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Frauenbios

Clémence Budow

(25.11.1908 Riga – 10.5.1995 Hamburg )
Frauenrechtlerin, Politikerin des Hamburg Block/DP
Rothenbaumchaussee: NDR Hörfunk (Wirkungsstätte)
Hamburger Rathaus, Rathausmarkt (Wirkungsstätte)
Hermann-Behn-Weg 2 (Wohnadresses)
Clémence Budow; Quelle: privat
„Ich bin für die Politik als Akteurin nicht geschaffen. Ich habe ein zu ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, als dass ich für einen politischen Kampf geeignet bin. Es würde mir stets sehr schwerfallen, für etwas einzutreten, wovon ich nicht überzeugt bin, das die Partei aber verlangt“, erklärte Clémence Budow in einem Interview, welches sie Rita Bake und Birgit Kiupel in ihrer Wohnung im Hermann-Behn-Weg gab.
Dennoch saß Clémence Budow von 1953 bis 1957 für den Hamburg Block als Abgeordnete in der Hamburgischen Bürgerschaft. Ihr politischer Werdegang war eng verknüpft mit ihren Erfahrungen im Berufs- und Privatleben. „Mein politisches Leben begann Anfang der 30-er Jahre mit meiner Laufbahn als Privatsekretärin beim ersten Hamburger Rundfunkintendanten Hans Bodenstedt.“ Als er bei den Nazis in Ungnade fiel und seine Position verlor, stellte sein Schwager Clémence Budow bei sich ein. Er besaß die Verlagsrechte der „Hausfrauenzeitung“, die von den Hausfrauenverbänden Hamburg, Bremen, Mecklenburg und Lübeck herausgegeben wurde. Doch schon bald wurden die Hausfrauenverbände aufgelöst, und Clémence Budow musste sich einen neuen Wirkungskreis suchen. Sie begann Bunte Nachmittage zu organisieren. Ihre Klientel waren hauptsächlich die ehemaligen Mitglieder der Hausfrauenverbände. Die Bunten Nachmittage fanden im Deutschlandhaus in der Dammtorstraße statt, finanziert wurde alles durch Werbevorträge für Markenartikelfirmen. Einen ihrer Vertreter – den Chef der Hamburg Vertretung für Rosenthalporzellan – heiratete Clémence Budow. „Da war ich gar nicht mehr so jung – so ungefähr um die 30 Jahre alt.“ Sie gab ihre Arbeit auf und wollte nur noch Hausfrau sein. Doch das Arbeitsamt zwang sie, eine der ihr angebotenen fünf Stellen zu nehmen – „alles Parteidienststellen“ (der NSDAP). „Mein Mann diktierte, dass ich zur NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) zu gehen hätte, da sei ich bei ‚Mutter und Kind‘ am besten aufgehoben.“ So wurde Clémence Budow als Fürsorgerin auf dem Hamburger Hauptbahnhof eingestellt. Die NSV war mit „17 Mio. Mitgliedern (1943) nach der Dt. Arbeitsfront die größte (…) NS-Massenorganisation.(…) Ihren Anspruch auf Monopolisierung der gesamten freien und öffentlichen Wohlfahrt konnte die N. zwar nicht realisieren, doch gelang es ihr, die in der freien Wohlfahrtspflege tätigen Verbände zurückzudrängen bzw. gleichzuschalten (…). Angesichts der ihr zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel (Mitgliedsbeiträge, Spenden, staatliche Zuwendungen) war es ihr n möglich, in alle Bereiche der Wohlfahrt zu expandieren (…). Aufgrund ihrer scheinbaren Ideologieferne war die Arbeit der N. populär und die Mitgliedschaft erschien auch für diejenigen, die dem Regime eher zögernd oder kritisch gegenüberstanden, aber aus Opportunitätsgründen in eine Parteiorganisation eintreten wollten, akzeptabel. Tatsächlich war die Arbeit der N. von rasse- und erbbiologischen Selektionskriterien bestimmt (…).“ [1] 1937 trat Clémence Budow der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4229815). Dies konnte aus den Akten, die sich im Bundesarchiv befinden, ermittelt werden. (BArch (Bundesarchiv) R 9361-IX Kartei 4961189)
Ihr Mann zog an die Front und wurde als Soldat getötet.
Nach Kriegsende erhielt sie, so erzählte sie weiter, wegen ihrer Arbeit für die NSV keine Anstellung bei der Sozialbehörde. An dem Tag, als sie, die abschlägige Antwort in der Hand, das Bieberhaus am Hamburger Hauptbahnhof verließ, in dem die Sozialbehörde untergebracht war, sprachen sie auf dem Bahnhofsvorplatz einige Männer an. Diese ehemaligen Soldaten erinnerten sich an Clémence Budow, wie sie ihnen auf dem Hauptbahnhof als Letzte nachgewunken hatte, als sie an die Front fahren mussten. „Frau Budow, Sie wissen doch, dass wir Soldaten nicht alle Verbrecher waren. Kommen Sie zu uns zur Deutschen Partei (DP). Helfen Sie uns, dass wir alle wieder rehabilitiert werden.“ (Interview mit Clemence Budow) Und das tat Clémence Budow. Sie übernahm bei der DP das Frauenreferat, zog 1953 in den Wahlkampf, wurde Abgeordnete der DP im Hamburg Block und bekam 1954 eine Anstellung in der Freien Wohlfahrtspflege. Sie wurde Leiterin der Fürsorgeabteilung und des Jugenderholungswerkes der Deutschen Hilfsgemeinschaft Hamburg. „Ich hatte das Glück, dass sich meine beruflichen Aufgaben mit meinen politischen und sozialen Ambitionen ergänzten.“ So „habe ich weitgehend das Jugenderholungswerk auf die Beine gestellt und auch die Mittel dafür in der Bürgerschaft eingeworben.“ Nach ihrer Abgeordnetenzeit war sie von 1961 bis 1973 Referentin für die Öffentlichkeitsarbeit im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Hamburg. Hier beschäftigte sie sich eingehend mit den Frauengräbern auf Soldatenfriedhöfen. In dem Interview sagte sie dazu: „Die Menschen wissen gar nicht, wie viel Frauengräber es auf den deutschen Kriegsfriedhöfen im Ausland gibt. Ich ließ früher in der Kriegsgräberfürsorge Listen anfertigen von den deutschen Friedhöfen, wo Frauengräber sind. (...) Auf den vielen Soldatengräbern lagen Blumen von Angehörigen. Aber bei den Frauengräbern waren keine Angehörigen gewesen. Solange ich bei der Kriegsgräberfürsorge war (...), nie erlebte ich in der Dienststelle, dass nach einem Frauengrab geforscht wurde. Die Frauen waren vergessen. Meistens sind es ledige Frauen, die im Ausland begraben sind. Aber auch die Geschwister und Eltern kümmerten sich nicht um die Gräber. Die Familienangehörigen trauern wohl. Aber die Familie empfindet den Verlust einer Frau nicht so stark – immer im allgemeinen gesprochen – und deswegen bin ich so sehr gegen ‚Frauen in der Bundeswehr‘.“ Clémence Budow engagierte sich für Fraueninteressen und war Mitbegründerin der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen (ahf). Sie erhielt viele Auszeichnungen, so die Goldene Nadel und andere Ehrungen des Verbandes der Heimkehrer, die Goldene Nadel vom Reichsbund der Kriegsopfer, die Ehrennadel vom Verband der weiblichen Arbeitnehmer, das Bundesverdienstkreuz am Bande, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und die Ehrennadel der Hamburger Frauenorganisationen.
Text: Rita Bake
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juli 2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Juli 2020: 1179 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan, Beate Hasenau, Elfriede Kneiphoff, Johanna Harry, Recha Lübke, Helene Flörsheim, Catharina Goldenstede, Elsa Friede, Julie Gayen

März 2020: Theodore von Axen, Betty Francken, Elisabeth Rosenkranz, Senta Dohme, Gesa Schneider, Vilma Prochownik

April 2020: Hygieia-Brunnen, Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Verein Heim für junge Mädchen, Siechenhaus Salem, Wohnhaus für Frauen, Witwenkommission der Exekutive des Notstandskomitees, Mädchenherberge, Häuslicher Hilfsdienst des Bundes Hamburgischer Hausfrauen, Eva Lessing, Hild Lennartz, Dörte Helm, Gertrud Weiberlen, Paula Gans, Elisabeth Schultz, Bernhardine Romberg, Johanna Christine Henriette Müller, Hökerinnen, Hamburgische Bürgerschaft, Diakonissenheim am St. Anscharplatz, Stadttheater, Gänsemarktoper, Comödienhaus, Pranger, Fronerei

Mai 2020: Dorothea Buck, Allgemeine Armenanstalt, Fürsorge für sittlich gefährdete Frauen und Mädchen, Weibliche Kriminalpolizei, Thalia Theater, Trostbrücke, Altes Rathaus, St. Jakobi Kirche, Evakatrin Sieveking, Wöchnerinnenheim in Hamburg, Toni Engel; Marion Pein, Maria Gleiss, Elke Acimovic, Elke Thomas, Irene Knickrehm, Spinnschule, Zeichenschule für Mädchen, Mädchenfortbildungsschule, Elisabeth Meyer, Mieken Rieck, Gerhild Halfmeier, Miriam Gilles-Carlebach; Grete Albrecht; Lucille Eichengreen

Juni 2020: Grete Albrecht, Charlotte Thiede Eisler-Rodewald, Hannelore Borchers, Eleonara Witonska, Cilly Levisohn, Gerda Freise

Juli 2020: Hannelore-Maria Santl

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2543 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

Danke für Ihr Interesse!

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Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen? Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gern Kontakt auf:
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