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Christiane Grund

( Christiane Grund (Eleonore, Christel) verh. Sengstack bzw. Sengstacke )
(24.8.1783 Dresden – 27.5.1867 Bremen)
Pianistin, Sängerin
Im „Neuen Hamburger und Altonaer Adress-Buch auf das Jahr 1793“, S.78 ist
Grund, Valentinskamp, Musicus, No. 182“ verzeichnet
Gänsemarkt ( Stadttheater )
Große Bleichen 19 (Haus der „Gesellschaft „Harmonie“)
Die Pianistin und Sängerin war das älteste von neun Kindern des aus Sachsen stammenden Musikers Georg Friedrich Grund und dessen Frau Christiane Eleonore, geb. Steinert. Zu ihren Geschwistern gehörten die Berufsmusiker Eduard (1802-1871) und Friedrich Wilhelm Grund (1791-1874) sowie die ebenfalls als Pianistin und Sängerin tätige Henriette Grund. Christiane Grund war Klavierschülerin ihres Vaters. Bereits als 8-Jährige debütierte sie im Dezember 1791 im Hamburger Schauspielhaus. Dieses erste erfolgreiche Konzert des Kindes habe entscheidend zur Verbesserung der bis dahin dürftigen materiellen Situation der Familie beigetragen, bereichtete eine Nachbarin. Ihr Vater, Georg Friedrich Grund, der erst seit wenigen Jahren in Hamburg tätig war, wurde durch den öffentlichen Erfolg der Tochter rasch zu einem gefragten Klavierlehrer.
Bereits im Februar 1792 folgte ein weiterer Auftritt in einem Konzert der „Gesellschaft Harmonie“ (exklusiver „Wirtschaftsclub“ von damals ca. 30 fortschrittlich denkenden Geschäftsleuten, die internationale Presse diskutierten, Soireen und Konzerte veranstalteten). Der „Hamburgische Correspondent“ bescheinigte dem Mädchen nicht nur „schnelle Fortschritte in der Kunst“, sondern bewunderte auch ihre „Fertigkeit und den geschmackvollen Vortrag (…) sowol in den schwersten Passagen, als insbesondere auch in der Cadence durch alle Töne“ (Hamburgischer Correspondent Nr. 34, 29.2. 1792).
In den folgenden Jahren trat sie regelmäßig in eigenen Konzerten auf; als Konzertorte sind das Schauspielhaus, das Komödienhaus und die „Harmonie“ nachweisbar. Ab 1795 ließ sie sich zudem als Sängerin hören. Christiane Grund konzertierte auch gemeinsam mit ihren Geschwistern, so etwa erstmals mit ihrem sechsjährigen Bruder Fritz im November 1792 vierhändig am Klavier. Mit zunehmendem Alter wurde sie in der Fachpresse kritischer beurteilt: Das Spiel der jungen Frau wurde als altersgerecht und sehr virtuos, aber für große Konzerte nicht kraftvoll genug beschrieben.
So sind auch die Biographien der Geschwister Grund Beispiele für die ungleichen Chancen der Geschlechter im Musikleben des 19. Jahrhunderts: „Während die Brüder Eduard (späterer langjähriger Konzertmeister der Meininger Hofkapelle) und Friedrich Wilhelm (als Gründer der Philharmonischen Gesellschaft eine wichtige Persönlichkeit der Hamburger Musikgeschichte) erfolgreiche, in exponierten Positionen tätige Berufsmusiker wurden, nahm die Vita der offenkundig ebenfalls talentierten Christiane Grund eine andere Wendung. Sie wandte sich zunehmend dem Gesang zu. Und das, obwohl Christiane Grund über einen hohen Bildungsstand verfügte und vier Sprachen beherrschte (Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. von Folker Göthel, Tutzing 1968). Ab ihrem 14. Lebensjahr gab sie Klavierunterricht, eine dauerhafte Berufstätigkeit als Musikerin fand jedoch nicht statt.
Stattdessen heiratete Christiane Grund 1802 den Bremer Kaufmann Georg Friedrich Sengstack, übersiedelte nach Bremen und zog sich aus dem öffentlichen Konzertleben zurück. Die ab 1820 von Christiane Grund, verh. Sengstack, verfassten Jahresrückblicke bieten die seltene Möglichkeit, auf das private Leben einer einstmalig erfolgreichen Künstlerin zu blicken, die durch die Heirat in ihrem Wirkungsraum weitgehend auf den Privatkreis beschränkt wurde (Familienglück – das Beste auf Erden. Die Berichte der Ehefrau Christiane des Bremer Kaufmanns Georg Friedrich Sengstack aus den Jahren 1820 bis 1861, hg. von Althée Meinken, Bukarest 1997). Christiane Sengstack bekam 16 Kinder; in ihrer Chronik nehmen die Schilderungen familiärer Ereignisse entsprechend den weitaus meisten Raum ein. Es entsteht der Eindruck einer fürsorglichen, im Zentrum ihrer Familie stehenden Frau. Gleichzeitig ist feststellbar, dass sie die Musik nicht aufgab, sondern weiterhin am Musikleben teilnahm. Der professionelle Hintergrund der Musiker-Familie Grund ermöglichte es Christiane Sengstack, mit einer Reihe von hochklassigen MusikerInnen der Zeit auch im persönlichen Kontakt zu stehen. Im Haus der Familie Sengstack etablierte sie Privatkonzerte, an denen 1833 etwa die Pianistin Louise Dulcken teilnahm (Klavierschülerin des Bruders Friedrich Wilhelm Grund, vgl. Kurzbiografie in dieser Datenbank). Auch die Brüder Friedrich Wilhelm und Eduard musizierten gemeinsam mit Christiane Sengstack. Dabei wurde offenbar auch Repertoire gespielt, das für Frauen dieser Zeit – zumal im Rahmen bürgerlicher Salon- und Hauskonzerte – eher unüblich war: Etwa Beethovens Eroica in vierhändiger Bearbeitung oder – gemeinsam mit den Brüdern – „ein schönes großes Trio von Beethoven“.
Text in Anlehnung an die genannte wissenschaftliche Quelle zusammengestellt von Dr. Cornelia Göksu
Quelle mit Angabe weiterführender Literatur:
– Volker Timmermann, Artikel „Grund, Christiane (Eleonore), Christel, verh. Sengstack, Sengstacke“ im Online-Lexikon des Sophie Drinker Instituts für musikwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung, vertreten durch Prof. Dr. Freia Hoffmann 2008, www.sophie-drinker-institut.de
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juli 2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

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Stand Juli 2020: 1178 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan, Beate Hasenau, Elfriede Kneiphoff, Johanna Harry, Recha Lübke, Helene Flörsheim, Catharina Goldenstede, Elsa Friede, Julie Gayen

März 2020: Theodore von Axen, Betty Francken, Elisabeth Rosenkranz, Senta Dohme, Gesa Schneider, Vilma Prochownik

April 2020: Hygieia-Brunnen, Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Verein Heim für junge Mädchen, Siechenhaus Salem, Wohnhaus für Frauen, Witwenkommission der Exekutive des Notstandskomitees, Mädchenherberge, Häuslicher Hilfsdienst des Bundes Hamburgischer Hausfrauen, Eva Lessing, Hild Lennartz, Dörte Helm, Gertrud Weiberlen, Paula Gans, Elisabeth Schultz, Bernhardine Romberg, Johanna Christine Henriette Müller, Hökerinnen, Hamburgische Bürgerschaft, Diakonissenheim am St. Anscharplatz, Stadttheater, Gänsemarktoper, Comödienhaus, Pranger, Fronerei

Mai 2020: Dorothea Buck, Allgemeine Armenanstalt, Fürsorge für sittlich gefährdete Frauen und Mädchen, Weibliche Kriminalpolizei, Thalia Theater, Trostbrücke, Altes Rathaus, St. Jakobi Kirche, Evakatrin Sieveking, Wöchnerinnenheim in Hamburg, Toni Engel; Marion Pein, Maria Gleiss, Elke Acimovic, Elke Thomas, Irene Knickrehm, Spinnschule, Zeichenschule für Mädchen, Mädchenfortbildungsschule, Elisabeth Meyer, Mieken Rieck, Gerhild Halfmeier, Miriam Gilles-Carlebach; Grete Albrecht; Lucille Eichengreen

Juni 2020: Grete Albrecht, Charlotte Thiede Eisler-Rodewald, Hannelore Borchers, Eleonara Witonska, Cilly Levisohn, Gerda Freise

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2543 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

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Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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