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Frauenbios

Ingeborg Tönnesen

( Ingeborg Tönnesen, verh. Laubach, seit 1968 Kraus )
(8.12.1912 Hamburg – 19.3.2009 Fellbach bei Stuttgart)
Gewerkschaftsfunktionärin, Krankenschwester, Widerstand gegen das NS-Regime
Oberschlesische Straße 59 (Wohnadesse)
Deutscher Gewerkschaftsbund Besenbinderhof (Wirkungsstätte)
Ingeborg Tönnesen; Bildquelle: Zimmermann, Rüdiger: 100 Jahre ÖTV Biographien. Union Druckerei- und Verlagsanstalt. Frankfurt am Main 1996, Seite 122.
Ingeborg Tönnesen entstammte einer sozialdemokratischen und gewerkschaftlich orientierten Familie. Nach dem Abschluss der Volksschule erlernte sie den Beruf der Schneiderin und wurde 1928 Mitglied im Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verband und dort Jugendleiterin. Nach ihrer Gesellenprüfung begann sie im Oktober 1930 eine Ausbildung zur Krankenschwester im AK Barmbek. Im selben Jahr wurde sie Mitglied der SPD.
In der NS-Zeit gehörte sie zum Widerstandskreis um Bruno Verdieck [Jugendsekretär des Bekleidungsarbeiter-Verbandes]. Er wurde 1936 verhaftet, ebenso Ingeborg Tönnesen, die von Juni bis November 1936 im KZ Fuhlsbüttel [in „Schutzhaft“] wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ inhaftiert war.
Nach der Entlassung arbeitete Ingeborg Tönnesen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als private Krankenpflegerin und dann auf Befehl der Gesundheitsbehörde am Krankenhaus in Barmbek.
Im Wikipedia-Eintrag über Ingeborg Tönnesen heißt es: „1945 meldete sie sich freiwillig für die Krankenpflege im befreiten KZ Bergen-Belsen. Hier wirkte sie gemeinsam mit anderen Hamburgerinnen und erwarb für ihre Tätigkeit Ansehen. Während dieser Zeit heiratete sie Wilhelm Laubach. Die Ehe hielt nur bis zur Scheidung 1946.
Anfang Juli 1945 wurde Tönnesen Mitglied im neugegründeten Gesamtverband der Verkehrs- und Gemeindearbeiter, in dem sie sich unter ihrem Mädchennamen engagierte. (…) Im Dezember 1945 trafen sich Vertrauensschwestern aller Hamburger Krankenhäuser und gründeten als eigenständige Sektion den ‚Bund freier Schwestern‘, dessen Vorsitz Ingeborg Tönnesen in einem fünfköpfigen Gremium übernahm. Sie arbeitete nun wieder im AK Barmbek, erhielt im Oktober 1946 aber im Gesamtverband eine hauptamtliche Stelle als Leiterin der Freien Schwesternschaft.
Ein gewerkschaftlicher Zusammenschluss von Krankenschwestern galt in Deutschland als einzigartig. Anfang 1947 gehörten der Organisation ungefähr 1700 Schwestern an. Dies entsprach einer Quote von 85 Prozent aller angestellter Krankenpflegerinnen. Die erste Zonenkonferenz der Fachabteilung Gesundheitswesen wählte Tönnesen am 11.Mai 1947 in ihren Vorstand. In dieser Funktion organisierte sie regelmäßige Treffen der Vertrauensschwestern. Außerdem referierte sie über Möglichkeiten, die Organisation der Schwestern auch in anderen Bundesländern aufzubauen. Im Oktober/November 1947 verhandelte sie mit den Hamburger Gesundheitsbehörden erfolgreich neue Ausbildungsregularien und konnte erreichen,“ [1] dass die Berufslaufbahn der Medizinisch-Technischen Assistentin für die Krankenschwestern als Aufstiegsmöglichkeit gelten konnte.
1948 erhielt Ingeborg Tönnesen den Vorsitz des Bundes freier Schwestern in der ÖTV in der britischen Besatzungszone. Und weiter steht im Wikipedia-Eintrag zu der Gewerkschafterin: „Seit dem 18. November 1948 leitete sie das Frauendezernat der ÖTV in der Trizone. Im März 1949 erhielt sie als Mitglied des Hauptvorstands der ÖTV eine hauptamtliche Stelle im Frauensekretariat. An dem Dienstsitz in Stuttgart gestaltete sie bis in die 1960er Jahre Regularien zur Frauenarbeit der Gewerkschaft. Sie richtete insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Hamburg viele Konferenzen und Versammlung für Frauen aus. Als 1950 vom Hauptfrauenausschuss gewähltes Mitglied des geschäftsführenden Vorstands repräsentierte sie die ÖTV wenig später im Bundesfrauenausschuss des DGB. Bis 1965 beteiligte sie sich an allen Bundesfrauenkonferenzen, wo sie wiederholt versuchte, die Situation von im Gesundheitswesen beschäftigten Frauen zu verbessern.“ [2]
Susanne Kreutzer, Professorin an der FH Münster im Fachbereich Gesundheit schreibt in ihrem Aufsatz „Der Aufstieg findet nicht statt. Frauen und Führungspositionen in der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) in den 1950er und 1960er Jahren“, der auf ihrer Dissertation „Vom ‚Liebesdienst‘ zum modernen Frauenberuf. Die Reform der Krankenpflege nach 1945“ basiert: „(…) an eine Frau in der Verbandsspitze gewöhnten sich die männlichen Gewerkschaftsfunktionare nur langsam. Der erste geschäftsführende Hauptvorstand der OTV war ein exklusives Männergremium. 1952 aber wählten die Delegierten des Gewerkschaftstages Tönnesen als erste und einzige Frau in den geschäftsführenden Hauptvorstand. Ihre Wahl, erinnerte sich Tönnesen, musste der Verbandsvorsitzende Kummernuss, ‚ja erst dem Gewerkschaftstag beibringen […]. Das war ja eine neue Einrichtung […]. Das war nicht leicht, das durchzubringen.‘ Das Wort des Verbandsvorsitzenden durfte wichtig gewesen sein, um dieser Frau den Zugang in die Gewerkschaftsspitze zu öffnen. Ohne männliche Verbündete in der Organisation hatten Frauen in der Gewerkschaft kaum eine Chance, ihre Interessen ins Spiel zu bringen.
Auf Seiten der Frauen war großes diplomatisches Geschick im Umgang mit den männlichen Funktionären gefragt. Auf der einen Seite mussten sie offensiv ihren Platz behaupten und die Berücksichtigung ihrer Interessen fordern, auch auf die Gefahr hin, sich unbeliebt zu machen. Auf der anderen Seite galt es, den richtigen Ton zu treffen und das richtige Tempo einzulegen. Eine Frau, so Tönnesen, muss ‚in den Fingerspitzen haben, wie weit sie bei den Männern gehen kann.‘ Aus ihrem Gewerkschaftsalltag erinnerte sie sich: ‘Ich konnte dann meine Männer mir gegenüber beobachten. Wenn die dann guckten oder so, wenn ich was gesagt habe. Dann habe ich gedacht: ‚Hör jetzt mal auf. Das hat doch keinen Zweck.‘
Angesichts der Männerdominanz war ‚Brachialgewalt‘ wie Tönnesen es nannte, zum Scheitern verurteilt. Mit großer Beharrlichkeit und einem hohen Einfühlungsvermögen in die Befindlichkeiten des männlichen Gewerkschaftsumfeldes mussten die Frauen sich immer wieder dafür einsetzen, dass ihre Interessen nicht gänzlich von der gewerkschaftspolitischen Tagesordnung verschwanden. Dazu gehörte auch, den Männern das Gefühl zu geben, die Entscheidungsbefugten zu bleiben: ‚Man muss ein Fingerspitzengefühl haben für die Männer, dass man zu rechter Zeit zu ihnen reingeht und sagt: ‚Ach gucken Sie sich das doch mal an Kollege, kann man das so schreiben?‘, damit die Männer das Gefühl haben, sie werden gebraucht. Das ist nämlich wichtig.‘
Hilfreich konnte es in diesem Fall auch sein, die Geschlechterstereotypen zu bemühen, und Tönnesen empfahl, sich gegebenenfalls ‚mit dem Finger am Mund wie ein kleines Mädchen“‘ an den zuständigen Gewerkschaftssekretar zu wenden. ‚Da wird er mal ein Komma ändern und vielleicht mal ein anderes Wort nehmen, aber er wird dann glauben, es ist sein Werk.‘ Dieser Balanceakt, die Geschlechterbilder der Gewerkschaftsmänner zu bedienen und gleichzeitig als ernst zu nehmende Gewerkschafterinnen wahrgenommen zu werden, stellte höchste Anforderungen an die aktiven Frauen.“ [3]
Und in Wikepedia heißt es weiter über Frau Tönnesen: „Tönnesen war anfangs der Meinung, dass Frauen nur so lange bevorzugt behandelt werden sollten und eigene Organisationen benötigten, bis sie gleich behandelt würden. Sie sprach sich insbesondere gegen den Hausfrauentag aus und trat für gleiche Bezahlung beider Geschlechter ein. (…)
Ingeborg Tönnesen gelang es, dass 1952 20 anstatt zuvor 10 Prozent der Delegierten bei ÖTV- Gewerkschaftstagen Frauen waren. Außerdem konnte sie durchsetzen, dass in jedem Gewerkschaftsgremium mindestens eine Frau vertreten war. Die Delegierten des ersten ÖTV- Gewerkschaftstages in Hamburg wählten sie mit deutlicher Mehrheit in den geschäftsführenden Hauptvorstand. Später übernahm sie in der Gewerkschaft weitere Posten, darunter in der Internationale der öffentlichen Dienste (IÖD), in der Bundesanstalt für Arbeit, im Bundesgesundheitsrat sowie an der Schwesternschule der Universität Heidelberg.“ [4]
Susanne Kreutzer schreibt in ihrer Dissertation: „1952 kritisierte Ingeborg Tönnesen auf einer Sitzung des geschäftsführenden Hauptvorstand [der ÖTV], das die Arbeit der Frauensekretärinnen in den Bezirken schlechter bewertet werden als die der Bezirkssekretäre. Dies war in der Tat ein Skandal, setzte sich die Gewerkschaft doch schließlich offiziell für die Gleichstellung von Frauen- und Männerlöhnen ein. Tönnesen bat also, ‚künftig die Frauenarbeit genau so zu bewerten wie die der anderen Bezirkssekretäre.‘ Dabei machte sie aber eine bedeutsame Ausnahme und erklärte: ‚Ausgenommen wissen wollte sie nur die Kolleginnen in den Bezirken Bayern und Baden-Württemberg, deren Arbeitsleitungen wirklich nicht an die der anderen heranreichen würden.‘
Damit trat nicht nur die Konfliktlinie zwischen den ‚fortschrittlichen‘ Hamburgerinnen und den ‚rückschrittlichen‘ Süddeutschen zu Tage. Bemerkenswert ist auch die Bereitschaft von Tönnesen, ihren Kolleginnen in den Rücken zu fallen. Gleichzeitig wirft der Vorschlag ein zweifelhaftes Licht auf das ‚gewerkschaftliche Bewusstsein‘ von Tönnesen selbst, zumindest, wenn es um Fragen der Lohngerechtigkeit ging. Die Gehälter der Gewerkschaftssekretäre orientierten sich an ihrem Aufgabenzuschnitt und nicht daran, wie das zuständige Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands die jeweilige Arbeitsleitung einschätzte.“ [5]
In Wikipedia wird über ihren weiteren Lebensweg berichtet: „Ab den Vorstandswahlen 1958 erhielt Tönnesen zunehmend Kontrastimmen. Bei den Wahlen 1964 konnte sie nur noch knapp die in der Satzung vorgeschriebene Mehrheit erreichen. Sie selbst führte es auf zunehmende Frauenfeindlichkeit in der ÖTV zurück. Der Frauenanteil unter den Gewerkschaftsmitgliedern nahm aus verschiedenen Gründen stetig ab.“ [6] Gründe dafür lagen u.a. wie Angela Graf in ihrem Beitrag über Ingeborg Tönnesen schreibt: in dem „Verlust ganzer Berufsgruppen –etwa [den] der Straßenbahnschaffnerinnen -, [dem] Ausscheiden älterer Mitglieder, [der] Privatisierung der Reinigungsdienste und [in einer] hohe[n] Fluktuation im Gesundheitsbereich (…). Diese Entwicklung führte zu Diskussionen über die Frage, ob Frauen in der Gewerkschaft über eigenständige Vertretungen verfügen sollten. Ingeborg Tönnesen war bereit, diese Position ganz aufzugeben.“ [7]
In der digitalen Bibliothek der Friedrich Ebert Stiftung steht über Ingeborg Tönnesen: „In den neu eingesetzten Kommissionen, die auf Beschluß des Hauptvorstandes im Frühherbst 1964 gebildet wurden, arbeitete Ingeborg Tönnesen in der Kommission für Sozialpolitik mit. Auf dem 6. ordentlichen Gewerkschaftstag vom 30. Juni 1968 bis 6. Juli 1968 in München schied Ingeborg Tönnesen als hauptamtliche Funktionärin aus dem Dienst der Organisation aus. Angebote, die Abteilung Gesundheitswesen weiterzuleiten, lehnte sie ab. (...) Tönnesen hielt eine eigenständige Repräsentanz weiblicher Mitglieder nun für verzichtbar. Ab Herbst 1964 beteiligte sie sich in der Kommission für Sozialpolitik und nahm am 6. ordentlichen Gewerkschaftstag der ÖTV teil, wo sie aus der Organisation austrat. Die ihr angetragene Leitung der Abteilung Gesundheitswesen nahm sie nicht.“ [8]
Ingeborg Tönnesen heiratete 1968 ein zweites Mal und hieß seitdem mit Nachnamen Kraus.
Quellen:
1 de.wikipedia.org/wiki/Ingeborg_Tönnesen, abgerufen: 12.1.2018
2 Ebenda.
3 Susanne Kreutzer: „Der Aufstieg findet nicht statt“. Frauen und Führungspositionen in der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTIV) in den 1950er und 1960er Jahren, in: Mitteilungsblatt des Instituts für Soziale Bewegungen/Heft 35 (2006), S.171f. Unter: moving-the-social.ub.rub.de/index.php/Moving_the_social/article/view/625/591
4 de.wikipedia.org/wiki/Ingeborg_Tönnesen, abgerufen: 12.1.2018
5 Susanne Kreutzer: Vom „Liebesdienst“ zum modernen Frauenberuf. Die Reform der Krankenpflege nach 1945. Frankfurt, New York 2005, S.90.
6 de.wikipedia.org/wiki/Ingeborg_Tönnesen, abgerufen: 12.1.2018
7 Angela Graf: Ingeborg Tönnesen, in: Hamburgische Biografie. Hrsg. von Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke. Bd.5. Hamburg 2010, S. 368.
8 Friedrich Ebert Stiftung, digitale Bibliothek: Teildokument: Kraus, Ingeborg (geb. Tönnesen, verheiratete Laubach), unter: library.fes.de/fulltext/bibliothek/tit00205/00205g04.htm
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

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Stand August 2021: 1257 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

August 2021: Esther Bejarano, Gerda Zorn, Sara Susanne Pander, Christa Mulack, Jutta Rall-Niu, Antonia Hilke

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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