Namens-/Sachregister

Frauenbios

Ida Stengele

( Ida Stengele, geb. Biedermann )
(14.2.1861 Wyl/Kanton Zürich – ?)
Erzieherin, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (SPD, 1919–1927)
Kollaustraße 13 (Wohnadresse)
Hamburger Rathaus, Rathausmarkt (Wirkungsstätte)
Ida Biedermann hatte nach dem Besuch der Volks- und Sekundärschule in Wyl, die höhere Mädchenschule in Lausanne besucht. Einer ihrer Mitschüler in der Sekundarschule In Wyl war Gustav Stengele, Sohn eines Stellmachers. Die beiden heirateten aber erst 1894, als Ida und Gustav 33 Jahre alt waren. Damals arbeitete Gustav Stengele (1861-1917) schon in Hamburg als Redakteur für die sozialistische „Bürgerzeitung“ und das „Hamburger Echo“.
Ida Biedermann war vor ihrer Ehe als Erzieherin in Privatstellen in Österreich, Frankreich und Italien tätig. Nach ihrer Heirat mit Gustav Stengele, gab sie ihre Erwerbstätigkeit auf und wurde Hausfrau. 1919 wurde sie als SPD-Abgeordnete in die Hamburgischen Bürgerschaft gewählt. Damit gehörte sie zu den ersten Frauen, die in die Bürgerschaft gewählt wurden, nachdem 1919 die Frauen das aktive und passive Wahlrecht erkämpft hatten. Bei der Wahl 1919 zur ersten verfassungsgebenden Bürgerschaft wurden siebzehn Frauen und 168 Männer gewählt. Neun Frauen gehörten der SPD an, darunter Ida Stengele, vier der liberal-demokratischen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), zwei zählten zur links von der SPD stehenden Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) und jeweils eine zur nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) und zur nationalistisch-konservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).
Schwerpunkte der Politik der weiblichen Abgeordneten waren die Bereiche Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege, Bevölkerungspolitik und Gesundheitsfürsorge, Jugendpflege und Schulpolitik sowie Ehe- und Familienrecht. [1]
Auch ihr Ehemann Gustav Stengele war Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft gewesen und zwar von 1907 bis 1913. Nach ihm wurde 1945 in Hamburg-Horn auch eine Straße benannt – nach Ida Stengele nicht. Die „ Stengelestraße“ könnte also auch nach Ida Stengele mitbenannt werden.
Ida Stengele war von 1919 bis 1927 Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft. 1924 wurde sie Mitglied des Bürgerausschusses, auch war sie Mitglied der Behörde für öffentliche Jugendfürsorge und des Ernährungsbeirates des Kriegsversorgungsamtes. Ihr Themenschwerpunkt war die Jugend. Sie setzte sich aber auch besonders für bessere Berufsmöglichkeiten von Frauen ein. So unterstützte sie 1920 das Anliegen des Senats dem Verein zur Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit mehr Geld zukommen zu lassen. Auch redete sie im Parlament z. B. zur Hunde- und Reitpferdesteuer. Ihre Rede zur Reitpferdesteuer verdeutlicht ihren politischen Standpunk, sich in erster Linie für verbesserte Lebensbedingungen des Proletariats einzusetzen. So sagte sie: „Ich habe hier vor ganz kurzer Zeit eintreten müssen für ein Eintrittsgeld in den Flußbadeanstalten, da der Staat nicht die Mittel aufbringen kann, den Betrieb der Flußbadeanstalten weiterhin aufrecht zu erhalten, wenn keine Eintrittsgebühr genommen wird. Nun frage ich Sie: Wenn Leute sich heutzutage noch ein Reitpferd halten können, einen Stall dafür haben müssen, die Unterhaltungskosten des Pferdes tragen können, ist es dann eine Ungerechtigkeit, wenn diese Pferde mit 500 Mark Steuer belastet werden? Die übrige Bevölkerung kann den Staub schlucken; das haben diese Herren nicht nötig, denn ich bin überzeugt, daß sie im Sommer zur Erholung aus der Großstadt herausgehen. Die anderen müssen in der Stadt bleiben, müssen ihr Geschäft besorgen, für Handel und Wandel aufkommen, und wenn sie sich dann mal den Schweiß vom Körper herunterbaden wollen, dann müssen sie noch ein Eintrittsgeld in den Badeanstalten bezahlen! Wir sind dafür eingetreten, weil die Staatsfinanzen es erfordern, weil uns die Mittel fehlen; und jetzt kommen Sie von der rechten Seite und sind gegen diese Steuer! Wenn wir hier auf den Satz von 150 Mark zurückgegangen sind für die Pferde, die zur gewerbsmäßigen Vermietung gehalten werden, so in Anbetracht dessen, weil uns doch Bedenken gekommen sind, daß durch das Zurückgehen dieses Gewerbes auch wieder Leute erwerbslos würden (…). Ich möchte Sie aber bitten, bei dem Satz von 150 Mark zu verbleiben, denn dieser Satz für ein Pferd verteilt sich auf so und so viele Menschen, die es im Jahr nutzen, und da kann der Betrag für den einzelnen keine große Summe ausmachen.“ [2]
Obwohl die Frauen seit 1919 das aktive und passive Wahlrecht besaßen, blieben sie im Parlament in der Minderheit. Frauen waren als Politikerinnen nicht gefragt. „Angesichts dieser Entwicklung wichen die anfänglichen Hoffnungen schnell kritischem Realismus. In den Reihen der Frauenbewegung machte sich allgemeine Enttäuschung breit. Die parteipolitisch organisierten Frauen (…) beklagten (…) ihren geringen Einfluss. (…) Frauen waren in keiner Partei der Weimarer Republik gleichberechtigt.“ [3]
Text: Rita Bake
Quellen:
1 Rita Bake, Birgit Kiupel: Einsichten. Von realen und idealen Frauen im Hamburger Rathaus. Hamburg 2016, S. 73.
2 Plenarprotokolle: 14. Sitzung, 1924, S. 211.
3 Karen Hagemann, Jan Kolossa: Gleiche Rechte – Gleiche Pflichten? Ein Bilder-Lese-Buch zu Frauenalltag und Frauenbewegung in Hamburg. Hamburg 1990.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand August 2021: 1257 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

August 2021: Esther Bejarano, Gerda Zorn, Sara Susanne Pander, Christa Mulack, Jutta Rall-Niu, Antonia Hilke

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

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Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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