Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Frida Reimann

(17.5.1899 Vilkomir/Litauen – 24.7.1996 Hamburg)
Pflegerin Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (KPD), in der Ernannten Bürgerschaft von Februar 1946 bis Oktober 1946, antisemitisch verfolgt
Kleiberweg (Wohnadresse in der Nähe des Kleiberweges in einer Kleingartenkolonie)
Hamburger Rathaus, Rathausmarkt (Wirkungsstätte)
Bestattet: Grablage Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756: Geschwister-Scholl-Stiftung, Bo 73, 56
„Während Ihrer langjährigen Parlamentszugehörigkeit haben Sie sich durch Engagement, Sachkenntnis und Fairness über die Parteigrenzen hinweg Anerkennung erworben und das Ansehen des Parlaments wesentlich mitgeprägt.“ Mit diesen Worten gratulierte am 17. Mai 1994 die damalige Präsidentin der Hamburger Bürgerschaft Ute Pape Frida Reimann zum 95.-jährigen Geburtstag. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die britische Militärregierung im Februar 1946 die kommunistisch-jüdische Intellektuelle in die Ernannte Hamburger Bürgerschaft berufen. Kurz davor, bis Ende 1944 hatte sie in Elmshorn noch 25 Monate lang Zwangsarbeit verrichten müssen. Ihr Schicksal zeigt, dass auch Bürgerinnen, die in Altona zuhause waren, zur Zwangsarbeit verurteilt werden konnten. Frida, die in einer sogenannten Mischehe lebte, war zu einem gesonderten Arbeitseinsatz verpflichtet worden, bevor sie nach Theresienstadt deportiert werden sollte.
Frida Reimanns, Jahrgang 1899, kam aus Vilkomir in Litauen. Neben Tätigkeiten als Übersetzerin und Dolmetscherin verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt auch durch Fabrikarbeit, engagierte sich als Betriebsrätin. Etwa 1920 heiratete sie den Buchhändler und engagierten Kommunisten Walter Reimann. Ab den 1930er Jahren lebten beide in der Kleingartenkolonie Kiebitzmoor in Eidelstedt, heute Lurup. Frida und Walter hätten gerne Kinder gehabt und bedauerten sehr, dass Frida nie schwanger wurde. Das mag auch der Lebenssituation geschuldet gewesen sein und den Krankheiten, die Walter durch eine mehrjährige KZ Haft und Frida durch die Zwangsarbeit erleiden mussten.
1941 kam Fridas Vater, ein Kaufmann, in einem Shtltl in VILKOMIR ums Leben, ermordet während eines Massakers der deutschen Wehrmacht. Dass auch für Frida der Verfolgungsdruck als Jüdin immer größer wurde, lässt ein Dokument über einen Strafbefehl erahnen, den sie im selben Jahr, 1941, erhielt, da ein Verstoß gegen das Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vorliege, sie habe den Vornamen Sarah noch nicht beantragt, was sie daraufhin tun musste. Fridas Schwester Hannah starb in der stalinistischen Sowjetunion 1943 in dem Gulag BESYMJANKA-ITL , einem Besserungslager, in das sie deportiert worden war wegen sogenannter konterrevolutionärer Verbrechen. Im selben Jahr 1943 ordneten die Hamburger Behörden an, dass Frida ab dem 01.04.1943 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Zwangsarbeit ableisten musste. Sie musste in der Sackfabrik H. Langner & Co.in Elmshorn arbeiten – ohne angemessenen Lohn. Kontakt zu anderen Mitarbeitern war ihr untersagt. Sie musste 12 Stunden täglich Schwerstarbeit beim Verladen von Säcken und Chemikalien verrichten, Frida Reimann schilderte am 20.9.1951 in einem Brief an das Amt für Wiedergutmachung die Situation:
„Ich musste den Winter über in einem völlig ungeheizten Schuppen arbeiten und Männerarbeit verrichten ... ... Die Behandlung im Betrieb war die gleiche wie die der Kriegsgefangenen, die im Betrieb arbeiteten. Hinzu kamen die dauernden Drohungen mit dem KZ. Diese Umstände, unter denen ich die Zwangsarbeit ausführen musste, ergaben eine seelische Belastung wie auch der Entzug der Freiheit nicht hätte größer sein können.“ Wie groß ihre Furcht gewesen sein mag, kann man erahnen, wenn man bedenkt, dass sie in der Nähe des Außenlagers des KZ Neuengamme im Friedrichshulder Weg gewohnt hatte und Zeugin unmenschlicher Behandlung der jungen Jüdinnen dieses KZs geworden war.
Ende 1944 kam ein Mann auf Walter Reimann zu mit den Worten: „gehen Sie mit ihrer Frau weg, die soll jetzt abgeholt werden.“ Frida sollte nach Theresienstadt deportiert werden. Dank dieses Hinweises gelang es Frida bis zur Befreiung unterzutauchen, sie fand bei Freunden in Ellerau im Kreis Segeberg Unterschlupf, lebte im Keller eines Hauses, das im Wald stand.
Das Überleben als Jüdin machte Frida Reimann 1946 aus Sicht der Leitungsebende der KPD als mögliche Kollaborateurin oder gar Spionin verdächtig. Ralph Giordano belehrte die Genossen darüber, dass es durchaus einigen Jüdinnen und Juden möglich gewesen war, zu überleben, obwohl sie für die Vernichtung vorgesehen waren. Luruper Genossen setzten sich für Walter und Frida Reimann ein, die Partei lenkte ein.
Als Kandidatin der KPD war Frida bei den ersten freien Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft am 13.10.1946 in ihrem Amt nicht bestätigt worden. Walter und Frida Reimann engagierten sich als Verfolgte des Naziregimes u.a. in der Friedensbewegung und dem Arbeitskreis gegen Neofaschismus der Emmaus Kirchengemeinde in Lurup, der 1979 die erste Abhandlung zur Geschichte Lurups in der Nazi Zeit veröffentlichte.
Frida Reimann verstarb 97 jährig am 24.07.1996. Sie und ihr Mann Walter liegen auf dem Ehrenfeld der Geschwister Scholl Stiftung des Ohlsdorfer Friedhosfs begraben. Der Überzeugung, dass es nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus geben dürfe, hatten sie ihr Leben gewidmet. Ich glaube, heute würden sie uns zurufen: Stoppt den Hass!
Text: © Anke Schulz „Zwangsarbeit der Altonaer Jüdin Frida Reimann“. Vortrag anlässlich der Gedenkveranstaltung der Bezirksversammlung Altona ‚ Zwangsarbeiterinnen in Altona‘ vom 25.01.2019
 

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