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Frauenbios

Erna Stahl

(15.2.1900 Hamburg - 13.6.1980 Hamburg)
Reformpädagogin und Gründerin der Albert-Schweitzer-Schule
Garten der Frauen, Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756 (Erinnerungsstein)
Riststraße 3 (Wohnadresse)
Grasweg 72-76, Lichtwark-Schule (Heute Heinrich-Hertz-Schule) (Wirkungsstätte)
Erdkampsweg 89, Gymnasium Alstertal (Wirkungsstätte)
Struckholt 27, Albert-Schweitzer-Gymnasium (Wirkungsstätte)
Schluchtweg 1, Albert-Schweitzer-Schule (Wirkungsstätte)
Namensgeberin für: Erna-Stahl-Ring
Foto: privat
Erna Stahl kam aus einer musischen Familie. Ihr Vater war Inhaber einer Konzertagentur, ihre Mutter, eine Wienerin aus dem Arbeitermilieu, hatte vor ihrer Heirat zeitweise als Musikerin gearbeitet. Die musikalische Welt der Mutter faszinierte die Tochter: „Im Hause gingen Sänger, Schauspieler, also Künstler, ein und aus. Diese Welt konnte nicht ohne Wirkung bleiben, zumal sie früh schon in die Volksoper mitgenommen wurde, dort die Räume durchstöberte und auf den Schnürboden kletterte. Theaterluft war Erna Stahls Lebensluft von Kindesbeinen an, zeitlebens - wie ihr Wien - stets zweite Heimat war. Beides vereinte sich auch: Die Freude am Theater und die Liebe zu Wien im Wiener Theater, das ihr durch eine persönliche Freundschaft in höherem Alter noch besonders nahe rückte“ [1], heißt es in einem Nachruf, aus dem im folgenden ausführlich zitiert werden soll, weil er auf eine sehr persönliche Art Erna Stahls Werdegang schildert und dabei auf einige ihrer Vorlieben hinweist: „Mit 6 Jahren musste eine Schule besucht werden. Die Eltern gaben ihr Kind zu Anna Krauth, einer sehr guten Privatschule. Als die Schulanfängerin, die noch nicht lesen und schreiben konnte, der Leiterin vorgestellt wurde, überraschte sie die Anwesenden mit der Frage: ‘Wo hast du deine Bibliothek?’ Bücher strahlten für Erna Stahl auch in ihrem weiteren Leben eine Faszination aus. Mit welcher Hingabe sie ab 1954 zwei Büchereien aufbaute, ist unbeschreibbar: die meisten Bücher las sie vorher selbst, auch – und das tat sie mit Begeisterung – die Kinderbücher. Eine Ausleihe erfolgte fast immer nur in ihrer Gegenwart; ‚pfleglichste Behandlung’ (ein oft aus ihrem Mund gehörtes Wort) musste gewährleistet sein. Die Schulanfängerin, die voll Neugierde nach der ‚Bibliothek’ fragte, weil man Büchern Schönes, Wunderbares entnehmen konnte, zeigte im Grunde die Seelenhaltung, die wir auch im hohen Alter noch finden. Bibliotheken blieben für Erna Stahl geistige Zentren. Von denen Leben ausging, höheres Leben.
In der Privatschule Anna Krauth blieb Erna Stahl 10 Jahre. Dass ihre frühe Eigenwilligkeit und sehr große Selbstständigkeit hin und wieder in der Schule zu Auseinandersetzungen führt, erscheint nur zu verständlich. Kurz vor dem Abschluss der 10.Klasse, dem so genannten Einjährigen, erzählt ihr eine Schulfreundin, dass sie 2 Tage nicht zur Schule käme. Sie hätte frei, um eine Aufnahmeprüfung im Lehrerseminar zu machen. Das junge Mädchen Erna Stahl geht mit, ohne Anmeldung, macht auch die Prüfung. Die Freundin fällt durch, Erna Stahl besteht und öffnet sich damit das Tor zum Lehrerberuf.
Das Lehrerseminar hat Erna Stahl nicht abgeschlossen. Schon bald sieht man sie an der Universität Gastvorlesungen hören. Zu einem richtigen Universitätsstudium bedurfte es aber des Abiturs, das sie 1925 nach dem Besuch der Helene-Lange-Schule ablegte. Viele Einflüsse werden in dieser Zeit die kunst-, musik-, dichtungs- und Theater liebende junge Dame berührt haben. Geistig früh unabhängig musste sie aber um ihre materielle Selbstständigkeit sehr kämpfen, denn eine Unterstützung konnte ihr das Elternhaus nicht geben.
Erna Stahl verdiente ihren Lebensunterhalt selbst, durch Unterricht oder aber, was sehr häufig geschah, sie spielte zum Tanz auf bei Freunden, in Gesellschaften oder bei Veranstaltungen. Ganz besonders gerne gab sie auch Kurse für Arbeiter in Deutsch und Geschichte an der Privatpresse Jessel. Sie erledigte ein ungeheures Arbeitspensum. Wir hören davon, dass Erna Stahl bis unmittelbar vor dem Staatsexamen neben ihrem Studium bis zu 40 Wochenstunden unterrichtet hat“ [1].
1928 begann sie an der Hamburger Lichtwark-Schule zu unterrichten. Diese Schule war keine klassische Lehranstalt, sondern eine Modellschule der Reformpädagogik. Diese Schule - ein Kurt-Schumacher-Bau am Rande des Stadtparks (dieser Platz war ausdrücklich wegen seiner Nähe zur Natur gewählt worden) - beschritt ungewöhnliche Wege. Mädchen und Jungen erhielten gemeinsamen Unterricht, den musischen Fächern wurde breiter Raum gewährt. Es wurde Englisch und Französisch gelehrt und ein Kurssystem eingeführt, um unterschiedlichen Begabungen und Neigungen entsprechen zu können. Schülerinnen und Schüler bekamen ein Mitbestimmungsrecht, es gab einen Schülerinnen- und Schülerrat und eine Schulzeitung. Die bis dahin übliche autoritär geführte Schulleitung wurde abgelöst, und es bildete sich eine Zusammenarbeit zwischen Schülern, Schülerinnen, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern. Zum ersten Mal standen Klassenreisen auf dem Schulplan. Leistungssport oder vormilitärische Ausbildung waren verpönt, stattdessen standen spielerisches Miteinander auf der Grundlage von Fairness und Toleranz im Mittelpunkt. Trotzdem wurde auf Disziplin und Leistungsbereitschaft nicht verzichtet. [Ergänzung von Rita Bake: Eine ihrer Schülerinnen war Traute Lafrenz, die in der NS-Zeit am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt war, siehe ihr Portrait unter www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/traute-lafrenz/]
Kein Wunder, dass die Schule mit diesem Konzept den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war. 1933 wurde der Schuldirektor, Heinrich Landahl, entlassen. Man ersetzte ihn durch einen Nationalsozialisten und hob 1937 auch die Koedukation auf. Von dem Konzept der Lichtwark-Schule blieb nichts mehr übrig.
1935 wurde auch Erna Stahl entlassen. Sie hatte sich mutig den „neuen Kräften“ entgegengestellt. Nationalsozialistische Ideen fanden in ihrem Unterricht keinen Platz. Den Hitlergruß in der Schule lehnte sie ab und las in ihrer Wohnung mit ihren Schülerinnen und Schülern die „verbotene Literatur“. Auf diesen Leseabenden machte sie ihre Schüler und Schülerinnen bekannt mit Werken verbotener Dichter und Schriftsteller wie Werfel, Hofmannsthal, Georg Kaiser und Thomas Mann und stellte auch die Malerei des Expressionismus vor, wies auf Werke vom Marc, Kandinsky und Münter hin.
Erna Stahl wurde an das Alstertalgymnasium strafversetzt und musste in der Klasse von Hilde Ahlgrimm, die Biologie, Mathematik und Chemie gab, den Deutsch-, Geschichts- und Religionsunterricht übernehmen. Was zunächst in einem negativen Licht erschien, erwies sich als Glücksfall, denn „damit beginnt nicht nur fachlich eine überaus glückliche Ergänzung zweier Menschen, sondern es entwickelte sich auch eine Lebensfreundschaft. ‚In herzlichster Verbundenheit über viele Jahre schönster und reichster Arbeit’ – ein von Erna Stahl in anderem Zusammenhang geprägtes Wort – wirkten sie gemeinsam, durchstanden die Freundinnen jene Zeiten der Not, erlebten dann aber auch Augenblicke höchster Freude.“¹ Gelegentlich unterschrieben die beiden Freundinnen ihre gemeinsamen Briefe mit „Stahlgrimm“.
Aber auch am Alstertalgymnasium hielt sich Erna Stahl nicht streng an den von den Nationalsozialisten vorgeschriebenen Lehrplan. Das führte soweit, dass der Schulleiter eines Tages zu Frau Ahlgrimm sagte, Frau Stahl möge sich im Geschichtsunterricht mehr am Treitschke als an Ranke orientieren.
An vielen Abenden trafen sich Erna Stahls ehemalige Schülerinnen und Schüler der Lichtwark-Schule weiterhin bei ihrer alten Lehrerin. Die Jugendlichen kamen hauptsächlich aus fortschrittlichen, antifaschistischen Elternhäusern. Unter ihnen waren auch Heinz Kucharski und seine Freundin Margaretha Rothe, die einen Widerstandskreis bildeten, der nach dem Krieg als Hamburger Zweig der Widerstandgruppe „ Weiße Rose“ bezeichnet wurde.
Als die Bespitzelungen durch die Nazis immer schärfer wurden, stellte Erna Stahl ihre Leseabende ein. Dennoch wurde sie am 4.12.1943 verhaftet, nachdem einige Monate zuvor bereits vier Mitglieder der Hamburger „Weißen Rose“ verhaftet worden waren – darunter Heinz Kucharski und Margaretha Rothe. Erna Stahl wurde des „Hochverrats“ beschuldigt, sie hätte in „staatsfeindlichem Sinne“ die ihr anvertrauten Jugendlichen verführt und für ihre Anschauungen missbraucht.
„Erna Stahl erhält Einzelhaft. Bis Oktober 1944, d. h. mehr als 10 Monate verbringt sie in ihrer Zelle in Hamburg-Fuhlsbüttel – ohne Buch, ohne Schreibwerkzeug, ohne Papier, isoliert, allein gelassen“ 1). Ein langer Leidensweg durch mehrere Gefängnisse begann. Zunächst kam sie nach Cottbus: „Anfang Januar 1945 konnte Frau Ahlgrimm dort die Freundin noch besuchen. Dann brachen die Fronten. Über Berlin und Leipzig wurde Erna Stahl nach Bayreuth verlegt. Erna Stahl verlor in diesen Wochen in Bayreuth die Sprache, sie konnte keinen Satz mehr herausbringen, das Wort, das von ihr überaus geliebte Wort, versagte sich ihr. Man brauchte aber ihre Aussage, man musste ein Geständnis haben. Deswegen, und nur deswegen erhielt sie Schreibwerkzeug und Papier. Nun aber brach es aus ihr heraus. 20 Seiten schrieb sie, 20 Seiten Anklage, ihre große Anklage gegen den derzeitigen Verbrecherstaat und die nationalsozialistischen Machthaber. Doch damit hatte sie selbst ihre Verurteilung heraufbeschworen. Der Anwalt telefonierte nach Hoffnung machen. Doch die Kriegsereignisse nahmen einen stürmischen Verlauf. Von Berlin aus setzte sich am 12. April 1945 der Volksgerichtshof nach Bayreuth ab. Aber am 15.April 1945 besetzten - von Westen kommend - die Amerikaner die Stadt. Die Freiheit war wieder gewonnen“ [1].
Nach der Befreiung nahm Erna Stahl ihre Tätigkeit als Lehrerin wieder auf. Mit ihrer Freundin übernahm sie die Leitung der Oberschule für Mädchen im Alstertal. Da Schulbücher fehlten, schrieb Erna Stahl ein Lesebuch für den Deutschunterricht mit dem Titel „Im Kreislauf des Jahres“, das 1947 erschien.
Erna Stahl stellte auch einen Antrag auf Koedukation an ihrer Schule. Sie musste lange darum kämpfen - aber 1949 war es soweit.
Als man ihr anbot, die Lichtwark-Schule neu zu eröffnen, lehnte sie ab, ebenso das Angebot, die Odenwaldschule zu leiten. Ihr schwebte inzwischen ein anderes, ein eigenes Schulmodell vor, das u. a. Elemente der Lichtwark-Schule mit denen der Waldorfschule verbanden. Nach vier Jahren erhielt Erna Stahl 1950 endlich grünes Licht für ihren pädagogischen Modellversuch. Diesen begann sie im Albert-Schweitzer Gymnasium mit zwei Klassen, die nach dem zehnten Schuljahr ihren Abschluss machten.
1954 konnte Erna Stahl dann die erste Gesamtschule Hamburgs, die Albert-Schweitzer-Schule gründen, die bis zum Abschluss der zehnten Klasse führte.
Vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus nahmen Erna Stahls pädagogische Ideen eine neue Wendung, die sie in ihrer Gesamtschule verwirklichen wollte. Die Reformpädagogik der Weimarer Zeit hatte zwar viele Neuerungen gebracht, sie hatte aber nicht vermocht, junge Menschen im Denken und Handeln so zu leiten, dass „sie später der politischen Verführung aktiv begegnen“ konnten. Deshalb plädierte Erna Stahl für folgenden pädagogischen Versuch: „Versuchen wir das im Kinde anzusprechen, was ewig und unzerstörbar ist, binden wir es damit – ohne viel davon zu reden – an eine höhere Welt. Es ist die einzige Bindung, aus der alles rechte Maß, alle rechte Kraft, alle rechte Liebe und alle rechte Freiheit fließt. Wer dieses Maß hat, oder doch als Ziel anstrebt, kann überall – ganz gleich in welchem Beruf, in welcher Partei, in welcher Konfession er einmal stehen will und wird, ein ganzer Mensch sein. Dazu sollten wir erziehen – nicht zum Beruf, nicht zu weltanschaulicher oder politischer Verfestigung. Welcher Art auch immer“ [1].
Erna Stahls Erziehung war eine Erziehung ohne Auslese – vom Straßenfeger bis zum Staatslenker – sagt sie. In den ersten Schulklassen wurden keine Noten erteilt. Dies sollte die Individualität stärken. Von der ersten Klasse an fanden die musischen Fächer besondere Betonung.
Ein anderer Schwerpunkt war der Weg nach außen, hin zu den anderen Völkern. So wurde z.B. Englisch schon ab der ersten Klasse, Französisch ab der fünften Klasse unterrichtet. Erna Stahl stellte sich gegen den „hochgezüchteten Intellekt“ der so genannten „wissenschaftlichen Oberschule“, die die seelische Entwicklung der Kinder vernachlässige. In ihrer Schule sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen und jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten gefördert werden. Natürlich war es selbstverständlich, dass Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet wurden.
In der Wirtschaftswunderzeit wuchs bei Erna Stahl die Sorge „vor einer heraufkommenden Bildungspolitik, die alles streicht, was nicht unmittelbar das Rädchen Kind zu einem funktionierenden Rad in der Industriegesellschaft präpariert“. Der übersteigerte Leistungswahn erschien Erna Stahl als Bedrohung des Kindes und der Zukunft überhaupt.
Welchen großen Einfluss Erna Stahl auf ihre Schülerinnen und Schüler hatte, wird aus der Ansprache eines ehemaligen Schülers deutlich, die er anlässlich des Todes seiner Lehrerin hielt. „Ich war von 1949 bis 1953 ihr Schüler und habe sie in dieser Zeit kennen gelernt als eine energische, achtungsgebietende Persönlichkeit, die genau wusste, was sie wollte, und die uns, ihre Schüler, bis ins Tiefste geformt hat. Sie erzählte einmal von ihrer Begegnung mit Cosima Wagner in Bayreuth; wie sie vor ihr saß voller Verehrung und Hochachtung und Scheu, nur auf einer Ecke des Stuhles, die Tasse klirrte in ihrer Hand. Ich glaube, viele von uns, Schüler und wohl auch Lehrer, haben im Geist manchmal ebenso vor ihr gesessen ‚nur auf einer Ecke des Stuhles! Sie erwartete von uns Disziplin, Selbstdisziplin, so wie von sich selbst. Die katholischen Ordensfrauen waren ihr Vorbild, die noch im heißesten Sommer, ohne sich etwas anmerken zu lassen, ihre Tracht trugen. Sie konnte faszinierend erzählen. Sie hat uns Goethe erzählend nahe gebracht. Wenn sie erzählte, ging es mit ihr ‚durch’; dann überhörte sie auch jedes Pausenzeichen. Und als wir uns einmal darüber beschwerten, gab sie uns in der nächsten Stunde dadurch eine Antwort, dass sie beim ersten Ertönen der Schulglocke, mitten im Wort abbrach und wortlos den Klassenraum verließ.
Wir haben auch noch eine andere Seite ihres Wesens kennen gelernt: Ihr Vermögen, sich in andere Menschen einzufühlen. Ich denke an den ersten Tag unseres schriftlichen Abiturs. Wir saßen jeder an einem Tisch im Zeichensaal der Schule am Erdkampsweg. Und für jeden hatte sie ein kleine Vase gekauft- für die Mädchen eine weiße, für die Jungen eine braune – und uns ein paar Blumen auf den Tisch gestellt. Welch ein Zeichen an solch einem Tag! Dann öffnete sie den noch amtlich verschlossenen Umschlag mit den Abituraufsatzthemen, las und nickte zufrieden. Sie hatte sich jeden von uns 18 vorgestellt und dann die drei geforderten Themen für die Aufsätze so gewählt, dass jedem von uns eines wie auf den Leib geschrieben sein musste – und wir hatten dann auch jeder ‚unser’ Thema gewählt, wie sie uns hinterher sagte. Aber sie hatte der Schulbehörde doch Themen angeben müssen, wovon eines von der Schulbehörde gestrichen wurde! Ja, sagte sie später lächelnd, das vierte hatte ich so formuliert, dass dieses Thema ganz gewiss gestrichen werden musste. Und so war’s denn auch geschehen.
Sie war kein bequemer Mensch. Sie hatte ihre Ecken und Kanten. Sie hat es sich und den Menschen, die mit ihr zu tun hatten, manches Mal nicht leicht gemacht. Sie ist oft gegen den Strom und die Zeit geschwommen. Sie hat uns gelehrt, dass der Funke nur von Mensch zu Mensch im persönlichen Gegenüber überspringt; dass die modernen Medien dieses Überspringen des Funkens eher verhindern als fördern. Sie hat, auch nach ihrer Pensionierung, sich sehr engagiert und kritisch mit dem literarischen und politischen – und schulpolitischen – Geschehen auseinandergesetzt und sehr klar und unmissverständlich ihr Meinung gesagt und geschrieben. Nicht immer zur Freude ihrer Adressaten“ [1]. Im März 1965 legte Erna Stahl die Schulleitung nieder. Zum Ende ihrer Abschiedsfeier stand Erna Stahl mit ihrer Freundin Frau Ahlgrimm auf, hielt dann jedoch einen Augenblick inne und, so heißt es in einem auf sie gehaltenen Nachruf: „wandte sich um und die Hand leicht erhebend rief sie ‚Singt mir noch einmal zum Schluss, Viele verachten die edle Musik’. Festen Schrittes durcheilte sie den Raum, verharrte aber kurz vor dem Ausgang noch einmal, hob den Kopf und sprach in den Gesang: ‚Vergesst die Kinder nicht.’ Nur wenige haben den Ruf vernommen!“ [1]
2007 beschloss der Ortsausschuss Fuhlsbüttel, dass in dem neuen Wohngebiet in Klein Borstel , welches neben dem Ohlsdorfer Friedhof entsteht, Straßen nach Frauen benannt werden sollen, die auf dem Ohlsdorfer Friedhof bestattet wurden. Als Quelle hierzu wurde das Buch von Rita Bake und Brita Reimers „Stadt der toten Frauen“ genommen. So wurde auch nach Erna Stahl eine Straße benannt: Erna-Stahl-Ring.
Text: Kirsten Leppert
Erna Stahl war eine Lehrerin von Ursula de Boor.
Zitate:
1 zwei Ansprachen bei der Trauerfeier für Erna Stahl am 27. Juni 1980. (Unveröffentlichtes Manuskript)
Vgl.: Albert-Schweitzer-Schule Hamburg 1950-1975. Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen.
Vgl.: Angela Bottin: Katalog zur Ausstellung „Enge Zeit“ im Auditorium Maximum der Universität Hamburg vom 23. Februar bis 4. April 1991.
Vgl: Heinrich Christian Meyer (Hrsg.): Die Lichtwarkschule. Selbstverlag 1975.
Vgl.: Erna Stahl (Hrsg.): Jugend im Schatten von Gestern. Aufsätze Jugendlicher zur Zeit. Hamburg 1948.
Vgl.: Erna Stahl: Ansprache anlässlich des Besuches von Albert Schweitzer in Hamburg. Unveröffentlichtes Manuskript 1959.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: März 2024) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Stand März 2024: 1316 Kurzprofile von Frauen und 437 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Wesentlich aktualisiert im Januar 2024: Emma Gertrud Eckermann
Januar 2024: Astrid Matthiae

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März 2024: Abel Margaretha Sophia Forsmann

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2868 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Literarische Gestalten (86), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (198). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 474 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (9) benannt. (Das sind 14% der nach Personen benannten Straßen. Darin enthalten sind: Literarische Gestalten (39), frei gewählte weibliche Vornamen (21) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (66). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: Januar 2024).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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