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Frauenbios

Elise Reimarus

( Margaretha Elisabeth, gen. Elise Reimarus )
(22.1.1735 Hamburg – 2.9.1805 Hamburg).
Erzieherin, Schriftstellerin
Schwägerin: Christina Sophie Reimarus geb. Hennings
Mittelpunkt des Theetisches im Hause Reimarus
Fuhlentwiete 122
Namensgeberin für: Reimarusstraße
Elise Reimarus, Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Die ehemals zum Rödingsmarkt führende Fuhlentwiete heißt heute in ihrem unteren Abschnitt Stadthausbrücke, und hier, etwa auf der Höhe der Baubehörde, muss einst das Haus mit der Hausnummer 122 gestanden haben. Der Hausherr war Hermann Samuel Reimarus (1694–1768), Professor für orientalische Sprachen am Akademischen Gymnasium, seine Frau Johanna Friderica geb. Fabricius, die ebenfalls einer Gelehrtenfamilie entstammte, aber anscheinend keine besondere Bildung erhalten hatte. Von ihren drei Kindern, Johann Albert Hinrich, Margareta Elisabeth und Hanna Maria blieb die unverheiratete Elise im Elternhaus. Und auch der Sohn, der Arzt und Naturforscher Johann Albert Hinrich kehrte mit seiner zweiten Frau Sophie 1770 in die Fuhlentwiete zurück, nachdem sein Vater zwei Jahre zuvor gestorben war. Man führte ein offenes Haus, dessen Mittelpunkt die Frauen Elise und Sophie Reimarus waren. Ihr Theetisch bildete bald einen weit über die Grenzen der Stadt hinaus berühmten Ort der Hamburger Aufklärung.
Elise Reimarus hatte eine umfangreiche Bildung genossen, und als die erste Frau ihres Bruders, Johanna Maria geb. Thorbecke, 1762 im dritten Kindbett starb, übernahm Elise im elterlichen Haus die Pflege und Erziehung des dreijährigen Neffen Hermann Dietrich und seiner ein Jahr jüngeren Schwester Johanna Margaretha gen. Hannchen, während der Vater der Kinder zunächst weiter bei seinen Schwiegereltern wohnte. Später unterrichtete sie auch an der 1787 von ihrer Freundin Caroline Rudolphi (1754–1811) in der Hammer Landstraße 75 gegründeten „Erziehungsanstalt für junge Demoiselles” von sechs bis 21 Jahren.
Zu der praktischen pädagogischen Arbeit gesellte sich ein schriftstellerisches Werk. Zwischen 1764 und 1766, als gute Kinderliteratur noch Mangelware war, schrieb die einem aufklärerischen Bildungsideal verpflichtete Elise Reimarus Texte für Kinder – meist in Dialogform oder als kleine Bühnenstücke mit genauen Altersangaben für die Hauptpersonen. Wie kindgerecht diese Stücke waren, zeigt sich darin, dass der Schriftsteller und Pädagoge Joachim Heinrich Campe sie später in seine „Kleine Kinderbibliothek“ (Hamburg 1778–1785) aufnahm. In seinem Almanach erschienen nur Beiträge, die vorher mit Kindern erprobt worden waren. Zwei die Kindererziehung theoretisch fundierende Stücke von Elise Reimarus ließ Campe 1778 in den vom Dessauischen Philanthropinum herausgegebenen „Pädagogischen Unterhandlungen“ drucken. Auch das bisher unveröffentlichte Manuskript „Die Freundschaft auf der Probe“, die in Gegensatzpaaren konstruierte rührende Geschichte zweier Freunde, die sich an Edelmut und Treue überbieten, gehört in den Bereich der didaktischen Literatur, wie schon die ersten Sätze der Erzählung zeigen: „In einer von den Sittenschulen, die die englische Jugend besucht, die Pflichten des Menschen und Bürgers zu erlernen, ihren Geist aufzuklären und ihr Herz zu veredlen, waren Nelfon und Blanford durch eine Freundschaft bekannt, die der ältesten Zeiten würdig war. Nach geendigten Studien, ergriff jeder den Stand, dazu ihn die Natur berief. Blanford, thätig, stark und muthvoll, entschied sich für die Waffen und den Seedienst. Reisen wurden eine Schule. Abgehärtet zu den Beschwerden, durch Gefahren unterrichtet, stieg er, von Stufe zu Stufe, bis zum Commando eines Schiffes. Nelfon, mit einer männlichen Beredsamkeit und einem klugen tiefdenkenden Geiste begabt, war Mitglied jener Deputirten, aus denen die Nation ihren Rath besetzt; und in kurzer Zeit machte er sich bey denselben berühmt. Also diente jeder von ihnen seinem Vaterlande, glücklich durch das Gute was er ihm erwies.“
Mit ihren Übersetzungen von Dramen aus dem Englischen und Französischen bereicherte Elise Reimarus das damals noch dürftige Repertoire deutscher Bühnenstücke und trug zum Spielplan des 1779/80 in eine Krise geratenen Stadttheaters bei. Über ihre Übersetzung des „Cato“ von Joseph Addison führte sie mit Lessing, mit dem sie seit seiner Hamburger Zeit freundschaftlich verbunden war, einen Briefwechsel. Voller Vertrauen in ihr schriftstellerisches Talent ermunterte er sie, das Stück in die damals beliebten Blankverse zu übertragen. Seinerseits bat er sie fast ängstlich um ihr Urteil zu seinem „Nathan”: „Nötig hätt ichs wohl, daß Sie ein wenig gut davon urteilten, um mich wieder mit mir selbst zufrieden zu machen.” (Brief vom 14.5.1779). Neben Lessing waren Männer wie Moses Mendelssohn und Friedrich Heinrich Jacobi Elise Reimarus’ Briefpartner.
Auch Elise Reimarus jüngere Schwägerin Sophie, Tochter des Staatsrats Martin Hennings und Schwester des Aufklärers August Hennings, die allgemein nur „die Doktorin“ genannt wurde, war dem aufklärerischen Gedankengut von Vernunft und Toleranz verpflichtet. „Hier kommt und geht, wer will, und denkt auch, was er will, und sagt es ziemlich dreist, und niemand kümmert sich darum“, beschrieb sie einmal ihren Theetisch, an dem Offenheit, Heiterkeit und Herzlichkeit sowie ein ganz auf geistige Genüsse gerichteter Sinn herrschte. Die Hamburger Caspar Voght, Johann Georg Büsch, Friedrich Gottlieb Klopstock und Gotthold Ephraim Lessing in seiner Hamburger Zeit gingen hier ebenso ein und aus wie durch Hamburg reisende Gelehrte und Schriftsteller wie Adolph Freiherr von Knigge, Karl Leonhard Reinhold oder Karl August Böttiger. Sophie Reimarus wurde von ihren Zeitgenossen als geistvolle und lebhafte Gesprächspartnerin beschrieben. Wilhelm von Humboldt rühmte 1796 in seinem Reisetagebuch ihren „in hohem Grade gebildeten Verstand, und eine sehr angenehme und heitere Laune im Umgang“ und notierte weiter: „Sie soll ein außerordentliches Talent zu der leichten Gattung des Stils haben, und über die Vortrefflichkeit ihrer Briefe herrscht nur eine Stimme.“ Ein Blick in ihre Briefe an den Bruder August Hennings bestätigt das. Es sind gescheite und schlicht formulierte Dokumente ihrer Gedanken zu Politik, Philosophie und Literatur. In ihren Berichten von den Teegesellschaften zeichnet sie lebendige Portraits der Besucher.
Einer der Besucher war Karl Friedrich Reinhard, Gesandter der französischen Republik bei den Hansestädten, später Graf und Freund Goethes. Er heiratete 1786 Sophie und Johann Heinrich Reimarus’ Tochter Christine (1771–1815), „zuverlässig eines der gebildesten Mädchen Deutschlands“, das einen umfänglichen Briefwechsel mit Wilhelm von Humboldt führte.
Seit 1902 gibt es in der Hamburger Neustadt die Reimarusstraße, benannt nach den Professoren am Hamburger Akademischen Gymnasium Hermann Samuel Reimarus und dessen Sohn Dr. Johann Albert Reimarus. 2002/2002 ergänzt um die ebenso bedeutende Tochter und Schwester Elise Reimarus. 2001 beschloss der Senat auf Initiative von Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung und des damaligen Senatsamtes für Bezirksangelegenheiten, bei einer Gruppe von 14 Straßen- und Wegenamen die an den Straßenschildern angebrachten Erläuterungen zu den Namensgebern um Informationen zu deren Ehefrauen oder weiblichen Verwandten zu ergänzen, wenn diese ebenfalls Herausragendes geleistet hatten und denselben Nachnamen tragen.
Text: Brita Reimers
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: November 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand November 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2019: Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf,
Dora Wenneker-Iven

Februar 2019: Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens

März 2019: Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille

April 2019: Liselotte Strelow, Ruth Held

Mai 2019: Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke

Juni 2019: pro familia, Celly de Rheidt

Juli 2019: Rosa Bartl

September 2019: Mabel Wulff

Oktober 2019: Annelinde Töpel

November 2019: Betty Heine, geb. Goldschmidt

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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Ansprechpartnerin Kontakt

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen? Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gern Kontakt auf:
Dr. Rita Bake
rita.bake@hamburg.de

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