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Neue Frauenbewegung

( Neue Frauenbewegung/Frauenprojektebewegung 1970er-bis 1990er-Jahre )
Rappstraße 4: Autonomes Frauenzentrum, (1980er-Jahre) Beispieladresse für Frauenprojekte der Neuen Frauenbewegung.

Beispiele aus den 1970er bis 1990er-Jahren

Siehe auch: Hamburger Frauenprojektetreffen; Frauenhäuser, Autonomes Frauenzentrum Langenfelder Straße, F.R.A.U.
Siehe auch: Leitstelle für die Gleichstellung der Frau
Siehe auch: Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen (ahf)
Siehe auch: Frauenbewegung in den Jahren 2000-2010
Siehe auch: Demokratische Fraueninitiative (DFI)
Siehe auch: Frauenbewegung an den Hamburger Hochschulen
Siehe auch: GAL-Frauenfraktion
„Seit Ende der 1960er-Jahre war die erste Nachkriegsgeneration herangewachsen. Sie trat mit dem Protest gegen Wohlstandsgesellschaft, verkrustete Institutionen und Establishment an die Öffentlichkeit. Die Töchter und Söhne warfen den Eltern vor, die nationalsozialistische Vergangenheit verschwiegen und die Auseinandersetzung mit deutscher Schuld und ihren Folgen verdrängt zu haben. Respektlos griffen sie das geltende moralische und politische Wertesystem an; die außerparlamentarische Opposition zielte auf einen radikalen Wandel der Demokratie.
Der Ansturm der Jungen gegen festgefahrene Gesellschaftsformen brachte auch das Rollenbild der Geschlechter ins Wanken.“ (Inge Grolle und Rita Bake: „Ich habe Jonglieren mit drei Bällen geübt.“ Frauen in der Hamburgischen Bürgerschaft 1946 bis 1993. Hamburg 1995, S.136: Text Inge Grolle)
„Bereits Anfang der 1970er-Jahre, so Florence Hervé „mit dem Ende der antiautoritären Studentenbewegung und dem Regierungsantritt der sozial-liberalen Koalition, die das durch die Studentenbewegung provozierte Veränderungspotential in Reformversprechen zu integrieren und zu kanalisieren versuchte, setzte ein Umbruch- und Differenzierungsprozess in der jungen Frauenbewegung ein, der bis Ende 1972 zu einer deutlichen Polarisierung führte: auf der einen Seite zur Wiederentdeckung der marxistischen Klassiker und der proletarischen Frauenbewegung, auf der anderen Seite zur Wiederentdeckung des Feminismus durch die Rezeption feministischer Literatur aus dem Ausland, insbesondere den USA, die anknüpfte an die Tradition der bürgerlichen Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Ausgangspunkt war hier die feministische Gesellschaftstheorie vom ‘Patriarchat’, d. h. dem unversöhnlichen Gegensatz zwischen Männern und Frauen, der den Klassengegensätzen übergeordnet und aus dem die Unterdrückung der Frauen ‘in allen Gesellschaften’ abgeleitet wurde. Daraus ergaben sich die entsprechenden ‘neuen’ Strategien zur Frauenbefreiung, was sich organisatorisch in zahlreichen neuen Projekt- und Selbsterfahrungsgruppen und in der Entwicklung von Frauenzentren ausdrückte.“ (Florence Hervé (Hrsg.), Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Köln 1988, S. 258f.)
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 720-1-388-00-=-71350_38a
Die Frauen der Neuen Frauenbewegung gingen wie ihre Schwestern der Ersten Frauenbewegung vor rund 130 Jahren für viele gleiche Ziele auf die Straße (z. B. für die Abschaffung des § 218; für politische Partizipation; für gleichen Lohn für gleiche Arbeit). „Die Neue Frauenbewegung der 1970er-Jahre startete mit dem Ziel, die männerdominierte Leistungsgesellschaft so zu verändern, dass weibliche Lebensformen akzeptiert und häusliche Tätigkeit wie auch Erwerbsarbeit von Frauen analog der Erwerbsarbeit von Männern gesellschaftlich anerkannt werden. Die Parole dieser ‚neuen Frauen‘ lautete: ‚Das private ist politisch‘. Damit wiesen sie auf die Wechselwirkung und gegenseitige Abhängigkeit der beiden bisher getrennt behandelten Bereiche hin. So wie gesellschafts- und wirtschaftspolitische Entscheidungen in das Privatleben eingreifen, so wirkt sich auch alles, was im 'privaten', d. h. familiären, nachbarschaftlichen, freundschaftlichen Rahmen geschieht, auf politischer Ebene aus. Die Reproduktionsarbeit sorgt für die Erhaltung der Arbeitskraft und ist deshalb volkswirtschaftlich zur Aufrechterhaltung der industriellen, technologischen und landwirtschaftlichen Produktion genauso wichtig wie Erwerbsarbeit.
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 4459_frauenbewegung_720-1-388-00-=-72462_10A
Um diese politische Auffassung von der ‚Ganzheit des Lebens‘ im gesellschaftlichen Bewusstsein – auch dem der Frauen – zu verankern, gründete die Neue Frauenbewegung außerhalb von institutionalisierten Verbänden, Parteien und Gremien Fraueninitiativen mit dem Ziel weiblicher Selbsterfahrung.“ (Inge Grolle, a. a. O., S. 136.) So entstanden ab ca. 1973 vielerorts Frauenzentren – so auch in Hamburg - , die größtenteils Selbsterfahrungsgruppen anboten und die eine breite Schicht von Frauen erreichten.
„Die Selbsterfahrungsgruppenarbeit blieb nicht unkritisiert. Vor allem wurde der Vorwurf erhoben, hier würde auf laienhafte Weise Psychoanalyse betrieben und die mit einem solchen Vorgehen verbundenen Gefahren verkannt. Auch würden die Gruppen häufig zu ‚Zufluchtsorten‘, statt daß hier Kräfte zur Auseinandersetzung mit der Realität gestärkt würden. Zu viele Gruppen scheiterten außerdem an gruppendynamischen Schwierigkeiten. Von ‚linker‘ Seite wurde argumentiert, man arbeitet und wirke für die Mitglieder eher gruppentherapeutisch als revolutionär-politisierend. Dieser Vorwurf war falsch, denn die Bildung und Stärkung eines veränderten Bewußtseins bedeutete bereits gesellschaftliche Veränderung.“ (Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997, S. 59.)
Zu Konflikten kam es ab ca. 1972 „in einigen Frauenzentren mit den orthodoxen Marxistinnen, die den anderen Frauen ‚Theorielosigkeit‘ vorwarfen.“ (…) In einigen Städten „bildeten die orthodoxen Marxistinnen und die der DKP nahestehenden Frauen gesonderte Gruppen. Als letzte Vereinigung konstituierte sich 1976 die Demokratische Fraueninitiative (DFI) in bewußter Ablehnung der Frauenzentren, die ebenfalls gegen deren ‚Theorielosigkeit‘ opponierte.“ Die vielen neuen Frauenzusammenschlüsse der 1970er-Jahre waren also in „ihrer politischen Grundrichtung (…) z. T. sehr verschieden (gemäßigt feministisch, sozialliberal, stärker sozialistisch usw.), die meisten von ihnen legten Wert darauf, Frauen aller politischen Richtungen zu umfassen, die sich lediglich der Frauenbewegung zugehörig fühlen sollten. Für alle Gruppierungen (außer den orthodox-marxistischen) galt die beschriebene feministische Sichtweise. Innerhalb dieser feministischen Grundausrichtung bildete sich (…) eine radikal-feministische Position heraus. Die Gruppen unterschieden sich voneinander in ihrer Abgrenzung zu den Männern. Die radikale Richtung verhielt sich völlig ablehnend den Männern und männlichen Verhaltensmustern gegenüber (…). Die Unterdrückung der Frau sahen die radikalen Feministinnen vornehmlich auf der Ebene der Sexualität; für sie war primärer Feind das Patriarchat.“ (das vorherige und dieses Zitat: Rosemarie Nave-Herz, a. a. O., S. 60.)
Durch das UNO-Jahr der Frau (1975) erhielt die Neue Frauenbewegung große Publizität. „In dieser Phase entwickelt sich die Frauenzentrenbewegung allmählich zur Frauenprojektebewegung. Seit 1977 steckte sie ihre Energien vorwiegend in den Aufbau eines eigenen Kommunikationsnetzes durch die Einrichtung von Frauenkneipen, Frauenbuchläden (…), Selbsthilfeprojekten wie z. B. Frauenhausinitiativen.“ (Florence Hervé, a. a. O. , S. 263.)
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 4459_frauenbewegung_720-1-388-00-=-79571_12A
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 720-1-388-00-=-82304_27A
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 720-1-388-00-=-79571_25A

Als ein wichtiges Thema „wurde die alltägliche Gewalt gegen Frauen in die Öffentlichkeit getragen: die vielfältigen offenen und subtilen Formen von Gewalt im öffentlichen Bereich z. B. sexuelle Belästigung, frauenfeindliche Werbung, Pornographie, Vergewaltigung wurden aufgedeckt. Im privaten Bereich erlebten Frauen psychische Gewalt, Mißhandlung und Vergewaltigung. Das Ergebnis war die Gründung von Frauenhäusern und Notrufen für vergewaltigte Frauen.“ (Aus: 20 Jahre BIFF. Hamburg 1998.) (Siehe mehr unter dem Eintrag: Frauenhäuser)
Die Neue Frauenbewegung beschäftigte sich auch mit der „Kinderfrage“ und gründete Kinderläden. Auf der einen Seite wollten die Neuen Frauen neue emanzipatorische Erziehungsmodelle ausprobieren, auf der anderen Seite aber auch ein Stück „Befreiung“ vom Kind erreichen. Aber auch in den Kinderläden blieb alles beim Alten. Die Mütter kümmerten sich konkret ums Kind, die meisten Väter theoretisierten und dachten über revolutionäre Konzepte nach.
Zum Schwerpunkt der Neuen Frauenbewegung wurden die § 218-Kampagnen. Mit der Parole: „Mein Bauch gehört mir!“ stritt 1971 in Hamburg die Neue Frauenbewegung erstmals mit Informationsständen und Unterschriftenlisten für die Abschaffung des § 218. Die Kampagne setzte sich für die ersatzlose Streichung des § 218 aus dem Strafgesetzbuch ein und forderte die Bezahlung des Schwangerschaftsabbruchs durch die Krankenkassen.
An den Kampagnen beteiligte sich nicht nur die Neue Frauenbewegung, sondern auch gewerkschaftlich und parteipolitisch (in SPD, FDP, DKP und K-Gruppen) organisierte Frauengruppen. Die etablierten Frauenverbände machten Anfang der 1970er-Jahre nur zum Teil bei den §218 Aktionen mit.
Die neuen autonomen Frauenprojekte unterschieden sich von den etablierten Frauenverbänden durch ihren „ausschließlichen Frauenbezug von Frauen für Frauen und die Absage an traditionelle Organisationsformen und institutionelle Einbindungen. Verbandsstrukturen und Hierarchie entsprechen ebenfalls nicht dem Selbstverständnis. Die Beteiligung von Männern in den feministischen Projekten bliebt ausgeschlossen und die Projektautonomie beinhaltet eine starke Unabhängigkeit gegenüber anderen gesellschaftlichen Institutionen (Kirchen, Gewerkschaften).“ (Frauenbericht. Hrsg. vom Senatsamt für die Gleichstellung. Hamburg 1992).
Mit diesen Strukturen der Neuen Frauenbewegung konnten die Frauenverbände wenig anfangen. So schrieb denn auch 1988 der „Akademikerinnenbund“ in seiner Festschrift zu seinem 40-jährigen Jubiläum: „Der Akademikerinnenbund Hamburg verfolgte das Aufbäumen junger Frauen zunächst mit distanziertem Erstaunen, denn mit den Frauenproblemen war er seit langem vertraut. Als der Verband dann versuchte, Brücken zur autonomen Frauenbewegung zu schlagen, fand dies dort wenig Interesse.“
So mancher etablierte Frauenverband war konsterniert, manchmal auch pikiert über die „neuen“ Frauen und deren Arbeitsformen, ihr Auftreten in der Öffentlichkeit, ihre spektakulären Aktionen und die oft weitaus radikaleren, den Status quo hinterfragenden Forderungen und Ansprüche.
Die autonomen Frauenprojekte dagegen empfanden die Forderungen und Aktionen der Frauenverbände als zu staatstragend, nicht radikal und weitreichend genug.
Doch trotz aller Gegensätzlichkeiten fanden hin und wieder Unterstützungsaktionen statt. So ließen die Frauenverbände schon mal ihre „Verbindungen“ spielen, nutzten ihre Lobby, die sie bei den Behörden besaßen. Um zwei Beispiele zu nennen: Der „Akademikerinnenbund“ kämpfte in den 1980er-Jahren für die Institutionalisierung des ABM-Projektes „Koordinationsstelle Frauenstudien und Frauenforschung“ der Universität Hamburg. Und die ahf setzte sich Ende der 1970er-Jahre für die institutionelle Förderung des ersten Frauenhauses ein.
Die 1980er-Jahre
In den 1980er-Jahren gründete sich eine Reihe neuer autonomer Frauenprojekte. Es bildeten sich z. B. Projekte wie: Allerleirauh und „Zornrot“ (Beratungsstellen bei sexuellem Missbrauch von Mädchen), die „Psychologische Beratung für Frauen von Frauen“, der Selbsthilfetreff „Frauenzimmer“, die „Frauenberatungsstelle Richardstraße“, das „feministisches Frauentherapiezentrum e.V.“, die „ Frauenberatungsstelle e.V.“, das Heilpraktikerinnenausbildungsprojekt „Alchemilla“, der Lesben/Frauentreff „Intervention“,, „Gaya Lesbera“ (Beratungs-, Gesprächs- und Informationsangebote von Lesben für Lesben), die „Freie und Lesbengruppe Hamburg“, das „Frauen-VHS-Forum“, die Gruppe „Frauen lernen im Stadtteil“, der „Arbeitskreis Feministische Betriebspolitik“..
Auch auf dem Frauenkultursektor konnte die autonome Frauenbewegung in den 1980er-Jahren viele verschiedene Vereinsgründungen und Aktivitäten vorweisen. So gründete sich 1981 auf der „1. Hamburger FrauenwocheFEMOK – eine feministisch orientierte Künstlerinnengruppe. Zwei Jahre später, 1983, wurde der Verein „Frauen machen Musik e.V.“ ins Leben gerufen, woraus sich 1987 das „ Frauenmusikzentrum“ bildete – ein Verein von Musikerinnen, der neben Übungsräumen und der Nutzung von Instrumenten auch Auftrittsmöglichkeiten und die Nutzung des Musikarchivs anbot. 1984 wurde der Verein „ Grupo Salon e.V.“ – eine feministische Frauenkulturinitiative, die sich regelmäßig im „Café endlich“ traf – ins Leben gerufen. „ Grupo Salon“ organisierte ab 1985 die alljährlichen Frauen-Kultur-Dampfer-Fahrten, seit 1986 den Frauenball im Curio-Haus und ab 1987 die Verleihung des Lesben-Literatur-Preises.
1985 wurde ein weiteres Frauenkultur- und Medienzentrum gegründet: das „Achat“ mit Sitz im damaligen Frauenbuchladen. Und weitere zwei Jahre später, am 21.9. 1987, fand die offizielle Eröffnung des „Frauenkulturhauses Harburg“ in der Maretstraße statt, das einzige Projekt im gesamten Süderelberaum, in dem Frauenkultur täglich praktiziert wurde. Bereits ein Jahr zuvor hatte es die erste „Harburger Frauenkulturwoche“ veranstaltet.
Beim 1979 gegründeten Projekt „ Bildwechsel“ wurde 1985 ein Künstlerinnen-Archiv eingerichtet, in dem Materialien und Dokumente von und über internationale Künstlerinnen aller Epochen gesammelt wurde. Nach siebenjähriger Arbeit als Medienzentrum für Frauen verstand sich „ Bildwechsel“ ab 1987 als Trägerverein für eine Reihe von organisatorisch autonomen Einzelprojekten: Die von Bildwechsel aufgebaute Videothek avancierte zu der umfassendsten Videosammlung von/für Frauen in der Bundesrepublik Deutschland; die Frauen-Medien-Beratungsstelle beantwortete Anfragen nach Filmen und den dazugehörigen Filmverleihadressen, nach spezieller Medienliteratur, technische Fragen etc.. Ein Jahr später gründete sich im Hamburger Filmhaus das „Frauen Film Archiv“ (FFA). Es unterstand dem Verband der Filmarbeiterinnen und wurde autonom im Hamburger Filmhaus betrieben. Das Archiv umfasste den Bereich Filmgeschichte und sammelte aktuell wichtige Filme und Videoproduktionen. Am Moorkamp 5 gründete sich 1985 der Verein Frauen Gestalten e.V.. Er wollte die kreativen und künstlerischen Fähigkeiten von Frauen durch ein kontinuierliches und weitgefächertes Kursangebot fördern. Dabei sollte das Tun wichtiger sein als das Produkt, denn es sollte das Selbstwertgefühl gestärkt und Ängste abgebaut werden; und ebenfalls erstmals 1985 initiierten Frauen aus der autonomen Frauenbewegung den Frauen Info Lese Bus. Mit einem VW-Bus fuhren die Frauen mit interessierten Frauen zu Frauenveranstaltungen, Frauenanlaufstellen, Frauenprojekten etc. und zeigten in ihrem Bus, was es an Frauenliteratur und an Informationen für Frauen gab. Zwei Jahre später gründete sich ein Frauenprojekt, das mit einem „Frauenstadtplan“ der interessierten Öffentlichkeit die Projekte und Kultur der autonomen Frauenbewegung näher präsentieren wollte.
Von Dezember 1987 bis Februar 1988 fanden in Hamburg autonome Frauenkulturtage statt. Das Ganze hieß „Szenaria“ und wurde von der Kulturbehörde, Abteilung Frauenkultur, gefördert. Die Vorbereitung und Darbietungen wurden von den daran beteiligten Frauen unentgeltlich geleistet. Angesichts der Tatsache, dass die Vorbereitung und die künstlerischen Darbietungen beim Frauenfestival „ Hammoniale“ entlohnt wurden, zogen sich diverse autonome Frauenprojekte protestierend aus der Vorbereitungsgruppe zurück. (zu diesem Konflikt siehe dazu unter dem Eintrag: Hamburger Frauenwoche) Gleichzeitig hinterfragten Kulturschaffende aus der autonomen Szene: Ist das, was dort geboten wird, wirklich autonome Kultur? Und was ist überhaupt unter diesem Begriff zu verstehen?
Im Hochschulbereich bildeten sich feministische Arbeitsgruppen, die sich für frauenspezifische Lehrinhalte und für mehr weibliches Lehrpersonal einsetzten, so z. B. die „autonome Frauengruppe am Institut für politische Wissenschaften“, die „Frauengruppe Medizin/Zahnmedizin“, die „Arbeitsgruppe Frauenstudien am Fachbereich Erziehungswissenschaft“, eine Frauenarbeitsgruppe am Fachbereich Psychologie, weitere an den Fachbereichen Sport, Ethnologie, Kunstgeschichte, Rechtswissenschaft, Physik, Chemie, Biologie und Geschichtswissenschaften. Am Institut für Medizinsoziologie der Universität bildete sich die „Informationsstelle Frauen-Alltag-Medikamente“ und das Forschungsprojekt „Medikamente, Frauen, Prävention“. Am Fachbereich Psychologie installierte sich das Projekt „Frauenforschung“. Es wurde die „AG Feministische Analyse in der Kriminologie“ gegründet und im „Phil-Turm“ der Universität formierte sich das „Phil-Frauenplenum“, das die Einrichtung des Frauenraums im „Phil-Turm“ durchsetzte.
Im multikulturellen Bereich gründeten sich z. B. „AIZAN– Frauenladen“, (Zusammenarbeit von Ausländerinnen und Nichtausländerinnen), „KALA – Zentrum für Frauenbegegnung und -kultur international“ und viele andere.
Ein Teil der Frauenprojekte begab sich in den 1980er-Jahren auf den Weg in: „eine gewisse Institutionalisierung. Die Distanz feministischer Projekte zu politischen und gesellschaftlichen Institutionen verringerte sich z. T. zum einen zugunsten einer Strategie der Einmischung und zum anderen, um finanzielle Unterstützung abzusichern (...)“. (Frauenbericht, Hrsg. vom Senatsamt für die Gleichstellung, Hamburg 1992.)
Allerdings finanzierten sich die meisten Projekte über zeitlich begrenzte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, da eine gesicherte Finanzierungsmöglichkeit nicht durchzusetzen war. Ebenso konnten nach Ablauf der Maßnahmen nur einige Projekte institutionalisiert werden. Gerade im Hochschulbereich wurden aus einer Fülle von ABM-Projekten nur wenige feste Stellen geschaffen.
Die Distanz der Neuen autonomen Frauenbewegung gegenüber Behörden und der offiziellen Politikszene entsprang nicht nur der Vorstellung, der Staat würde nur staatstragende Projekte unterstützen. Die Skepsis der „Bewegungs-Frauen“ hatte seinen Ursprung auch in dem Gefühl, von staatlicher Seite nicht für voll genommen zu werden. Die Hamburgische Bürgerschaft stand diesem „subkulturellen Wildwuchs“ im Allgemeinen skeptisch gegenüber und knauserte deshalb auch mit staatlichen Zuschüssen. So befanden sich z. B. die Trägerinnen der neuen Frauenkultur selbst in einem Zwiespalt. Je mehr ihre Angebote frequentiert wurden, desto stärker waren sie auf staatliche Subventionen angewiesen – ein heikles Eingeständnis für Unternehmungen mit erklärt autonomem Charakter. Da sie aber mit ihren Angeboten notwendige gesellschaftspolitische Arbeit leisteten, z. B. „Lücken“ auf dem Gebiet der sozialen Versorgung der weiblichen Bevölkerung schließen halfen, war es für einen Großteil der Projekte selbstverständlich geworden, dafür Steuergelder einzufordern.
Doch trotz aller in den 1980er-Jahren durchgeführten frauenpolitischen Aktivitäten, der Neugründungen weiterer Frauenprojekte machte sich eine Zersplitterung in der Hamburger Neuen Frauenbewegung bemerkbar. Daraus entwickelten sich Forderungen nach gemeinsamer Aktionsfähigkeit (z. B. nach einem „Weiberrat“ oder einer „Frauenliste“, siehe: GAL-Frauenfraktion). Um die Gleichstellung erwerbstätiger Frauen voranzutreiben, widmeten sich besonders der Senat sowie die etablierten Frauenverbände in den 1980er-Jahren verstärkt der Forderung „Frauen und Mädchen in technische Berufe“. Unterstützung in der Forderung nach mehr Frauen in technischen Berufen kam auch vom zur etablierten Frauenbewegung gehörenden Hamburger Frauenring. Um Frauen den Bereich „Technik“ näher zu bringen, gründete er 1985 das „Frauen Technik Zentrum – DFR e.V.“. Seine Schwerpunkte lagen damals im Bereich Computerkurse nach „ganzheitlichem und kritischem Ansatz“.
Im Frauenprojektebereich gründete 1987 eine Gruppe Handwerkerinnen, Pädagoginnen und Ausbilderinnen den Verein „ Zahnrad e.V.“. Der Verein wollte ein Forum schaffen, dass die berufliche Qualifikation von Mädchen und Frauen in gewerblich-technischen Berufen in den Mittelpunkt stellte. Doch in Teilen der Frauenöffentlichkeit wurden zu den Modellversuchen „Mädchen in gewerblich-technischen Berufen“ die kritischen Stimmen immer lauter, denn bei diesen Berufen handelte es sich in erster Linie um Tätigkeiten, in denen Jungs keine ausreichenden Berufs- und Aufstiegschancen mehr sahen und sie deshalb nicht erlernten. Und deshalb, so die kritische Vermutung, wurde nun auf Mädchen und Frauen zurückgegriffen.
Besonderes Augenmerk legten Frauenprojekte der autonomen Frauenbewegung auf die Situation erwerbsloser Frauen. Um ihnen bzw. Frauen zu beraten, die in den Beruf zurückkehren wollten, gründete sich 1981 die autonome Fraueninitiative „E.F.A. e.V. – Erwerbslose Frauen in Altona“ (ab 1985 „E.F.A. – Informations- und Beratungsstelle Frau und Beruf“). Sie setzte sich die Aufgabe, Frauen in ihrer beruflichen Identität zu fördern und Beratung für Frauen in allen Fragen rund um den Beruf anzubieten. Ihre Zielgruppe waren Berufsrückkehrerinnen, Berufstätige aller Alters- und Berufsgruppen sowie erwerbslose Frauen.
Vier Jahre später, im Jahr 1985, bildete sich „BAFF–Berufliche Autonomie für Frauen e.V.“. BAFF war ein autonomes Frauenprojekt, das befristete Arbeitsplätze zur Qualifizierung erwerbsloser Frauen in gewerblichen Berufsfeldern anbot und zwar für gelernte Tischlerinnen im Bereich Holz/Metall und für fachfremde Frauen in den Bereichen Garten und Vollwertküche.
Auch in den 1980er Jahren ging um den § 218. Und wieder gingen viele Frauen auf die Straße, um für die Abschaffung des Paragraphen zu protestieren. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), die sich bei der SPD-Landesorganisation und in der SPD-Bürgerschaftsfraktion für die Einrichtung eines Familienplanungszentrums eingesetzt hatte, konnte 1982 die Einweihung dieses Zentrums vornehmen. Frauen, die einen legalen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollten, fanden hier unter einem Dach alle Stationen, die durchlaufen werden müssen, um einen legalen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen.
1981 wurde in Hamburg die erste bundesweite Lesben- und Schwulendemonstration durchgeführt. Ein Jahr später gründete sich im August der „Deutsche Lesbenring“ mit Regionalgruppe Hamburg. Sein Slogan: „Lesben organisiert Euch und nix passiert Euch!“ Ebenfalls in 1982 rief die Lesbengruppe der „Demokratischen Frauen Initiative“ (DFI) zu einem Treffen aller Lesbengruppen Hamburgs auf, um Verbindungen untereinander anzuknüpfen. Daraus entwickelte sich das „Forum Hamburger Lesben“.
1983 gründete sich die Hamburger Lesbenzeitung „Sappho Kurier“. „Geboren“ auf der „ Hamburger Frauenwoche“ 1983, eingestellt auf der „ Hamburger Frauenwoche“ 1984.
1984 wurden in Hamburg erstmals zwei Frauen kirchlich getraut. Die Trauung nahm der damalige evangelische Pastor Christian Arndt in der Altonaer Friedenskirche vor. Nach diesem Zeremoniell beantragte Pastor Arndt auf Empfehlung des Pastorenkonvents eine Untersuchung gegen sich selbst. Es sollte eine „gründliche Untersuchung des Vorgangs in der Kirche stattfinden. Nicht möglich sei die Trauung einer Gemeinschaft, die nicht öffentlich-rechtlich geschlossen wurde. Dagegen sei die Frage offen, in wie weit eine ‘Gemeinschaftssegnung’ eines lesbischen Paares zulässig sei“, so der Probst Gerberger. (TAZ vom 28.4.1984.)
Eine zentrale Forderung der Neuen Frauenbewegung auch in den 1980er-Jahren war die Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung. So gründete sich 1986 in Hamburg z. B. der Verein MütterCourage e.V. – eine private Initiative von Frauen, deren Ziel es war, die Lobby der Mütter zu verstärken, damit die Interessen der Mütter nicht mehr als die einer Randgruppe übergangen wurden. Außerdem setzte sich „MütterCourage“ dafür ein, dass auch Vätern ein Umdenkungsprozess einsetzte, der darauf hinauslief, dass sich Väter ebenso verantwortlich fühlten für die von ihnen gezeugten Kinder und entsprechende Elternbetreuungspflichten übernahmen.
In den 1980er-Jahren wurde in der Öffentlichkeit intensiv auch über die Rechtsstellung der Frauen diskutiert, die Opfer einer Vergewaltigung oder einer anderen Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden. Die Folge war, dass 1986 der Bundesrat das Opferschutzgesetz verabschiedete. Zwei Jahre später, 1988 wurde in Hamburg der „Rechtshilfefonds für Frauen e.V. Hamburg“ eingerichtet, der bei der „Opferhilfe/Beratungsstelle“ angesiedelt wurde. Von staatlicher Seite wurde 1989 bei der Hamburger Staatsanwaltschaft das Sonderdezernat Gewalt gegen Frauen eingerichtet, das zur effektiven Verfolgung von Sexualstraftaten gegen Frauen beitragen sollte.
Die autonome Frauenbewegung initierte 1980 das Projekt „ Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen“. Zwei Jahre später gründete sich „ Dolle Deerns e.V. – Beratungsladen gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und jungen Frauen/Lesben“, ein feministisches Projekt, welches feministische Mädchenarbeit betrieb und förderte. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Mädchen und Frauen.
Um Migrantinnen vor sexueller Gewalt zu schützen, gründete sich 1986 die Frauenrechtsorganisation „Amnesty for Women Städtegruppe Hamburg e.V.“, deren Arbeitsschwerpunkte u. a.: Frauenhandel, Sextourismus und Zwangsprostitution waren.
1990er-Jahre
Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten gehörte zu Beginn der 1990er Jahre die Frage des Schwangerschaftsabbruchs zu den umstrittenen Rechtsproblemen. Neben der Neuen autonomen Frauenbewegung beteiligten sich auch Hamburgs Politikerinnen an dieser Diskussion. So stand 1991 in einer aktuellen Stunde der Bürgerschaft das Thema §218 auf der Tagesordnung. Und als 1992 das bundesweite „Schwangeren- und Familienhilfegesetz“ die Möglichkeit zur straffreien Abtreibung weiter einschränkte, debattierten die Abgeordneten über die im Kompetenzbereich Hamburgs liegende Schwangerschaftsberatung.
Da die Gleichstellung der Frau trotz des 1949 im Grundgesetz verankerten Artikel 3 Abs.2 (Frauen und Männer sind gleichberechtig) immer noch zu wünschen übrig ließ, wurde nach zähem Ringen mit den Männern 1994 dem Artikel 3 Absatz 2 des GG der Satz 2 hinzugefügt. Dies wurde notwendig, da auch 45 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes immer noch nicht die Gleichberechtigung der Frau durchgesetzt war. Seitdem heißt es im Grundgesetz: „Der Staat fördert die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Auch in den 1990er-Jahren bildeten sich neue Frauenvereine/verbände/projekte und -initiativen aus den unterschiedlichsten Richtungen der Frauenbewegungs-Politik. Oft setzten sie ähnliche Schwerpunkte wie die bereits in den 1980er-Jahren gegründeten Frauenorganisationen.

Einige Beispiele für frauenpolitische Schwerpunkte in den 1990er Jahren

Lesben- und Schwulenbewegung
Im kommunalen Kino „Metropolis“ wurden 1990 Hamburgs erstmals „Lesbisch-Schwule Filmtage“ veranstaltet und Schwule und Lesben traten erstmals gemeinsam als VeranstalterInnen auf.
1992 bildete sich das „Netzwerk für Frauen- und Lesbenpolitik an Hochschulen“. Es war dem „Frauen- und Lesbenreferat“ des Uni-AStA`s angeschlossen. Ebenfalls 1992 bekam Hamburg hat sein erstes „Lesbentelefon“. Dies autonome Lesbenprojekt der „Unabhängigen Homosexuellen Alternative e.V.“ (UHA), welches dem Magnus Hirschfeld Centrum angeschlossen war, gab telefonisch Tipps, Rat und Hilfe für Lesben.
Ein Jahr später zum Wintersemester 1993/94 bildete sich an der Universität Hamburg die „AG Lesbischschwule Studien“. Sie organisierte an der Universität auch die Vortragsreihe „Jenseits der Geschlechtsgrenzen“. 1998 erarbeitete die AG ein Konzept für die Einrichtung eines interdisziplinären Instituts Lesbischschwule Studien.
1994 wurde in Hamburg europaweit erstmals ein ausschließlich lesbisches Fernsehmagazin ausgestrahlt: sein Name: „LIS“. Es sendete jeden 4. Freitag im Monat um 21 Uhr im offenen Kanal.
Ebenfalls 1994 initiierte sich „LuK (Lesben und Kirche) – Nordelbien, AG Hamburg“. Ihre Themen: Lesben, Kirche, Religion. Und im selben Jahr startete in Hamburg „WISE-Women`s International Studies Europe-Lesbian Studies“, ein europäisches Netzwerk, welches Lesbenforschung, Lesbenpolitik, Frauen- und Geschlechterforschung betrieb.
1995 eröffnete dann im Magnus Hirschfeld Centrum eine Frauen-Lesben-Bibliothek.
1998 gründete „ Intervention e.V.“ Europas einziges Junglesbenzentrum.
Mütterpolitik
1993 eröffnete das „Geburtshaus“, welches von einer überwiegend aus Hebammen bestehenden Fraueninitiative errichtet wurde. 16 Hebammen wollten die Geburtshilfe aus der Dominanz der ärztlichen Weisung und Abhängigkeit der Schwangeren von ÄrztInnen wieder in die Hand der gebärenden Frau und der sie unterstützenden Hebamme zurückgeben. Angebot: ambulante Geburtshilfe für Frauen mit einem „unauffälligen“ Schwangerschaftsverlauf.
Ebenfalls 1993 wurde in Hamburg der 1. Mütterkongress begangen. 450 Frauen bevölkerten am Muttertag (9.5.) die Hochschule für Wirtschaft und Politik. In neun Arbeitsgruppen wurde die ökonomische Situation von Frauen mit Kindern in Hamburg untersucht. Die Veranstalterinnen waren die autonome Frauengruppe „MütterCourage“ und die Landeszentrale für politische Bildung.
Migratinnen
1991 gründete sich „ AIZAN für Mädchen“. „ AIZAN“ steht für: Mädchen-Austausch, Information, Zusammenarbeit von Ausländerinnen und Nichtausländerinnen. Das Ziel des Vereins ist die berufliche Eingliederung „ausländischer“ Mädchen.
Prostitution
1991 gründete sich ragazza. ragazza bietet Hilfe für drogenabhängige und sich prostituierende Frauen. Bei ragazza gibt es Essen, Trinken und Freizeitangebote, Möglichkeiten zum Wäschewaschen und Spritzen tauschen
Frauenkultur
Seit Beginn des Jahres 1990 gab es „TIPS-frisch“, den telefonischen Terminkalender für Frauen. Jede Woche „frisch“ besprachen die Initiatorinnen aus der autonome Frauenbewegung ein drei Minuten langes Band mit den aktuellen Veranstaltungshinweisen für Frauen. Ebenfalls 1990 kam die erste Ausgabe der „Seiltänzerin“ heraus: ein Hamburger Frauenveranstaltungskalender. Ein Jahr später begann Hamburgs erstes freies Frauenradio: „Radio St. Paula“ – ein nicht kommerzielles Lokalradio – zu senden; und im selben Jahr eröffnete Hamburgs erstes „Frauen-Musik-Archiv“. Es gehörte zum Frauenmusikzentrum und umfasste Tonträger, Videos und Literatur zum gesamten Bereich „Frauen in der Popmusik“.
Nachdem das „Erste Hamburger Frauenwandbild am Fischmarktspeicher den Umbaumaßnahmen für den Greenpeace-Bürobau weichen musste, gestaltet 1994 der „ Arbeitskreis Frauen im Museum der Arbeit“ an Hauswänden und Treppenmauern Bilder der „FrauenFreiluftGalerie“ zwischen Fischmarkt und Neumühlen, gestaltet von Künstlerinnen aus Hamburg und Übersee – ein Versuch, Frauenleben und weibliche Arbeit aus Blickwinkeln verschiedener kultureller Traditionen zu betrachten und in der Sprache unterschiedlicher Stilrichtungen zu gestalten“. (Selbstdarstellung)
1995 machte sich das Frauenmedienzentrum „ Bildwechsel“ zur Aufgabe, den Frauenstadtplan per Computerdatei zu pflegen. Der Stadtplan verzeichnete Adressen von Frauenprojekten und andere Adressen mit Angeboten von/für Frauen in Hamburg und Umgebung.
1996 gründete sich bei „ Bildwechsel“ das „FrauenInternetProjekt Hamburg“. Es bot Hamburger Fraueninitiativen an, sich mit ihren Angeboten, Infos, Veranstaltungsterminen etc. ins Internet „einzuklinken“. www.internetfrauen.w4w.net
1998 entstand bei „ Bildwechsel“ unter dem Namen „Memovita“ ein virtuelles Archiv der audiovisuellen Frauenkultur. Es wurden Informationen im Themenbereich „Künstlerinnen international“ und „von Frauen produzierte Videos/Filme“ geboten.
Und ebenfalls 1998 veranstaltete das Frauenmusikzentrum in Kooperation mit der Kulturbehörde erstes Musikerinnenfestival. Es trug den Namen „expressiva“.
Siehe weiter zur Hamburger Frauenbewegung in den Jahren 2000 bis 2010 unter: Frauenbewegung in den Jahren 2000-2010.
Text: Rita Bake
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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Ansprechpartnerin Kontakt

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Dr. Rita Bake
rita.bake@hamburg.de

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