Namens-/Sachregister

Frauenbios

Entbindungsanstalt für obdachlose und unverheiratete Frauen

Alstertor: Im damaligen Werk- und Zuchthaus (siehe Werk- und Zuchthaus, siehe auch unter Spinnhaus)
Siehe auch: Allgemeine Armenanstalt
Um der Säuglings- und Müttersterblichkeit sowie der Kindesaussetzung und -tötung entgegenzuwirken und damit auch potentielle Arbeitskräfte vor dem Tod zu bewahren, ließ die Allgemeine Armenanstalt 1796 im Werk- und Zuchthaus eine Entbindungsanstalt für unverheiratete und obdachlose Frauen einrichten. Hier sollten sie die Möglichkeit erhalten, unter besseren hygienischen Bedingungen und mit ärztlicher Hilfe zu entbinden. Vor der Errichtung dieser Anstalt wurden die meisten Entbindungen bei den Armen selbst und dort unter den schlimmsten hygienischen Bedingen und oft ohne Hilfe durchgeführt.
Es gab im 18. Jahrhundert aber auch die Möglichkeit für obdachlose und arme ledige Frauen, im Gefängnis, dem Spinnhaus, zu entbinden. Dort entband die Raths-Hebamme, die von der Stadt Hamburg für ihre Dienste bezahlt wurde.
Der Anteil der unehelichen Geburten lag in Hamburg in den Jahren von 1769 bis 1788 bei durchschnittlich 9,1%.
Die Räumlichkeiten der Entbindungsanstalt bestanden aus einem großen Zimmer für Wöchnerinnen, einem kleinen Kreißsaal mit neun Betten, einer Wohnung und einer Küche für die Wärterin und einem Aufenthaltsraum für die Schwangeren, in dem auch die frisch entbundenen obdachlosen Frauen untergebracht wurden. Es gab weder eine Toilette noch eine Waschstelle. Der Nachtstuhl stand aus Platzmangel an einer Zimmertür. Es gab keine Totenkammer und kein Dienstpersonal. Alle Hausarbeit musste von den Schwangeren und der Wehmutter besorgt werden. Einmal täglich kam der Arzt zur Visite. Der Wundarzt, ein nicht-studierter Arzt, konnte so oft, wie es nötig war, gerufen werden. 1801 wurde die Entbindungsanstalt durch ein Entbindungszimmer für krätzige und unreinliche Frauen vergrößert. Zu dieser Zeit hatte die Anstalt 13 Betten für Schwangere, 6 betten für Wöchnerinnen und 4 Betten für krätzige Schwangere oder Wöchnerinnen.
Zwei bis drei Wochen vor der Entbindung wurden die Schwangeren aufgenommen und erhielten wöchentlich 1 Schilling an Unterstützung, mussten aber für ihre Nahrung selbst sorgen. Außerdem hatten sie sich in der Zeit vor der Entbindung mit Spinnen oder Stricken zu beschäftigen.
Nach der Entbindung blieben die Wöchnerinnen noch vier Wochen in der Anstalt und erhielten wöchentlich 2 Schillinge an Unterstützung. Wenn die Wöchnerinnen gesund waren, wurde ihnen nahegelegt, sich als Amme zur Verfügung zu stellen. In solchen Fällen wurde dann versucht, die Säuglinge der Wöchnerinnen auf das Land in Pflege zu geben. Andere Frauen begaben sich nach der Geburt zu ihren Herrschaften zurück, welche für die Unterkunft des Kindes sorgten.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehrten sich die Stimmen aus dem Bürgertum, die eine Erweiterung der Entbindungsanstalt zu einer damit verbundenen Arbeitsanstalt wünschten. Dadurch sollte die „Schamlosigkeit“ der Mütter bestraft werden. Ledige Mütter wurden generell moralisch stigmatisiert, auch wenn sie vor oder auch nach der Entbindung „ehrbaren“ Berufen nachgingen. Es herrschte eine doppelbödige bürgerliche Moral: auf der einen Seite nahm diese Gesellschaftsschicht gerne die Dienste dieser Frauen als Hausmädchen, Köchin etc. an, auf der anderen Seite stigmatisierte sie ihre Bediensteten, selbst dann, wenn der Kindsvater der Dienstherr war.
Nach der Zerstörung des Werk- und Zuchthauses beim Großen Brand im Jahre 1842 wurde die Entbindungsanstalt in der Admiralitätsstraße und 1857 am Herrengraben 85 errichtet.
Ein fiktiver Lebenslauf einer Frau, die im 18. Jahrhundert ins Spinnhaus kam.
Aus dem Studium der Akten der Allgemeinen Armenanstalt und der Gefängnisverwaltung konnten typische Frauen“schicksale“ ermittelt werden.
Johanna Catharina Stollen
Johanna Catharina Stollen war 29 Jahre alt, ledig und wohnte im Kornträgergang in einer Kellerwohnung. Dort lebte sie zur Ersparung der Miete mit noch einer weiteren alleinstehenden Frau, die sich von ihrem Mann getrennt hatte, zusammen.
Die Kellerwohnung bestand aus nur einem Zimmer und aus einer mit Straßensteinen gepflasterten Diele, worin sich auch die Feuerstelle befand. Die Wohnung war eng und niedrig, das Zimmer hatte nur kleine Fenster zur Straße hin, so das nur wenig Licht in die Wohnung drang. Bei Flut oder auch Gewitter kam es in der Wohnung zu Überschwemmungen, so dass der Fußboden und die Wände nie ganz trocken wurden und sich ein fauliger Gestank ausbreitete.
Johanna Catharina Stollen arbeitete als Hangmeisterin in der Kattundruckerei Alardus & Hartung am Holländischen Brook. Dort musste sie während einer täglichen 12 stündigen Arbeitszeit die bedruckten Kattunstücke an Hängen zum Trocknen aufhängen. Ihre Arbeit galt als Hilfsarbeit und wurde nur sehr gering bezahlt.
Aber nicht nur, dass sie für eine lange und intensive Arbeit wenig bezahlt bekam, die Arbeit der Frauen in den Hamburger Kattundruckereien galt im Bürgertum als das größte Verderben für die Sitten der ärmeren Frauen. Und dieses Vorurteil traf eine ganze Reihe von Mädchen und Frauen, denn in den Kattundruckereien arbeitete das gros der weiblichen Arbeiterschaft im 18. Jahrhundert. Dieses Vorurteil rührte daher, weil die Frauen wegen der großen Hitze in den Kattundruckereien leicht bekleidet neben Männern arbeiten mussten. Aus diesem Grunde wurden die Manufakturarbeiterinnen schon allein wegen ihrer Arbeit in den Manufakturen (hier: Kattundruckereien) moralisch abgewertet.
Bei Johanna Catharina Stollen kam noch erschwerend hinzu, dass sie im Frühjahr 1788 unehelich schwanger wurde. Das war Wasser auf die Mühlen des Bürgertums, denn ab diesem Zeitpunkt war sie in den Augen des Bürgertums vollends zur sittenverderbten Frau abgesunken.
Ihrer Arbeit als Hangmeisterin ging sie bis kurz vor der Entbindung nach. Von ihrem Lohn konnte sie nichts für die arbeitslose Zeit nach der Entbindung zurücklegen und auch von ihrem Freund, einem kleinen Handwerksgesellen, hatte sie – wenn überhaupt – auch nicht viel zu erwarten.
Aber nicht nur das wenige Geld, was sie besaß und was, weder für die Bezahlung einer Hebamme noch für einen Arzt ausreichte, drückte sie so sehr. Hinzu kam noch, dass sie eine strafrechtliche Verfolgung ihrer unehelichen Schwangerschaft zu befürchten hatte. Denn uneheliche Schwangerschaften wurden hart bestraft, z. B. mit Spinnhausstrafen bis zu ½ Jahr und darüber hinaus hatten die Frauen –nicht die Schwängerer – den Haubentaler (Wort kommt: von unter die Haube kommen (heiraten)) zu zahlen – einen Betrag, der für die armen Frauen nur sehr schwer, wenn überhaupt, aufzubringen war. Um nicht entdeckt zu werden, blieb ihr nichts anderes übrig, als solange wie möglich ihre Schwangerschaft zu verbergen. Als jedoch der Entbindungstermin immer näher rückte, sah sie keinen anderen Ausweg als Hilfe bei der Allgemeinen Armenanstalt zu suchen, denn diese unterhielt eine kostenlose Entbindungsanstalt. Johanna Catharina musste, bevor ihr die kostenlose Entbindung bewilligt wurde, Fragen zu ihrem Einkommen und zu ihren Familienverhältnissen beantworten. Danach wurde ihr Flachs gegeben, den sie während der letzten Wochen ihrer Schwangerschaft, aber auch noch während ihres Wochenbettes zu verspinnen hatte, denn die Allgemeine Armenanstalt gab grundsätzlich nichts kostenlos. Alle Zuwendungen mussten erarbeitet werden.
Zwei Wochen vor der Niederkunft begab sich Johanna Catharina Stollen in die Entbindungsanstalt. Während dieser Zeit befand sich Johanna Catharina Stollen im Wöchnerinnenzimmer und spann für die Allgemeine Armenanstalt; dabei musste sich außerdem noch selbst für ihre Nahrung sorgen.
Dann kam der Zeitpunkt der Entbindung. Bei Johanna Catharina Stollen verlief alles gut, auch das Kind überlebte die Geburt, was nicht immer sicher war, denn von 269 geborenen Kindern starben in der Entbindungsanstalt cqa. 39 von ihnen. Diese Anzahl gestorbener Kinder wurde vom Bürgertum als nicht sehr hoch empfunden, denn die Kinder wurden schließlich von „armen“ und „unnatürlichen“ Müttern geboren. Überhaupt, galten die in der Entbindungsanstalt entbundenen Frauen alle als sittenverderbt. Dabei nützte es den Frauen überhaupt nichts, wenn sie vor der Entbindung bürgerlich „ehrbaren“ Berufen nachgegangen waren und auch danach wieder aufnahmen, denn ein Großteil der entbundenen Frauen arbeitete schließlich nach der Entbindung als Amme, Kinderwärterin oder Dienstmädchen. Auf der einen Seite wurden diese Mütter vom Bürgertum als Bodensatz der Gesellschaft diskriminiert, auf der anderen Seite nahm es aber gern die Arbeitskraft dieser Frauen gegen geringe Bezahlung an.
Johanna Catharina Stollen konnte nach der Entbindung noch vier Wochen in der Entbindungsanstalt verbleiben. Da sie gesund war, wurde ihr nahe gelegt, sich als Amme zu verdingen und ihren Säugling in die Kost aufs Land zu geben. Es gab damals einen großen Bedarf an Ammen, denn im Bürgertum war es nicht in Mode selbst zu stillen.
Der Ammendienst war eine verlockende Alternative zu ihrer ehemals geleisteten Arbeit, denn die Ammen genossen ein gutes Auskommen bei ihren Arbeitgebern, schließlich kam eine gute Ernährung und Ausstattung der Amme in erster Linie den Säuglingen des Arbeitgebers zu Gute. Auf der anderen Seite war diese Arbeit für Johanna Catharina aber auch die einzige Alternative, um überhaupt wieder außerhäusig arbeiten zu können. Denn die Geburt eines unehelichen Kindes stellte oft gleichzeitig den Verlust des Arbeitsplatzes dar, der vielfach aus Gründen der Versorgung des Säuglings nicht mehr wahrgenommen werden konnte.
Durch den Ammendienst war es Johanna Catharina Stollen möglich, weil sie mit ihrer Arbeit gut verdiente, ihr eigenes Kind in die Kost zu geben. Mitnehmen zur Arbeit durfte sie ihren Säugling nicht. Die Muttermilch sollte allein dem Säugling des Arbeitgebers zu Gute kommen. Die Kinder der Ammen, die meist auf dem Land in Kost waren, hatten es meist nicht gut, denn ein erheblicher Teil dieser so versorgten Kinder wurde nicht gepflegt, war unterernährt, denn diese Ammen nahmen viele zu viele Kinder an die Brust, so dass die Milch nicht ausreichte.
Johanna Catharina Stollen arbeitete ein halbes Jahr als Amme, dann stellte sich Milchmangel ein, so dass sie den Ammendienst aufgeben musste. Dieses „Schicksal“ traf sie nicht allein, vielen Ammen geschah ähnliches oder es traten bei anderen auch Brustentzündungen auf.
Johanna Catharina Stollen holte ihr Kind aus der Kost und war nun völlig mittellos. Sie begann nun von der Allgemeinen Armenanstalt abhängig zu werden. So begann sie für diese zu stricken, was sie zu Hause verrichten konnte. Solange ihr Kind klein war, blieb sie abhängig von der Allgemeinen Armenanstalt. Aber die Möglichkeit später auf dem freien Arbeitsmarkt wieder Arbeit zu bekommen, schwand mit zunehmendem Alter und war sowieso nur sehr schwankend, weil die Arbeitslosigkeit unter den Frauen, die zu einem großen Teil Saisonarbeiten verrichteten, sehr hoch war.
Ihrer Mitbewohnerin, die sich von ihrem Mann getrennt hatte und in der Seidenmanufaktur des Eberhard Behrens auf dem Venusberg Seide wand, ging es auch nicht besser. Sie verdiente auf dem freien Arbeitsmarkt so wenig, dass sie als alleinstehende Frau, selbst ohne Kinder, nicht ihr Auskommen hatte. Denn die Arbeit der Frau galt generell nur als Zuverdienst zum Einkommen des Haupternährers der Familie, also dem Ehemann, so dass alleinstehende Frauen mit oder auch ohne Kinder nie ihr Auskommen durch Erwerbsarbeit sichern konnten. In diesem Fall hätte auch sie von der Allgemeinen Armenanstalt Unterstützung beantragen müssen. Dies wurde aber von den meisten Armen nur in äußerster Not wahrgenommen, weil die Reglementierungen von Seiten der Allgemeinen Armenanstalt zu groß waren. Dieser Frau blieb als einziger Ausweg nur, zu ihrem Mann zurückzukehren, was sie dann schließlich auch tat.
Text: Rita Bake
Quelle:
Rita Bake: Vorindustrielle Frauenerwerbsarbeit. Arbeits- und Lebensweise von Manufakturarbeiterinnen im Deutschland des 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung Hamburgs. Köln 1984.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

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Stand Oktober 2020: 1194 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan, Beate Hasenau, Elfriede Kneiphoff, Johanna Harry, Recha Lübke, Helene Flörsheim, Catharina Goldenstede, Elsa Friede, Julie Gayen

März 2020: Theodore von Axen, Betty Francken, Elisabeth Rosenkranz, Senta Dohme, Gesa Schneider, Vilma Prochownik

April 2020: Hygieia-Brunnen, Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Verein Heim für junge Mädchen, Siechenhaus Salem, Wohnhaus für Frauen, Witwenkommission der Exekutive des Notstandskomitees, Mädchenherberge, Häuslicher Hilfsdienst des Bundes Hamburgischer Hausfrauen, Eva Lessing, Hild Lennartz, Dörte Helm, Gertrud Weiberlen, Paula Gans, Elisabeth Schultz, Bernhardine Romberg, Johanna Christine Henriette Müller, Hökerinnen, Hamburgische Bürgerschaft, Diakonissenheim am St. Anscharplatz, Stadttheater, Gänsemarktoper, Comödienhaus, Pranger, Fronerei

Mai 2020: Dorothea Buck, Allgemeine Armenanstalt, Fürsorge für sittlich gefährdete Frauen und Mädchen, Weibliche Kriminalpolizei, Thalia Theater, Trostbrücke, Altes Rathaus, St. Jakobi Kirche, Evakatrin Sieveking, Wöchnerinnenheim in Hamburg, Toni Engel; Marion Pein, Maria Gleiss, Elke Acimovic, Elke Thomas, Irene Knickrehm, Spinnschule, Zeichenschule für Mädchen, Mädchenfortbildungsschule, Elisabeth Meyer, Mieken Rieck, Gerhild Halfmeier, Miriam Gilles-Carlebach; Grete Albrecht; Lucille Eichengreen

Juni 2020: Grete Albrecht, Charlotte Thiede Eisler-Rodewald, Hannelore Borchers, Eleonara Witonska, Cilly Levisohn, Gerda Freise

Juli 2020: Hannelore-Maria Santl

August 2020: Elisabeth von Dücker, Astrid Kirchherr

September 2020: Hilde Marchwitza, Rena Vahlefeld

Oktober 2020: Eva Maria von Dumreicher, Nina Müller, Elisabeth Polach, Lili Wertheimer, Hella Beer, Jenny Behrens, Henny Hansen, Bertha Katzenstein, Marion Krauthamer, Edith Schloss, Anna Weinstein, Franziska Simon, Gerda Wittkowsky, Toni Neufeld

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2544 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 440, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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