Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Antifaschistische Frauenausschüsse

Wilstorfer Straße 40: Lokal von Heinrich Tiedemann: Hier tagte der Frauenausschuss Hamburg-Harburg 1945, gehörte zu den antifaschistischen Frauenausschüssen
Siehe auch: Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen (ahf)
Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich im Winter 1945 kleine Gruppen von Frauen aus ganz unterschiedlichen Kreisen zusammen und trafen sich in verschiedenen Hamburger Stadtteilen, so zuerst im November 1945 in Blankenese und dann auch in den Stadtteilen Eppendorf, Winterhude, Harburg, Altona, Bahrenfeld, Lurup, Volksdorf, Cranz oder Barmbek. Die Frauen „suchten mögliche Auswege aus der allgemeinen Not (...). Sie organisierten Wäsche-, Schuh- und Kleidersammlungen und verteilten davon an notleidende Familien, richteten Wärmestuben ein, in denen sich die Kinder aufhalten konnten, solange die Mütter bei der Arbeit waren. In kleinen Büros schufen sie soziale Beratungsstellen, wo sie zum Beispiel darüber informierten, wo und wie man in dem allgemeinen Chaos Unterstützungsanträge stellen konnte.
Da es in der örtlichen Verwaltung empfindliche Personallücken gab, halfen diese Frauen bei der sehr zeitaufwendigen Ausgabe von Lebensmittelkarten und Bezugsscheinen. Das erforderte nun dcoh die Genehmigung durch die Militärregierung, und um diese zu erlangen, organisierten sich die Stadtteilgruppen zu genehmigungswürdigen „ ‚Frauenausschüssen‘.“ (Inge Grolle: Überleben in der Trümmerstadt, in: Rita Bake (Hrsg.): Frauen der „ersten Stunde“. Vor siebzig Jahren: Oktober 1946. Die erste frei gewählte Hamburgische Bürgerschaft nach dem Ende des Nationalsozialismus. Hamburg 2016, S. 13.) Es ging in diesen Ausschüssen nicht nur um die „Abwendung der schlimmsten Alltagsnöte (...), sondern auch [um] ein Umdenken im demokratischen Sinne“ (ebenda), um „politische und kulturelle Aufklärung der Frauen auf antifaschistischer Grundlage“, um, wie es im Programm des Harburger Frauenausschusses vom 13. Dezember 1945 hieß, das „Heranziehen von Frauen zur Teilnahme am öffentlichen Leben“, um „Unterstützung der Mütter bei der Erziehung der Kinder“ und um den „Schutz der berufstätigen Frau“. (vgl.: ebenda.)
„Offenbar nahmen die deutschen Verwaltungsdienststellen die freiwillige Hilfe der antifaschistischen Frauenausschüsse zunächst gerne an, obwohl diese immer wieder nachhaltig auf gesellschaftliche Mißstände aufmerksam machten. Ihre Forderungen betrafen (…) alle Bereiche des sozialen und politischen Lebens. Daneben leisteten die Ausschüsse eine antifaschistische, an demokratischen Zielen orientierte Bildungsarbeit, um Frauen für eine Beteiligung an den anstehenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben zu schulen. So lud der Frauenausschuß Eppendorf zu wöchentlichen Hausfrauennachmittagen ein, die spätestens gegen 17 Uhr endeten, (…) Veranstaltungsort war eine Gaststätte, in der der Wirt einen Raum mietfrei zur Verfügung stellte. (…)
Die Organisation der Veranstaltungen und die Koordinierung der Verwaltungs- und Sozialarbeit übernahm in jedem Stadtteil ein von den Frauenausschüssen gewählter Vorstand, dessen Amtszeit zunächst ein, später zwei Jahre betrug. (…)
Unter den Mitstreiterinnen der antifaschistischen Frauenausschüsse fanden sich viele ältere Sozialdemokratinnen und Kommunistinnen. Die Mitarbeit der zahlenmäßig am stärksten vertretenen KPD-Frauen trug den Frauenausschüssen schon früh den unzutreffenden Vorwurf ein, sie seien ein ‚verlängerter Arm‘ der Kommunistischen Partei. Zweifellos beabsichtigte die KPD, wie die anderen neugegründeten Parteien auch, breite Frauenkreise über die Ausschüsse anzusprechen. (…) Diese Politik rechtfertigt es jedoch nicht, die Arbeit der Frauenausschüsse verallgemeinernd in Mißkredit zu ziehen, denn bis zur Übernahme der kommunalen Aufgaben durch staatliche Einrichtungen leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Not.
Schwächte einerseits die Reorganisation der öffentlichen Verwaltung die Ausschüsse durch Verlust ihrer Aufgaben, so litten sie andererseits an einem zunehmenden Rückgang der Mitgliedszahlen. Aufgrund eigener Entscheidung oder auf Geheiß ihrer Parteien verließen nacheinander Frauen aus der CDU, der SPD und der FDP die Zusammenschlüsse, deren konsequent antifaschistische, radikaldemokratische und nicht selten auch sozialistische Ausrichtung vor dem Hintergrund des entbrennenden ‚Kalten Krieges‘ zunehmend als politisch einseitig, als ‚kommunistisch‘, denunziert wurde.“ (Karen Hagemann, Jan Kolossa: Gleiche Rechte – Gleiche Pflichten? Ein Bilder-Lese-Buch zu Frauenalltag und Frauenbewegung in Hamburg. Hamburg 1990, S. 205f.)
Siehe weiter im Eintrag „ Frauen-Ausschuss Hamburg“.
 

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