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Henriette Arndt

(geb. am 13.5.1892 in Regenwalde/Pommern - deportiert nach Lodz am 25.10.1941)
Lehrerin
Semperstraße 67 (Wohnadresse) Stolperstein
Alter Teichweg 200 (Schule) Stolperstein
Mädchenschule Graudenzer Weg 34 (Wirkungsstätte)
Lutterothstraße 34/35, Schule (Wirkungsstätte)
"Also sie war sehr Mensch", erinnert sich ein ehemaliger Schüler an seine Lehrerin Henriette Arndt in den Jahren 1936 bis 1938. Sie habe Kinder geliebt, gleichzeitig sei sie jedoch auch sehr streng gewesen, mehr noch: "Sie konnte sehr böse werden." Was wie eine ganz gewöhnliche Erinnerung an eine Lehrerin früherer Tage klingt, lässt doch schon die seelische Belastung erahnen, unter der Henriette Arndt in der Zeit der Verfolgung seit 1933 gestanden haben muss, denn ehemalige Schülerinnen aus den Jahren zuvor erinnern sich nur an die liebevolle und herzliche Lehrerin, die auch außerhalb des Unterrichts für ihre Schüler stets ansprechbar gewesen sei.
Henriette Arndt wurde am 13. Mai 1892 in Regenwalde/Pommern (heute: Resko) geboren. Zwei Schwestern starben früh. Ihr Vater, Georg Arndt, war Arzt. Ihre Mutter, Rosa Arndt, geb. Lichtenstein, starb bereits 1896. Henriette Arndt hatte noch eine ältere Schwester, Helene, sowie zwei Brüder. Leopold Felix Ernst, der ältere, praktizierte später, wie schon der Vater, als Arzt in Regenwalde. Der jüngere, Georg, studierte Jura und ließ sich als Rechtsanwalt nieder. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Henriette Arndts Vater in zweiter Ehe Luise Arndt, geb. Rudolphsohn, die Henriette Arndt später als ihre Mutter bezeichnete. Der Vater starb 1932, seine Frau Luise Anfang 1941. Auch Henriette Arndts Brüder wurden während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, sie überlebten diese Zeit jedoch. Georg wanderte nach Palästina aus, nahm zwischenzeitlich die israelische Staatsangehörigkeit an und lebte später in Berlin. Leopold gelangte nach Kriegsende als "Sowjetzonenflüchtling" nach Lübeck.
Henriette Arndt trug vorübergehend den Namen Henriette Kirchhoff. Ihre Ehe mit dem Kaufmann Friedrich Kirchhoff wurde wohl 1931 geschlossen, bald darauf jedoch annulliert. Danach nahm sie wieder ihren Geburtsnamen an.
Seit 1913 arbeitete Henriette Arndt als Lehrerin. Zwischen 1914 und 1933 war sie bei der Schulbehörde Hamburg beschäftigt und unterrichtete an verschiedenen Hamburger Schulen, zuletzt an der Mädchenschule Graudenzer Weg 34. Wie oben erwähnt, soll sie ein enges Verhältnis zu ihren Schülern gehabt haben, zumindest einen von ihnen nahm sie sogar einmal mit in die Ferien nach Regenwalde. Auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurde Henriette Arndt aus dem Staatsdienst entlassen. Bis Oktober 1933 erhielt sie noch Dienstbezüge, danach bis zu ihrer Deportation nach "Litzmannstadt" (Lodz) ein Ruhegehalt in Höhe der Hälfte ihrer bisherigen Bezüge.
Nach ihrer Entlassung aus dem Hamburger Schuldienst bewarb sich Henriette Arndt mehrfach, allerdings erfolglos, um eine Stellung an einer jüdischen Schule in Hamburg. Trotz der Sorgen um ihre eigene Existenz unterstützte sie ihren Bruder Georg bis 1939 finanziell und unterhielt auch ihre Mutter Luise. Nach und nach wurde ihr – unter anderem durch die Verpflichtung zur Zahlung der "Judenvermögensabgabe" – ihr gesamtes Vermögen entzogen, das sie teilweise von ihrem Vater geerbt hatte. Am 30. Januar 1940 war die sog. Sicherungsanordnung ergangen, aufgrund derer Henriette Arndt nicht mehr frei über ihre Vermögenswerte verfügen durfte. Ohne Genehmigung konnte sie, abgesehen von genau festgelegten Ausnahmen, über ihr Guthaben nur bis zu einem "Freibetrag" von 300 RM im Monat verfügen. Henriette Arndt beantragte wiederholt die Freigabe von Geld, um Geburtstagsgeschenke für ihre Familienangehörigen zu kaufen oder eine Reise nach Regenwalde zu finanzieren. Henriette Arndt wandte sich offensichtlich erst nach 1933 dem Judentum zu, dem sie wohl vorher nicht sonderlich verbunden gewesen war, obwohl ihre Breslauer Vorfahren mütterlicherseits religiöse Juden waren. Im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern hatte sich Henriette Arndt allerdings auch nicht taufen lassen. Seit dem 28. April 1933 bis zum Tag ihrer Deportation in das Getto Lodz war Henriette Arndt dann Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg.
Von 1936 bis 1938 leitete Henriette Arndt den sog. Blankeneser Schulzirkel, einen Ableger der jüdischen Schule in der Palmaille, Altona. Rahel Liebeschütz-Plaut und ihr Mann Hans Liebeschütz hatten ihn kurz zuvor ins Leben gerufen, nachdem den Kindern jüdischer Familien, unter anderem auch ihrem Sohn, der Besuch der "arischen" Schulen untersagt worden war. Sie stellten Räume in der Villa von Rahel Liebeschütz’ Mutter Adele Plaut, der "Villa Plaut", zur Verfügung. Dort unterrichtete Henriette Arndt auch Hebräisch, eine Sprache, die sie selbst eigens für diese Aufgabe erlernt hatte. Als Rahel Liebeschütz nach England emigriert war, versuchte sie vergeblich Henriette Arndt dorthin nachzuholen.
In den Jahren 1939 und 1940 lehrte Henriette Arndt dann an der jüdischen Volksschule der Israelitischen Gemeinde in Lübeck. Ihren Lebensunterhalt konnte sie mit ihrem Ruhegehalt und dem Einkommen aus dieser Tätigkeit jedoch nicht bestreiten, zumal die Fahrten nach Lübeck erhebliche Kosten verursachten. Ihre Lage verschlechterte sich weiter, als auch die Schule in Lübeck aufgelöst wurde und es ihr trotz Fürsprache zunächst nicht gelang, eine Anstellung in Hamburg zu finden. Zwischen dem 1. Oktober 1940 bis zu ihrer Deportation am 25. Oktober 1941 war sie dann an der "Volks- und Höheren Schule für Juden" angestellt. Ab Juni 1941 unterrichtete sie dort, wie andere Kollegen auch, trotz Kündigung unentgeltlich weiter. Wie ihre Kollegen musste sie ab dem 19. September 1941 den "Judenstern" tragen.
Henriette Arndt wurde am 25. Oktober 1941 auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Hamburg, mit dem ersten Transport Hamburger Juden in das Getto Lodz deportiert. Zuvor hatte sie den "Evakuierungsbefehl" erhalten. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt, und sie musste sich am Morgen an der "Sammelstelle", dem Haus der Provinzialloge in der Moorweidenstraße 36, einfinden. Von dort wurde sie mit 1033 anderen Menschen zum Hannoverschen Bahnhof gebracht, von wo aus die Züge abfuhren. Die Adresse von Henriette Arndt im Getto Lodz lautete Rauchgasse 25, Wohnung 17; dort war sie mit zwölf anderen Personen zusammen in einem Zimmer mit einer Küche untergebracht.
Eine Kollegin, die mit ihr an den Schulen Lutterothstraße 36 und Graudenzer Weg 34 unterrichtet und zeitweise mit ihr zusammengewohnt hatte, erinnerte sich, dass Anfang Mai 1942 die an Henriette Arndt gerichtete Post mit dem Vermerk "unbekannt verzogen" zurückgekommen sei. Seit dieser Zeit gibt es keine Nachricht mehr von Henriette Arndt. Durch Beschluss des Amtgerichts Hamburg vom 28. März 1953 wurde sie auf Antrag ihres Bruders Leopold als "Verschollene" auf den 31. Dezember 1945 für tot erklärt. Heute ist bekannt, dass sie am 3. Juni 1942 im nahe gelegenen Vernichtungslager Chelmno durch Gas ermordet wurde.
Im Dezember 1941 wurden in den Versteigerungshallen des Gerichtsvollzieheramtes, Drehbahn 36, "die zugunsten des Deutschen Reiches eingezogene Wohnungseinrichtung" von Henriette Arndt "in freiwilliger Versteigerung" öffentlich versteigert – laut der Inventarliste insgesamt 133 einzelne Gegenstände: darunter "2 gr. bunte Vasen", "1 Samovar" und "1 Schreibgarnitur, 3-teilig", "1 Staubsauger ‚Nilfisk’, 220V. m/Zubehör", "2 Ölbilder", "3 Stubenschränke" und "1 Sofa m/4 Kissen, 2 Sessel" sowie "1 Damenfahrrad"; des weiteren Besteck, Geschirr, Gläser, Lampen, Noten, Bücher und Hefte, Tische, Bett sowie Wäsche, Teppiche etc. – Gegenstände, die Einblick in ein Leben geben.
An das Leben und Wirken von Henriette Arndt erinnert neben dem Stolperstein vor ihrer letzten Wohnung in der Semperstraße 67 auch eine Gedenktafel an der "Villa Plaut", wo sie von 1936 bis 1938 die Kinder jüdischer Familien aus den Elbvororten unterrichtet hatte.
Text: Alexander Reinfeldt
Quellen:
AfW 130592; Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg/Werkstatt der Erinnerung, WdE/ FZH 575 W.L.; StaHH 214-1, 112; StaHH 314-15, R 1940/63; http://data.jewishgen.org/wconnect/wc.dll? jg~jgsearch~model2~[lodzghetto]lodzghetto; Frank Bajohr, Von der Ausgrenzung zum Massenmord, Die Verfolgung der Hamburger Juden 1933–1945, in: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Hrsg.), Hamburg im ‚Dritten Reich’, Göttingen 2005, S. 471–518; Beate Meyer (Hrsg.), Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933–1945, Geschichte. Zeugnis. Erinnerung, Hamburg 2006; Christiane Pritzlaff, Henriette Arndt, eine jüdische Lehrerin in Hamburg, in: Miriam Gillis-Carlebach/Wolfgang Grünberg (Hrsg.), "Den Himmel zu pflanzen und die Erde zu gründen" (Jesaja 51,16), Die Joseph-Carlebach-Konferenzen. Jüdisches Leben. Erziehung und Wissenschaft, Hamburg 1995 (Publications of the Joseph-Carlebach-Institute), S. 225–237.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: November 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand November 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2019: Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf,
Dora Wenneker-Iven

Februar 2019: Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens

März 2019: Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille

April 2019: Liselotte Strelow, Ruth Held

Mai 2019: Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke

Juni 2019: pro familia, Celly de Rheidt

Juli 2019: Rosa Bartl

September 2019: Mabel Wulff

Oktober 2019: Annelinde Töpel

November 2019: Betty Heine, geb. Goldschmidt

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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