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Frauenbios

Hamburger Rathaus

Als 1897 das Hamburger Rathaus eingeweiht wurde, war Frauen das aktive und passive Wahlrecht noch verwehrt. Doch obwohl Frauen im Rathaus nichts zu sagen hatten, war das Gebäude seit seiner Erbauung im Jahre 1897 geradezu bevölkert von weiblichen Gestalten. In nahezu sämtlichen Räumen und an der Fassade des Rathauses wurden sie als idealisierte weibliche Körper, als Allegorien (griechisch: allegorein = etwas auf andere Weise sagen) aufgenommen.
Weibliche Körper eignen sich besonders gut, abstrakten Begriffen eine menschliche Gestalt zu geben und damit bildlich darstellbar zu machen. Denn der weibliche Körper gilt als „unbeschriebenes Blatt“, völlig rein, nicht befleckt von ökonomischen und staatlichen Konkurrenzen, in die Männer eingebunden sind und durch die die vom Bürgertum angestrebte Gemeinschaftlichkeit gefährdet wird. Damals, beim Bau des Rathauses sollten die weiblichen Körper die vom Bürgertum vertretenen Werte und Ideale wie z. B. Gnade, Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Weisheit, Tapferkeit oder Fleiß darstellen, erklärte die Kunsthistorikerin Insa Härtel. [1]
Eine der allegorischen weiblichen Gestalten im Rathaus ist Hamburgs Stadtgöttin Hammonia. Sie thront über dem Eingang zum Rathaus. Als Mosaik ziert sie die Fassade des Turms über dem großen Fenster des Turmsaales in der Lünette des Hauptgeschosses. Sie trägt eine Mauerkrone und hält in ihrer rechten Hand einen Lorbeerkranz und in der Linken ein Steuerrad. [2]
Nachdem in Folge der Reformation Hamburgs Schutzpatronin, die heilige Maria, entthront worden war, sah sich Hamburg ohne Schutzpatronin. „Ein unsicheres Tasten und Suchen beginnt und setzte sich durch mehrere Menschenalter fort, bis die neue Göttin der Stadt gefunden ist, Hammonia. Wie Athena aus dem Haupte Zeus’, so ist Hammonia aus dem Haupte des Hammon entsprungen, (...). Wir müssen nochmals auf jene Frühhumanisten des endenden 15. Jahrhunderts zurückgreifen, die mit Jubel den Hammon auf den Thron gehoben hatten. Sie bildeten aus dem Namen des neugewonnenen Patrons einen für ihre Hexameter und Pentameter passenden poetischen Namen für die Stadt: Dieser Name lautete Hammonia“, [3] heißt es in Heinrich Reinckes Aufsatz über die Schutzpatrone der Stadt Hamburg.
Allegorisch erstmals als Frau dargestellt wurde Hamburg im Jahre 1624. Doch ihren Durchbruch als Stadtgöttin hatte sie zwei Jahrhunderte später, als der Dichter und Ratsherr Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) ihr durch seinen Kantatentext große Verehrung zollte. Als die Nazis an die Macht kamen, entmachteten sie die in früheren Jahrhunderten mit Mauerkrone, Merkurstab und dem auf einer Stange getragenen Freiheitshut dargestellte Hammonia. Ihr Freiheitssymbol passte nicht in die braune Ära. Bis heute wird ihr zu Ehren das Hamburg Lied „Stadt Hamburg an der Elbe Auen“ mit der Textzeile „ Hammonia, oh wie herrlich stehst du da“ angestimmt.
Keine Allegorien, sondern reale Gestalten der Hamburgischen Geschichte sind an Wänden und Säulen der Rathausdiele durch Medaillons verewigt worden. Die Erbauer des Rathauses würdigten damit 59 Männer und fünf Frauen. Die Medaillons von vier Frauen wurden an einer Säule, die sich auf der linken Seite des Aufganges zum Senatsgehege befindet, angebracht: Mathilde Arnemann, Charlotte Paulsen, Amalie Sieveking und Emilie Wüstenfeld. Den vier Frauen wurde später eine „Nachrückerin“ hinzugefügt: Elise Averdieck. Weil an den Säulen kein Platz mehr frei war, wurde dieses Medaillon an der Wand zum Innenhof befestigt. Alle Frauen waren Wohltäterinnen im 19. Jahrhundert.
Mit der Entscheidung, eine „Frauensäule“ für die Wohltäterinnen als einziger weiblicher Berufsgruppe zu stiften, kamen andere Frauen für die „Ehrenrunde“ im Rathaus nicht mehr in betracht. So auch nicht die gerühmte Schauspielerin Charlotte Ackermann, obwohl Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg ihren Namen vorgeschlagen hatte. Doch als es um die endgültige Vorschlagsliste ging, kamen ihm doch Bedenken, eine Schauspielerin „auf diese Weise zu verewigen“. Das gleiche galt für die gefeierte Opernsängerin Wilhelmine Schröder-Devrient.
„Die ins Rathaus gewählten Wohltäterinnen sollten Vorbilder für die weibliche Lebensgestaltung in Gegenwart und Zukunft sein. Die verantwortlichen Männer, welche die Auswahl von Frauen der ‚streng christlichen‘ ( Amalie Sieveking, Elise Averdieck) und der ‚freieren Richtung‘ ( Emilie Wüstenfeld, Charlotte Paulsen) getroffen hatten, wollten mit der Frauensäule ihre Anerkennung der gemeinnützigen und ‚unpolitischen‘ Arbeit von Hamburgerinnen zum Ausdruck bringen. Fast vergessen war, wie radikal die einstige 48-erin Emilie Wüstenfeld sich gegen die reaktionäre Staatsmacht aufgelehnt hatte. Im Gedächtnis gegenwärtig war dagegen die staatstragende Gesinnung, welche Emilie Wüstenfeld im Alter bewies. Von daher hatte auch die von den Frauen beider Richtungen (gemäßigte und radikale) der bürgerlichen Frauenbewegung angestrebte Emanzipation des weiblichen Geschlechts für den Hamburger Staat nichts Bedrohliches an sich, sofern sie sich im Rahmen sozialer und kultureller Entfaltungsmöglichkeiten vollzog“, [4] schrieb die Historikerin Inge Grolle.
Text: Rita Bake
Anmerkungen:
1 Vgl.: Insa Härtel: Reine Weiblichkeit – weibliche Reinheit. Personifikationen im Hamburger Rathaus. In: Rita Bake, Birgit Kiupel: Auf den zweiten Blick. Streifzüge durch das Hamburger Rathaus. Hamburg 1997.
2 Ein Rundgang zu den Frauen im Hamburger Rathaus erschien 2000 als Broschüre unter dem Titel. Rita Bake, Birgit Kiupel: Von machtvollen Frauen und weiblichen Körpern.
3 Heinrich Reincke: Die Schutzpatrone der Stadt Hamburg. In: Festschrift Hans Nirrnheim, Hamburger Geschichtliche Beiträge. Hamburg 1935.
4 Inge Grolle: Auch Frauen sind zulässig. Die Frauensäule in der Hamburger Rathausdiele. In: Rita Bake, Birgit Kiupel: Auf den zweiten Blick. Streifzüge durch das Hamburger Rathaus. Hamburg 1997.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: September 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand September 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

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Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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