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Frauenbios

Israelitische Töchterschule

Karolinenstraße 35 (ehemals) heute: Gedenkstätte
Die Israelitische Töchterschule wurde 1884 eingeweiht. Eine Gedenktafel am Haus erinnert an Marianne (Mary) Marcus (16.8.1844 Hamburg - 22.4.1930) Direktorin der Israelitischen Töchterschule.
Siehe auch www.dasjuedischehamburg.de/inhalt/gedenk-und-bildungsst%C3%A4tte-israelitische-t%C3%B6chterschule
Folgende Lehrerinnen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und getötet:
Elsa Behrend (13.2.1879, am 18.11.1941 deportiert ins KZ Minsk), Lehrerin
Leoni Briske (7.6.1903, flüchtete im November 1941 nach Berlin, vermutlich von dort deportiert), Lehrerin
Rebecka Cohn (28.6.1881, am 11.7.1942 deportiert nach Auschwitz), Lehrerin
Lilli Freimann ( 8.9.1886, am 11.7.1942 deportiert nach Auschwitz), Lehrerin
Jettchen Heilbut (7.9.1885, am 6.12.1941 deportiert nach Riga), Lehrerin
Dr. Marie-Anna Jonas (12.1.1893, am 9.7.1942 deportiert nach Theresienstadt), Schulärztin und Lehrerin
Therese Löwenthal (16.12.1885, am 6.12.1941 deportiert nach Riga), Lehrerin
Sophie London (3.4.1894, am 8.11.1941 deportiert nach Minsk), Lehrerin
Flora Rosenbaum (6.11.1889, am 11.7.1942 deportiert nach Auschwitz), Lehrerin
Rebecca Rothschild (23.12.1897, am 25.10.1941 deportiert nach Lodz), Lehrerin
Text: Rita Bake


Über folgende Lehrerinnen gibt es Portraits und Stolpersteine. Die Portaits sind in der Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de nachzulesen.
Für Lilli Freimann liegt ein Stolperstein vor ihrem Wohnhaus in der Brahmsallee 12
Inge Grolle und Sonja Zoder haben das Portrait verfasst:
„In Hamburg wirkte Lilli Freimann seit 1926 als Lehrerin an jüdischen Schulen. Ihre Tätigkeit endete am 30. Juni 1942, als im ganzen Reich jeder Unterricht für jüdische Kinder verboten wurde. Kurz danach wurden die zuletzt noch verbliebenen jüdischen Lehrkräfte, darunter auch Lilli Freimann, deportiert und ermordet.
Lilli Freimann wuchs in Berlin auf. Dort begann sie ihr Studium, das sie an verschiedenen Universitäten fortsetzte, in Leipzig, Würzburg und Marburg. Die Prüfung für das Lehramt an Höheren Schulen bestand sie 1920 ‚mit Auszeichnung‘ und war seither befähigt, in den Fächern Philosophie, Englisch und Deutsch zu unterrichten. Sie vertrat eine bewusst jüdische Erziehung und trat 1924 auf einer Erziehungskonferenz in Berlin entschieden dafür ein. 1921 bis 1926 unterrichtete sie am Jüdischen Gymnasium ‚Jawne‘ in Köln. Zur gleichen Zeit lehrte dort auch Naftali Eldod, der wie sie im Frühjahr 1926 an die Israelitische Töchterschule in der Carolinenstraße nach Hamburg wechselte. Lilli Freimann sollte dort den Ausbau der Mädchenvolksschule zur Realschule vorbereiten. Dieser Status als ‚Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde (Volks- und Realschule)‘ wurde 1930 erreicht und behördlich anerkannt. Weil unter der Herrschaft der Nationalsozialisten jüdische Schüler und Schülerinnen an staatlichen Schulen oft unerträglich diskriminiert wurden, schickten viele Eltern ihre Kinder lieber an die jüdischen Gemeindeschulen. So wuchs die Zahl der Schülerinnen in der Carolinenstraße 35 zunächst stark an, obwohl viele jüdische Familien emigrierten, sank aber bis 1938 wieder weit unter den früheren Stand. Auch die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer verringerte sich. Lilli Freimann gehörte zu denen, die mit großem Einsatz versuchten, den Kindern immer noch ein gewisses Gefühl der Ordnung und Geborgenheit zu vermitteln. Im Lehrplan der Schule Carolinenstraße wurde statt einer "Durchdringung im Geist des Nationalsozialismus" explizit formuliert: "Das heranwachsende Kind soll seines Judeseins in gesundem Bewusstsein sicher werden.‘ Jedoch wurden nach wie vor im Unterricht die deutschen Kulturwerte hochgehalten. Daneben trat nun die Vorbereitung auf ein Leben im Ausland durch Sprachelernen und Ausbildung in technischen und landwirtschaftlichen Fähigkeiten, durch Sport und Handarbeit. 1939 wurde die Mädchenschule der Carolinenstraße mit der Talmud Tora Schule für Jungen zusammengelegt unter der Bezeichnung "Volks- und Oberschule für Juden". 1941 hieß der verbliebene Rest nur noch ‚Jüdische Schule in Hamburg‘. Lilli Freimann schied 1941 altersbedingt aus dem Kollegium aus. Der Lehrermangel war nun aber so groß, dass sie noch einmal zurückkehrte, um an Stelle deportierter Kollegen eine aus Sextanern, Quintanern und Volksschülern zusammengestellte Klasse zu übernehmen. Die früheren Schulgebäude waren konfisziert. Nach Wegzug der meisten Kinder zogen die letzten mit ihren Lehrern in das Waisenhaus am Papendamm, wo Lilli Freimann bis zuletzt lehrte.
Ihre beruflichen Aufgaben erfüllten Lilli Freimanns Leben. Außer mit den Kollegen und mit Schülerinnen fand sie auch Kontakt in der Gemeinde. Ein fast familiäres Verhältnis hatte sie zu ihren Wohnungsvermietern, dem Ehepaar Perlmann. Mit ihnen verband sie eine orthodox gläubige Lebensauffassung. Die Perlmanns wie auch Lilli Freimann und ihre Mutter wohnten zunächst in der Grindelallee 44, dann 1927 bis 1935 in der Brahmsallee 12 und danach in der Brahmsallee 25. Seit dem Tod ihrer Mutter war Lilli Freimann Pensionärin von Elsa Perlmann. Weil deren Ehemann, Benjamin Perlmann, nur noch sehr wenig verdiente, war die Familie auf das Wohn- und Kostgeld der von Frau Perlmann betreuten Personen angewiesen. Außer Lilli Freimann war eine andere Lehrerin, ‚Fräulein Herz‘, Pensionärin bei Perlmanns, kurzfristig auch noch die eine oder andere Dame, manchmal bis zu vier Personen. Wenn Lilli Freimann während der Schulferien wochenlang verreist war, konnte Frau Perlmann im Brief an ihren Sohn Michael zufrieden berichten, dass sie einen Gast für zwei Tage hatte: ‚Man muss alles annehmen, auch wenn es nur wenig einbringt.‘ In einem anderen Brief mahnte Elsa Perlmann ihren Sohn, den Geburtstag von ‚Frl. Freimann‘, wie die alleinstehende Frau damals nach allgemeinem Sprachgebrauch genannt wurde, nicht zu vergessen. Umgekehrt beachtete diese die Geburtstage der Familie Perlmann. Dem Hausherrn schenkte sie bei dieser Gelegenheit ein Fläschchen Goldwasser. Der Umgang von Vermietern und Pensionärinnen war von freundlicher Höflichkeit bestimmt. Herr Perlmann selbst beschrieb seinem Sohn, wie aufmerksam und besorgt ihn die beiden Damen empfingen, wenn er einmal später nach Hause kam und wie rücksichtsvoll sie auch sonst waren: ‚Die beiden Damen gehen zusammen aus und bedienen sich selbst mit dem Fahrstuhl, so dass wir davon entlastet sind.‘ Die Hausfrau stöhnte wohl auch einmal, wie schwer es sei, koscheres Fleisch und andere Nahrungsmittel zu bekommen, weil Juden nicht mehr in ‚arischen‘ Geschäften kaufen dürften. ‚Die alten Damen werden ohne Fleisch auch ungeduldig. O, ich kann Dir sagen, es ist schon schwer‘, bekannte sie dem Sohn. Für den Pensionsbetrieb benötigte sie Hilfe, die nicht immer zur Hand war. Gelegentlich halfen die Pensionärinnen selbst mit, wenn Frau Elsa die Arbeit über den Kopf wuchs. Gemeinsam bereiteten sie zum Beispiel das Pessachfest 1939 vor. Jeden Abend versammelten sich Perlmanns und alle Pensionäre zum Gedankenaustausch, um Grammophonplatten zu hören oder Schach oder Mühle zu spielen. Lilli Freimann arrangierte Schreibspiele und andere Unterhaltung. Man versuchte sich gegenseitig zu stützen. Aber die Abschiede von guten Freunden mehrten sich. Auch die drei Kinder der Perlmanns emigrierten. Elsa und Benjamin Perlmann vermuteten, auch ihre Pensionärinnen würden bald emigrieren. Seit Herbst 1939 wohnte ‚Fräulein Herz‘ nicht mehr bei Perlmanns. Würde auch Lilli Freimann ‚wegziehen?‘ Sie bemühte sich ebenso wie Benjamin und Elsa Perlmann vergeblich um eine Möglichkeit der Ausreise. Schließlich lief der für sie so existentiell wichtige Postverkehr nur noch sporadisch übers Rote Kreuz. Eine 1942 an die Kinder der Perlmanns gerichtete letzte Nachricht besagt: ‚Mit Lilli alleinige Wohngemeinschaft.‘ Die letzte gemeinsame Adresse war Rutschbahn 25, das Kalker-Stift, eines der von der Gestapo für Juden bestimmten Massenquartiere. Gleichzeitig erhielten das Ehepaar Perlmann und Lilli Freimann den Befehl zur Abreise an einen unbekannten Ort. Am 11. Juli 1942 ging in Hamburg der Transportzug ab, wurde in Ludwigslust und Berlin mit den von dort abgehenden Transporten vereinigt und erreichte über die Stationen Breslau und Oppeln die Endstation Auschwitz. Dort wurden die Ankommenden nach der Selektion in der Gaskammer ermordet.“
Stand: September 2016
© Inge Grolle/Sonja Zoder
Quellen: 1; 4; Recherche Johann-Hinrich Möller v. 5.7.2007; Randt, Carolinenstraße 35, S. 63–79; dies., Talmud Tora Schule, S. 179, 183, 243; Lorenz, Briefe passim; Sielemann, Zielort, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 95, S. 91–111; ders., "Aber seid alle beruhigt", S. 183f., Anm. 191.

Das Portrait über Jettchen Heilbut verfasste Stephanie Fleischer. Für Jettchen Heilbut (7.9.1885 Hamburg, am 6.12.1941 deportiert nach Riga, dort getötet am 26.3.1942) liegt ein Stolperstein vor ihrem Wohnhaus Grindelallee 184.
„Jette’Jettchen‘ Heilbuts Vater Adolf Heilbut war Kaufmann und Auktionator. Ihre Mutter, Rivka, geborene Cohen, brachte am 4. Oktober 1886 ein zweites Kind zur Welt, Moritz. Nach dem Tod des Vaters übernahm er 1919 das Geschäft in der Lohmühlenstraße 91, was auch die Privatadresse seiner eigenen kleinen Familie war. Moritz und seine Frau Betty, geborene Abt, wanderten zusammen mit ihrem Sohn Abraham im August 1938 nach Palästina aus. Am 1. Juli 1938 war ihnen das Gewerbe entzogen worden, sodass sie in Hamburg keine Existenzgrundlage mehr hatten.
Jettchen blieb ledig und war als Lehrerin an der Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in der Karolinenstraße 35 tätig. Hin und wieder kam sie verspätet in den Unterricht, wie ihre Schülerinnen berichteten, und benutzte dann als Entschuldigung die gleiche Ausrede wie ihre Schützlinge: Das Vieh in der Kampstraße, wo ein großer Schlachthof lag, habe sie aufgehalten; es sei einfach kein Durchkommen gewesen.
Mit dem Einsetzen der Deportationen 1941 wurde das jüdische Schulwesen in Hamburg zerschlagen. Im Mai 1942 räumten die Behörden die Schule in der Karolinenstraße, am 30. Juni schlossen sie reichsweit sämtliche jüdischen Schulen. Die Verzeichnung einer Personalakte, die leider verschwunden ist und von 1905 bis 1942 geführt wurde, lässt vermuten, dass Jette in diesem Zeitraum als Lehrerin angestellt war.
Die Kultussteuerkarte der Jüdischen Gemeinde belegt, dass Jettchen Heilbut mehrmals umzog: von der Goethestraße 10, der heutigen Grillparzerstraße, in die nahegelegene Körnerstraße 4, von dort in die Brahmsallee 157, wo sie bei dem Ehepaar Behrend unterkam, und schließlich in die Grindelallee 184, ihre letzte Wohnadresse. Dort wohnte sie bei der Familie ihres Lehrerkollegen Ernst Ephraim Streim (s. Grindelallee 184) zur Untermiete. Als 1941 – beschleunigt durch die Bombardements der Alliierten – die Deportationen begannen, wurden auch die inzwischen 56-jährige Jettchen Heilbut und Familie Streim aufgerufen. Sie wurden von der zweiten großen Deportationswelle, die reichsweit 22 Transporte nach Riga betraf, erfasst. Am 6. Dezember 1941 mussten sie den Zug besteigen und Hamburg verlassen, genauso wie der Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde Joseph Carlebach mit seiner Frau und vier seiner Kinder. Die Behausung in Riga-Jungfernhof bestand für die Frauen aus Viehställen und Scheunen, die Temperatur lag weit unter dem Gefrierpunkt. Jeden Tag erfroren dort Häftlinge. Neben der Kälte und den schlechten hygienischen Bedingungen waren sie Hunger, harter Arbeit und Züchtigungen ausgesetzt.
Um die Menschen von ihren Lebensumständen und ihrem Leid abzulenken, initiierte Joseph Carlebach die Aufrechterhaltung kulturellen jüdischen Lebens, soweit dies unter den gegebenen Umständen möglich war. Dazu gehörte auch Unterricht für die Kinder, die in Gruppen eingeteilt wurden. Mithäftlinge, die pädagogisch ausgebildet waren oder anderweitig geeignet schienen, übernahmen verschiedene Fächer. Jettchen Heilbut beispielsweise unterrichtete Naturkunde, ein Fach, auf das sie sich offenkundig spezialisiert hatte.
Am 26. März 1942 erschossen SS-Leute zirka 1700 bis 1800 Insassen des Jungfernhofes in der ‚Aktion Dünamünde‘, darunter auch Jettchen Heilbut sowie Joseph Carlebach und seine Familie.“
Stand: Juli 2017
© Stephanie Fleischer
Quellen: 1; 5; Hochmuth/de Lorent (Hrsg.): Hamburg, S. 314; Lehberger/Pritzlaff/Randt: Entrechtet; Meyer (Hrsg.): Verfolgung; Michael: Das Leben; Müller: Jüdische Schüler, S. 282–290; StaH 351-11 Amt für Wiedergutmachung 16491 Wiedergutmachungsakte Moritz Heilbut; StaH 351-11 Amt für Wiedergutmachung 48019 Wiedergutmachungsakte Abraham Heilbut.

Das Portrait über Therese Loewenthal (Löwenthal) verfasste Claudia Pufahl. Es ist nachzulesen in der Datenbank www. Stolpersteine-hamburg.de. Für Therese Loewenthal (16.12.1885 in Mühringen, am 6.12.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert) liegt ein Stolperstein vor ihrem Wohnhaus in der Husumer Straße 1
„Therese Loewenthal wurde am 16. Dezember 1885 als Tochter von Josef Loewenthal und dessen Frau Gudela, geb. Bach, in Mühringen in Württemberg geboren. Ab 1902 besuchte sie das Höhere Lehrerinnenseminar in Stuttgart und erhielt 1905 ihre Zulassung als Lehrerin für höhere Mädchenschulen. Ihre erste Anstellung trat sie in Heidelberg an und nach kurzen Aufenthalten in Paris und Hannover zog sie nach Hamburg, zuerst in die Husumer Straße 3, von dort am 17. Juli 1908 in die Husumer Straße 1 in den 2. Stock als Untermieterin zu Bachrach in eine Viereinhalbzimmerwohnung.
Therese Loewenthal war ledig. Ihr beruflicher Weg in Hamburg begann ab August 1911 an der Israelitischen Mädchen-Realschule in der Biberstraße. Von März 1929 bis April 1939 unterrichtete sie an der Israelitischen Töchterschule in der Carolinenstraße 35 in den Klassen der Grund-, Volks- und Oberschule. Die Schule vereinigte seit 1884 zwei Schulen: die Israelitische Mädchenschule von 1798 und die Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde von 1818. 1930 wurde die Schule als Realschule anerkannt. Im April 1939 wurde sie von den nationalsozialistischen Behörden mit der Talmud Tora Schule zur Volks- und Höheren Schule für Juden zusammengelegt. Am 30. Juni 1942 wurde diese letzte jüdische Schule in Hamburg, wie alle jüdischen Schulen im Reich, geschlossen. Im Rahmen der Sprach- und Lehrkurse für Auswanderer gab Therese Loewenthal seit Dezember 1939 Hebräischunterricht. Der Unterricht fand zunächst in der Beneckestraße 6, später in der Hausnummer 2 und schließlich an Therese Loewenthals alter Wirkungsstätte, in der Carolinenstraße 35 statt.
Die sehr guten Hebräischkenntnisse von Therese Loewenthal und ihre zionistische Einstellung prädestinierten sie zur Auswanderung nach Palästina, doch ihrer eigenen Einschätzung nach fühlte sie sich den dortigen harten Lebensbedingungen aufgrund ihrer körperlichen und seelischen Konstitution nicht gewachsen. Sie entschied sich, einen Ausreiseantrag in die USA zu stellen. Als sie ihre Quotennummer bekam, tauschte sie diese mit einem Familienvater, der eine Einreise in die USA erst zu einem späteren Zeitpunkt erlangt hätte. Sie glaubte, wegen ihrer Anstellung als Lehrerin bliebe ihr noch etwas Zeit für ihre Auswanderung. Wie allen Lehrern der Sprach- und Lehrkurse für Auswanderer wurde ihr zum 30. April 1941 gekündigt, dennoch setzte sie den Hebräischunterricht für ihre Schüler unbezahlt bis zu ihrer Deportation fort.
Therese Loewenthal wurde am 6. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Aus Platzmangel im dortigen Getto wurde der Hamburger Transport zum dazugehörigen landwirtschaftlichen Gut Jungfernhof weitergeleitet. Dort verliert sich ihre Spur. Aufgrund der auf dem Gut fehlenden winterfesten Unterkünfte erfror etwa ein Fünftel der 4000 im Dezember aus dem deutschen Reich eingetroffenen Deportierten. Unterernährung und sich schnell ausbreitende Krankheiten führten zu einer weiteren Dezimierung der Insassinnen und Insas¬sen. Von den insgesamt 964 Deportierten aus Hamburg überlebten nur 35 Personen das Lager Jungfernhof.“

© Claudia Pufahl
Quellen: 1; 4; 5; 6; 8; StaH 362-6/10 Talmud Tora Schule; Randt, Die Talmud Tora Schule, 2005, S. 177, 252f.; Mosel, Wegweiser, 1997, S. 11; Lehberger/de Lorent (Hrsg.), Die Fahne hoch, 1986, S. 423; Hochmuth/de Lorent (Hrsg.), Schule unterm Hakenkreuz, 1985.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

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Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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