Schlagwortregister

Frauenbios

Herbertstraße (Bordellstraße)

Herbertstraße, Bildquelle: Staatsarchiv Hamburg
Die geschlossene Wohnanlage für Prostituierte, soll 1900 vor der Stadt eingerichtet worden sein, als der Fahrverkehr in die Davidstraße zunahm, so dass dort die Werbemeile für Frauen nicht mehr geeignet war. 1922 wurde die damalige Heinrichstraße in Herbertstraße umbenannt.
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden Maßnahmen zur “Säuberung des Straßenbildes” durchgeführt. “Die ‘Säuberungspolitik’ der Hamburger Polizei wurde durch ein den Prostituierten ausgehändigtes “Strichverbot” unterstützt, das diesen die Arbeit in sechs Stadtteilen untersagte. Eine Ausnahme wurde für die Herbertstraße gemacht. Hinter dieser Ausnahme verbarg sich die Wiedereinführung der Kasernierung auf dem Verordnungswege. Die Herbertstraße wurde staatlich gefordert und gefördert - zur ‘Bordellstraße’ mit Sichtblenden und Hausordnung gemacht. Hier war Prostituierten die Arbeit polizeilicherseits gestattet, hier fungierte der Staat als Zuhälter. Die Straßen sollten gesäubert werden, die Prostituierten aus dem öffentlichen Leben verschwinden, gleichzeitig aber - kontrolliert und ausgegrenzt - bei Bedarf verfügbar sein.” (Gaby Zürn, in: Rita Bake u. a.: Frauen im Hamburger Hafen, Hamburg 1989 S. 139f.) Seit 1984 ist der Zutritt in die Herbertstraße für Frauen und Jugendliche unter 18 Jahren verboten.
Bereits die bürgerliche Frauenbewegung hatte schon gegen Ende des 19. bis ins 20. Jhd. hinein einen Kampf gegen die Reglementierung der Prostitution geführt. 1899 gründete sich auf Initiative von Lida Gustava Heymann der “Hamburger Zweigverein der britischen kontinentalen und allgemeinen Förderation”. Vereinsziel war: die Abschaffung der Prostitution als gesetzliche und geduldete Institution und Bekämpfung der Prostitution durch erzieherische und soziale Reformen. Um dies zu erreichen musste zuerst einmal die staatliche Reglementierung abgeschafft werden. Die Prostituierten mussten sich bei der Sittenpolizei einschreiben und standen unter der Aufsicht ihrer Beherberger. Die “Förderation” vertrat die Meinung, der Staat habe aus “sittenpolizeilichen Gründen weder irgend einer Frau die ärztliche Untersuchung aufzuzwingen, noch die prostituierende Person irgend einer gesetzlichen oder polizeilichen Ausnahmebehandlung zu unterwerfen”. (zitiert nach Kirsten Heinsohn: Politik und Geschlecht, Hamburg 1997 S. 265.) Die “Förderation veranstaltete kostenlose Aufklärungsvorträge für Jugendliche ab 14 Jahren, forderte obligatorische Aufklärungskurse für die höheren Volksschulklassen und hielt gut besuchte öffentliche Versammlungen ab. Gegen Letztere ging die politische Polizei hart vor. Damit wollte sie in erster Linie Lida Gustava Heymann mundtot machen. In ihr, der zum radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung Gehörende, sah das die Politik bestimmende Bürgertum eine große Gefahr. Schließlich wurden diese Versammlungen verboten und die “Förderation” führte daraufhin ihre Veranstaltungen im preußischen Altona durch. Als Heymann 1904 nach Berlin ging, entspannte sich die Situation. 1906 wurden die öffentlichen Vorträge wieder geduldet
Die gemäßigten Frauen der Frauenbewegung - so der ADF - wollten lediglich eine Reform der staatlichen Reglementierung, nicht deren Abschaffung. Der Staat müsste eine “ordnende Hand” über die Gesellschaft halten, um Sitte und Gesetz nicht verkommen zu lassen, Deshalb wollten die Gemäßigten auch nur helfend eingreifen, den “lasterhaften” Frauen Hilfe zum Ausstieg anbieten. Über die Freier wurde kein Sterbenswörtchen verloren. Die Reglementierung blieb bis Anfang der 20-er Jahre des 20. Jhds. in Kraft. Erst in dieser Zeit, als auch Frauen als Parlamentarierinnen in die Hamburgische Bürgerschaft einzogen, konnte massiver Druck gemacht werden. Unter den Parlamentarierinnen waren einige, die bereits in der “Förderation” mitgearbeitet hatten, so z. B. Frieda Radel. Sie trug 1920 die Diskussion über die Aufhebung der Bordelle in die Bürgerschaft - und hatte Erfolg. Am 17. Juni 1921 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft die Aufhebung der Kasernierung für Prostituierte. Die staatlich kontrollierten Bordelle wurden mit diesem Beschluss geschlossen. 1927 wurde die polizeiliche Reglementierung durch eine Gesundheitskontrolle abgelöst. Mit dem “Reichsgesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten” ging die gesundheitliche Überwachung der Prostituierten auf die Gesundheitsbehörde über, d. h. die Kontrolle wurde nun nicht mehr von der Polizei durchgeführt, sondern von der Gesundheitsbehörde. Damit war eine konsequente Abschaffung der Reglementierung nicht erreicht worden.
Text: Rita Bake
 

Namen und Zeitepochen

Personensuche

  • (am besten nur Vor- ODER Nachname)

Historisch

 

Geografische Spuren

Meine Straße

Geografisch

 

Schlagworte und freie Suche

Thematische Suche

  • (z.B. Berufe, Gebäude, spezielle Ort)

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2020: 1194 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Quiz

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan, Beate Hasenau, Elfriede Kneiphoff, Johanna Harry, Recha Lübke, Helene Flörsheim, Catharina Goldenstede, Elsa Friede, Julie Gayen

März 2020: Theodore von Axen, Betty Francken, Elisabeth Rosenkranz, Senta Dohme, Gesa Schneider, Vilma Prochownik

April 2020: Hygieia-Brunnen, Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Verein Heim für junge Mädchen, Siechenhaus Salem, Wohnhaus für Frauen, Witwenkommission der Exekutive des Notstandskomitees, Mädchenherberge, Häuslicher Hilfsdienst des Bundes Hamburgischer Hausfrauen, Eva Lessing, Hild Lennartz, Dörte Helm, Gertrud Weiberlen, Paula Gans, Elisabeth Schultz, Bernhardine Romberg, Johanna Christine Henriette Müller, Hökerinnen, Hamburgische Bürgerschaft, Diakonissenheim am St. Anscharplatz, Stadttheater, Gänsemarktoper, Comödienhaus, Pranger, Fronerei

Mai 2020: Dorothea Buck, Allgemeine Armenanstalt, Fürsorge für sittlich gefährdete Frauen und Mädchen, Weibliche Kriminalpolizei, Thalia Theater, Trostbrücke, Altes Rathaus, St. Jakobi Kirche, Evakatrin Sieveking, Wöchnerinnenheim in Hamburg, Toni Engel; Marion Pein, Maria Gleiss, Elke Acimovic, Elke Thomas, Irene Knickrehm, Spinnschule, Zeichenschule für Mädchen, Mädchenfortbildungsschule, Elisabeth Meyer, Mieken Rieck, Gerhild Halfmeier, Miriam Gilles-Carlebach; Grete Albrecht; Lucille Eichengreen

Juni 2020: Grete Albrecht, Charlotte Thiede Eisler-Rodewald, Hannelore Borchers, Eleonara Witonska, Cilly Levisohn, Gerda Freise

Juli 2020: Hannelore-Maria Santl

August 2020: Elisabeth von Dücker, Astrid Kirchherr

September 2020: Hilde Marchwitza, Rena Vahlefeld

Oktober 2020: Eva Maria von Dumreicher, Nina Müller, Elisabeth Polach, Lili Wertheimer, Hella Beer, Jenny Behrens, Henny Hansen, Bertha Katzenstein, Marion Krauthamer, Edith Schloss, Anna Weinstein, Franziska Simon, Gerda Wittkowsky, Toni Neufeld

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2544 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 440, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

rechte spalte

 Teaserbild Kontakt

Ansprechpartnerin Kontakt

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen? Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gern Kontakt auf:
Dr. Rita Bake
rita.bake@hamburg.de

Themenübersicht auf hamburg.de

Service-Angebote im Überblick