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Annemarie Dose

(29.8.1928 Sörnewitz/Coswig, Lkr. Meißen – 28.4.2016 Hamburg)
Gründerin der „Hamburger Tafeln“, Wohltäterin/Philanthropin, Stifterin
Bramfelder Straße 102 a (Sitz der Hamburger Tafel e.V.)
Beim Schlump 84 (Gründungssitz der Annemarie-Dose-Stiftung)
Annemarie-Dose-Park, Rotherbaum seit 2019
Annemarie Dose, Quelle: Hamburger Tafel
Annemarie (Ami) Dose, die Gründerin und Ehrenvorsitzende der Hamburger Tafel sowie Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse, „ist am 28. April 2016 Im Alter von 87 Jahren verstorben. Sie war und ist das Herz, die Seele und das Gesicht der Hamburger Tafel. Mit ihrem Charme, ihrer Herzlichkeit und ihrer Hartnäckigkeit hat sie die Hamburger Tafel aufgebaut und geprägt. Sie hat sich um die Stadt und Ihre Bedürftigen verdient gemacht. Wir werden sie nicht vergessen und ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Wir trauern mit ihrer Familie.“ [1] Prägnant und anschaulich fiel dieser Nachruf auf der Website der Annemarie-Dose-Stiftung aus und birgt die Weite eines erstaunlichen Engagements: „Annemarie Dose wurde in einem Dorf in der Nähe von Meißen geboren und wuchs bei ihren Großeltern auf. Als Kind lernte sie schon früh, Einfühlungsvermögen für andere Menschen zu entwickeln: ‚Oma sagte, wenn ein Obdachloser um Essen bittet, muss er dafür Holz hacken, denn auch Obdachlose haben ein Ehrgefühl – und wenn sie für ihr Essen arbeiten, bewahren sie ihre Würde!’“
Seit 1952 lebte ‚Ami’ in Hamburg und war zunächst Hausfrau und Mutter. Als 1993 ihr Mann Herbert starb, verfiel sie in eine Trauerphase. „Mit Bridge, Golfen und Kaffeekränzchen konnte ich nichts anfangen!“, erinnerte sie sich. Also nahm sie einen Korb und holte nicht verkauftes Brot vom Bäcker, um es an Bedürftige zu verteilen. Ihre Kinder hatten zunächst Angst, die Mutter würde sich durch ihr Verhalten blamieren, auch die Bäcker bangten um ihre Kunden. Doch schnell wurde aus dem Brotkorb eine große Organisation mit vielen ehrenamtlichen Helfer_innen und noch mehr dankbaren Menschen. Der Spendenumfang nahm so zu, dass Kühlfahrzeuge den Transport übernahmen und ein Depot eingerichtet wurde.
„Dies war der Zeitpunkt, als Annemarie Dose im November 1994 die ‚Hamburger Tafel’ gründete. Sie benötigte einfach das Gefühl, gebraucht zu werden: ‚Ich wollte mich selbst retten!’ So hat sie ihrem Leben mit der Tafel wieder einen Sinn gegeben. 2002 wurde die Annemarie-Dose-Stiftung für die Hamburger Tafel gegründet, sie dient seitdem als finanzielle Absicherung für die Hamburger Tafel“ [2]. Gar nicht gern ließ sich Ami Dose als Chefin betiteln, denn die Hamburger Tafel hat ausschließlich ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiterinnen, die aus allen Sozialgruppen stammen. „‚Man muss nicht, sondern man darf arbeiten!’ Am 7. November 2012 fand Ami’s Abschiedsparty im Maritimen Museum mit 400 Gästen statt. Hier übergab sie nach 18 Jahren den Vorsitz an Achim Müller.“ Sie blieb weiterhin Ehrenvorsitzende der Hamburger Tafel und stand auch in Engpässen zur Verfügung, solange ihr dies gesundheitlich möglich war.
Annemarie Dose – eine Frau, die den Grundstein für eine großartige Organisation gelegt hat!
„Mit 66 Jahren hatte sie noch einmal durchgestartet. Niemand konnte sich ihrem Charme und ihrem ‚Brennen’ für die Hilfe der Bedürftigen entziehen. Dies gilt sowohl für die Spender von Lebensmitteln und Geld, als auch für die Ehrenamtlichen, die bereit waren, ihre Zeit in den Dienst der guten Sache zu stellen. (...) Die Hamburger Tafel war die dritte Tafel in Deutschland. Ihre Erfahrungen hat Ami allen Interessierten zur Verfügung gestellt und vielen Neugründungen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Heute gibt es in Deutschland mehr als 900 Tafeln. Die von Ami gewählte Organisationsform hat sich über mehr als 20 Jahre bewährt. Die Hamburger Tafel hat keine Ausgabestellen, sondern arbeitet mit Kooperationspartnern zusammen, die das Verteilen der Esswaren eigenverantwortlich organisieren. Mittlerweile werden in Hamburg mehr als 20.000 Bedürftige durch die Lebensmittel- und Sachspenden der Hamburger Tafel versorgt. Rund 120 Ehrenamtliche mit zehn Kühlfahrzeugen sammeln wöchentlich ca. 35 Tonnen Lebensmittel ein und verteilen diese (Stand 2016) [3].
Große Weitsicht, Organisationstalent, unternehmerisches Handeln und hohe Empathie für Bedürftige zeichneten Ami Dose aus. Außerdem war sie eine „Menschenfängerin“. Dazu zeichnete Brigit Müller, Redakteurin des Hamburger Obdachlosen-Magazins Hinz&Kunzt, in ihrem sehr persönlichen Nachruf vom Juni 2016 ein anschauliches Bild: „Es fällt mir schwer zu glauben, dass es sie nicht mehr gibt: Annemarie Dose. Sie war die Gründerin der Hamburger Tafel und vor allem: ein toller, ungewöhnlicher Mensch. Ami, wie wir sie genannt haben, ist am 28. April im Alter von 87 Jahren an den Folgen ihrer Krebserkrankung gestorben. Wie sie es sich gewünscht hat, ist sie zu Hause gestorben, in ihrem Drei-Generationenhaus, in dem sie mit der Familie ihrer Tochter gelebt hat.
1994 habe ich sie kennengelernt. Sie war damals 66 Jahre alt, aber sie kam mir ungewöhnlich lebendig, energisch und innerlich jung vor. Ich werde allerdings auch nie den Eindruck vergessen, den wir hatten, als sie zum ersten Mal durch unsere Tür kam. Uns allen blieb der Mund offen stehen. Da stand sie, eine Frau im Kostüm und mit schwerem Goldschmuck. Nicht gerade der Anblick, den wir bei Hinz&Kunzt gewohnt sind. Und diese Frau aus ganz deutlich gutem Hause hatte null Berührungsängste – und eine Menge vor. Ein paar Tage vorher hatte es einen Bericht im Fernsehen über die Berliner Tafel gegeben. ‚Ich würde gerne so eine Tafel gründen, ich weiß aber nicht, wie man das macht’, sagte sie. Wie elektrisiert war sie! Anfangs war es nur ein kleiner Kreis um Ami, aber mit den Jahren wurden es immer mehr. Anfangs waren es nur Lebensmittel, die sie und ihr Team abholten. Heute ist es alles: von Kaffee bis Matratzen, Joghurt bis Gemüse, Schlafsäcken bis Betten.
Begegnungen mit Ami waren immer so eine Art Feuerwerk. Man war bei ihr immer gleich mittendrin. Ein Beispiel: ‚Klopapier’, begann Ami ein Gespräch, als ich sie mal in ihrem Lager besuchte, ‚ist ganz schwer zu kriegen.’ Klopapier? Was? Wo die Frau und ihr 120-köpfiges Team von Ehrenamtlichen doch tonnenweise ‚alles außer Drogen und Waffen’ einsammelt und verteilt – und dann redete sie über Klopapier. ‚Ja, du lachst!’, sagte sie gespielt empört. Aber natürlich: Die Hamburger Tafel bekommt eher Joghurt, Gemüse und Fertiggerichte als Klopapier, das kein Verfallsdatum kennt. Aber Ami wäre nicht Ami gewesen, wenn sie für solche Notfälle keine Lösung gefunden hätte. (...) Ganz offen räumte sie immer ein, dass sie unter einem Hamstersyndrom leide. Bei ihr wurde nichts so schnell weggeworfen. Dazu muss man wissen: Hinz&Kunzt wird regelmäßig von der Hamburger Tafel beliefert. In den Anfangsjahren, als wir intern noch nicht so viel über Nachhaltigkeit diskutiert haben, waren wir regelrecht beleidigt, weil bei manchen Waren das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. ‚Bei Trockenware halten die Lebensmittel mindestens noch ein Jahr länger’, sagte Ami. Das sei wohl typisch für ihre Generation, sagte sie.
Ami stammte aus einem wohlhabenden, behüteten Elternhaus in Sachsen. Dann kam der Krieg. 1948 schlug sie sich nach Hamburg durch, landete auf einem Bauernhof als Magd. Einer Kollegin von mir, Stephanie Lambrecht von der Morgenpost, erzählte sie in einem Interview, dass sie deshalb auch so ein Mitgefühl mit den Flüchtlingen habe. In Hamburg hat sie nämlich selbst ‚in einem ausgebombten Keller an der Eiffestraße gewohnt. Ich weiß wie es ist, keinen Namen zu haben.’ Das war auch der Grund, warum sie mit ihren 87 Jahren einfach nicht ganz aufhören konnte, sich für die Hamburger Tafel und vor allem für Menschen zu engagieren.“ [4]
Ella Annemarie Dose, geb. Lehnigk, wurde auf der Nordsee beigesetzt [5].
Text: Dr. Cornelia Göksu
Quellen:
1 hamburger-tafel.de/wir-trauern-um-annemarie-dose
2 Auszüge zitiert aus hamburger-tafel.de/die-gründerin
3 de.wikipedia.org/wiki/Annemarie_Dose
4 hinzundkunzt.de/nachruf-annemarie-dose/ von Birgit Müller, 28.4.2016, abgedruckt in der Print-Ausgabe April 2016 (alle abgerufen am 8.12.2016 CG)
5 Freundliche Information von Frau Manuela Benchalb, Beratungszentrum Ohlsdorf, E-Mail v. 7.9.2017 an CG.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Februar2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Februar 2020: 1129 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

Ich wünsche eine Übersetzung in:
Danke für Ihr Interesse!

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rita.bake@hamburg.de

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