25.5.1945, in: StAHH, 221-11, T 335.
18 Personal Particulars (Translation) betr. Dr. Ing. Albert Bannwarth, undatiert, in: StAHH, 221-11, T 335. Aus diesem Vermerk geht allerdings nicht eindeutig hervor, dass Bannwarth ein solches „förderndes Mitglied“ war.
19 Bastian Hein: Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925-1945, München 2012, S. 170.
20 Schubach, Die Entwicklung der öffentlichen Elektrizitätsversorgung, S. 193-262.
21 Friederike Littmann: Ausländische Zwangsarbeit er in der Hamburger Kriegswirtschaft 1939-1945 (Forum Zeitgeschichte, Band 16), München/Hamburg 2006, S. 262-266, hier vor allem S. 262f.; John Hopp: Die Hölle in der Idylle. Das Außenlager Alt-Garge des Konzentrationslagers Neuengamme, Winsen/Luhe 2013 (3. erweiterte Auflage), S. 38-50.
22 Ebd., S. 116-118.
23 Ebd., S. 142.
24 Ebd., S. 143-145.
25 Littmann, Ausländische Zwangsarbeit er, S. 263.
26 Laut seinen im Winter 1942/43 verfassten Lebenserinnerungen war Bannwarth zu dem Zeitpunkt Mitglied in den Aufsichtsräten der folgenden Firmen: HEW, Elektricitätswerk Unterelbe AG, Commerz-Bank Hamburg-Berlin, Hansa-Mühle (Hamburg), Bavaria- und St. Pauli Brauerei (Hamburg), Deutsche Werft (Hamburg), Dürrwerke Kesselfabrik Ratingen, C. J. Vogel Draht- und Kabelwerke (Berlin), Ariadne Draht- und Kabelwerke (Berlin), Märkische Kabelwerke (Berlin) (Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 22f.). Vgl. Die GV der Commerz- und Privat-Bank, in: Hamburgische Börsen-Halle, 27.6.1933, Abend-Ausgabe; Bavaria- und St. Pauli-Brauerei, Hamburg. Bilanz per 30. September 1935, in: Hamburger Nachrichten, 4.1.1936, Abend-Ausgabe; Dürrwerke AG., Ratingen, in: Hamburger Nachrichten, 1.10.1937, Abend-Ausgabe; Commerz- und Privat-Bank, Aktiengesellschaft Hamburg/Berlin. Bilanz, abgeschlossen am 31. Dezember 1937, in: Hamburger Nachrichten, 28.3.1938, Abend-Ausgabe; Bavaria- und St. Pauli-Brauerei Hamburg, in: Hamburger Nachrichten, 30.12.1938, Abend-Ausgabe.
27 Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 24.
28 Ebd., S. 25.
29 Ebd., S. 26.
30 Stellungnahme Albert Bannwarth (Member of Board of Directors of Commerzbank Aktiengesellschaft), 14.5.1946, in: StAHH, 221-11, T 335.
31 Schlußbericht Polizei-Inspektor Ledig (Polizei Hamburg, Kriminalamt, Sonderdienststelle Esplanade 6), 9.7.1946, in: StAHH, 221-11, T 335. Für Bannwarth sagten vier HEW-Beschäftigte aus, darunter die Abteilungsleiter Heinrich Henning und Max Lehnert, der Betriebsratsvorsitzende Gustav Köhn und der Angestellte Georg Wessel (Zeugenaussagen in der Sache Albert Bannwarth, 9.7.1946, in: StAHH, 221-11, T 335)
32 Fragebogen Action Sheet, betr. Albert Bannwarth, 10./13.8.1946, in: StAHH, 221-11, T 335.
33 Bannwarth, Lebenserinnerungen, S. 27.
 

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Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand März 2021: 834 Kurzprofile und 279 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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