Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Dorothea Karoline Ackermann

(12.2.1752 Danzig – 21.10.1821 Altona)
Schwester: Marie Magdalena Charlotte Ackermann
Schauspielerin
Gänsemarkt 66-69, Comödienhaus
Neben ihrer jüngeren Schwester Charlotte war Dorothea Ackermann, die Tochter von Sophie Charlotte Schröder und Konrad Ernst Ackermann, die wichtigste Schauspielerin während der berühmten ersten Direktionsperiode (1771–1780) Friedrich Ludwig Schröders. Der Stiefbruder war der bedeutendste Theatermann des 18. Jahrhunderts. Er führte Shakespeare in Deutschland ein und bahnte dem großen nationalen Drama, den Werken Lessings, Goethes und Schillers, den Weg. In der Darstellung drang er zu einer natürlichen Menschengestaltung vor.
Trotz ihrer großen Begabung behielt Dorothea Ackermann lebenslang einen unüberwindlichen Abscheu gegen die Bühne. So fiel es ihr vermutlich nicht schwer, ihren Beruf aufzugeben, als sie 1778 den Altonaer Arzt und Schriftsteller Johann Christoph Unzer heiratete. Auch nach der Scheidung von Unzer 1790 betrat sie die Bühne nicht wieder.
Diese Abneigung, die sich nur verlor, wenn sie auf der Bühne stand, lässt sich vielleicht vor allem aus dem Verhalten des Publikums erklären. Die Schwierigkeiten und Unbeholfenheiten der Anfängerin bedachten die Kritiker zum Teil mit herben Worten. Und selbst als sie nach einem ersten Erfolg 1769 in Braunschweig auch in Hamburg zunehmend Beachtung fand, schwiegen die Stimmen nicht, die Dorothea Ackermann mit Madame Hensel verglichen, in der sie das Ideal einer Tragödin sahen. Die schlichte Natürlichkeit der weniger attraktiven Dorothea Ackermann dagegen erschien ihnen dürftig. Aber eben darin lag gerade ihre Bedeutung für die Entwicklung der Schauspielkunst. Die Titelrolle in Lessings „Miß Sara Sampson“ (1769) und „Minna von Barnhelm“ (1769), die Orsina in seiner „Emilia Galotti“ (1772), die Marie in Goethes „Götz von Berlichingen“ (1774), die Titelrolle in Goethes „Stella“ (1776) und Shakespeares Ophelia (1776) und Desdemona (1776) gehören zu den großen Rollen, die sie verkörperte. „Hamburg“, schrieb Schröder bei ihrem Abgang 1778, „verdient solche Schauspielerin nicht, die mit allen ihren Fehlern, deren sie wirklich hat, sicher die erste Deutschlands ist.“
Die Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit waren ungeheuer gewesen. Jährlich musste sie zwanzig bis dreißig Rollen spielen. Dazu kamen pantomimische und choreographische Leistungen und musikalische Einlagen sowie zahlreiche Prologe und Epiloge, die alle ihr zufielen. Eine große tragische Rolle, eine erste Partie im Singspiel oder ein anstrengendes Solo im Ballett und ein Prolog an einem Abend war nichts Seltenes. Johann Friedrich Schütze setzte ihr das folgende Denkmal: „Die ältere Dem. Ackermann, erste Liebhaberin im rezitierenden und musikalischen Schauspiel, hatte damals sich zu einem hohen Grade als Kunst- und Darstellungstalent ausgebildet. Sanfte, zärtliche Liebhaberinnen im Trauer- und Lustspiel waren ihr Hauptfach; doch zeugte jede von ihr übernommene Rolle durchdachtes Spiel, Verstand, Einsicht, Sinn für das Schöne und Geschmack. Sie hatte Figur für die Bühne, und wußte ihren schönen Wuchs durch graziöse körperliche Bewegungen und mahlerische Stellungen, und durch ein oft zum Erstaunen bedeutsames Theaterspiel zu heben. Sie deklamierte wahr und rein und traf, war gleich ihre Brust nicht die stärkste, den Ausdruck der Empfindung und Leidenschaft auch in heftigen tragischen Rollen. Der ächte, damals noch auf mehern Bühnen seltne Konservationston war ihr so sehr eigen, daß sie ihrer Mitgängerinnen Muster, auch darin Muster war. Unbegränzt war ihr Kunsteifer, unermüdet ihr Fleiß. Ihre vorzüglichsten tragischen Rollen waren Julie, Sara Sampson, Orsina, Elisabeth, Leonore. Starke, zärtliche Rollen glückten ihr im Lustspiel vorzüglich, z. B. Minna von Barnhelm. Im eigentlich komischen Rollenspiel war sie minder groß (...). Ihr Gesang im Singspiel war angenehm und kunstreich. Als Tänzerin ward die Grazie ihrer Bewegungen, Armschwingungen, ihre Leichtigkeit und Geschmeidigkeit gepriesen.“ (Johann Friedrich Schütze: Hamburgische Theater-Geschichte. Hamburg 1794.))
Text: Brita Reimers
 

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