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Frauenbios

Anna Eva Sussmann

( Anna Eva Sussmann (-Ludwig), geb. Bernheim )
(17.10.1863 in Braunschweig - Suizid am 2.4.1942 in Hamburg)
Redakteurin, Autorin, Übersetzerin
Lenhartzstraße 10 (Wohnadresse) Stolperstein
Anna Eva Sussmann 1906, Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Anna Sussmann stammte aus Braunschweig. Ihre Eltern, der Kaufmann Luis Bernheim und seine Ehefrau Mary, geb. Ascher, hatten ihr eine sehr gute, breitgefächerte Bildung zukommen lassen. Im Alter von 21 Jahren wurde sie mit dem Hamburger Versicherungsmakler Siegfried Sussmann vermählt, dessen Vater Joseph (1807 Altona – 1880 Hamburg) ebenfalls eine geborene Bernheim (Sophie, 1824 Salzgitter – 1897 Hamburg) geheiratet hatte. Am 15. Januar 1886 wurde ihre Tochter Paula, am 30. Dezember 1887 ihr Sohn John geboren.
Neben der Erziehung ihrer Kinder widmete sich Anna Sussmann ihren literarischen Neigungen. Sie schrieb – unter dem Namen Anna Sussmann-Ludwig sowie den Pseudonymen Paul Ludwig und Luis Eva – Beiträge für das Feuilleton größerer Zeitungen, insbesondere über Bildende Kunst und Literatur, und war als Übersetzerin von Novellen und Romanen aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen tätig. Sie unternahm – meist mit ihrer Tochter Paula – zahlreiche Reisen nach Italien, Norwegen, Schottland und Island sowie in sämtliche nordeuropäische Hauptstädte und gab ihre Eindrücke in Reisebriefen und -beschreibungen wieder. Am 1. Oktober 1899 übernahm sie die Redaktion der „Illustrirte Villen-Zeitung (Hamburger Chronik.)“, einer Zeitschrift, die sich mit Fotos von Villen, Beiträgen zur Villen- und Landschaftsarchitektur, Fortsetzungsromanen und Menüvorschlägen an die Villenbesitzer Hamburgs und seiner Umgebung wandte. Unter ihrer einjährigen Leitung öffnete sich die Zeitung, die seit April 1890 „Illustrirte Hamburger Chronik (Villen-Zeitung)“ hieß, für gesellschaftspolitische Themen und Meldungen. Schon in der ersten von ihr verantworteten Ausgabe erschien ein Beitrag „Zur Frauenbewegung“, den sie vermutlich selbst verfasst hatte. Denn sie war eine enge Mitarbeiterin von Julie Eichholz (1852-1918), die als Vorsitzende der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (1900-1904) und des Verbandes Norddeutscher Frauenvereine (1902-1912) zu den führenden Persönlichkeiten der Hamburger Frauenbewegung gehörte. In den von Julie Eichholz gegründeten Abteilungen bzw. Vereinen für „Rechtsschutz“ und „Stellenvermittlung“ (von weiblichem Hauspersonal) hatte Anna Sussmann maßgebliche Funktionen inne. An der „Hamburger Frauen-Zeitung“, die seit 1909 als Organ des aus der „Stellenvermittlung“ hervorgegangenen „Hamburger Hausfrauen Verein“ erschien, wirkte sie redaktionell und durch eigene Beiträge mit.
Anna und Siegfried Sussmanns Sohn John, der wie sein Vater Kaufmann geworden war, fiel im Alter von 27 Jahren am 23. März 1915 im Ersten Weltkrieg. Ihre Tochter Paula hatte 1906 die Zugangsberechtigung zur Universität aufgrund von speziell für Mädchen eingerichteten Realgymnasialkursen erworben und anschließend Medizin in Heidelberg, München und Berlin studiert. Nach der Promotion im September 1911 an der Universität Heidelberg erhielt sie am 10. Juni 1912 ihre Approbation. Im August 1912 heiratete sie den Arzt Fritz Tobias, mit dem sie eine Arztpraxis im Weserbergland aufbaute.
Im April 1915 zog das Ehepaar Sussmann in den I. Stock des Hauses Lenhartzstraße 10. Nach dem Tod von Siegfried Sussmann am 16. Mai 1916 wechselte Anna Sussmann in eine kleinere Wohnung im IV. Stock desselben Hauses. Nachdem ihr Wertpapiervermögen, von dessen Erträgen sie lebte, durch die Judenvermögensabgabe erheblich gemindert war, wohnte sie seit 1939 in rascher Folge in mehreren Wohnungen und Pensionen zur Untermiete, zuletzt (seit dem 6. März 1940) in der Haynstraße 10 bei Martha Derenberg. Anna Sussmann vergiftete sich in der Nacht vom 30. auf den 31. März 1942 mit Schlafmitteln und starb nach Überführung in das Jüdische Krankenhaus am 2. April 1942. Ihre Vermieterin sagte gegenüber der Kriminalpolizei aus: „Es ging der Sussmann gesundheitlich und auch wirtschaftlich ganz gut. Als sie aber hörte, daß sie evakuiert werden sollte, konnte sie sich damit nicht abfinden. Einer Bekannten gegenüber hat sie sich geäußert, daß sie sich das Leben nehmen würde.“ Drei Wochen vor ihrem Suizid hatte Anna Sussmann ein Testament errichtet und darin den Jüdischen Religionsverband als Erbe eingesetzt.
Ihre Tochter Paula emigrierte mit ihrem Mann Fritz Tobias 1935 in die USA. Die Ehe wurde 1945 geschieden. Während ihr Mann wieder als Arzt tätig werden konnte, arbeitete Paula Tobias ab 1944 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1956 als Krankenschwester in einem Sanatorium in Kalifornien. Sie starb 1970.
Text: Heiko Morisse, unter: www.stolpersteine-hamburg.de
Quellen:
1, 4, 5, 8; StaH 341-15 Oberfinanzpräsident-Devisen- und Vermögensverwertungsstelle, R 1939/2610; StaH 331-5 Polizeibehörde-unnatürliche Sterbefälle, 3 Akte 1942/541; Pataky, Lexikon, II. Band, 1898, S. 350; Kürschners Deutscher Literaturkalender 1900-1915; Heinsohn, Politik und Geschlecht, 1997, S. 187, 239; Lohfeld, Im Dazwischen, 2003.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen unter www.stolpersteine-hamburg.de.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juli 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Juli 2021: 1251 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2694 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 442 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: Mai 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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