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Frauenbios

Magda Hoppstock-Huth

( Magdalene (Magda) Hoppstock-Huth, geb. Huth )
(9.3.1881 Hamburg - 24.4.1959 Hamburg)
Lehrerin, Gründerin der Hamburg Gruppe der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF), Mitglied (SPD) der Ernannten Hamburgischen Bürgerschaft Februar bis Oktober 1946 und der Ersten frei gewählten Bürgerschaft nach dem Ende des Nationalsozialismus, Oktober 1946 bis Oktober 1949
Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756: Grab-Nr.: L 32, 419-421 bei Kapelle 10 (Grab)
Hamburger Rathaus, Rathausmarkt (Wirkungsstätte)
Armgartstraße 4 (Wohnadresse)
Magda Hoppstock-Huth, Foto: privat
Magda Hoppstock-Huth kam aus einer gut situierten bürgerlichen Familie (Kaufmannsfamilie). Nach der Ausbildung als Lehrerin verbrachte sie fünf Jahre in England und Frankreich, studierte in Bordeaux und arbeitete anschließend als Lehrerin.
Von ihren Eltern waren Magda Hoppstock-Huth und ihre Geschwister im Geiste der Völkerfreundschaft erzogen worden. Besonders der Vater, ein überzeugter Pazifist, prägte in diesem Sinne seine Kinder. Als Magda Hoppstock-Huth ihre zwei Brüder durch den Ersten Weltkrieg verlor, entschloss sie sich aktiv als Pazifistin einzusetzen. Sie schloss sich dem deutschen Frauenausschuss für dauernden Frieden an. Zu diesem Zeitpunkt war Magda Hoppstock-Huth bereits seit 1908 mit dem Amtsrichter Hoppstock verheiratet und lebte mit ihm und ihren zwei Kindern in Mitteldeutschland, wo sie auch als Abgeordnete der Unabhängigen Arbeiterpartei aufgestellt wurde. Ihre Tätigkeit als Lehrerin hatte sie nach der Heirat und der Geburt ihrer Kinder aufgeben müssen.
Als Ehefrau und Mutter stellte Magda Hoppstock-Huth einen Großteil ihrer Kraft der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF), die im Juni 1919 aus dem Frauenausschuss für dauernden Frieden entstanden war, zur Verfügung. Magda Hoppstock-Huth wurde 1919 Gründerin und langjährige erste Vorsitzende der Hamburger Ortsgruppe der IFFF, gehörte von 1925 bis 1933 der Leitung der deutschen Sektion der IFFF an und war darüber hinaus von 1945 bis 1959 deren Präsidentin.
Das Ziel der IFFF, die ca. 80 Arbeitsgemeinschaften hatte und zu deren Hauptvertreterinnen Dr. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann gehörten, war: „die vollständige und allgemeine Abrüstung zu Lande, zu See und in der Luft, die Abschaffung der Hungerblockade und des Mißbrauchs der Wissenschaft zu zerstörenden Zwecken, (...) die soziale, politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung für alle ohne Unterschied von Geschlecht, Rasse, Stand und Glaubensbekenntnis. Moralische Abrüstung durch Erziehung im Geiste menschlicher Einigkeit und Durchführung sozialer Gerechtigkeit". [1] Mit ihrer Zielsetzung gehörten die Mitglieder der IFFF zu den radikalen Frauen der bürgerlichen Frauenbewegung. Magda Hoppstock-Huth, die sich als „Internationalistin aus innerstem Wesen" bezeichnete, wurde die Vorsitzende der IFFF und kam 1920 in dieser Funktion zurück nach Hamburg.
„1931 war die IFFF in 99 deutschen Städten durch Gruppen vertreten. Im Vergleich zum 'Bund Deutscher Frauen' war ihr Masseneinfluß zwar gering, aber ihre Mitstreiterinnen - überwiegend Frauen aus den bürgerlichen Mittelschichten, von denen viele eine akademische Ausbildung hatten - versuchten, die fehlende Quantität durch ein effektives Engagement auszugleichen. Die IFFF gehörte in den letzten Jahren der Weimarer Republik zu den Organisationen, die vor der Gefahr des Nationalsozialismus mit der Parole: `Hitler bedeutet Krieg` warnten." [2]
1928 ließ sich das Ehepaar Hoppstock im gegenseitigen Einvernehmen scheiden. 1933, nach eingeleitetem Hochverratsverfahren gegen Magda Hoppstock-Huth, emigrierte die 43-Jährige nach England, wo auch ihre Tochter lebte. Von dort nahm sie gemeinsam mit anderen im Exil lebenden Mitstreiterinnen der IFFF den antifaschistischen Kampf auf, veröffentlichte mit ihnen Aufrufe und Manifeste, nahm an internationalen Konferenzen teil. 1938 folgte Magda Hoppstock-Huth ihrer Tochter, die 1935 nach Südafrika ausgewandert war.
Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zwangen sie familiäre Gründe nach Deutschland zurückzukehren. Sie zog nach Hamburg, weil sie in der Nähe ihres Sohnes sein wollte.
Während des NS-Regimes stellten sich die IFFF-Frauen die Frage, ob es in dieser Zeit noch gerechtfertigt sei, an ihren Prinzipien festzuhalten und sich konsequent für den Frieden einzusetzen. Magda Hoppstock-Huth kam 1944 zu folgender Auffassung: „Als bedingungslose Pazifistin würden wir den vom Faschismus überfallenen und um ihre nationale Unabhängigkeit kämpfenden Völkern in den Rücken fallen. Die Kriegsbrandstifter müssen bis zur völligen Vernichtung geschlagen werden." [3]
Magda Hoppstock-Huth begab sich in den deutschen Widerstand. Obwohl sie von der Gestapo überwacht wurde, traf sie sich weiterhin mit einem kleinen Kreis ihrer Mitstreiterinnen aus der Frauenliga, die versuchten, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verstecken oder sonstige Hilfe zu leisten.
Am 31. Mai 1944 wurde Magda Hoppstock-Huth verhaftet und des Hochverrats angeklagt. Ein Spitzel hatte sie verraten. Gertrud Meyer, die 1944 einige Monate mit Magda Hoppstock-Huth in einer Zelle der Gestapohaftanstalt Hamburg Fuhlsbüttel gesessen hatte, berichtete über die Zeit der Haft: „Bei aller Brutalität, mit der man versuchte, ihr Namen von Mitgliedern des Freundeskreises herauszupressen, blieb sie, ohne zu schwanken und in gewohnter Souveränität, Herr der Situation. (...) Magda Hoppstock-Huth gelang es, trotz einiger `handgreiflicher Verhöre`, alle Freundinnen abzudecken und weitere Verhaftungen zu verhindern. Bei aller Düsternis, die sie durch das schwere Schicksal mancher ihrer Mitgefangenen miterlebte, halfen ihr ihr großes Einfühlungsvermögen, ihr Optimismus und ihr Humor über manche schwere Situation hinweg. Manchmal kritzelte sie mit ihrer Haarnadel auch Gedichte an die Wand. Später erklärte sie einmal, daß diese Haft eines ihrer schwersten aber auch größten Erlebnisse gewesen sei, ohne die sie niemals die Stärke der Solidarität wie sie sich hier besonders unter den Frauen der Arbeiterschaft bewährte, kennengelernt hätte." 4) Der Todesstrafe entkam Magda Hoppstock-Huth nur dadurch, weil die einmarschierenden britischen Alliierten sie im Mai 1945 aus der Gestapohaft in Fuhlsbüttel befreiten.
Nach Kriegsende nahm Magda Hoppstock-Huth ihre Tätigkeit in der IFFF wieder auf und wurde als deren Vertreterin im Februar 1946 Mitglied der von der britischen Militärregierung Ernannten Bürgerschaft. Im Juli 1946 trat sie der SPD bei, für die sie von Oktober 1946 bis Oktober 1949 in der Hamburgischen Bürgerschaft tätig war. 1946 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Hamburger Frauenringes e.V. und war Mitglied im Vorstand des Frauen-Ausschuss Hamburg e.V.
Am 24. April 1959 starb Magda Hoppstock-Huth nach langer schwerer Krankheit.
Text: Rita Bake
Quellen:
1 Karen Hagemann, Jan Kolossa: Gleiche Rechte – Gleiche Pflichten? Der Frauenkampf für „staatsbürgerliche“ Gleichberechtigung. Hamburg 1990, S139.
2 Ebenda.
3 Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933-1945. Frankfurt a.M. 1969.
4 Ebenda.
Vgl. auch: Ansprache von Anna Rieper anläßlich des Todes von Magda Hoppstock-Huth auf der Jahresmitgliederversammlung der IFFF Hamburg im September 1959. In: IFFF, Nachlaß Magda Hoppstock-Huth.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

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Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
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Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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