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Hanne Mertens

(13.4.1909 Hamburg – 22.4.1945 KZ Neuengamme)
Schauspielerin
Thalia Theater, Alstertor 2 (Wirkungsstätte)
Stolperstein für Hanne Mertens vor dem Eingang ins Theater
Sierichstraße 66 (Wohnadresse) Stolperstein
Kurt-Schill-Weg (Mahnmal)
Namensgeberin für: Hanne-Mertens-Weg
Als das Thalia Theater am 10. November 1943 mit den „Journalisten“ von Gustav Freytag sein hundertjähriges Jubiläum feierte, stand Hanne Mertens auf der Bühne. Mit 29 Jahren begann sie in München mit ihrer Schauspielerinnenlaufbahn. Fünf Jahre spielte sie an den Münchner Kammerspielen. Weil sie sich offen gegen den Nationalsozialismus geäußert hatte, wurde sie nach der Machtübernahme durch die Nazis mehrmals von der Gestapo vorgeladen. Hanne Mertens spürte die Gefahr, in der sie schwebte. So war sie froh, als sie 1943 ein Engagement ans Hamburger Thalia Theater bekam. Doch auch hier konnte sie den Mund nicht halten. Auf einer privaten Feier sang sie das Lied: „Es geht alles vorüber ... zuerst Hitler, dann die Partei“. Ein anwesender Gestapobeamter denunzierte sie. Und Hanne Mertens wurde wenig später, am 6.2.1945, wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“ von der Gestapo verhaftet und in die Haftanstalt Fuhlsbüttel gebracht. Zur selben Zeit war dort Gertrud Meyer inhaftiert. Sie überlebte und schrieb später in ihren Erinnerungen: „Es ist ein eisiger Tag, dieser 5. Februar 1945. Soeben trifft im Gestapo-Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel der Transport mit den heute verhafteten Frauen ein. Man hört das Schließen der Außentür, Tritte von vielen Füßen. Mit grellen Kommandostimmen jagen die SS-Aufseherinnen die Angekommenen die Kellertreppe hinunter. Erschreckt und beklommen drängen sich die Ankömmlinge in dem fast dunklen Keller zusammen. Während eine SS-Aufseherin mit der Taschenlampe leuchtet, hakt die andere auf der Transportliste die aufgerufenen Namen ab. Die andere Aufseherin stochert mit einer Stricknadel in den Haaren und sucht nach Läusen. Danach befiehlt sie den Frauen, die Schuhe auszuziehen und diese ausgerichtet nebeneinander an die Wand zu stellen. Nun müssen sie sich ausziehen. Wäsche, Kleider, Mäntel zu einem Bündel zusammenrollen. Dann schließt die Aufseherin den Duschraum auf und schaltet das Licht ein. Zwei Frauen haben blutunterlaufene Striemen und Flecke. Jetzt sehe ich auch die Frau, die mir auf dem Flur schon aufgefallen ist und auf den Namen Mertens antwortet, gut gewachsen, dunkelhaarig, ein herbschönes Gesicht. Ihre Bewegungen sind fast hölzern, entweder ist sie krank oder sie wurde bei der Gestapo mißhandelt. Sie streckt die Arme nach oben, dreht und wendet sich und läßt das warme Wasser mit sichtbarem Genuß an sich herunterrieseln (...). Nach mehrtägigen Verhören im Gestapohaus erscheint Frau Mertens heute zum erstenmal in der Freistunde. Wir wissen inzwischen, dass sie die Schauspielerin Hanne Mertens vom Thalia Theater ist. Für uns Politische ist sie die Kameradin Hanne, um die wir uns Sorgen machen.
Hanne sieht angegriffen aus und zieht ein Bein nach. Die SS-Weiber treiben Hanne mit Schlägen und Fußtritten vor sich her. Die Hauptwachtmeisterin schließt die Käfigzelle auf, stößt Hanne hinein. Ein anderes SS-Weib geht um den Käfig herum zum Fenster und zieht das schwarze Rollo herunter – also Dunkelarrest! Der Riegel knallt vor, die Zellentür wird verschlossen.
Wir alten Häftlingshasen wissen, was dieser Arrest bedeutet: als Nahrung täglich zwei Schnitten trockenes Brot und einen Becher Wasser, jeden vierten Tag eine warme Mahlzeit, im Käfig das Klosett und eine nackte Pritsche ohne Decke. Die Haftdauer ist verschieden, mindestens aber eine Woche.“ [1] Hanne Mertens gehörte zu den dreizehn Frauen, die ohne Urteil auf Anweisung der Gestapo in den Nächten vom 21. zum 23.4.1945 im KZ Neuengamme erdrosselt wurden.
In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1945 wurde das Thalia Theater zerbombt.
Seit 1982 gibt es in Hamburg Niendorf einen Hanne-Mertens-Weg.
Im Kurt-Schill-Weg steht ein Mahnmal: ein Tisch mit 12 Stühlen, 1987 geschaffen von dem Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte zum Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Rückenlehnen sind mit Namen von Hamburger Widerstandskämpferinnen und -kämpfern versehen, hier auch der Name Hanne Mertens.
Text: Rita Bake
Zitat:
1 Gertrud Meyer: Begegnung mit der Schauspielerin Hanne Mertens. In: Gerda Zorn, Gertrud Meyer: Frauen gegen Hitler. Frankfurt a. M. 1974.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: September 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand September 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

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Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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