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Frauenbios

Charlotte Unzer

( Johanna Charlotte Unzer )
(27.11.1725 Halle an der Saale – 29.1.1782 Altona)
Dichterin
Mühlenstraße in Altona, heute = Govertsweg (Wohnadresse)
Namensgeberin für: Unzerstraße in Altona seit 1867. Auch benannt nach ihrem Ehemann Johann August Unzer (Arzt und Schriftsteller), Heinrich Friedrich Unzer, Neffe von Johann Christoph Unzer und ebenfalls Arzt und Schriftsteller, der mit der Schauspielerin Dorothea Ackermann verheiratet gewesen war und Heinrich Friedrich Unzer
Charlotte Unzer, Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Charlotte Unzer wurde in Halle an der Saale als Tochter des Organisten und Musikdirektors Johann Gotthilf Ziegler und seiner Frau Anna Elisabeth, geb. Krüger geboren. 1747 starb der Vater. Nach dem Tod ihrer Mutter heiratete Charlotte Ziegler 1751 den Arzt Johann August Unzer. Die beiden kannten sich von Kindheit an. Johann August, ebenfalls aus Halle stammend und 1750 nach Hamburg und im selben Jahr noch nach Altona gezogen, wo er sich als praktischer Arzt und Psychologe niederließ, hatte bei Charlottes Vater Musikunterricht erhalten.
Noch im Jahr ihrer Heirat veröffentlichte Charlotte Unzer unter ihrem Namen und mit einem Vorwort ihres Onkels Johann Gottlob Krüger ihr Werk „Grundriss einer Weltweisheit für das Frauenzimmer“.
Das Ehepaar bekam Zwillinge. Diese starben jedoch kurz nach der Geburt.
Zu ihrem 13. Hochzeitstag widmete ihr Mann ihr ein zärtliches Gedicht: „Schon dreyzehn Jahre sind vergangen. Da Dich mein Arm zuerst umfing. Da ich mit zärtlichem Verlangen an Deinem treuen Busen hing (…).“
Charlotte Unzer war eine Vertreterin der Aufklärung, setzte sich für Frauenbildung ein, durchschaute die patriarchalen Mechanismen ihrer Zeit und wollte mit ihren Schriften die damalige Philosophie einem breiten – nicht nur gelehrten – Publikum, besonders aber den Frauen, zugänglich machen. Sie verstand die Philosophie als „Weltweisheit“. Ganz im Sinne der Aufklärung sollten alle von ihr partizipieren dürfen.
Charlotte Unzer beklagte die Einschränkung der weiblichen Bildung, kritisierte die „eingeschränkte“ Lage der Frau als Dichterin, die nach langläufiger Meinung nur in „erhabener Art“ dichten sollte. Damals wurde von den schriftstellerisch tätigen und dichtenden Frauen ein zärtlicher, rührender und ergebener Ton verlangt. Witzige und ironische Töne waren das Privileg einer männlichen Schreibweise. [1] Verstießen dichtende Frauen gegen dieses patriarchale Diktat, waren sie dem Spott und den abfälligen Urteilen der sich als Kenner der literarischen Materie ausgebenden dichtenden Männer ausgesetzt. Charlotte Unzer versuchte deshalb in ihrer anonym herausgegebenen Schrift „Versuch in Scherzgedichten“ den Kritikern mit einer vorrangehenden, verteidigenden „Vorerinnerung“ den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie schreibt: „Ich würde wegen dieser Gedichte gar nichts zu erinnern haben, wenn ich nicht ein Frauenzimmer wäre. Eine Mannsperson hat die Freyheit, von Liebe und Weine zu scherzen, ohne befürchten zu dürfen, dass man es ihm übel auslegen werde. Unser Geschlecht ist hierinnen weit mehr eingeschränkt: und ich sehe es für ganz nothwendig an, mir hier eine Vertheidigung im voraus zu machen.“
Charlotte Unzer rebellierte gegen das Diktat der Männer, Frauen dürften nicht witzig, und scherzhaft-ironisch schreiben: „(…) so sehe ich nicht ab, warum unser Geschlecht diese Sprache nicht eben so sollte reden dürfen, als sie Mannspersonen reden“. [2]
Unter dem Begriff Witz wurden im 18. Jahrhundert sinnreiche und kluge Einfälle, die auch Spott beinhalten können, verstanden. So die Welt zu erklären oder über sie zu schreiben sollte – wenn es nach den Männern ging – für Frauen tabu sein. Und so strafte der Dichter und Philosoph Christoph Martin Wieland auch die gegen diese patriarchalen Regeln aufbegehrende Charlotte Unzer mit, wie er sagte, „Gleichgültigkeit“. Sie war es in seinen Augen nicht wert, dass mann sich mit ihren Werken beschäftigte.
Als Charlotte mit den Jahren immer fülliger wurde, nutzte Wieland diesen Umstand, um sie bloßzustellen und machte sie 1771 in seiner komisch-satirischen Dichtung „Der neue Amadis“ zur Zielscheibe seines Spottes. Doch Charlotte Unzer ließ sich davon nicht beeindrucken bzw. erschüttern. Sie war Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaften in Helmstedt und Göttingen und erhielt 1753 den kaiserlich privilegierten Titel einer Poeta laureata verliehen.
Selbst noch gut hundert Jahre nach Charlotte Unzers Ableben wurden ihre Werke und ihre teilweise recht anzüglichen Gedichte, die jedoch alle ein großes positives Echo unter der Leserinnenschaft fanden, kritisiert. Ganz dem patriarchalen Frauenbild folgend, verriss 1895 die als erstrangiges Nachschlagewerk geltende Allgemeine Deutsche Biographie (ADB) in ihrem 39. Band das literarische Schaffen Charlotte Unzers: „Bei jeder geschlossenen Gedankenreihe wird’s der Verfasserin unbehaglich; die ‚mathematische‘ Methode Wolff’s, überhaupt das abstracte Denken, überläßt sie getrost ‚den allerdüstersten Männern‘; sie greift statt zu strengen Beweisen lieber zu hübschen Geschichten aus dem Spectator (…). Griechisch und Latein kann sie nicht; Baumgarten’s Metaphysik hat ihr ein guter Freund übersetzt; den Ixion verwechselt sie mit dem Prometheuse (…). Diese harmlose Unwissenheit hindert sie nicht, über Plato’s Ideenlehre (…) kritisch oder scherzend sich aufzuhalten. Aber solche Unbescheidenheit steht ihr, eben weil sie naiv frauenzimmerlich auftritt. (…) Von eigenen Gedanken ist natürlich nicht die Rede, an groben, auch logischen Schnitzern fehlts nicht. Aber das Ganze plaudert so unschuldig fröhlich dahin, daß mans sich gern gefallen läßt. Leider machte der Erfolg unserer gelehrten Freundin den Kamm schwellen. In ihrem ‚Grundriß einer Natürlichen Historie und eigentlichen Naturlehre für das Frauenzimmer‘ (Halle 1751), den sie nun schon ohne Onkel Krüger’s Hilfe herausgibt, will sie bereits eine Lehrerin ihres Geschlechts werden. (…) Die U. hält es (…) für ihr Menschenrecht, gleich den Männern von Wein und Liebe zu singen (…). Sie befehdet Gleim grollend, weil er alle Mädchen für Puppen erklärt hat, (…), ja sie lehrt: ‚Lernet mit den Männern zechen!‘ (…).“
Als Charlotte Unzer 1782 in Altona mit erst 57 Jahren starb, wurde sie allenthalben tief betrauert.
Text: Rita Bake
Quellen:
1 Isabelle Stauffer: Weibliche Dandys, blickmächtige femmes fragiles. Ironische Inszenierungen des Geschlechts im Fin de Siècle. Köln 2008, S. 52-
2 Ebenda.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: April 2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand April 2020: 1147 Kurzprofile von Frauen und 407 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan, Beate Hasenau, Elfriede Kneiphoff, Johanna Harry, Recha Lübke, Helene Flörsheim, Catharina Goldenstede, Elsa Friede, Julie Gayen

März 2020: Theodore von Axen, Betty Francken, Elisabeth Rosenkranz, Senta Dohme, Gesa Schneider, Vilma Prochownik

April 2020: Hygieia-Brunnen, Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Verein Heim für junge Mädchen, Siechenhaus Salem, Wohnhaus für Frauen, Witwenkommission der Exekutive des Notstandskomitees, Mädchenherberge, Häuslicher Hilfsdienst des Bundes Hamburgischer Hausfrauen

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

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Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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