Namens-/Sachregister

Frauenbios

Armenpflegerinnen

ABC-Straße 46/49: Sitz des Armencollegiums
Ende des 19. Jhd. wollten die sozialen Frauenverbände auch in der öffentlichen Armenpflege beteiligt werden. Die damalige Behörde machte zwar diesbezügliche Reformvorschläge, aber die Armenpfleger - ausschließlich Männer - widersetzten sich. Sie wollten nichts von ihrer Macht abgeben, die sie, obwohl selbst nur ehrenamtlich tätig, dennoch besaßen. Sie besaßen Macht über die armen Familien und waren an der Meinungsbildung in der Sozialpolitik beteiligt. Und sie hatten deshalb Macht, weil sie einen großen Teil des Staatshaushaltes verwalteten. Die staatlichen Reformer wollten zwar die Beteiligung der Frauen in der Wohlfahrtspflege, denn sie sahen deren Arbeit als sinnvolle Ergänzung an. Auch traute man den Frauen einen besseren Zugang zu der Arbeiterschaft zu als den männlichen Armenpflegern. Die Behörde erkannte aber auch die „Gefahr“, die solch eine Beteiligung der Frauen mit sich bringen würde: nämlich politische Machtbefugnisse für Frauen. Der Reformvorschlag der öffentlichen Armenpflege sah denn auch nur eine Beteiligung der Frauen ohne Mitspracherechte vor. (vgl.: Kirsten Heinsohn: Politik und Geschlecht. Zur politischen Kultur bürgerlicher Frauenvereine. Hamburg 1997 S. 93.) Sie sollten untergeordnet arbeiten, keine weiteren Rechte haben, auch keine Ausbildung im sozialen Bereich erhalten, sondern nur das, was sie „von Natur“ aus mitbrächten, nämlich ihre hausfraulichen und mütterlichen Pflichten auf die Armen ausdehnen.
1898 wurde das neue Amt der „Helferin” in der Armenpflege eingeführt. Die Helferinnen besaßen keine Kompetenzbefugnisse, durften dafür aber schwierige Arbeitsgebiete bearbeiten. Immer mehr Frauen weigerten sich, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Das Argument gegen die Frau in der öffentlichen Armenpflege: „Die Frau paßt nicht für die öffentliche Pflege, sondern sollte sich mit ihrer Thätigkeit auf die Privatwohltätigkeit beschränken, wo sie ein reiches Arbeitsgebiet vorfindet. Bei der öffentlichen Pflege darf und kann leider das Herz nicht mitreden; die Frau hat ihr Herz nicht so in Gewalt wie der Mann, der allerdings auch noch oft genug getäuscht wird.” (zit. nach: Kirsten Heinsohn, a. a. O., S. 104.)
1905 brachten sowohl die Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (gemäßigter Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung) als auch der Verein Frauenstimmrecht (radikaler Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung) eine Petition in den bürgerschaftlichen Ausschuss ein. Sie: „verlangten die volle Gleichberechtigung der Frauen mit den männlichen Pflegern (...). Während jedoch der radikale Verein mit der Gleichheit der Geschlechter und positiven Erfahrungen in anderen Städten argumentierte, übernahm die gemäßigte Ortsgruppe zum Teil die Strategie der Behörde, Rechte für Frauen und die Reorganisation der Armenpflege zu trennen: ‚Es wäre unbedingt verfehlt, bei der Frage der Beteiligung der Frauen an der Armenpflege und Waisenpflege von frauenrechtlerischen Gedanken oder von deren Gegensatz auszugehen: nämlich der Abneigung gegen Emanzipationsgelüste. Maßgebend kann (...) nur das eigenartige Bedürfnis der Armen- und Waisenpflege sein und daraus abzuleitenden Forderungen’.” (Kirsten Heinsohn,a. a. O. S. 113f.)
1908 kam ein neues Gesetz über das Armenwesen zustande. Es blieb bis 1920 in Kraft und gewährte den Frauen weiterhin kaum Rechte: so gab es z.B. immer noch keine Möglichkeit für Frauen einer Ausbildung im sozialen Bereich. Die Frauen sannen auf Selbsthilfe: Auf Initiative von Frauen der bürgerlichen Frauenbewegung wurde dann 1917 die Soziale Frauenschule eröffnet.
Text: Rita Bake
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: November 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand November 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2019: Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf,
Dora Wenneker-Iven

Februar 2019: Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens

März 2019: Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille

April 2019: Liselotte Strelow, Ruth Held

Mai 2019: Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke

Juni 2019: pro familia, Celly de Rheidt

Juli 2019: Rosa Bartl

September 2019: Mabel Wulff

Oktober 2019: Annelinde Töpel

November 2019: Betty Heine, geb. Goldschmidt

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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Dr. Rita Bake
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