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Frauenbios

Liselotte Strelow

(11.9.1908 Redel, ehem. Hinterpommern/heute Redlo, Woiwodschaft Westpommern, Polen – 30.9.1981 Hamburg)
Fotografin, Schwerpunkt Porträts und Theater
Hansastraße 20 (letzte Wohnadresse)
Fuhlsbüttler Straße 756, Ohlsdorfer Friedhof (Anonyme Bestattung auf eigenen Wunsch) (1)
Jedes meiner „Bilder erzählt eine eigene Geschichte, analysiert die Psyche der Dargestellten, skizziert seinen Charakter und liest sich schließlich wie ein Bilderbuch künstlerischer Impressionen... Photographie schenkte mir ein erfülltes, faszinierendes Leben“. (2: 21+75)
„Porträt bedeutet für mich Psychologie, so lautet ihre Lebensmaxime. ‚Die Strelow’ – das war in den Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders in ganz Deutschland ein Begriff. Sie porträtierte wichtige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, prominente Schriftsteller, Maler, Musiker, Schauspieler und Architekten. Von Gottfried Benn über Hans Werner Henze, Jean Cocteau, Ernst von Salomon, Hermann Hesse zu Oscar Fritz Schuh, Joseph Beuys, Oskar Kokoschka, Salvador Dalí und Hans Scharoun. Von Hildegard Knef über Marlene Dietrich, Helene Weigel, Elisabeth Flickenschildt und Ingeborg Bachmann ließe sich die Liste beliebig fortsetzen“. (3)
Als Älteste von drei Geschwistern wurde Liselotte Strelow in Redel bei Polzin im ehemaligen Hinterpommern geboren. Ihre Kindheit erlebte sie auf dem elterlichen Gut „Charlottenhof" bei Neustettin. Nach zwei Jahren Volksschule wechselte sie auf ein privates Lyzeum in Neustettin. Als ihr geliebter Vater starb, holte die Mutter die Tochter zurück nach „Charlottenhof“, wo sie Hausunterricht erhielt. Ohne einen staatlich anerkannten Schulabschluss wurde sie in den darauffolgenden Jahren – gemäß der 300-jährigen Tradition ihrer Familie – zur Landwirtin ausgebildet.
1930 brach sie aus dem bürgerlichen Elternhaus aus: „Es blieb mir für die Berufswahl nur ein Handwerk, obwohl ich eigentlich ganz andere Pläne hatte und Tierärztin, Schauspielerin oder Malerin werden wollte“ (2:11). Sie ging nach Berlin, um dort Fotografin zu werden. An der damals wohl bedeutendsten Ausbildungsstätte für Fotografie, dem Lettehaus, wurde sie angenommen. Ihre finanziellen Möglichkeiten ließen es jedoch nicht zu, dort ihre Ausbildung abzuschließen. 1932 verließ sie das Institut, volontierte zunächst in einem Atelier am Flughafen, bevor sie bei der jüdischen Kinder- und Opernfotografin Suse Byk ihre Ausbildung zu Ende führen konnte. 1933 legte sie die Gehilfinnenprüfung ab. „Berlin war Anfang der 30er Jahre eine faszinierende Stadt. Wie ein trockener Schwamm sog ich alles auf. Aber ich interessierte mich nur für Kulturelles. Ich lief in die Museen, besonders in die modernen, und studierte dort die Bildkompositionen. Ich weiß nicht, ob man das als oberflächlich bezeichnen kann: Ich hatte für Politik einfach kein Organ. Hatte ich ein paar Pfennige übrig, ging ich in ein billiges Kino oder auf einen Stehplatz im Theater oder kaufte an den vielen Bücherkarren, die bis zum NS-Regime an jeder Staßenecke standen, immer wieder Bücher, Bücher, Bücher. Tageszeitungen zu kaufen, schien mir hinausgeworfenes Geld.
Inzwischen hatte ich auch einen Mann kennen gelernt, einen diplomierten Architekten, der mir erstmals vom Bauhaus erzählte. Dieser Mann war lungenkrank und arbeitslos. Obwohl er also auch kein Geld hatte, schenkte er mir (...) meine erste Rolleiflex und eine alte Photohandlampe. Ich lernte wichtige Dinge über Design und wurde bald leidenschaftliche Bauhaus-Anhängerin“ (2:11).
Im selben Jahr erhielt sie eine Anstellung als Fotografin bei der Kodak AG in Berlin. Die Eastman Kodak Company, in 1890er Jahren in den USA gegründet, war damals einer der weltweit bedeutendsten Hersteller für fotografische Ausrüstung, vor allem für Filmmaterial. Sie durchlief mehrere Abteilungen, erlernte dort die „amerikanische Beleuchtungsmethode" und wurde dann bis 1938 in der Werbeabteilung eingesetzt. Während dieser Zeit schloss Liselotte Strelow 1936 ihre Meisterprüfung mit einer Arbeit über die "Wirkung von Polarisationsfiltern" ab.
Am 1. Oktober 1938 wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit in den Räumen des Hauses Kurfürstendamm 230, wo bis dahin Suse Byk unter ihrem Namen ein „Atelier für photographische Portraits“ geführt hatte. Fünf Monate vorher war Liselotte Strelow Mitglied beim Deutschen Frauenwerk geworden, dies blieb die einzige NS-Organisation, der sie je beitrat (4). Als ihre ehemalige Lehrmeisterin Suse Byk Deutschland verlassen musste, bot sie Liselotte Strelow an, ihr Atelier am Kurfürstendamm 230 zu übernehmen, und diese ergriff die Gelegenheit. (5). In Liselotte Strelows Lebens-Erinnerung gestaltete sich dieses so: „1938 besuchte mich eines Tages meine alte Lehrmeisterin Suse Byk bei Kodak und fragte mich, ob ich ihr nicht ein paar Referenzen für New York verschaffen könne, sie müsse nun auch auswandern. Sie suche daher auch jemanden, der ihren Mietvertrag übernähme. Ob ich nicht wolle? Ich dürfe auch ihren Namen weiterbenutzen. Sie habe gehört, ich wolle ein eigenes Studio eröffnen. ‚Ihren Namen darf ich ganz bestimmt nicht benutzen. Wir haben doch jetzt so strenge Handwerksgesetze, daß ich, wenn ich beispielsweise heirate oder mich scheiden lasse, als Frau auf jeden Fall mit meinem neuen Namen immer wieder ganz von vorn anfangen muß. Auch kann ich Ihnen gar nicht den Abstand von 5000 Mark zahlen; ich habe kein Geld!’ ‚Geld’, riet mir Suse Byk, können Sie doch von der Deutschen Arbeitsfront bekommen. Sie unterstützt tüchtige junge Handwerker...’. Kodak war eine US-Firma, ihr Gründer hieß Eastman und niemand wußte etwas über ihn. Die NS-Regierung war mißtrauisch. Die Kodak-Angestellten wollten ihren angenehmen Arbeitsplatz nicht gefährden, und so erwachten wir eines Tages und waren gerade ‚geschlossen’ in die Deutsche Arbeitsfront eingetreten.
Ungläubig ging ich an einem der nächsten Tage während der Mittagspause zur Arbeitsfront. ‚Ja, richtig. Wir finanzieren tüchtige junge Handwerker unter folgenden Bedingungen: Sie müssen Mitglied der NSDAP sein, ihre Meisterprüfung mit sehr gut bestanden haben, und Sie müssen Gau-Sieger sein...’ Nein, nichts von alledem. 1936 hatte ich, kurz vor meinem Meisterprüfungstermin, meine Unterlagen eingereicht und war heilfroh, daß ich sie, unvorbereitet wie ich war, gerade noch eben mit genügend bestand. An Wettbewerben habe ich mich immer gern beteiligt, so konnte es auch nicht so schwer sein, irgendwo Gau-Sieger zu werden. Bei Kodak standen mir ja phantastische Techniken zur Verfügung. (...) Ich hatte gerade noch eine Nacht zur Verfügung, nutzte sie und gab am nächsten Tag die fünf erforderlichen Bilder in Riesengröße ab. Und – PG werden ! (PG = Parteigenossin, CG) Letzteres ließ sich mit einiger Mühe noch umgehen. Zufall. Zwei Wochen später meldete sich der Telegraphenbote. Gratulation! Ich war Gau-Siegerin von Berlin und Brandenburg. Mit Atelierportraits. (...) Ich bekam daraufhin von der Deutschen Arbeitsfront ein Darlehen in Höhe von 5000 Mark zugesagt. Aber ausgezahlt wurden mir nur 2500 Mark. Übrigens wünschte die Arbeitsfront, ich solle keinesfalls der jüdischen Photographin das Geld für die leere Wohnung geben. Ich habe die Quittung von Suse Byk aber noch heute.“ (2:13-14 und vgl. Exkurs zum Werdegang von Suse Byk am Ende dieses Artikels).
Ein im gleichen Jahr folgendes Angebot des Leibfotografen Adolf Hitlers, Heinrich Hoffmann, an Liselotte Strelow, sein Berliner Atelier, gegen ein monatliches Gehalt von 5.000 Mark zu leiten („man wisse ja schließlich, sie sei so gut wie pleite“), lehnte Liselotte Strelow indessen ab (2:14). Die Kosten am Kurfürstendamm summierten sich zwar täglich, sie aber blieb standhaft und eigenwillig.
Zwischen 1939 und 1943 hielt sie sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, fotografierte Revuegirls ebenso wie Soldaten und verlegte sich nun vornehmlich auf Porträtfotografie. Wegen der zunehmenden Bombenangriffe auf Berlin richtete Liselotte Strelow 1943 ein Ausweichatelier in Neustettin (vermutlich auf dem elterlichen Gut?) ein, in dem die Mitarbeiter_innen abwechselnd mit Berlin arbeiteten. Die „Kriegswichtigkeit“ der Neustettiner Arbeitsstätte wurde nachgewiesen, indem sie Passfotos von Soldaten machte. Ganze Kompagnien traten an, und wurden nach Nummern durchfotografiert (6). In Neustettin heiratete Liselotte Strelow am 24. November 1944 den Altphilologen und Pädagogen Guido Guiard (23.1.1910 in Tempelburg/Pommern –1944 Hamburg), der jedoch wenig später an einer Kopfverletzung in einem Hamburger Lazarett verstarb.
Als Liselotte Strelow 1945 nach Berlin zurückkehrte, fand sie das Atelier von den Luftangriffen der Alliierten zerstört vor. Zwischen 1945 und 1950 bemühte sie sich in Detmold um einen Neuanfang. „Während dieser Zeit findet sie immer jemanden, der sie nach Düsseldorf zu Gustaf Gründgens, nach Hamburg, München und überall dorthin mitnimmt, wo Theater gespielt wird. So entsteht eines der bedeutendsten Bildarchive zum deutschen Nachkriegstheater. Auf ihren Reisen – zumeist per Anhalter – porträtiert sie aber auch Personen des öffentlichen Lebens, Politiker, Schriftsteller, Musiker, Komponisten. 1950 läßt sie sich – ermutigt durch Gustaf Gründgens und Werner Schütz – mit einem eigenen Atelier an der Königsallee in Düsseldorf nieder, arbeitet wenig später auch als Vertragsfotografin für die Richard Wagner Festspiele in Bayreuth (1952 - 55) und bei Oskar Fritz Schuh am Kölner Schauspiel (1959 - 62).“
Anlässlich des 1976 an Liselotte Strelow überreichten Dr. Erich Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie hielt der Fotograph Fritz Kempe die Laudatio. Darin beschrieb er auch, das Liselotte Strelow in den 1950er Jahren „die ersten aggressiven Essays für ein ‚entsüßtes‘ Menschenbild [schrieb]. 1958 polemisierte sie gegen die ‚gesteuerte‘ Fotografie. 1961 erschien, als noch niemand davon redete, bei Econ ‚Das manipulierte Menschenbildnis‘, ein geistreiches Buch, das 1966 in einer englisch-amerikanischen Ausgabe in London herauskam. Als sie 1965 im Jugendprogramm ihre zehnteilige Fernsehreihe ‚Sagt die Fotografie die Wahrheit?‘ produzierte, gab sie ihrer Skepsis über die Manipulierbarkeit aller fotografischen Bildnerei Ausdruck.
In ihrer eigenen Menschenfotografie hat sie nie der gefrorene Bruchteil eines Lebens interessiert. Es geht ihr immer um die Freilegung der Substanz, um die ‚story‘. Ihre Stärke ist die intensive Beschäftigung mit dem Modell, auf das sie sich einstellt, das sie notfalls zum Widerspruch herausfordert, damit in seinem Gesicht etwas vorgeht.‘ Ihr Ziel ist, möglichst viele Facetten eines Charakters in einem Bilde zu vereinen. Von ‚schönen Modellen‘ hält sie nichts, weil sie zur routinierten Abbildung von Oberfläche verleiten. (…)
Die Große Leistung der Strelow ist es, gegen die Katastrophen der Zeit und gegen die Gefährdungen ihrer Gesundheit sich als Phänomen persönlichster Individualität durchgesetzt zu haben. Sie wurde eine Instanz und ein Maßstab in einer maßstablosen Gesellschaft, eine große Fotografin, deren Charme darin besteht, ihre Skepsis auch auf sich selbst anzuwenden.“ (die Laudatio wurde uns freundlicher Weise von Johannes Firzlaff zur Verfügung gestellt)
Welche Technik Liselotte Strelow für ihre Portraitfotos verwendete, beschreibt Johanna Wolf in ihrer Magisterarbeit „Liselotte Strelow. Portrait einer Portraiphotographin, München 1987. Ihre Photographien hatten „nicht unbedingt die gestochene Schärfe der Rolleiflex mit 13,5 cm Brennweite. Doch interessierte sie nicht die technische Brillanz der Aufnahme – sondern primär der Ausdruck. Und es durfte insofern auch keine ‚Technik‘ geben, die sie während des Aktes der Aufnahme abgelenkt hätte. Ihre Kamera musste ihr so vertraut sein, daß sie geradezu im Unterbewußtsein funktionierte: so leise und ohne jeden geistigen Einsatz, als ob ein Bleistift nur dem Fingerdruck gehorcht – nur so konnte sie sich auf ihr Modell konzentrieren und es keine Sekunde aus dieser Konzentration entlassen; ansonsten wäre der Ausdruck leer gewesen.
Praktisch hieß das: Es waren immer die gleiche Kamera, der gleiche Film, die gleiche Blende, der gleiche Abstand des Hauptlichtes und die gleiche Belichtungszeit, die es ihr erlaubten, alle Technik zu vergessen und sich allein auf den Ausdruck zu konzentrieren. (…) Meist waren es ca. 45 Pfund, die Liselotte Strelow auf ihren Arbeitsreisen zu transportieren hatte. Schließlich wollten neben zwei Kameras auch noch ein kräftiges Kamerastativ, zwei Lampenstative, Lampen und Ersatzbirnen sowie meist 50 Rollfilme mit auf Arbeitsreise genommen sein.“
Nachdem die Deutsche Bundespost ihr Profilporträt des Bundespräsidenten Theodor Heuss 1959 zur Grundlage einer Briefmarkenserie ausgewählt hatte, konnte sie sich ihre Auftraggeber aussuchen.
„Dem Düsseldorfer Schauspielhaus bleibt sie bis 1967 verbunden. In diesem Jahr entschließt sie sich zu einem Ortswechsel, zieht zunächst nach Berlin, 1969 nach München. Infolge zahlreicher schwerer Krebsoperationen muß sie ihre fotografischen Arbeiten stark einschränken. 1970 verkauft Liselotte Strelow ihren theaterfotografischen Bestand an das Dumont-Lindemann-Archiv, (...) Düsseldorf“. Nach sieben Jahren München siedelte sie 1976 nach Hamburg über (7). Sie arbeitete noch intensiv an Ihren Lebenserinnerungen, die sie bis zu ihrem Tode allerdings nicht ganz abschließen konnte. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Liselotte Strelow in Hamburg und wohnte in der Hansastraße 20. Aus ihren nachgelassenen Memoiren zitierte die Kunst- und Fotohistorikerin Johanna Breede in der von ihr im Jahr 2010 ausgerichteten Werkschau/Retrospektive „Liselotte Strelow (1908-1981)“. Gemeinsam mit der Nachlass-Verwalterin Heide Raschke produzierte sie Bildergeschichten, die Liselotte Strelow so noch selber hatte publizieren wollen. Die Ausstellung war zu sehen vom 3. September bis zum 23. Oktober 2010 in der Berliner Galerie Johanna Breede PHOTOKUNST, Fasanenstraße 69. Der fotografische Nachlass befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn (für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland LVR).

Bedeutung:
„Liselotte Strelows fotografischer Stil setzte Maßstäbe, die bis heute nachwirken. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass ‚die Strelow’ das öffentliche Bild der zentralen Akteure dieser Epoche deutscher Nachkriegszeit entscheidend beeinflusst hat“ (zitiert aus dem Pressetext zum Katalog: Liselotte Strelow. Retrospektive 1908 – 1981, hg. v. Landschaftsverband Rheinland/Rhein. Landesmuseum Bonn, mit Texten von Klaus Honnef, Adelheid Teuber, Sidney Darchinger, Johanna Wolf-Breede, Ostfildern 2008).
Liselotte Strelow war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL) und der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh).

Exkurs zur Vita der Fotografin Suse Byk:
Suse Byk (geb. um 1890 in Berlin – 10.9.1943 in New York City) war eine deutsche Fotografin. Nach dem Urteil ihrer Schülerin Liselotte Strelow war sie in den Zwanziger Jahren Berlins führende Porträtfotografin. Suse Byks Leben konnte trotz mehrfacher Versuche nur bruchstückhaft rekonstruiert werden. Das gilt auch für ihr fotografisches Werk, das nicht in einem oder mehreren Konvoluten erhalten ist, sondern es befinden sich nur Einzelstücke in verschiedenen Sammlungen und Archiven (Christiane Kuhlmann: Bewegter Körper – Mechanischer Apparat. 2003, S. 99–110).
Suse Byks Geburtsjahr wird als 1885 oder „vor 1890“ vermutet. Suse Byk wurde als Tochter entweder des Unternehmers Heinrich Byk (1845–1923) und der Agnes Bamberger geboren oder als Tochter von dessen jüngerem Bruder, dem Chemiker Siegmund Byk (1856–1936). Siegmund Byk war mit Clara Byk – seiner Cousine – verheiratet, die eine Familiengeschichte verfasste und 1926 in Berlin verstarb.
Suse Byk machte eine Lehre zur Fotografin, es wird vermutet, dass sie diese an der Lette-Schule absolvierte. Im Jahr 1910 wurde sie in den Photographischen Verein zu Berlin aufgenommen. Ein Fotoatelier unter ihrem Namen ist erstmals 1911 an der Privatadresse Siegmund Byks am Kurfürstendamm 14/15 im III. Stock nachweisbar. 1913 nahm sie an der ersten „Konferenz für deutsche Fotografinnen“ in den Räumen des Berliner Frauenclubs teil, zu dem Zeitpunkt wurde sie als Fotografenmeisterin bezeichnet. Im selben Jahr eröffnete sie im Haus Kurfürstendamm 230 unter ihrem Namen ein „Atelier für photographische Portraits“, das sie bis 1938 führte.
Im Jahr 1929 beschäftigte Byk fünf Angestellte, Siegmund Byk hatte in dem Jahr in der Firma die Prokura. Er starb vor 1938. Suse Byk heiratete 1927 den Philosophen und Publizisten Hellmuth Falkenfeld (Falkenfeld, Hellmuth. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Band 6, 1998, S. 478 bis 481, dort Ehefrau Suse auf S. 478. Im Jüdischen Adressbuch für Groß-Berlin 1931 ist sie auf S. 207 als „Suse Falkenfeld, Kurfürstendamm 230“ eingetragen.)
In Byks Studio wurde eine Reihe von Künstlern und Wissenschaftlern des Berlins der Zwanziger Jahre fotografiert. Byk hatte in den 1920er Jahren auch Aufträge für Modeaufnahmen für Illustrierte und sie arbeitete als Theaterfotograf für die Künstler der Städtischen Oper.
Suse Falkenfeld-Byk blieb nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 in Berlin und arbeitete unter den Bedingungen des Antisemitismus weiter, wobei ihre Arbeit von den staatlichen Maßnahmen zunächst nicht direkt betroffen schien, da noch 1935 von ihr eine Arbeit veröffentlicht wurde. Unter dem politischen Druck auszuwandern, gab sie 1938 auf und versuchte ihren Betrieb zu verkaufen.
Liselotte Strelow hatte in Byks Betrieb gelernt, danach arbeitete sie bei Kodak in Berlin. 1938 übernahm sie Betrieb und Wohnung für 2.500 Reichsmark und eröffnete am 1. Oktober 1938 ihr eigenes Atelier. Im Juli 1939 wurde die Firma Byk aus dem Handelsregister gelöscht. Das Atelier und das darin möglicherweise befindliche Fotoarchiv Byks sind im Luftkrieg zerstört worden.
Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt zwischen dem 18. Juni und dem 1. Oktober 1938 emigrierten Suse und Hellmuth Falkenfeld über Rotterdam nach London und von da aus nach New York. Dort wohnte sie E98th streat No 19. (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Suse_Byk sowie de.wikipedia.org/wiki/Hellmuth_Falkenfeld)

Literatur:
Liselotte Strelow: Etwas über Theaterfotografie, in: Deutsche Schauspieler der Gegenwart, hrsg. von Klaus J. Lemmer, Berlin 1955
Dies.: Das manipulierte Menschenbildnis oder Die Kunst, fotogen zu sein. Düsseldorf 1961 (übersetzt ins Englische unter dem Titel Photogenic Portrait Management, London 1966)
Dies.; Liselotte Strelow - Erinnerungen. Bad Bevensen [1989]

Auszeichnungen:
1957: Goldmedaille Photo Biennale Venedig
1969: David-Octavius-Hill-Medaille,
1976: Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (zusammen mit Rosemarie Clausen und Regina Relang)

Quellen mit weiteren Literaturnachweisen und Auswahl an Fotomotiven:
www.photo-archiv.info
– Liselotte Strelow. Portraits 1933–1972 (Ausstellungskatalog, Bonn 1977), hg. v. Klaus Honnef, Köln 1977
– Liselotte Strelow (1908–1981). Erinnerungen (Ausstellungskatalog, Bad Bevensen), hg. von Detlef Gosselk und Heide Raschke, mit Texten von Klaus Honnef und Johanna Wolf-Breede, Lüneburg 1989
– Honnef, Klaus/ Adelheid Teube/Sydney Darchinger/Johanna Wolf-Breede: Liselotte Strelow: Retrospektive 1908-1981. Ostfildern 2008
– Liselotte Strelow bei www.photography-now.com
– Ausführliche biografische Informationen und Arbeiten in: Frauen-Kultur-Archiv der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unter dem wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de/frauenarchiv/fka_neu/fotografinnen/nachkriegszeit/strelow.php
Text: Dr. Cornelia Göksu
Anmerkungen:
(1) Freundliche Informationen durch die Kunst- und Fotohistorikerin Johanna Breede, Berlin, in E-Mail-Korrespondenz und einem Telefonat, geführt am 27.3.2019 mit CG. Im Rahmen ihrer akademischen Forschungen hatte Johanna Breede Zugang zu den Original Foto-Negativen sowie den Aufzeichnungen von Liselotte Strelow, über die bis in die 1980er Jahre hinein wenig bekannt war. Bis heute integriert Frau Breede auch Fotoaufnahmen in die von ihr kuratierten Foto-Themenausstellungen in ihrer Galerie PHOTOKUNST, Fasanenstraße 69, Berlin-Charlottenburg, unweit des Kurfürstendamms. Website: www.johanna-breede.com
(2) Breede, Johanna (und Heide Raschke, Liselotte-Strelow-Nachlass): Liselotte Strelow 1908-1981. Katalog zur Werkschau. Mit einer Einführung von Klaus Honnef. 2. Aufl. Berlin 2010, darin ausführlicher Werdegang von Liselotte Strelow in Selbstzeugnissen aus ihrem Nachlass, Seite 11-18.
(3) zitiert aus de.wikipedia.org/Wiki/Liselotte_Strelow)
(4) Aufnahme-Erklärung unterschrieben am 1.5.1938, Mitgliedsnummer 887410. Dank an Frau Simone Langner vom Bundesarchiv, Berlin, für die Auskunft. Mit Schreiben v. 24.6.2015 an CG)
(5) Quelle: Wiki, Artikel über Suse Byk unter Link: de.wikipedia.org/wiki/Suse_Byk
(6) Susannah Cremer-Bermbach über ihre Mutter, die Fotografin Lore Bermbach, die Mitarbeiterin von L. Strelow war, in: SzenenWechsel: von Gründgens bis Badora – fünf Jahrzehnte Düsseldorfer Schauspielhaus im Objektiv dreier Fotografinnen (Fotografie: Liselotte Strelow; Lore Bermbach; Sonja Rothweiler) = Dokumente zur Theatergeschichte, Bd. 13. Hg. v. Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, Dumont-Lindemann-Archiv, Düsseldorf 2001, S. 141-142
(7) SzenenWechsel wie Quelle (6), S. 155-156.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juli 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Stand Juli 2021: 1251 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

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Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2694 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 442 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: Mai 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
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