Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Erna Raupach-Petersen

(11.11.1904 Flensburg – 21.11.1997 Flensburg)
Schauspielerin
Ohnsorg Theater, Große Bleichen 23/25 (Wirkungsstätte)
Erna Raupach-Petersen stammte aus einer Flensburger Kaufmannsfamilie. Obwohl in ihrer Familie hochdeutsch gesprochen wurde, las ihr Vater ihr und ihrem Bruder regelmäßig abends aus den Werken von Fritz Reuter und Klaus Groth vor. So wurde die plattdeutsche Sprache für sie ein Synonym für Heimat.
Ihr Wunsch, Schauspielerin zu werden, erwachte, als sie als Jugendliche ihren Bruder in einem Theaterstück mitspielen sah. Doch zunächst absolvierte sie nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung zur Stenotypistin. Ihren Wunsch, Schauspielerin zu werden, verlor sie aber nicht aus den Augen und nahm deshalb von ihrem selbstverdienten Geld Sprech- und Gesangsunterricht.
Ihre erste Rolle erhielt Erna Petersen 1923 an der Niederdeutschen Bühne Flensburg, in jenen Zeiten der Inflation für eine Abendgage von einer Billion Mark. Die darauf folgenden Jahre spielte sie dort immer wieder, bis sie sich 1928 entschloss, ihre schauspielerische Ausbildung zu verfeinern, und nach Kiel ging, um dort bei dem Leiter der niederdeutschen Bühne Kiel, Otto Mensing, weiter zu studieren. Im selben Jahr lernte sie den jungen Schauspieler Walter Raupach kennen. Beide blieben für einige Jahre an der Kieler Bühne. 1934 folgte Erna Petersen ihrem zukünftigen Mann nach Breslau, wo er ein Engagement am dortigen Theater erhielt. Sie heirateten, und Erna Raupach-Petersen gab auf Wunsch ihres Mannes ihren Beruf auf.
Kurz vor Kriegsende wurde Walter Raupach als Soldat eingezogen und fiel in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. Erna Raupach-Petersen flüchtete aus Breslau und schlug sich bis nach Hamburg durch, wo ihre Mutter mittlerweile wohnte. Sie nahm ihren Schauspielerinnenberuf wieder auf, und weil im Krieg die meisten Theater durch Bomben zerstört worden waren, ging sie zunächst für zwei Jahre auf Tournee mit dem Stück „Der Vater“ von August Strindberg.
Nach Hamburg zurückgekehrt, traf sie 1948 Dr. Hartwig Sievers, den sie Ende der zwanziger Jahre in Kiel kennen gelernt hatte und der mittlerweile Schauspieler des Ohnsorg-Theaters war. Durch ihn erhielt sie die Chance, dort vorzusprechen, woraufhin sie ein Engagement erhielt, das fast fünfzig Jahre dauern sollte. In insgesamt über 120 Rollen war sie von da an auf der Bühne des Ohnsorg Theaters zu sehen. Sie spielte in allen niederdeutschen Klassikern. Zum besonderen Publikumsliebling wurde sie wegen ihrer bodenständigen Herzlichkeit und Glaubwürdigkeit. „Wenn ich fünf oder sechs Menschen zum Lachen gebracht habe, hat es sich für mich schon gelohnt“, äußerte sie bescheiden an ihrem 90-sten Geburtstag.
Text: Kerstin Klingel
 

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