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Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Conradine Lück

(7.5.1885 Freienwalde - 24.8.1959 Hamburg)
Leiterin des Fröbelseminars
Bundesstraße 41: Ehemals hier das Fröbel-Seminar. Ausbildung junger Kindergärtnerinnen und Sozialpädagoginnen. (Inschrift noch vorhanden) (Wirkungsstätte)
Osterstraße 13 (Wohnadresse)
Johanna Goldschmidt entstammte einer wohlhabenden bürgerlichen jüdischen Familie. 1812 zog die Familie nach Hamburg. Johanna sprach mehrere Sprachen, konnte Klavier, Geige und Harfe spielen und sehr gut singen. Im Alter von 21 Jahren heiratete sie den wohlhabenden jüdischen Kaufmann Moritz David Goldschmidt. Das Paar bekam acht Kinder. Ihr Sohn Otto wurde später Klaviervirtuose und der Gatte der berühmten Sängerin Jenny Lind. Nachdem ihre Kinder sie nicht mehr voll beanspruchten, widmete sich Johanna Goldschmidt der Schriftstellerei. Ihr erstes Buch hieß „Rebekka und Amalia. Briefwechsel zwischen einer Israelitin und einer Adligen über Zeit- und Lebensfragen“. Johanna Goldschmidt ließ es 1847 anonym erscheinen. Zu ihrem zweiten Buch, ein zweibändiges Werk mit dem Titel „Muttersorgen und Mutterfreuden. Worte der Liebe und des Ernstes“ schrieb der Pädagoge Adolph Diesterweg das Vorwort. Er schrieb: „Von den meisten der mir bekannten, von Frauen herrührenden Erziehungsschriften zeichnet es sich durch schlichte Einfachheit aus (...). Der Ton in demselben flößt mir das volle Vertrauen ein, dass die Verfasserin keine andere Religion kennt, als die, welche in Werken der Liebe sich kund tut, und dass sie nicht zu denjenigen gehört, welche sich durch gute Werke, die sie schreiben, davon dispensiert glauben, gutes zu tun.“ Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit widmete sie sich auch der Erziehung der Prolarier-Kinder. Besonders engagierte sie sich auf dem Gebiet der Erziehung des weiblichen Geschlechts, wobei sie die Bildung der Proletarier Kinder und die Hebung der Bildung der Frauen zusammenbrachte. Denn sie war der Auffassung, dass mehr Bildung für Frauen besonders auch den Kindern zu Gute kommen und dass eine bessere Bildung für Frauen die sozialen Spannungen abbauen helfen würde. In der Fröbelschen Kindergartenkultur sah Johanna Goldschmidt den richtigen Weg, um ihre Ziele durchzusetzen. Denn diese Kindergärten wurden von Kindern aus den unterschiedlichen sozialen Schichten besucht. Johanna Goldschmidt lud den in Dresden lebenden Friedrich Fröbel für ein halbes Jahr nach Hamburg ein, wo er in dieser Zeit Kindergärtnerinnen ausbilden sollte. Im März 1850 wurde dann der erste „Bürger-Kindergarten“ für 70 Kinder eröffnet. Acht weitere folgten noch, trotz des 1852 verhängten preußischen Kindergartenverbots.. Ziel der Fröbelkindergärten war die Ausgleichung der sozialen Unterschiede. Der Literat Karl Gutzkow war ein heftiger Kritiker der Fröbel-Lehre, „die sich von den Reform der Kindergartenpädagogik mittels weiblichen Einflusses die gewaltlose Erneuerung der Gesellschaft von unten erhofften“ (Fassmann, I. M. : Jüdinnen in der deutschen Frauenbewegung 1865-1919, Hildesheim 1996, S. 149.) und diskreditierte den Beruf der Kindergärtnerin als „Tagelöhnerei“.
1860 gründete Johanna Goldschmidt mit einigen anderen Frauen den “Hamburger Fröbelverein”. Seine Ausbildungsstätte zog Anfang der 90-er Jahre des 19. Jhds. in das Haus in der Bundesstaraße ein. Er war der erste Bildungsverein, der eine Berufsausbildung für Frauen zum Ziel hatte. Es sollten „junge Mädchen jeden Standes zu geschickten und gewissenhaften Kinderwärterinnen” ausgebildet werden. Die Dauer des Unterrichtskursus belief sich auch 1 bis 11/2 Jahre. Die jungen Damen wurden zu Gehilfinnen der Mutter in Familien oder zu Leiterinnen von kleineren oder größeren Kindergärten ausgebildet. Unterricht gab es in Fröbellehre, Kindergartenlehre, Erziehungslehre, Deutsch, Anschauungslehre in Verbindung mit Naturkunde, Gesundheitslehre, (Haus- und Zimmerhygiene, Nahrungsmittellehre), Gesang, Zeichnen, Bewegungsspiele, Schneidern und Handarbeit, Geschichte der Pädagogik, Theorie und Praxis des Elementarunterrichts, Fremdsprachen.
In den Kursen für Frauen und Töchter gebildeter Stände wurden ab 1900 die wichtigsten Kapitel der Anatomie und der Funktionslehre (Physiologie) mit besonderer Berücksichtigung des weiblichen Körpers und dessen Hygiene, Gesundheitspflege des Kindes und Erste Hilfe unterrichtet.
Bis 1872 „hatten rund 500 junge Frauen die Kurse der ‘Bildungsanstalt’ absolviert.” (Kirsten Heinsohn: Politik und Geschlecht 1997, S. 123.)
1923 wurden die Ausbildungseinrichtungen und Liegenschaften des “Hamburger Fröbelvereins” verstaatlicht. Die Schule hieß nun „Staatliches Fröbel-Seminar”. Von 1923-1933 hat Anna Warburg hier den Vorsitz.
1927 begann am Fröbelseminar der erste Ausbildungskurs für Jugendleiterinnen (einjährig) mit 15 Schülerinnen. Sie mussten zuvor eine Kindergärtnerinnenausbildung absolviert haben. Hier unterrichtete auch Dr. Martha Muchow bis zu ihrem Tod 1933.
Von 1930 bis 1948 war Conradine Lück (1885-24.8.1959 Hamburg) Leiterin des Fröbelseminars. „In den Arbeitsgemeinschaften, in denen Kinder-Psychologie und Erziehung eingeführt wurden, kam sie in besonderer Nähe und Freundschaft zu Martha Muchow. Das Fröbelseminar wurde durch Frau Lück zu einem Mittelpunkt der Verbindungen zu Schule und Lehrerschaft, zu Frauenbewegung und Mädchenbildung sowie zur Jugendbehörde und der ‘Vereinigung städtischer Kinder- und Jugendheime“, wo die Seminaristinnen ihre Praxisanleitung fanden. 1933 war Conradine Lück gewaltsam die Leitung genommen worden; sie schied damals freiwillig aus dem Schuldienst aus, bis Oberschulrat Fritz Köhne sie 1945 wieder in ihr Amt einsetzte. Er tat dies mit den Worten: ‘Was wir Männer anrichten, wenn man uns allein läßt, haben wir ja nun zur Genüge bewiesen. Wir brauchen jetzt bedeutende Frauen, damit sie uns helfen, alles wieder in Ordnung zu bringen.’“ (Nachruf von Elfriede Strnad auf Conradine Lück, Sonderdruck der Hamburger Lehrerzeitung Nr. 14/1959.)
Ab 1949 hieß die Direktorin Louise Besser (12.4.1889 -6.9.1982 Hamburg). Sie wurde Leiterin von 1948 bis 1954. Louise Besser kam 1947 nach Hamburg zum Fröbel Seminar und übernahm den Posten einer Studienleiterin für junge Abiturientinnen. 1948 wurde sie Direktorin des Fröbel Seminars. Im selben Jahr gründete sie, die in Göttingen mit anderen Männern den 1938 aufgelösten Fröbelverband unter dem neuen Namen “Pestalozzi-Fröbel-Verband” neugegründet hatte, mit weiteren Frauen in Hamburg eine Zweigstelle des Fachverbandes. 10 Jahre war Louise Besser Vorsitzende des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes. 1954 wurde sie Vorsitzende des neugegründeten Vereins “Aktion Kinderparadies” zur Errichtung und Förderung von Kinderspielplätzen. Außerdem war sie ehrenamtlich noch im Verein Nachbarschaftsheim St. Pauli tätig, wirkte in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit und auch in der Erziehungsberatung. 1954 trat sie als Direktorin des Hamburger Fröbelseminars in den Ruhestand. Louise Besser lebte mit ihrer Freundin, der Ärztin Dr. Erika Schädrich zusammen. Sie wohnten in der Osterstraße 13. 1959, im Alter von 70 Jahren erhielt Louise Besser das Große Bundesverdienstkreuz.
Text: Rita Bake
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juli 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Juni 2019: 1122 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 415, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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