Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Arbeiterinnen im 18. Jahrhundert

Reimerstwiete 17-21: Historisches Häuserensemble
„Die Reimerstwiete war ursprünglich eine schmale Gasse mit kaum mehr als Fußwegbreite (vgl. die Pflasterung) und bildete eine der wenigen Querverbindungen über die Cremoninsel. Die Gruppe von fünf Wohn- und Lagergebäuden entstand von den 1760er Jahren bis in das frühe 19. Jahrhundert (...). Die schlichten Fachwerkfassaden weisen die Straße als eine ehemals unterbürgerliche Adresse aus“ [1], schrieb Ralf Lange in seinem Architekturführer Hamburg. So haben in der Reimerstwiete sicherlich auch Unterschichtfrauen und Frauen aus dem Kleinbürgertum gewohnt. Von ihnen sind für die vorindustrielle Zeit keine Lebensläufe überliefert. Dennoch wissen wir einiges über sie. Denn, wenn Frauen in die Mühlen der Justiz gerieten oder von der Armenfürsorge abhängig wurden, dann füllten sich die Akten mit ihren Fällen.
Unterbürgerliche und Unterschichtfrauen gingen oft einer außerhäuslichen Erwerbsarbeit nach, arbeiteten in Manufakturen, als Wäscherinnen, Bleicherinnen, Strickerinnen, Wasserträgerinnen, Ammen, Hökerinnen etc. Doch obwohl Frauen wie auch Männer in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen notwendige Arbeit leisteten, wurde die Frauenarbeit gesellschaftlich geringer bewertet als jegliche Männerarbeit. Die Geringschätzung weiblicher Erwerbsarbeit wurzelt u. a. in der bürgerlichen Vorstellung, der eigentliche Platz der Frau sei im Haus bei Mann und Kindern. Daraus folgte, dass Frauen für gleichwertige Arbeit 40 bis 50 Prozent weniger Lohn als Männer erhielten. Es wurde zu dieser Zeit zwar noch nicht expressis verbis von der Frauenarbeit als reinem Zuverdienst zum Einkommen des Ehemannes gesprochen. Dies geschah erst während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Doch die Wurzeln für diese folgenschwere Ideologie zeigten sich schon in den Jahrhunderten davor.
Fehlte der Mann im Haus, folgte unerbittlich der Abstieg in die Armut. Dort angekommen, wurden Frauen häufig von der Allgemeinen Armenanstalt abhängig. Unter den im Winter 1788/1789 von ihr unterstützten 11.109 Armen waren 46 Prozent Frauen und Mädchen, 19 Prozent Männer und Jungen und 35 Prozent Familien. [2]
Zur schlechten Bezahlung kamen häufig noch diverse diskriminierende Vorurteile über die außerhäusliche Erwerbsarbeit von Frauen. Moralapostel zogen z. B. über leicht bekleidete Arbeiterinnen in den Kattundruckereien her, die deshalb nur ein Leibchen zum langen Rock trugen, weil die Hitze in den Kattundruckereien sonst unerträglich war. Da die Frauen auch mit Männern zusammen arbeiteten, blühte die Phantasie im Bürgertum, und den Arbeiterinnen wurde sexuelle Freizügigkeit unterstellt. [2]
Text: Rita Bake
Anmerkungen:
1 Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Stuttgart 1996.
2 Vgl.: Rita Bake: Vorindustrielle Frauenerwerbsarbeit. Arbeits- und Lebensbedingungen von Manufakturarbeiterinnen im Deutschland des 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung Hamburgs. Köln 1994.
 

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