Namens-/Sachregister

Frauenbios

Rahel Liebeschütz-Plaut

( Rahel Liebeschütz-Plaut, geb. Plaut )
(21.6.1894 Leipzig – 22.12.1993 Rochester/Kent)
erste Ärztin, die 1923 an der Medizinischen Fakultät des Krankenhauses Eppendorf in Hamburg habilitiert wurde und die dritte habilitierte Ärztin in Deutschland
Universitätsklinikum Hamburg, Physiologisches Institut, Martinistraße 52 Gebäude N 30, Ecke Frickestraße/ Schedestraße (Wirkungsstätte)
Neue Rabenstraße 21 (Wohnadresse und Wirkungsstätte: eigene Ärztinnenpraxis)
Schanzkamp 5 (Villa Plaut in Hamburg Dockenhuden, heute Gelände der Führungsakademie der Bundeswehr. Neben dieser Villa Haus von Hans und Rahel Liebeschütz. Beide Häuser stehen noch auf dem Gelände)
Rahel Liebeschuetz-Plaut, Quelle: Universität Hamburg, Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte
Rahel Liebeschütz-Plaut war die erste Ärztin, die 1923 an der Medizinischen Fakultät des Krankenhauses Eppendorf in Hamburg habilitiert wurde und die dritte habilitierte Ärztin in Deutschland überhaupt. Als Jüdin verlor sie 1933 durch die antisemitische Politik der Nationalsozialisten ihre Lehrbefugnis an der Universität und 1938 wurde ihr wie allen jüdischen Ärzten die Approbation aberkannt. Sie durfte sich nur noch „Heilerin“ nennen. Nach der Reichspogromnacht 1938 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Großbritannien. 1989 wurde sie als Ehrengast zum 100-jährigen Bestehen des Krankenhauses eingeladen und konnte im Alter von 95 Jahren noch ihre Rehabilitierung erfahren. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie bei ihrer Tochter Elisabeth Hall. Am 22. Dezember verstarb sie dort im Alter von 99 Jahren.
Rahel Plaut stammte aus einer jüdischen Familie, die es im Rahmen der Judenemanzipation des 19. Jahrhunderts zu Wohlstand gebracht hatte. In jeder Generation leisteten ihre Vorfahren außerordentliches. Ihr Großvater Gustav Plaut rettete den Schatz des Sachsenkönigs 1866 im Deutschen Krieg und war ein erfolgreicher Bankier in Leipzig. Seine Frau Bertha Oppenheimer kam aus einer der ältesten jüdischen Familien Hamburgs. [1] Ihr Vater Hugo Carl Plaut war ein bekannter Bakteriologe, der als erster die nach ihm benannte „Angina-Plaut-Vincent“ beschrieb. [2] Auch von Seiten der Mutter Adele Plaut waren die Vorfahren zu Wohlstand gekommen. Rahel Plauts Großmutter Friederike Feist Belmont stammte aus der Familie Feist-Belmont, die eine noch heute bekannte Sektkellerei betrieben. Der Ehemann, Rahel Plauts Großvater Rudolph Brach, hatte in Texas ein Vermögen verdient. [3]
Famile Plaut, Rahel (links). Bildquelle: privates Archiv der Enkeltochter von Rahel Liebeschütz-Plaut, Maggie Carver
Rahel Plaut wurde 1894 als viertes Kind in Leipzig geboren. Nur drei Jahre später zog die Familie wegen des zunehmenden Antisemitismus nach Hamburg, wo beide Großeltern wohnten. Gemeinsam mit ihren älteren Geschwistern wurde sie zu Hause von Hauslehrern unterrichtet. Die Eltern unterrichteten die „Gesinnungsfächer“ Deutsch und Geschichte, damit die Kinder nicht mit antisemitischen Vorurteilen konfrontiert wurden. Der Vater rezitierte beim Frühstück Gedichte und abends spielten beide Eltern den Kindern mit den Figuren ihres Puppentheaters die Stücke der deutschen Klassiker vor. Im Garten versorgte jeder ein eigenes Beet und gemeinsam spielten sie „wilde“ Gartenspiele. Andere Spielkameraden hatten sie nicht. [4] Rahel Plaut wollte wie ihre Brüder und ihre Schwester Carla studieren. Mit 15 Jahren besuchte sie erstmals eine Schule, das erste Realgymnasium für Mädchen, gegründet von dem Verein „Frauenbildung, Frauenstudium“. 1913 bestand sie die externe Abiturprüfung am humanistischen Knabengymnasium, dem Johanneum. Es folgte das Medizinstudium in Freiburg, Kiel und Bonn, wo sie 1918 ihr Examen bestand und promovierte.
Als Medizinalpraktikantin im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg konnte sie unter der Leitung von Siegfried Korach ihre ersten beruflichen Erfahrungen sammeln. Im Oktober 1918, vermittelt durch ihren Vater, so schrieb sie in ihrem Lebenslauf „ging ich auf die Direktorialabteilung des Krankenhauses Eppendorf über“, die damals von Ludolph Brauer geleitet wurde. [5]
Bereits ein Jahr später wurde sie wie alle anderen weiblichen Ärzte und diejenigen männlichen Kollegen, die nicht am Krieg teilgenommen hatten, entlassen. Brauer wollte bevorzugt den aus dem Krieg heimkehrenden Männern Platz für die Weiterbildung schaffen. [6] Der Physiologe Otto Kestner bot Rahel Plaut eine gerade neu bewilligte Assistentenstelle in seinem Institut im Krankenhaus Eppendorf an. Sie kannte ihn als Freund ihres Vaters und sie hatte parallel zu ihrer klinischen Tätigkeit eine Studie an seinem Institut begonnen. [7]
An den Universitäten in Deutschland hatte sich seit 1870 ein rassenbiologisch begründeter Antisemitismus ausgebreitet, der die Entfernung von Juden aus jeder akademischen Tätigkeit forderte. Moderatere Stimmen fanden für die Besetzung eines Lehrstuhls die Taufe ausreichend. Auch in Eppendorf hatte jüdische Kollegen keine Chance auf eine Stelle in klinischen Fächern, wo es noch weitere Verdienstmöglichkeiten gab. [8] Kestner hatte sich im Interesse seiner Karriere taufen lassen und seinen Namen von Cohnheim auf Kestner geändert. Juden wählten damals häufig Studienfächer, die eine berufliche Selbstständigkeit ermöglichten, und wurden überdurchschnittlich häufig Ärzte und Rechtsanwälte in eigener Praxis. [9]
Frauen hatten es noch schwerer als Juden, sich als Wissenschaftlerinnen an der Universität zu etablieren. Rahel Plaut begann am 1. November 1919 ihre neue Tätigkeit im Physiologischen Institut. Sie wäre lieber klinisch tätige Ärztin geworden und hätte das Institut verlassen, wenn Otto Kestner sie nicht genauso wie ihre Kollegen gefördert hätte.
Bereits 1920 stellte sie bei der 7. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Physiologie den Benedict-Apparat zur Messung des Sauerstoffverbrauches vor. Die Tagung fand im neuen Hörsaal des von Fritz Schuhmacher gebauten Wissenschaftsinstituts statt, das erst 1926 endgültig fertiggestellt wurde und heute das Medizinhistorische Museum beherbergt. Sie ließ sich auf die theoretische wissenschaftliche Arbeit ein und hatte unverhofft einen Arbeitsplatz um zu habilitieren. Für Rahel Plaut hatte sich nicht, obwohl sie Jüdin und weiblich war, sondern weil sie es war, die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Laufbahn eröffnet.
Arbeitsplatz von Rahel Liebeschütz-Plaut, Labor im Physiologischen Institut. Bildquelle: privates Archiv der Enkeltochter von Rahel Liebeschütz-Plaut, Maggie Carver
Im Eppendorfer Krankenhaus erlebte sie außerhalb des Physiologischen Instituts frauenfeindliche Ablehnung und Ausgrenzung. Das Betreten des Casinos, in dem die männlichen Ärzte zu Mittag aßen und auch ihre Freizeit verbrachten, war den Ärztinnen verboten. Bereits als Medizinalpraktikantin und später als Privatdozentin saß sie in der Kantine am Frauentisch. Es gab nur einen kleinen Tisch für die Frauen neben dem großen Tisch für Praktikanten und Volontäre. Einmal wurde sie von einem Assistenzarzt ans Telefon im Casino gerufen, der daraufhin Strafe zahlen musste, weil er sie hereingelassen hatte. [10]
1923 wurde Rahel Plaut als dritte Frau [11] im Fach Medizin in Deutschland und als erste Frau an der Medizinischen Fakultät in Hamburg mit einer Arbeit über »Beobachtungen zur Sperrung des Skelettmuskels« habilitiert. Erst 36 Jahre später, 1959, folgte ihr Dr. Hedwig Wallis, eine Hamburger Kollegin, die mit einer Arbeit im neuen Fach Kinderpsychosomatik habilitiert wurde. [12] Im Wintersemester 1923 /24 standen zum ersten Mal drei Mitglieder der Familie Plaut im Vorlesungsverzeichnis der Hamburgischen Universität: Der Vater als Bakteriologe, der Bruder Theodor als Wirtschaftswissenschaftler und Rahel Plaut als Physiologin. [13]
In nur acht Jahren veröffentlichte sie 26 wissenschaftliche Arbeiten, einschließlich Ihrer Habilitationsschrift über „Beobachtungen zur Sperrung des Skelettmuskels“, die sie 1923 anfertigte. [14] Mit Otto Kestner schrieb sie einen Beitrag über die „Physiologie des Stoffwechsels“ für den Sammelband „Handbuch der vergleichenden Physiologie“. [15]
Erst 36 Jahre später, 1959, folgte ihr Dr. Hedwig Wallis, eine Hamburger Kollegin, die mit einer Arbeit im Fach Kinderpsychosomatik habilitiert wurde. [16]
Nach ihrer Heirat mit dem Historiker Hans Liebeschütz am 4. Juli 1924 musste sie ihre Stelle als Assistenzärztin im Physiologischen Institut wegen einer Verordnung des Hamburger Senats aufgeben, die bestimmte, dass verheiratete Frauen in ihrem Ehemann einen Haushaltsvorstand hätten, der für den Unterhalt zuständig sei. [17] Sie führte ihre Forschungsprojekte noch zu Ende. Ihr letzter Beitrag, den sie gemeinsam mit Herrmann Schadow verfasste, erschien 1927 in Pflüger’s Archiv. [18] 1925 eröffnete sie in ihrem Wohnhaus in der Neuen Rabenstraße 21 eine Privatpraxis. [19]
Trotz der Geburt dreier Kinder setzte sie ihre Lehrtätigkeit als Privatdozentin fort und hielt weiterhin Vorlesungen, die immer gut besucht waren. Im Juli 1933 verlor Rahel Liebeschütz-Plaut als »Nichtarierin«, ebenso wie Otto Kestner, ihre Lehrbefugnis. 1938 wurde ihr wie allen jüdischen Ärzten die Approbation aberkannt. Sie durfte sich nur noch Heilerin nennen. [20]
Dockenhuden. Bildquelle: privates Archiv der Enkeltochter von Rahel Liebeschütz-Plaut, Maggie Carver
Der erste Wohnort der Familie Plaut war eine Villa in der Eppendorfer Landstraße mit einem 1000 m2 großen Grundstück und vorn mit einem Häuschen für den Kutscher und seine Familie. Als das Haus für den Bau mehrgeschossiger Bauten abgerissen werden sollte, fanden sie eine Villa in Alsternähe in der Neuen Rabenstraße 21, in die sie 1906 einzogen. Bereits 5 Jahre früher hatte der Vater eine Villa in Dockenhuden gekauft. [21] Das große Grundstück gehörte früher zu einer Gärtnerei und beeindruckte durch einen schönen Baumbestand und große Rhododendronbüsche.
Adele Plaut mit Tochter Rahel. Bildquelle: privates Archiv der Enkeltochter von Rahel Liebeschütz-Plaut, Maggie Carver
Auch als die Kinder erwachsen waren und eigene Familien hatten, kamen alle Geschwister mit Anhang in den Sommerferien hier zusammen. Die Mutter legte großen Wert darauf. Rahel Liebeschütz-Plaut und ihr Mann bauten direkt neben der Villa noch 1933 ein eigenes Haus. Kurz vor der Emigration, im November 1938, mussten Liebeschütz ihr Haus in der Neuen Rabenstraße 21 gegen ihren Willen an die Nova-Versicherung, heute Iduna-Signal, verkaufen. [22]
Rahel Liebeschütz-Plaut emigrierte mit ihrer Familie im Dezember 1938 nach Großbritannien, wo der älteste Bruder Theodor Plaut, der schon 1933 von den nationalsozialistischen Studenten bedroht worden war, sie in Empfang nahm. Nach dem Krieg blieben sie in dort, weil die Kinder studierten und sich gut eingelebt hatten. Sie besuchten regelmäßig ihre alten Freunde in Deutschland, die während der Zeit des Faschismus zu ihnen gestanden hatten. Hans Liebeschütz arbeitete bis zu seiner Pensionierung 1960 an der Universität Liverpool. Ihr Haus nannten sie nach ihrem alten Wohnort Dockenhuden.
Im Medizinhistorischen Museum des Universitätsklinikums Eppendorf hat Rahel Liebeschütz-Plaut seit dem 14. Juni 2019 im Gebäude N 30 im Raum „Ärztin werden“ einen festen Platz zu den Themen wissenschaftliches Arbeiten, Habilitation, Frauenstudium und Entrechtung der Juden durch die nationalsozialistische Diktatur. Ihre autobiografischen Aufzeichnungen über die Zeit von 1932 bis 1938 sind gerade veröffentlicht worden. [23]
Text: Dr. Doris Fischer-Radizi
Quellen:
1 Rahel Liebeschütz-Plaut: Hugo Carl Plaut Part I, 1858-189, o. O. 1976, S. 1-25. [Typoskript, privately printed 1976, reproduced by Printique, London 1989, Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, Ordner Rahel Liebeschütz-Plaut].
2 Carl Schirren: Die Entwicklung der Mykologie in Hamburg am Beispiel von H. C. Plaut und H. Rieth. Hamburg 2004, S. 13.
3 Rahel Liebeschütz-Plaut, Hugo Carl Plaut Part I, a. a. O., S. 53-56.
4 Rahel Liebeschütz-Plaut: Rachel & Theodor. The Plaut Family, 1888-1948, England 1948 [mit Anmerkungen von Wolfgang Liebeschütz von 2009, Typoskript, Privatarchiv Maggie Carver, Winchester], S. 4.
5 Rahel Liebeschütz-Plaut: Lebenslauf 15. Oktober 1925, S. 1. [Manuskript, Staatsarchiv Hamburg, 361-6 Hochschulwesen – Dozenten – und Personalakten].
6 Rahel Liebeschütz-Plaut: Hugo C. Plaut Part II, 1890-1928, o. O. 1977, S. 86. [Typoskript, Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, ordner Rahel Liebeschütz-Plaut].
7 Astrid Dageförde: Interview mit Rahel Liebeschütz-Plaut, o. O., 1985, S. 4. [Typoskript, Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, Ordner Rahel Liebeschütz-Plaut]
8 Hendrik van den Bussche: Die Hamburger Universitätsmedizin im Nationalsozialismus. Forschung, Lehre, Krankenversorgung. Berlin und Hamburg 2014, S. 64-65. (Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte, 24.)
9 Astrid Dageförde, a. a. o., S. 4.
10 Astrid Dageförde, a. a. O., S. 12.
11 Eva Brinkschulte (Hrsg.): Weibliche Ärzte. Die Durchsetzung des Berufsbildes in Deutschland. Berlin 1995, S. 111-113. (Reihe deutsche Vergangenheit, 108). Hier als dritte habilitierte Frau in der Medizin nach Elisabeth Boedecker (Elisabeth Boedecker, Maria Meyer-Plath: 50 Jahre Habilitation von Frauen in Deutschland. Eine Dokumentation über den Zeitraum von 1920 – 1970. Göttingen 1974.) aufgeführt. In: Eva Brinkschulte: Spurensuche – Erste Ärztinnen in Hamburg und am UKE. Zur Geschichte der Arbeits- und Lebenswelt der Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf 1889-2014. Medizinhistorisches Museum Hamburg 2014, wird sie als vierte habilitierte Ärztin vorgestellt. Nach eigenen Recherchen ist sie bei Boedecker als dritte habilitierte Ärztin aufgeführt. Dort werden alle Frauen mit Professorentitel nach Fachgebiet aufgeführt, sowohl die zur Professorin ernannten als auch die habilitierten Frauen.
12 Eva Brinkschulte, Weibliche Ärzte, a. a. O., S. 67f.
13 Hamburgische Universität, Verzeichnis der Vorlesungen WS 1923/24, Hamburg 1923, S. 14-17, S. 20 , S. 42, S. 43, S. 46.
14 Rahel Liebeschütz-Plaut: Tagebuch 1. Juni 1927.
15 Otto Kestner, Rahel Plaut: Physologie des Stoffwechsels, in: Hans Winterstein (Hrsg.): Handbuch der vergleichenden Physiologie, Bd. 2, Jena 1924, S. 901-1112.
16 Eva Brinkschulte, Spurensuche, a. a. O., S. 67f.
17 Eva Brinkschulte, Spurensuche, a. a. O., S. 53.
18 Rahel Liebeschütz-Plaut; Hermann Schadow: Zur Ursache der spezifisch-dynamischen Wirkung des Eiweißes. III. Mitteilung, in: Pflüger’s Archiv für die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere 217, 1927, S. 723-727.
19 Rahel Liebeschütz-Plaut: Lebenslauf, a. a. O., S. 1.
20 Anna von Villiez: Mit aller Kraft verdrängt. Entrechtung und Verfolgung „nicht arischer“ Ärzte in Hamburg 1933 bis 1945. Hamburg 2009, S. 112-115.
21 Rahel Liebeschütz-Plaut: Hugo Carl Plaut II, a. a. O., S. 11ff.
22 Doris Fischer-Radizi: Vertrieben aus Hamburg. Die Ärztin Rahel Liebeschütz-Plaut. Hamburg 2019, S. 254.
23 Ebenda.
 

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(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Stand August 2021: 1257 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

August 2021: Esther Bejarano, Gerda Zorn, Sara Susanne Pander, Christa Mulack, Jutta Rall-Niu, Antonia Hilke

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
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