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Wilhelm Arp

(18.3.1903 Horneburg – 28.9.1941 als Soldat getötet)
Lehrer, Professor für Erziehunsgwissenschaften
Pinneberger Chaussee 62 (Wohnadesse 1939)

Dr. Hans-Peter de Lorenz verfasste dieses Profil für sein Buch: Täterprofile Band 2.

Wilhelm Arp gehörte zu den jungen, ambitionierten Nachwuchskräften, die vermutlich auch unter anderen politischen Vorzeichen Karriere gemacht hätten.

Er verschrieb sich den Nationalsozialisten, wurde gefördert von Professor Gustaf Deuchler, war führender Erziehungswissenschaftler im NSLB, erhielt mit 36 Jahren eine Professur und starb zwei Jahre später für Führer, Volk und Vaterland.

Der ehemalige Vorsitzende der „Gesellschaft der Freunde“ ab 1948, Hermann Lange, erzählte Reiner Lehberger und mir eine kleine von ihm erlebte Episode mit Wilhelm Arp: „Ich muss Ihnen folgendes über Wilhelm Arp erzählen. 14 Tage vor Beginn des Dritten Reiches war die Hauptversammlung der ‚Gesellschaft der Freunde‘. Am Schluss kam Stückrath zu mir, den ich vom Studium her kannte, er war damals schon Assistent bei Deuchler, und wollte, dass ich Arp kennenlerne. Von diesem kannte ich die Dissertation mit dem Titel ‚Das Staatsbewusstsein‘, die ich mit sehr großem Gewinn gelesen hatte. Am 5. März 1933 war dann die berühmt-berüchtigte Reichstagswahl. Am Tag darauf teilte mir Friedrich Kraus mit, ein Dr. Arp hätte angerufen und wollte mich dringend sprechen. Ich rief ihn schließlich an, und er bat mich, so schnell wie möglich zu kommen. Als ich bei ihm war, schloss er sein Zimmer von innen ab und sagte: ‚Ich habe gestern meinen Bruder über die dänische Grenze gebracht, er ist durch die Nazis gefährdet. Wir müssen jetzt alles überlegen, was wir tun können, damit das Dritte Reich nicht lange dauert.‘ Ich fragte: ‚Was sollen wir denn tun, Menschenskind? Die sind doch nun da.‘ Einige Zeit später wurden Schietzel, Hildebrandt, Ludolf Mevius und noch einige andere entlassen. Was sollte ich nun machen? Ich hatte inzwischen erfahren, dass dieser Arp als Schulrat oder dergleichen in die Schulbehörde gekommen war. Ich ging also zu ihm und fragte, warum ich nicht rausgeschmissen worden war. Das war so ein ideologischer Tick von Solidarität. Er antwortete, ich sollte an meiner Stelle nicht so keck fragen. Eines Tages, Anfang Mai 1933, traf ich ihn in der Nähe der Wohnung meiner Frau auf der Straße mit einem Hakenkreuz am Revers. Ich fragte ihn, was denn mit ihm los wäre und vermute, dass ich ihn richtig anschnauzte. Er war jedenfalls sehr verlegen. Können Sie mir einen Vers darauf machen, wieso der Mann mich zu sich bestellte, sich einschloss und fragte, wie wir das Dritte Reich beenden könnten? Er spielte dann während des Dritten Reiches eine große Rolle.“1

Zumindest zu diesem Zeitpunkt war der junge Nachwuchs-Erziehungswissenschaftler Wilhelm Arp offenbar politisch nicht festgelegt gewesen. Das änderte sich schnell. Am 1.5.1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer: 3008785).

Die Voraussetzungen dafür waren gegeben, da Wilhelm Arp im erziehungswissenschaftlichen Seminar der Universität Hamburg durch Prof. Gustaf Deuchler, der sich 1933 zum fanatischen Nationalsozialisten entwickelte und in SA-Uniform an der Universität auftrat und lehrte, besonders gefördert worden war.

Wilhelm Arp wurde am 18.3.1903 in Horneburg bei Stade als Sohn des Lehrers Julius Arp und dessen Frau Elisabeth geboren. Nach dreijährigem Besuch der Volksschule Horneburg ging Wilhelm Arp in das Gymnasium Stade, das er Ostern 1921 mit dem Reifezeugnis verließ. Durch den 18-monatigen Besuch des Lehrerseminars in Stade erwarb er die Befähigung zur einstweiligen Einstellung in den Schuldienst. Er studierte zwei Semester an der Universität Köln. Danach wechselte Arp an die Universität Hamburg und befasste sich, wie er schrieb, „vornehmlich mit Erziehungswissenschaft, Geschichte, Psychologie, Soziologie und Philosophie“. In seinem 1929 angefertigten Lebenslauf nannte er die Hochschullehrer, deren Vorlesungen und Übungen er besucht hatte. Ideologisch noch nicht festgelegt, zählte er unter anderem die Professoren Cassirer, Rein, Stern, Salomon und Deuchler sowie Martha Muchow auf. „Die Herren Professoren Deuchler, Keutgen und Stern gaben meinem Studiengang schließlich die Richtung. Insbesondere regte Herr Professor Dr. Deuchler mich im Herbst 1924 zu einer Untersuchung über das Staatsbewusstsein an, die ich nach fünf Jahren abschließen konnte und zu Beginn des Wintersemesters 1929/30 der philosophischen Fakultät der Hamburgischen Universität als Dissertation vorzulegen gedenke.“2

Arp erwähnte auch seine schulpolitische Tätigkeit „als Vorstandsmitglied des Bezirkslehrervereins Stade sowie als Vertreter dieses Vereins für den Provinziallehrerverein Hannover im Interesse der preußischen Junglehrerbewegung“.3

Seit dem 16.5.1927 war Wilhelm Arp am Institut für Lehrerfortbildung (IfL) in Hamburg als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter angestellt, seit dem 8.4.1929 leitete er die Bücherei des IfL am Steinhauerdamm 10.4

Gustaf Deuchler, Inspirator und Förderer Arps setzte sich für dessen Übernahme an das Erziehungswissenschaftliche Seminar ein. „Herr Wilhelm Arp ist mir seit 1923 genau bekannt (vergleiche auch Lebenslauf); er hat eine sehr umfangreiche bildungspsychologische Untersuchung über das Staatsbewusstsein durchgeführt und wird zu Beginn des Wintersemesters promovieren. Er ist eine ausgezeichnete wissenschaftliche und pädagogische Kraft, die früher zum Abschluss gekommen wäre, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse sie nicht zum Nebenerwerb gezwungen hätten. Ich bitte, Herrn Arp sofort einzustellen und ihm die Tätigkeit als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Institut für Lehrerfortbildung, in der er sich hervorragend bewährt hat, voll in Anrechnung zu bringen.“5

Nach Abschluss des Promotionsverfahrens wandte sich Gustaf Deuchler am 1.3.1930 erneut an die Hochschulbehörde: „In Ergänzung der am 24. Juni gegebenen Ausführungen über den wissenschaftlichen Hilfsarbeiter Wilhelm Arp teile ich mit, dass er am 1. März 1930 die Doktorprüfung mit dem Prädikat ‚Ausgezeichnet‘ bestanden hat; seine Arbeit erhielt ebenfalls das erste Prädikat (‚Vorzüglich‘).“6

Und in der Tat wurde Wilhelm Arp von Schulsenator Emil Krause am 17.7.1930 auf eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle befördert, allerdings am Institut für Lehrerfortbildung.7

Als im März 1932 eine Assistentenstelle am Seminar für Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg frei wurde, schrieb Deuchler erneut. Aber erst in der NS-Zeit wurde Wilhelm Arp wissenschaftlicher Angestellter zur Unterstützung des neuen Oberschulrats für das Volksschulwesen, Willi Schulz, am 16.7.1933 dann zum Wissenschaft lichen Rat in der Lehrerausbildung befördert, gleichzeitig im NSLB als Leiter der Abteilung Erziehung und Unterricht benannt. In dieser Funktion schrieb Arp zahlreiche Artikel in der „Hamburger Lehrerzeitung“, die später noch genauer betrachtet werden sollen.

Am 19.10.1936 wurde Wilhelm Arp an die neue Hochschule für Lehrerbildung überwiesen. Karl Witt, Präsident der Landesunterrichtsbehörde, unterschrieb am 4.1.1936 den Ernennungsvorschlag und beurteilte Wilhelm Arp: „Tüchtiger und fleißiger Arbeiter, wissenschaftlich gut veranlagt und ausgebildet. Guter Kenner der Volksschulpädagogik, energisch, vom starken Willen getrieben, etwas zu leisten, bisweilen etwas vorlaut.“8

Im Mai 1938 wurde der Antrag auf den Weg gebracht, Wilhelm Arp zum Professor zu ernennen. Die Hochschulbehörde vollzog dies am 19.4.1939, gleichzeitig mit den Kollegen Max Fehring, Heinrich Geffert, Karl Albrecht und Sophie Barrelet.

Wilhelm Arp zeigte sich produktiv und stellte unmittelbar nach Ernennung zum Professor den Antrag auf Neufestsetzung seiner Besoldung. Er verwies darauf, dass er kommissarisch mit einer Besoldung als wissenschaftlicher Rat zweieinhalb Jahre die Hochschule geleitet hatte mit aufwendigen Repräsentationspflichten. Seine weitere Begründung war zumindest originell:

„Als kinderreicher höherer Beamter darf ich nach den Ausführungen des Herrn Reichsstatthalters und Gauleiters auf der letzten großen Beamtenkundgebung in der Hanseatenhalle wohl auf eine bevorzugte Behandlung bei der Festsetzung meiner Besoldung rechnen. Außerdem bin ich im Lehrkörper der Hochschule für Lehrerbildung der einzige Vater von vier Kindern, der als solcher dem Reichsbund für Kinderreiche angehören kann. Im Hinblick darauf ist auch der Einwand, dass ich für die von mir beantragte Besoldungsregelung zu jung sei, nicht stichhaltig; denn volksbiologisch ist nicht als jung anzusprechen, wer im Alter von 36 Jahren vier Kinder im Alter von 2–7 Jahren hat. Gerade der Umstand, dass dieser Fall für einen Beamten in meiner Stellung sehr selten eintritt, macht auch eine ausnahmsweise bevorzugte Feststellung meines Dienstalters erforderlich. Ich darf darauf hinweisen, dass ich mich gegenüber allen nicht kinderreichen Berufskameraden in gleicher Stellung hinsichtlich notwendiger Ausgaben für meine wissenschaftliche Arbeit und Mitbeteiligung am gesellschaftlichen Leben auch weiterhin, wie bisher, in einem großen Nachteil befinden würde, wenn er nicht durch die besondere Festsetzung meines Dienstalters annäherungsweise jetzt endlich einmal ausgeglichen würde. Auch aufgrund meiner sechsjährigen Tätigkeit als Politischer Leiter darf ich nach den Ausführungen des Herrn Reichsstatthalters und Gauleiters auf der letzten Beamtenkundgebung in der Hanseatenhalle wohl auf eine wohlwollende Neuregelung meiner Besoldung hoffen. Als Gauhauptstellenleiter der NSDAP ist mir in dem ihr angeschlossenen NSLB die Leitung der großen Abteilung für Erziehung und Unterricht anvertraut, die mich unaufhörlich mit großen Kreisen der Hamburger Lehrerschaft in Verbindung bringt. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass die für diesen ehrenamtlichen Dienst gewährte Aufwandsentschädigung niemals so hoch sein kann, dass mir die tatsächlich daraus erwachsenen Ausgaben auch nur annähernd daraus bestritten werden können.“9

Wie in dem Schreiben erwähnt, war Wilhelm Arp Vater von vier Kindern (von 1931 bis 1937 geboren), seit dem 28.9.1923 verheiratet mit Mariechen Arp.

Über die inhaltlichen Positionen, die Wilhelm Arp als Funktionär des NSLB vertrat, aber auch als Lehrerausbilder und Lehrerfortbildner, geben seine Veröffentlichungen Aufschluss. Seine Doktorarbeit widmete Arp seinem Doktorvater: „Im Geiste Gustaf Deuchlers, des Trägers einer neuen Erziehungswissenschaft und Lehrerbildung an der Hamburgischen Universität ist diese Untersuchung durchgeführt.“10

Arps Arbeit war eher eine philosophisch-soziologische Abhandlung. In seinem Resümee, „Rückblicke und Ausblicke“, deutete er an, wo er ideologisch einmal landen würde, wobei er immer noch aus der Situation am Ende der Weimarer Republik schrieb, als sein persönliches Verhältnis zum Staat getrübt war durch seine schwer zu sichernde materielle Existenz: „Der ideale Staatsbürger ist schließlich der tatfrohe Gestalter seines Staates, dessen Politik sich als bestmögliche herrschaftliche Lebensreform an der bestehenden staatlichen Lebensform des menschlichen Zusammenlebens betätigt. Dabei ist der pflichttreue Träger des bestehenden Staates dem tatfrohen Gestalter des künftigen Staates keineswegs entgegengesetzt, sondern geradezu vorausgesetzt: Nur wer aus innerer Verbundenheit mit dem eigenen Staat dessen ideales Wesen in seiner empirischen Gestalt angelegt sieht, kann durch äußere Tat jenes in dieser zu entfalten suchen. Die Motive seiner Politik gewinnt der ideale Staatsbürger aus einem Werten, das staatliche Werte aller möglichen Modalitäten nicht nur als abstrakte Qualitäten in ihrem Anundfürsichsein erfaßt, sondern auch als positive und negative Qualitäten in ihrer Verwirklichung an Staatsaktionen und Staatsinstitutionen anschaulich sieht, ergreifend fühlt und durchdringend erlebt. So ist in ihm eine Werttotalität von staatlichen Macht-, Sicherheits-, Wohlfahrts-, Rechts-, Sittlichkeits-, Frömmigkeits-, Kultur- und Geschichtswerten lebendig, deren Wertkumulationen er durchschaut und deren Wertkonflikte er auflöst nach der apriorischen Rangordnung der Werte, ohne durch Intellektualismus und Subjektivismus geblendet und ohne in einer Interessenperspektive oder in einem Ressentiment befangen zu sein. Insbesondere übt er eine kraftvolle, freimütige, großzügige, treffende und fruchtbare Kritik an den negativwertigen Mißständen und an den minderwertigen Zuständen des bestehenden Staates.“11

Wenig später, ab 1933, wurde Wilhelm Arp zu einem wichtigen Propagandisten der Nationalsozialisten im Hamburger Bildungswesen. Als im Sommer 1934 eine große Schulausstellung in Hamburg mit Schülerarbeiten unter tatkräftiger Mitwirkung des NSLB stattfand, verfasste Wilhelm Arp einen einführenden und begleitenden Artikel in der „Hamburger Lehrerzeitung“ unterm Hakenkreuz: „Vom Weltkrieg zur nationalen Revolution“. Arp schrieb: „Wenn irgendetwas, dann lehrt ein Rundgang durch die Ausstellung, wie fruchtbar die Schule die einfachen und wesentlichen Grundlagen der nationalsozialistischen Weltanschauung entfalten kann. Hier wird der Schule in der gegenwärtigen Meinungsbildung ihr eigentlicher Beruf anschaulich: Wie die Familie muß auch die Schule ihre Arbeit an der nationalsozialistischen Lebensführung, Gemeinschaftsbildung und Leibeserziehung mit der Hitler-Jugend, dem Arbeitsdienst, dem Wehrverband und der Parteiorganisation teilen. Will sie aber nicht wieder zu einer Lese-, Schreib- und Rechenschule auf der einen Seite oder zu einer Gelehrtenschule auf der anderen Seite zurückkehren, so findet sie ihren eigenen Sinn in der Vermittlung des nationalsozialistischen Weltbildes. Daß in diesem Sinne die Lehrer auch wieder zu Führern der Jugend werden können, indem sie im jungen Geschlecht immer wieder die Grundlagen einer politischen Weltanschauung entwickeln, die dieses junge Geschlecht dann immer weiter im Aufbau einer politischen Lebensgestaltung entfaltet – das mag der Öffentlichkeit diese Ausstellung beweisen.“ Und weiter: „Die deutsche Geschichte zeigt die rassischen, völkischen, kulturellen und politischen Grundlagen, die Nachkriegszeit, die marxistischen, liberalistischen, jüdischen und außenpolitischen Gegenkräfte, das Fronterlebnis des Weltkrieges und die nationalsozialistische Bewegung, die Triebkräfte des Dritten Reiches auf. Entsprechend der einen Aufgabe nationalsozialistischer Schulreform, neue Wertgehalte in den Unterricht einzuführen, ist die Ausstellung auch nicht nach Arbeitstechniken, sondern nach Stoffgebieten aufgegliedert: Weltkrieg (Einkreisungspolitik, Westfront, Ostfront, Nebenfronten, Seekrieg, Kriegsversorgung, Kriegszusammenbruch), Gewaltsfriede (entrissene Gebiete, wirtschaftliche Verluste, Grenzdeutschtum, Auslandsdeutschtum, Deutschlands Wirtschaft vor und nach dem Kriege, Abrüstung, Luftschutz, Außenpolitik nach dem Kriege), Drittes Reich (vom Parteienstaat zum Volksstaat, Hitler, Horst Wessel, Schlageter, Arbeitsbeschaffung, Winterhilfswerk, Erntedankfest, Reichsparteitag usw.). Auch wenn man bedenkt, daß vieles in den Aufsatzheften und Sammelmappen steckt, was ausstellungstechnisch nicht hervorgehoben werden konnte, bleibt festzustellen, daß die innerpolitischen Gegenkräfte der Nachkriegszeit in der Ausstellung verhältnismäßig wenig hervortreten. Das hat neben anderem seinen Hauptgrund darin, daß der Unterricht der Jugend eben nur zur Abwehr, aber nicht zu einer neuen Aufwühlung der volkszersetzenden Mächte der jüngsten Vergangenheit führen soll. Allerdings muß die Judenfrage künftig noch nachhaltiger behandelt werden, da ihre Lösung gegenwärtig der Pädagogik ebenso sehr aufgegeben ist wie der Politik .“13

 Als einen wesentlichen Effekt für die mitarbeitenden Schüler selbst nannte Arp: „Diese Schülerarbeiten haben den Sinn, das gelesene und gehörte Wort lebendig in der Gefühlshaltung und Willensrichtung zu verankern und dadurch die Schule vor einem unfruchtbaren Intellektualismus zu bewahren. Und wenn die Schüler ihre sorgfältig geführten und reichhaltig illustrierten Hefte und Mappen aus der Schule mit ins Leben nehmen, werden sie daran später ein wertvolles Rüstzeug im Kampf gegen die Nörgler und Miesmacher haben.“14

 Wilhelm Arp gab beispielhafte Kostproben von Schülerarbeiten und Ausstellungstexten, so etwa die Einleitung von Aufsätzen aus dem Geschichtsunterricht einer ersten Volksschulklasse: „ Wir Kinder, die wir in der neuen Zeit leben, verfolgen alles, was in Deutschland geschieht, mit größtem Interesse. Wir erleben den Wiederaufbau Deutschlands mit wachsender Spannung. Durch alles, was bis jetzt geschehen ist, wurde in uns der Glaube und die Hoffnung an das Dritte Reich immer wieder entfacht. Erschüttert, ja entrüstet hörten wir vom Weltkrieg und seinen Folgen. Unsere Lehrer schildern uns die Vorgänge in ergreifender Weise. Blicken wir zum Führer Adolf Hitler auf, der sich allen Hindernissen, die sich ihm in den Weg legen, mutig entgegenstellt und das deutsche Volk vor dem roten Terror der Kommunisten bewahrt. Daß auch wir Kinder uns ganz und gar für die neue Zeit begeistern, mögen folgende Aufsätze zum Ausdruck bringen.“ Und im Abschnitt: „Was will der Nationalsozialismus von der Jugend?“ wurde geschrieben: „Auch die Jugend hat durch den Nationalsozialismus allerlei Pflichten zu erfüllen. Vor allem sollen wir unsere Körper gut pflegen und tüchtig in der frischen Luft herumtoben, damit wir abgehärtet werden. Wenn der Körper frisch und gesund ist, dann kann man sich auch viel mehr selbst beherrschen. Wenn der Lehrer oder die Eltern an uns zu tadeln haben, sollen wir uns zusammennehmen und nicht gleich weinen. Das ganze Leben ist durch die Selbstbeherrschung viel leichter. Viele von uns sind auch in der Hitler-Jugend. Die Scharführerinnen erzählen uns so begeistert, was unser Führer von uns Kindern verlangt und wie wir selbst unserem Führer dienen und helfen können. Vor allen Dingen wird von uns strengster Gehorsam verlangt. Dann sollen wir die Willenskraft zur Opferwilligkeit beweisen.“16

Als NSLB-Propagandist begab sich der Erziehungswissenschaftler Wilhelm Arp mit staatsphilosophischen Ambitionen auf ein schlichtes Niveau. In einem Leitartikel in der HLZ desselben Jahres zum Thema Schulpropaganda zur Volksabstimmung schrieb er: „Politische Werbung und politische Schulung sind heute Mittel, das Volk an den Staat zu schmieden. Im totalen Staat des Dritten Reiches ist die demokratische Parteipropaganda durch die nationalsozialistische Staatspropaganda und eine schulblasse ‚Staatsbürgerkunde‘ durch eine völkische Nationalerziehung ersetzt. Dabei bearbeitet die politische Werbung die Gesamtheit des Volkes (‚Mein Kampf‘, S. 653, Abs. 2) und wirkt in die Breite seiner Masse, während die politische Schulung die einzelnen Volksgenossen bearbeitet (‚Mein Kampf‘, S. 652, Abs. 5) und in die Tiefe ihres Charakters wirkt. Die politische Werbung versucht das Volk über augenblickliche Maßnahmen des Staates (z. B. über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Neuordnung des Außenhandels, Austritt aus dem Völkerbund) aufzuklären, es also zum Mitkenner zu machen, oder das Volk zu bestimmten Handlungen für den Staat (z.B. zu Spenden für das Winterhilfswerk, Eintritt in die Arbeitsfront, Ja-Sagen bei der Volksabstimmung) zu veranlassen, es also als Mitarbeiter zu gewinnen. Dagegen bemüht sich die politische Schulung, die Volksgenossen der ureigenen deutschen Weltanschauung von rassischer Eigenart, heimatlichem Boden, völkischer Gemeinschaft, staatlicher Ordnung, kulturellem Wirken und geschichtlichem Schicksal zu erfüllen, in ihnen tiefe Gefühlshingabe an Volk und Führer sowie harte Willensbereitschaft zu Opfer und Einsatz überhaupt zu erzeugen. Werbung ist als staatliche Volksgestaltung selbst unmittelbar politische Tat, wogegen Schulung als völkische Menschenformung pädagogische Mühe ist. Diese unterbaut, was jene ausmünzt, und jene verbreitet, was diese vertieft. So hängen Politik und Pädagogik wesensmäßig zusammen.“17

 Arp berichtete von den Schularbeiten zur Volksabstimmung vom 19.8.1934, zu der die Landesunterrichtsbehörde die Schulen aufgefordert hatte, exemplarisch positive Schularbeiten auszustellen. Wilhelm Arp schrieb: „Da jede Schule mindestens ein Wahlplakat und aus jeder Klasse zwei Handzettel für Ausstellungszwecke abliefern musste, lässt sich hier ein Stück Hamburger Schularbeit so lückenlos wie nur möglich überblicken.“18

 Der Gauhauptstellenleiter für Unterricht und Erziehung, Wilhelm Arp, veröffentlichte, was er gelungen fand. Der Handzettel eines ersten Schuljahres in Stäbchenschrift:

„mama + papa, alle: ja

oma + opa, alle: ja

alle so : ja“19

Und später, unter der Überschrift „Sprechchöre zur Volksabstimmung“:

„Es werden zunächst 16 Entwürfe von Lehrern angeführt, an denen sich eine Debatte über die Frage entfesseln mag, ob der einfache Spruch, das ‚Gedicht‘ oder die Wechselrede einem Sprechchor im Aufmarsch am angemessensten ist:

1.       Wählt Hitler, dem die Jugend glaubt,

          zu Deutschen Reiches Oberhaupt!

2.       Wenn Hitler ruft, sind alle da,

          das deutsche Volk stimmt nur mit ‚Ja‘!

3.       Es hat des Schicksals Mittler

          der Zwietracht Not gebannt;

          drum stimmt für Adolf Hitler,

          er rettet Volk und Land!

4.       Niemals wird das Reich zerstört,

          wenn ihr einig seid und treu.

          Ein Volk, ein Führer, ein ‚Ja‘.

5.       Hindenburg tot?

          Nein, er lebt!

          Hitler in seinem Geist Deutschland erhebt.

          Drum stimmt alle, Hitler ist uns Führer

          durch Nacht zum Licht.

          Wir haben ihm viel zu danken!

          Vergesst es nicht! – Stimmt alle mit ‚Ja‘.

9.       Von der Ostsee zu den Alpen,

          von der Weichsel bis zum Rhein

          tönt’s aus Millionen Herzen:

          ‚Hitler soll uns Führer sein!‘

          Ein Reich – ein Führer – ein ‚Ja‘.

10.     Den längst die ganze Welt schon kennt,
          des Deutschen Reiches Präsident,
          der uns geführt durch Kampf und Not,
          der alte Hindenburg ist tot.“20

Auch die im Laufe der NS-Zeit zunehmende Auseinandersetzung zwischen Hitler-Jugend und den Schulleitungen, das Misstrauen von HJ-Führern gegenüber der Lehrerschaft thematisierte Wilhelm Arp. Er griff die Neujahrsbotschaft des Reichsjugendführers, Baldur von Schirach, für das Jahr 1936 auf und erläuterte die Neugliederung der deutschen Jugendorganisationen: „Nach den Berichten der Tagespresse soll das Jungvolk (bzw. die Jungmädchenschaft) künftig alle Jugendlichen im Alter von 10–14 Jahren umfassen. Danach soll für die Jugendlichen im Alter von 14–18 Jahren die Hitler-Jugend (bzw. der Bund deutscher Mädel) als Ausleseorganisation für spätere Führerstellungen sowie als Nachwuchsorganisation für die Partei und daneben die Staatsjugend als Massenorganisationen eingerichtet werden. Die gesamte Reichsjugend aber soll unter der Führung der Hitler-Jugend stehen. An jedem 20. April soll die Auslese der 14-jährigen aus dem Jungvolk für die Hitler-Jugend und an jedem 9. November die Überführung der 18-jährigen aus der Hitlerjugend in die Partei erfolgen. Während man für die Massenorganisation des Jungvolks und der Staatsjugend Mitte Januar noch von einer Art von Jugenddienstpflicht sprach, will man Ende Februar an einem freiwilligen Eintritt, aber auch an einer verstärkten Werbung für das Jungvolk festhalten. Für die Ausbildung von HJ-Führern sollen Reichsakademien für Jugendführung, zunächst in München und Braunschweig, eingerichtet werden. Die entsprechende Aufgabe soll auch die Reichssportschule des BDM in Berchtesgaden übernehmen. In diese Reichsakademien sind nur HJ-Führer aufzunehmen, die sich mindestens vier Jahre als Führer einer HJ-Einheit bewährt haben. Künftig soll niemand mehr Führer in Staat und Partei werden, der nicht das Jungvolk, die Hitler-Jugend und die Reichsakademie durchlaufen hat.“21

 Wilhelm Arp, Jahrgang 1903, positionierte sich deutlich:

„Vielmehr sei an dem Grundsatz ‚Jugend kann nur durch Jugend geführt werden‘ heute mehr denn je festzuhalten. Diese Verteidigung verstehen wir sehr wohl. Liegt ihr doch die berechtigte Sorge zugrunde, daß die Quellen nationalsozialistischer Weltanschauung, Lebensführung, Werkgestaltung und Tatausrichtung, die besonders machtvoll und gänzlich neuartig der Jugend entströmen, unter der Führung von Erwachsenen leicht getrübt werden könnten. Wissen wir doch auch aus unserer Kenntnis der heutigen Jugend und ihrer Bewegung, daß sie mehr als etwa die romanische Jugend ihrer Wesensart gemäß der Selbstverantwortung in der Gemeinschaft zustreben muß.“22

 Über die Rolle der Lehrer schrieb Arp: „Jedenfalls kann der Lehrerschaft nicht an einem Einfluß auf die Jugend liegen, der auf ihre spätere Leistung im militärischen Dienst oder politischen Leben abzielt, sondern nur an einer Hilfe für die Jugend, ihr jetziges Leben jugendgemäß auszugestalten. Diesem Helfenwollen der Lehrerschaft steht die Hitler-Jugend mit einigem Mißtrauen gegenüber. Zunächst befürchtet sie, daß die ‚Pauker‘ ihr auch den Jugendbund ‚verschulmeistern‘. Diesen Einwand nehmen wir nicht so tragisch, da die Lehrerschaft ebenso wenig wie die Hitler-Jugend nach einigen ungeeigneten Vertretern beurteilt werden kann. Schwerer wiegt schon der Einwand, daß die Lehrerschaft nicht von einem sachlichen Helfenwollen, sondern von einem standespolitischen Machtstreben geleitet sei. Demgegenüber können wir nur betonen, daß uns die Stellung der Schule im neuen Erziehungssystem des Dritten Reiches so gesichert erscheint, daß wir sie nicht durch einen Übergriff auf den Jugendbund zu verteidigen brauchen. Aus ihrem Erzieherberuf heraus hat die Lehrerschaft ein Verständnis für die Jugend, daß sie auch zum Einsatz für die Jugend treibt. Schon häufiger hat die Lehrerschaft, wenn jugendlicher Tatendrang aus vorzeitigem Erwachsenseinwollen heraus sich in Leistungsübersteigerung und Haltungsverflachung verirrte, behutsam zu echter Jugendlichkeit zurückgelenkt. So sind also Jugend und Lehrerschaft natürliche Bundesgenossen. Daher sollte man auch unbekümmert geeignete Lehrer als Sachberater (nicht als Amtsträger) für Leibesübungen, Musik pflege, Laienspiel und dergleichen mehr überall dort im Jugendbund heranziehen, wo Erfahrung gebraucht wird.“23

Hiermit fand Wilhelm Arp sicherlich nicht die ungeteilte Zustimmung in der Lehrerschaft, insbesondere geriet er damit in Konflikt mit den Schulleitungen besonders der höheren Schulen, die Versuchen der Hitlerjugend, „in die Schule hinein zu regieren“ am schärfsten widersprachen. Für Wilhelm Arp gab es eine „Überschneidungslösung“: „Zu den HJ-Führern, die jetzt ohnehin auch in den Lehrerberuf hineinwachsen, könnten für die Übergangszeit auch geeignete junge Lehrer auf den Führerschulen der Hitler-Jugend für ihren Dienst im Jugendbund vorbereitet werden. Wenn auch die Lehrerschaft, insbesondere der höheren Schule, stellenweise überaltert ist, so werden sich doch stets genügend Lehrer finden, die sich schon aus ihrem pädagogischen Berufsethos heraus, zumal in unserer Zeit politischer Bewegung, die erforderliche Jugendlichkeit bewahrt haben. Denn so lautet die Neujahrsbotschaft des Reichsjugendführers: ‚Die nationalsozialistische Bewegung kennt kein Generationsproblem. Sie ist selbst in ihren an Jahren ältesten Kämpfern eine Bewegung der Jugend. Ein echter Nationalsozialist bleibt immer jung. Wer hinter der Fahne Adolf Hitlers marschiert, … gehört zur ewigen Jugend unseres deutschen Volkes.“24

Auch in einer anderen Frage zeigte sich Wilhelm Arp durchaus streitbar oder, wie es in dem Urteil über ihn von Karl Witt hieß, „vorlaut“. So äußerte sich Arp zum Thema: „Frauen in der Schulverwaltung“ in der HLZ: „Immer wieder hört man von unseren Berufskameradinnen, der Grundsatz: ‚Unabhängig von der Geschlechtszugehörigkeit, allein nach persönlicher Eignung und Leistung sowie nach politischer Zuverlässigkeit würden auch die Schulleiterstellen neu besetzt‘ (aus Hamburg im Dritten Reich, Heft 1, Die Neugestaltung der Schule, Seite 73) sei bis heute in Hamburg leider nur auf dem Papier stehengeblieben.“25

 Arp hielt dagegen, aus heutiger Sicht provokativ, damals wohl nur wiedergebend, was in der Männerwelt des NSLB Gemeingut war: „Nun, zunächst sind in den Schulleitungen aller Schulgattungen Hamburgs Frauen tätig. Aber nur wenige! Gewiß, ihrer sachlichen Leistung und politischen Haltung nach hätten sich mehr Schulleiterinnen herausstellen lassen. Aber wieviele Frauen besitzen denn die persönliche Eignung (und Neigung!), in unserem soldatischen Zeitalter als dienstliche Vorgesetzte gegenüber Männern aufzutreten, da doch an den meisten Stellen sowohl der Knaben- als auch der Mädchenbildung Männer und Frauen in den Lehrkörpern zusammenarbeiten müssen?“26 Um dann zu dem Schluss zu kommen: „Als stellvertretende Schulleiterin an reinen Mädchenschulen könnten Frauen allerdings diesem Vorgesetztenverhältnis zu Männern entgehen und doch als Beraterinnen der Schulleiter die Besonderheiten der Mädchenbildung maßgebend vertreten. Daher verspricht dieser Weg künftig auch noch breiter ausgebaut zu werden. Im allgemeinen aber will und soll sich der das erzieherische Ethos (leider meist ohne mütterliche Färbung) begründende frauliche Instinkt in seiner unentbehrlichen Echtheit mehr in der unmittelbar bildnerischen und erzieherischen Tätigkeit als in den mittelbar leitenden und verwaltenden pädagogischen Funktionen einsetzen.“27

 Das Frauenbild der Nationalsozialisten und Wilhelm Arps schwächte es nicht ab durch den Hinweis, dass gerade eine, heute würde man sagen „Quotenfrau“ in die Schulverwaltung berufen worden war, für die Arp auch noch alle spezifischen Aufgabengebiete beschrieb: „Daß übrigens die Landesunterrichtsbehörde durchaus guten Willens ist, hat sie gezeigt, als sie im Dezember 1935 unsere Gausachbearbeiterin für weibliche Erziehung im NSLB, die Dozentin am Erziehungswissenschaftlichen Seminar der Hansischen Universität, Pg. Dr. Sophie Barrelet, als behördliche Hilfsarbeiterin berief. Seitdem berät in Hamburg wieder eine Frau alle Entscheidungs- und Aufsichtsinstanzen über die allgemeinen weiblichen Erziehungsangelegenheiten aller Schulgattungen, wie Nadelarbeit, Hauswirtschaft, pflegerische Fächer und weibliche Leibesübungen sowie über besondere weibliche Schulsysteme, wie Staatliches Fröbelseminar, Staatliche Schule für Frauenberufe, Allgemeine Berufsschulen für die weibliche Jugend, entsprechende Abteilungen der Berufsschulen im Landgebiet und dreijährige Frauenschulen.“28

 Für die HLZ in diesen Jahren ziemlich unüblich, weil die Diskussion, der Meinungsstreit in Führungszeiten nicht gewünscht war, erschien später im Jahr eine kommentierte Gegenposition von Irma Stoß. Die HLZ-Redaktion, wohl Schriftleiter Max Fehring, im Hauptberuf Kollege von Wilhelm Arp in der Lehrerbildung, bemerkte einleitend, „von Berufskameraden beiderlei Geschlechts manche anerkennende Stimme gehört, daneben allerdings auch Stimmen aus der früheren Frauenbewegung“ erhalten zu haben.29 Irma Stoß hielt Wilhelm Arp entgegen: „Es gibt eine beträchtliche Zahl von Lehrerinnen, die besondere Fähigkeit zu leitender, verwaltender, organisatorischer Tätigkeit besitzt und gewillt ist, sie lebendig werden zu lassen. Das haben die Jahre vor 1933 gezeigt, das bewiesen uns auch die Direktorinnen an den privaten Mädchenschulen Hamburgs, wie die Direktorinnen an den öffentlichen Schulen Preußens und anderer deutscher Länder, die dort nach wie vor in anerkannter und hoch geschätzter Stellung tätig sind. Weshalb sollten die Hamburger Frauen nicht können, was ihre Kolleginnen im Reich überall tun? Würde man heute in Hamburg nur ernstlich suchen, man würde unter den Lehrerinnen mehr zur Leitung geeignete Frauen finden als man jetzt anzunehmen scheint!“30

Irma Stoß entkräftete gleich das einwendende Gegenargument: „Aber – so würde wohl die Entgegnung lauten – wir leben heute in einem soldatischen Zeitalter, und Schulleiterinnen sind heute anders als vor 1933 Vorgesetzte der männlichen Kolleginnen ihrer Schule. Ganz abgesehen davon, daß es in Preußen und den meisten deutschen Ländern nie etwas anderes als das Vorgesetztenverhältnis gegeben hat, so daß dort Frauen Vorgesetzte von Männern gewesen und bis heute geblieben sind, will mir scheinen, als wäre das Wohlbefinden männlicher Lehrkräfte an der Mädchenschule keine entscheidende Frage. Denn – es braucht ja kaum ausgesprochen zu werden – die Mädchen einer Mädchenschule sind nicht um der Lehrer willen da, sondern alle Lehrkräfte der Mädchenschule sind um der Schülerinnen willen da, stehen im Dienst der Mädchenerziehung und haben sich daher der Forderung einer werterfüllten Mädchenerziehung zu beugen.“31

 Und die Vertreterin „der früheren Frauenbewegung“ drehte ein wesentliches Argument der „jungen Erzieher“ einfach um: „Und weshalb ist uns Mädchenerziehung in ihrem eigentlichen höchsten Sinn nur denkbar unter der Führung von Frauen? Es steht völlig außer aller Diskussion, daß Knabenschulen nur von Männern geleitet werden können. Denn diese Leiter einer Knabenschule sollen das gesamte Leben ihrer Schule bestimmend formen, soll in ihr den eigenen pädagogischen Willen Gestalt werden lassen. Sie sollen ihren Schülern Vorbild eines reifen, starken Mannestums sein. Und genau entsprechend liegt es in der Mädchenerziehung. Nicht um ihrer selbst willen, sondern aus Verantwortung gegenüber ihrem eigenen Geschlecht haben Frauen die Leitung von Mädchenschulen übernommen. Denn nur Frauen können der Mädchenschule den ihr eigenen Stil geben, können in ihr ein weibliches Erziehungsideal gestalten und können durch ihr Vorbild eines echten Frauentums ihre Schülerinnen zum Nachleben aufrufen. Darum genügt es in keiner Weise, wenn etwa eine stellvertretende Schulleiterin den männlichen Leiter einer Mädchenschule ‚berät‘, denn damit entgeht ihr die eigentliche Erfüllung leitender Tätigkeit, die Formung eines bestimmten pädagogischen Willens. Die Frau muss vielmehr in uneingeschränkter Verantwortung, ausgestattet mit aller Vollmacht einer Schulleitung, an der Spitze ihrer Schule stehen dürfen. Nur dann wird es möglich sein, daß sie auf dem ihr wesensgemäßen Betätigungsfeld ihren Eigenwert voll und ganz zur Ausprägung bringt.“32

Wilhelm Arp war, wie berichtet, im Jahre 1937 kommissarischer Leiter der Hochschule für Lehrerbildung in Hamburg. Seine Rede „zur feierlichen Immatrikulation des Sommersemesters 1937“ am 12.5.1937 wurde wieder abgedruckt in der HLZ. Zitiert werden soll von dieser sehr formal und theoretisch angelegten Ansprache, was Arp als Hauptaufgabe des Lehrers anführte: „Die Hauptakte seiner Berufsarbeit sind folgende: Zunächst hat er insbesondere der heranwachsenden Jugend die Richtung zu weisen auf das nationalsozialistische Bildungsideal vom heroischen, kämpferischen, politischen deutschen Menschen, dessen höchster Personenwert die Ehre ist; sodann hat er vor allem dem nachfolgenden Geschlecht die Inhalte zu vermitteln, die in der nationalsozialistischen Weltanschauung, in der deutschen Volkskultur und Wertleistung enthalten sind; drittens soll er Gemeinschaft gestalten, und zwar die schulische Arbeits- und Lebensgemeinschaft als Vorbereitungsstufe für die völkische Wirkungs- und Schicksalsgemeinschaft; schließlich soll er Charakteren helfen, sich artgerecht und wesensgemäß zu entfalten!“ Und weiter: „Der gemeinschaftsgestaltende Jugendführer, der mit dem Eintritt zahlreicher HJ-Führer in der Lehrerschaft immer häufiger wird, wird eine Gefolgschaft stiften, die zu jeder Unterrichtsarbeit einsatzbereit und jeder Erziehungseinwirkung hingegeben ist. Der fürsorgende Jugendhelfer wird sich heute mehr der Pflege gesunder und starker Jugend als der Heilung kranker und schwacher Kinder zuwenden, wenngleich wir vorläufig noch immer Heilpädagogen brauchen.“33

Und zur Rolle der Frau im Lehrerberuf blieb Wilhelm Arp auf der bekannten Schiene: „Schließlich gebrauchen wir aber auch immer wieder in der Erzieherhaltung jene Fraulichkeit und Mütterlichkeit, die, geleitet von der Liebe zum Kinde und von dem Instinkt der Pflege, so besonders geeignet sind, Charaktere in ihrer ersten Entwicklung zu umhüten und Gemeinschaft im kleinen Kreise zu gestalten. Der Erzieherberuf ist der fraulichen Art durchaus gemäß und daher auch fraulicher Betätigung weithin zu öffnen. Im Berufsfeld der Erziehung wird die Frau auch an anderen Stellen als beim Kleinkind und bei Mädchen eingesetzt werden müssen, je mehr die jungen Männer für die unmittelbaren Tatberufe beansprucht werden.“34

Wilhelm Arp war ideologisch für den NSLB und die Lehrerbildung in Hamburg sicherlich ein richtungsweisender Vertreter. Darum soll er noch mit einem anderen Werk zitiert werden. 1939 veröffentlichte er in der Reihe „Bayreuther Bücher für Erziehung und Unterricht“, herausgegeben von der Reichsleitung des NSLB, das Buch: „Das Bildungsideal der Ehre“. Auf knapp 130 Seiten setzte sich Wilhelm Arp mit allen Aspekten der Ehre auseinander, dem altgermanischen Ideal. Ausgangspunkt war das Wort Adolf Hitlers, wenn er, an die Jugend gewandt von der „neuen Wertgestalt des deutschen Menschen“ sprach. Arp zitierte Hitler: „Wir wollen, daß dieses Volk treu ist, und ihr müßt diese Treue lernen! Wir wollen, daß dieses Volk einst gehorsam ist, und ihr müßt euch in Gehorsam üben! Wir wollen, daß das Volk friedliebend, aber auch tapfer ist, und ihr müßt deshalb friedfertig sein und mutig zugleich! Wir wollen, daß dieses Volk einst nicht verweichlicht wird, sondern daß es hart sei, daß es den Unbilden des menschlichen Lebens Widerstand zu leisten vermag, und ihr müßt euch in der Jugend dafür stählen! Ihr müßt lernen, hart zu sein, Entbehrungen auf euch zu nehmen, ohne jemals zusammenzubrechen! Wir wollen, daß dieses Volk dereinst wieder ehrliebend wird, und ihr müßt euch schon in den jüngsten Jahren zu diesem Begriff der Ehre bekennen! Wir wollen aber, daß ihr einst auch wieder ein stolzes Volk werdet, und ihr müßt in eurer Jugend in einem wahrhaften Stolz leben, müßt stolz sein als Junggenossen eines stolzen Volkes, auf daß dereinst euer Jugendstolz zum Stolz der Nation wird.“35

Und, etwas schlichter, zitierte Wilhelm Arp Hermann Göring, der bei einem Staatsbesuch in Hamburg gefordert hatte: „Schafft Charaktere, schafft anständige Kerle!“36

Laut Arp ging es darum, zu klären, worin die höchsten Werte bestehen: „Dieser Höchstwert in unserem Menschenideal ist offenbar die Ehre. Denn die Auslese der Bewegung, die SS, und ihre Hoffnung, die HJ, sie tragen beide auf ihren Ehrenwaffen Ehrensprüche: Auf dem Dienstdolch der SS steht ‚Meine Ehre heißt Treue‘ und auf dem Fahrtenmesser der HJ ‚Blut und Ehre‘. Der Führer hat das Volk zur Entscheidung über ‚Ehre und Frieden ’ gerufen. Und wer noch zweifelt, welcher Wert in diesem Und-Verbindungen als höher gilt, den mag ein Ausspruch Alfred Rosenbergs überzeugen: ‚Wiederum ringt die deutsche Nation um neue Werte, und da findet sie, daß sie zurückkehren muß zu den ältesten Werten, und sie sieht das Wesen der ganzen nationalsozialistischen Revolution in einer Idee beschlossen: der nationalen Ehre!‘ Demgemäß lauten die Schwertworte der Jungvolkjungen: ‚Jungvolkjungen sind hart, schweigsam, treu; Jungvolkjungen sind Kameraden; der Jungvolkjungen Größtes ist die Ehre.‘ Übereinstimmend besagt das zweite von den zehn Gesetzen der deutschen Studenten: ‚Oberstes Gesetz und höchste Würde ist dem deutschen Mann die Ehre. Verletzte Ehre kann nur mit Blut gesühnt werden. Deine Ehre ist die Treue zu deinem Volk und zu dir selbst.“37

 Bezogen auf Wilhelm Arps persönliches Schicksal war es schon von tragischer Bedeutung, wenn seine Abhandlung mit dem Abschnitt endete: „Opfer und Ehre“. Arps letzter Satz: „Wer aber überhaupt einmal zur völkischen Opfergesinnung und zur politischen Dienstbereitschaft erzogen ist, der wird im Gedenken an die Opfer des Weltkrieges im Ernstfall auch der Nation das letzte Opfer bringen.“38

Wilhelm Arp hatte, getreu seiner Ideologie, seit 1935 jedes Jahr freiwillige Reichswehrübungen absolviert. 1937 beantragte er die „Zurückstellung aus dienstlichen Interessen“. Am 27.11.1939 wurde er, nur einige Monate nachdem er die Professur erlangt hatte, einberufen, Schütze Arp, Feldpostnummer 150923.39

Am 4.10.1941 schrieb Arps Kompanieführer, Oberleutnant Kaff an Mariechen Arp: „Sehr geehrte Frau Arp! Ich habe die traurige Pflicht, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Mann, der Unteroffizier Wilhelm Arp, bei einem Ortsgefecht in Malaja Belosjorka, ca. 20 km nordwestlich Melitopol, Südrussland, am 28.9.1941 gegen 10 Uhr in soldatischer Pflichterfüllung, getreu seinem Fahneneide, für das Vaterland gefallen ist.“40

Am 18.11.1941 fand an der Hansischen Hochschule für Lehrerbildung eine Wilhelm-Arp-Gedächtnisfeier statt, auf der Landesschulrat Willi Schulz, gleichzeitig Gauwalter des NSLB in Hamburg die Trauerrede hielt. Das Mitteilungsblatt des NSLB aus dem Dezember 1941 veröffentlichte auf seiner Vorderseite ein Foto von Wilhelm Arp und eine Würdigung von Willi Schulz: „Parteigenosse Wilhelm Arp war einer der hervorragendsten Mitarbeiter des NS-Lehrerbundes. Seit Jahren hat er seine unverwüstliche Arbeitskraft und sein großes Können mit seltenem Idealismus in den Dienst der deutschen Schule und des Lehrerstandes eingesetzt. Seine organisatorischen Fähigkeiten gaben ihm die Möglichkeit, seine Abteilung mustergültig aufzubauen. Seine tiefe wissenschaftliche Bildung, sein zäher Wille und seine klare und entschiedene weltanschauliche Haltung machten ihn zu einem wahren Führer seiner Mitarbeiter. Sein tapferer Mut und sein leidenschaftliches Kämpfertum ließen ihn zu einem nie verzagenden Streiter für die deutsche Schule und ihrer Lehrer werden. Sein heiteres, frohes Wesen und die Treue seines Herzens machten ihn allen, die ihm näher traten, zu einem guten Kameraden und Freund. Das von ihm verkündete Bildungsideal der Ehre hat er in seinem Leben und seinem Opfertod zur letzten Vollendung geführt. So wird er als leuchtendes Vorbild für uns alle in unserer Erinnerung weiterleben. Sein Werk werden wir in seinem Geiste weiterführen. Wir werden in unauslöschlicher Dankbarkeit sein Andenken in hohen Ehren halten.“41

In seiner Trauerrede erinnerte Willi Schulz an das Vorwort zur 2. Auflage von Wilhelm Arps Buch „Das Bildungsideal der Ehre“. Da hatte Arp, als Soldat in Frankreich 1941, ein kurzes Vorwort geschrieben: „Dieses Buch ist im Kriege 1939 erschienen. So konnte es kaum einen öffentlichen Widerhall finden. Denn viele berufene Beurteiler standen gleich dem Verfasser als Soldaten im Felde. Immerhin gingen dem Verfasser einige maßgebliche Stellungnahmen und so viele freudige Zustimmungen zu, daß er eine zweite, nur wenig veränderte Auflage ruhig verantworten zu können glaubt. Daß dieses Buch aber überhaupt schon im Kriege vergriffen sein konnte, beweist, daß der deutsche Mensch wirklich zu jenem politischen Menschen geworden ist, der in voller Klarheit über sein Wesen und seine Aufgabe sein Leben für sein Volk einsetzt. So ist es Allgemeingut des deutschen Volkes geworden: Das Bildungsideal der Ehre ist das Gesetz, nachdem wir angetreten und marschiert sind, nach dem wir kämpfen und arbeiten müssen. Der Krieg hat nicht viel mehr geändert, als dieses Ideal beschleunigt in die Wirklichkeit umzusetzen. So ist dieses Buch selbst zu einer geschichtlichen Erscheinung geworden: Es sammelt die mannigfaltigen Bestrebungen nationalsozialistischer Selbstbestimmung und Selbstgestaltung in dem Brennpunkt, von dem die volkspädagogische Aufrüstung ausstrahlt zum kriegerischen Tateinsatz. Die neuen Ausstrahlungen unseres Menschenideals sind fast unübersehbar. Umso wichtiger ist es, dieses in seinem Entfaltungsstand bei Kriegsbeginn auch weiterhin aufzuzeigen, da alle ferneren Darstellungsversuche und Erziehungstendenzen hierauf zurückführen müssen.“42

Mit großer Empathie für den ihm eng verbundenen Wilhelm Arp sagte Willi Schulz: „Seit den letzten Septembertagen dieses Jahres, den Tagen, an denen aus der Heimat unsere Gedanken und die kleinen Gaben der Kameradschaft und der Liebe zu ihm hinausgingen, ruht Dr. Wilhelm Arp in ferner Erde, wie schon manche Kameraden des Nationalsozialistischen Lehrerbundes und Studierende dieser Hochschule vor ihm, dort wo er, seiner Gruppe vorausstürmend, gefallen ist für Führer, Volk und Reich. So, wie er in seinem tiefsten Wesen war: voll innerer Kraft, voll schnellen und festen Entschlusses, voll harten Willens zur Entscheidung und zur Tat, die vorwärts führt. Nicht mit heroischem Pathos, sondern gleich den Helden der germanischen Zeit, die er in seiner wissenschaftlichen Arbeit der letzten Jahre immer wieder suchte, wohl weil er in ihrer seelischen Haltung etwas ihm inhaltlich Verwandtes spürte, schritt er dem Schicksal entgegen, klaren Blickes, doch furchtlos und vertrauend, es in seinen Willen aufnehmend.“43

Willi Schulz versuchte im Weiteren ein Bild von Wilhelm Arp zu zeichnen und schilderte dessen Wirkungsbereiche. Schulz zitierte, wie die Hochschulkollegen der Hansischen Hochschule für Lehrerbildung Arp charakterisiert hatten:

„Von altem niedersächsischen Geschlecht herstammend,
war sein Wesen aus niedersächsischem Stoff aufgebaut:
zäh bis zur Verbissenheit und Starrköpfigkeit
im Festhalten des Zieles,
tapfer bis zum Tode in der kämpferischen
Niederzwingung von Feind und Widerstand,
treu dem Gesetz seines Herzens und dem Gesetz
seines Dienstes,
besinnlich und nüchtern in der Beurteilung
von Mensch und Sache.“44

Schulz erwähnte auch kurz den wohl auch anwesenden Gustaf Deuchler. Schulz und Arp waren parallel und gemeinsam als wissenschaftliche Hilfsarbeiter bei Ordinarius Deuchler tätig gewesen. „In der strengen Schule Deuchlers gewann er den Zugang zu der Fülle der Bildungswirklichkeit und ihrer Probleme, und erwarb in zäher Arbeit an sich selbst die methodische und begriffliche Präzision, die sich gerade bei ihm mit einer sicheren und lebendigen Bewegung des Geistes im Wesenhaften verband.“45

Willi Schulz, selbst aus Niedersachsen stammend und lange als Landschullehrer tätig, zeigte seine Empathie für Wilhelm Arp mit den Worten: „Die herbe Landschaft der niederelbischen Marsch mit ihrem schweren Boden, der Weite des Raumes und dem Grau der seenahen Atmosphäre gab seiner empfänglichen Jugend den Horizont. Das väterliche Lehrerhaus pflanzte ihm die strengen Regeln eines ganz auf Pflicht und Leistung abgestellten Lebens ein, weckte in ihm Liebe zu Heimat und Vaterland und lenkte sein Streben schon früh auf die Bahn des Lehrers und Erziehers. Selbst in weiterer Linie bäuerlichen Ursprungs, aufwachsend und in unmittelbarer Berührung mit niederdeutschem Bauerntum, blieb er diesem Zeit seines Lebens verhaftet. Er dachte niederdeutsch, auch wenn er hochdeutsch sprach und schrieb. Er liebte, wie der Bauer seiner Heimat, nach anstrengendem Dienst ein gemütliches, von behaglichem Witz durchsetztes Gespräch im kleinen Kreise. Er fand rasch den alten Gleichmut, wenn er einer zornerregenden Ursache die plattdeutsche Bezeichnung gegeben hatte. Verhalten, dabei weit- und tief ausholend, war der Schritt seines Denkens. Übersorgfältig steckte er das Feld ab, das er wissenschaftlich zu bearbeiten dachte. Wie ein Bauer seinen Acker abgrenzt und einzäunt, so schützte er seinen Gegenstand durch präzise Begriffsbestimmung vor dem Übergriff. Dann teilte er ein, sonderte und gliederte Tatsachen und Inhalte so lange, bis er die volle Übersicht hatte.“46

 Schulz fuhr fort: „Immer deutlicher erkannte er, daß der neuen Lebensordnung des Nationalsozialismus als richtunggebende Kraft ein lebendiges Wertbild von bestimmter völkischer Seinsart zugrunde lag, und es trieb ihn nun, die Linien dieser Wesensgestalt aufzuspüren.“47

 Schulz spannte dann den Bogen zu dem letzten Buch Wilhelm Arps, das nach seinem Tod 1943 veröffentlicht wurde: „In den kurzen Pausen, die der fast zweijährige Dienst in der Feldtruppe ihm gönnte, griff er stets neu zur Feder, und wie von einer Todesahnung erfaßt, riß sein unbändiger Lebenswille alle geistigen Kräfte zur Vollendung einer wissenschaftlichen Tat zusammen, die seinem forschenden Streben bleibenden Bestand verleihen sollte. In diesem Wettlauf mit dem Tode holte ihn der Tod erst ein, als sein ruheloser Geist das Ziel sicher zu fassen hatte. Wer sich in das fertige Manuskript vertieft, kann sich des erschütternden Eindrucks nicht erwehren, daß hier ein Mann am Werke war, der mit der unbewußten Schicksalsgewißheit in der jungen Brust das Fazit seines Lebens an Innerlichkeit, ausgereifter Anschauung, politischem Schaffen und gelebtem Deutschtum zusammenballte. Es ist ganz und gar das Werk eines Soldaten, der getreu seinem Eid marschiert, der den Feind mutig aufsucht und dann mit geübter Waffe zerschlägt, der weiß, was er dem Kameraden verdankt und das eigene Verdienst bescheiden zurückstellt vor der Leistung des anderen, der im entscheidenden Augenblick entschlossen voranstürmt, schließlich, das starke Bild des geliebten Führers im Herzen, sein Blut verströmt und noch im Sterben die Fahne weitergibt.“48

Die Witwe Wilhelm Arps, Mariechen Arp, 1907 geboren, bei der Trauerfeier also erst 34 Jahre alt, mit vier kleinen Kindern (vier, sieben, acht und zehn Jahre alt) schrieb Vorwörter für die 2. Aufl. und das posthum veröffentlichte neue Buch Arps. Darin würdigte sie die Arbeit ihres Mannes auf ihre Weise, auch eine Form der Identifikation mit seiner Arbeit: „Als mein Mann zu Beginn des Jahres 1941 aus Frankreich die obigen Zeilen als Vorwort zur 2. Aufl. sandte, hat er neu am Schlusse des Werkes hinzugefügt einen ‚Ausblick auf die europäische Aufgabe des deutschen Menschen‘, wie er sich ihm als Unteroffizier der Infanterie beim Marsch durch Dänemark und durch die Niederlande nach Frankreich hinein bot, nachdem er auf Grund früherer Freiwilligenübungen seit November 1939 zur Truppe einberufen war.

Als diese europäische Aufgabe den deutschen Menschen, schneller als gedacht, im Osten zum Kampf gegen den Bolschewismus stellte, dann nahm er seit dem 22. Juni teil an den harten, ununterbrochenen Kämpfen der Südfront, deren ‚bittere Notwendigkeit‘ mancher Brief ausführlich dartat. Ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz und dem Infanterie-Sturmabzeichen, fiel er ‚seiner Gruppe voranstürmend‘ am 28. September 1941 bei Melitopol, nördlich des Asowschen Meeres. Wenn er im Alter von 38 Jahren so seiner wissenschaftlichen und erzieherischen Lebensarbeit zu früh entrissen wurde, war es ihm doch noch möglich, auf der Grundlage seiner idealforschenden Arbeit über die Ehre einen weiteren Beitrag zur Philosophie der deutschen Bildung zu leisten. Diese Schrift ‚Deutsche Bildung im Kampf um Begriff und Gestalt unseres arteigenen Menschentums‘ wurde zum größten Teil erst während des Krieges vollendet. Wenn diese letzte Arbeit zu gegebener Zeit erscheint, so möge sie wie jetzt die 2. Auflage zum ‚Bildungsideal der Ehre’ in dessen Ergänzung mitwirken, daß der Verfasser über den Tod hinaus noch teilnehme an dem auch mit geistigen Waffen geführten Kampf um den deutschen Sieg. Hamburg, Januar 1942. M. Arp.“49

Und im Juni 1942 schrieb Mariechen Arp das Vorwort für das im Krieg verfasste Buch ihres Mannes: „Deutsche Bildung“:

„Auch die vorliegende Arbeit über ‚Die deutsche Bildung‘ nahm mein Mann in diesem letzten Urlaub noch einmal zur Hand. Obgleich er das starke Verlangen hatte, den grundsätzlichen Teil weiter auszuführen, gab er mir doch den Auftrag, das Werk unverändert in der vorliegenden gedrängten Fassung herauszugeben, wenn er nicht zurückkehren sollte. Die Überzeugung von der Richtigkeit und Notwendigkeit seiner aufgestellten Forderungen in der ‚Deutschen Bildung‘, um deren Begriff und Gestalt er mit aller Kraft gerungen hatte, wurde dem Verfasser bestätigt in der unerbittlichen Prüfung vorm harten Antlitz des Krieges.“50

Mariechen Arp zog mit ihren vier Kindern nach dem Tod ihres Mannes zurück nach Horneburg. Dort heiratete sie zehn Jahre später wieder, 1952, den Fuhrunternehmer Franz Rieger.51

Das Profil ist nachzulesen in Hans-Peter de Lorents Buch: Täterprofile, Band 2. Hamburg 2017. Das Buch ist erhältlich in der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg.

Anmerkungen
1 Gespräch mit Hermann Lange am 16.9.1986. Das Gespräch wurde geführt zusammen mit Reiner Lehberger und ist abgedruckt am Ende der Biografien in diesem Buch.
2 Lebenslauf in Personalakte Wilhelm Arp, StA HH,HW DPA_IV 1227
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Schreiben Gustaf Deuchlers an die Hochschulbehörde vom 29.7.1929, ebd. Siehe dazu auch die Biografie Deuchler in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile, Hamburg 2016, S. 142ff.
6 Ebd.
7 Schreiben von Emil Krause vom 17.7.1930, ebd.
8 Ebd.
9 Schreiben vom 10.5.1939, StA HH, 113-5_BV 119
10 Wilhelm Arp: Das Staatsbewußtsein. Ein Beitrag zur Bildungspsychologie, Hamburg 1930.
11 Ebd., S. 179f.
12 Wilhelm Arp: Vom Weltkrieg zur Nationalen Revolution, HLZ 24/1934, S. 377.
13 Ebd.
14 HLZ 24/1934, S. 378.
15 HLZ 24/1934, S. 379f.
16 HLZ 24/1934, S. 380.
17 Wilhelm Arp: Schulpropaganda zur Volksabstimmung, HLZ 40/1934, S. 573.
18 HLZ 40/1934, S. 574.
19 Ebd.
20 HLZ 40/1934, S. 575.
21 HLZ 10/1936, S. 113.
22 Ebd.
23 HLZ 10/1936, S. 113f.
24 HLZ 10/1936, S. 114.
25 HLZ 10/1936, S. 117.
26 Ebd.
27 Ebd.
28 Ebd. Siehe die Biografie Sophie Barrelet in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile, Hamburg 2016, S. 352ff.
29 HLZ 32/33-1936, S. 308.
30 Ebd.
31 Ebd.
32 Ebd.
33 Wilhelm Arp: Erziehung als Beruf, HLZ 22/1937, S. 230.
34 HLZ 22/1937, S. 231.
35 Wilhelm Arp: Das Bildungsideal der Ehre, Bayreuth 1939, S. 10.
36 Arp 1939, S. 11.
37 Arp 1939, S. 11f.
38 Arp 1939, S. 104.
39 Personalakte Arp, a.a.O.
40 Ebd.
41 Mitteilungsplatt des NSLB. Gauwaltung Hamburg, Nr. 12, Dezember 1941, S. 69.
42 Wilhelm Arp: Das Bildungsideal der Ehre, 2. Auflage, München 1942, S. 7.
43 Willi Arp zum Gedächtnis, in Mitteilungsblatt des NSLB, a.a.O., S. 70.
44 Die Rede von Willi Schulz ist auch abgedruckt in: Wilhelm Arp: Deutsche Bildung – im Kampf um Begriff und Gestalt unseres arteigenen Menschtums, 1942, S. 122ff.
45 Wilhelm Arp zum Gedächtnis, a.a.O., S. 127.
46 Wilhelm Arp zum Gedächtnis, a.a.O., S. 126.
47 Wilhelm Arp zum Gedächtnis, a.a.O., S. 129.
48 Wilhelm Arp zum Gedächtnis, a.a.O., S. 130f.
49 Arp 1942, hier Vorwort von M. Arp, S. 7f.
50 Arp: Deutsche Bildung 1942, S. IIIf.
51 Laut Personalakte Arp, a.a.O.
 

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Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand August 2021: 880 Kurzprofile und 279 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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