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Frauenbios

Sophie Barrelet

(10.1.1893 - 26.10.1987)
Lehrerin, Ruderin , Gründungsmitglied des Zonta Clubs, Mitbegründerin und Erste Vorsitzende des Hamburger Ruderinnen-Clubs
Woldsenweg 6 (1938) (Wohnadresse)
Bestattet auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756
Sophie Barrelet „galt als Vorkämpferin für den Hamburger Schulsport, engagierte sich für den Aufbau des Studentinnensports und war eine profilierte Vertreterin des deutschen Damenruderns“, schreibt Traute Hoffmann in ihrem Buch „Der erste deutsche ZONTA-Club. Auf den Spuren außergewöhnlicher Frauen“. Hans-Peter de Lorent hat über Sophie Barrelet noch etwas anders zu berichten:
„Das deutsche Mädchen muß früh lernen, tapfer durchzuhalten, Entbehrungen zu ertragen.“
Sophie Barrelet war sicherlich eine starke und resolute Frau. Aber sie war auch die führende Repräsentantin der Nationalsozialisten im Hamburger Schulwesen. Mit ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester Adelheid Barrelet erwies sie sich als glühende Nationalsozialistin, die zu den Aktivistinnen im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) gehörte. Die Barrelets galten als „die Nazissen“ im Hamburger Schulwesen von 1933 bis 1945, die im Nazi-System Karriere machten.
Als Sophie Barrelet am 26.10.1987, 94-jährig starb, trauerten in einer Anzeige im Hamburger Abendblatt für die Angehörigen Horst Barrelet, Rechtsanwalt und ehemaliger HSV-Präsident und der evangelische Landesbischoff und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Eduard Lohse. Die Gnade eines langen Lebens hatte Sophie Barrelet zu einer verdienten Hamburgerin gemacht. [1]
Ihre Leistung war u.a., Gründerin und langjährige Vorsitzende (von 1927 bis 1965) des Hamburger Ruderinnen Clubs gewesen zu sein. [2]
Schon zum 50-jährigen Bestehen des Clubs hatte das „Hamburger Abendblatt“ sie 1975 gefeiert:
„Als junge Lehrerin, ein Beruf, dem sie sich mit Leib und Seele verschrieben hatte, setzte sie bereits 1924 an der Lichtwarkschule, der ersten Koedukationsschule in Hamburg, die tägliche Turnstunde für alle durch und gab damit ein noch heute aktuelles Beispiel.
Noch heute ist die 82-Jährige häufig im Klubhaus am Isekai anzutreffen, nicht nur bei den Vorstandsitzungen, an denen sie als Ehrenvorsitzende teilnimmt, sondern auch regelmäßig beim Treffen der sogenannten `Morgenfrauen`, die sich mittwochs zum Rudern und Kaffeetrinken treffen. Bis vor kurzem stieg Frau Barrelet selbst noch ins Boot. Außer dem Rudern gehört ihr Herz den Bergen; die Westalpen und die Dolomiten kennt sie aus dem ‚Effeff’.“ [3]
Und noch an anderer Stelle fand Sophie Barrelet als ehrenwertes Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft Erwähnung. Als der in Amerika gegründete Zonta Club (Advancing the status of women worldwide), „die weibliche Antwort auf Rotary” [4], im Jahre 2006 sein 75-jähriges Jubiläum feierte, titelte das „Hamburger Abendblatt“: „Der Club der starken Frauen”. 39 Frauen, Ärztinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Geschäftsfrauen hatten im April 1931 im neuen Rechtshaus in der Rothenbaumchaussee 44 die Vereinsstatuten festgelegt.
Zwei Jahre nach der Clubgründung „wurden die Zonta-Maximen „überparteilich, überreligiös und politisch neutral‘ auf eine harte Probe gestellt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten sollte auch der Hamburger Zonta-Club sich von seinen jüdischen Mitgliedern trennen. Daraufhin ließ der Zonta-Club sich aus den Vereinsregistern streichen und die Mitglieder setzten ihre Treffen im Geheimen fort. [5]
„Die Kaffeemütze, als Abwehrschutz über das Telefon gestülpt, wurde plötzlich zum Symbol eines Frauen-Netzwerks, das alles andere als ein Kaffeekränzchen war.“ [6]
Dennoch - einige dieser Frauen mussten emigrieren. Die Zahnärztin Clara Goldschmidt beging Selbstmord, nachdem Nazis ihr Praxisschild in Eppendorf mit der Aufschrift „Jude“ beschmiert hatten. [7]
Die Autorin Traute Hoffmann hat in einem Buch die Kurz-Biographien einiger Zontians geschrieben [8]. Stellvertretend genannt wird dabei auch Sophie Barrelet. Und hier stimmt die Geschichte nicht mehr- sie wird praktisch auf den Kopf gestellt, wohl weil nach über 70 Jahren auch so Entscheidendes vergessen oder unbekannt ist. [9]
Sophie Barrelet war sicherlich eine starke und resolute Frau. Aber sie war auch die führende Repräsentantin der Nationalsozialisten im Hamburger Schulwesen. Mit ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester Adelheid Barrelet war sie Nationalsozialistin, gehörte sie zu den Aktivistinnen im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB). Beide galten als „die Nazissen“ im Hamburger Schulwesen von 1933-1945, die im Nazi-System Karriere machten.
Insofern erscheint es befremdlich, dass Sophie Barrelet ohne irgendeinen Hinweis auf ihre nationalsozialistische Vergangenheit in die Portrait-Sammlung: „Auf den Spuren außergewöhnlicher Frauen“ aufgenommen wurde. [10]
In der Rubrik „Pädagoginnen“ zusammen mit Olga Essig und Emmy Beckmann, die von den Nazis 1933 als Oberschulrätinnen entlassen wurden. In dem Portrait von Sophie Barrelet heißt es am Ende knapp:
„Aus dem Zonta-Club Hamburg ist sie wahrscheinlich zur Zeit des Nationalsozialismus ausgetreten.“ [11]
Sophie Barrelet wurde am 10.1.1893 als Tochter des Kaufmanns Edouard Barrelet und seiner Frau Mary Adelaide, geb. Walbaum, geboren. [12]
Ihre Herkunft ließ die spätere Hinwendung zum Nationalsozialismus nicht unbedingt erwarten. Ihr Vater entstammte einer französisch- schweizerischen Familie. Der Großvater und andere Familienmitglieder waren lange Zeit Pastoren der Französischen Kirche in Hamburg, eng verbunden mit der Hugenotten-Gemeinde. So war Sophie Barrelet von Kindheit auf mit der französischen Sprache vertraut. Bei den zahlreichen Familienbesuchen in der Schweiz wurde stets französisch gesprochen.
Auch mit dem Englischen war Sophie Barrelet aufgewachsen. Mit ihrer Mutter, die in London geboren wurde und lange dort gelebt hatte, sprach sie stets Englisch. Großvater und Urgroßvater mütterlicherseits waren deutsche Hofprediger am englischen Hofe gewesen. [13]
1913 bestand Sophie Barrelet die Reifeprüfung am Wilhelm- Gymnasium. Danach studierte sie erst in Göttingen, dann in Hamburg. Während des Ersten Weltkrieges musste sie das Studium unterbrechen, um in den Kriegsdienst eingezogene Lehrer zu vertreten.
1921 legte sie die Prüfung für das höhere Lehramt ab und erhielt die Lehrbefähigung für Französisch, Spanisch, Latein, Mathematik und Philosophie. 1922 promovierte sie mit einer Dissertation zum Thema: „Sprachgeographische Untersuchungen zum Problem der Nasalierung in Frankreich“ an der Universität Hamburg.
Danach war sie als Lehrerin tätig an der Oberrealschule in St. Georg, danach an der Lichtwarkschule.
1924-1925 schloss sie dann noch eine Ausbildung als Turn- und Schwimmlehrerin erfolgreich ab.
Sophie Barrelet war fachlich sehr vielseitig aufgestellt und rege. Sie wechselte 1926 an die Universität Hamburg als „Akademische Turn- und Sportlehrerin“ und arbeitet seit dem 1.1.1930 als Dozentin an der Hochschule für Lehrerbildung. 1929 wurde Sophie Barrelet für ihre Tätigkeit beim Erziehungswissenschaftlichen Seminar der Hamburgischen Universität vom Schuldienst beurlaubt. [14] Im Hamburgischen Lehrerverzeichnis für das Schuljahr 1932-33 wurde Sophie Barrelet in diesem u.a. von Prof. Deuchler [15] als Direktor geleiteten Seminar geführt. Deuchler setzte sich insbesondere im Jahr 1932 sehr für sie ein. [16]
Sophie Barrelet trat am 1.5.1933 in die NSDAP ein, gleichzeitig in den NSLB, wo sie sofort zur Leiterin der Abteilung für weibliche Erziehung avancierte. Im Rahmen der Parteistrukturen übernahm sie viele verantwortliche Aufgaben. So leitete sie die Gaustelle für weibliche Erziehung und die NS- Frauenschaft, wurde Gausachbearbeiterin für Frauenturnen, Mitglied der NS-Volkswohlfahrt sowie des Reichs- Luftschutzbundes [17].
Ihre Schwester Adelheid Barrelet vollzog die gleichen Schritte und leitete im NSLB die Gaufachgruppe der Kindergärtnerinnen. Beide wurden auf vielen Feldern aktiv, berufliches, ideologisches und parteipolitisches wurde miteinander verbunden und vermischt.
Sophie Barrelets Lehrtätigkeit stand unter dem Zeichen nationalsozialistischer Ideologie. Ihre letzte fremdsprachendidaktische Veranstaltung an der Hamburger Universität trug den Titel „Die national- politische Aufgabe des fremdsprachlichen Unterrichts“. Der Kurs im darauf folgenden Semester: „Mädchenerziehung und Frauenbildung im Neuen Reich“. [18]
Auch ihre Begeisterung für die Sporterziehung entstand nicht ohne politisch-ideologischen Hintergrund. So schrieb sie in einem Artikel in der „Berliner Zeitung“ über „Politische Leibeserziehung“:
„Das Ziel aller Erziehung und damit auch der Leibeserziehung ist die Heranbildung der Mädchen zu gesunden deutschen Frauen, die sich ihrer völkischen Aufgabe bewusst sind. Volk, Rasse und Persönlichkeit sind die Richtungspunkte der Erziehung. Die Leibesübungen formen Leib und Seele als Träger des Rassenerbes. [19]
Die „Hamburger Lehrerzeitung“ legte ab 1933 regelmäßig Zeugnis ab über die propagandistischen Schulungsaktivitäten der Schwestern Barrelet. Adelheid Barrelet war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zur Leiterin des Fröbelseminars ernannt worden. Beide referierten regelmäßig auf Versammlungen der Lehrerinnen und Erzieherinnen sämtlicher Fachschaften des NSLB. Diese fanden häufig im großen Saal des Curiohauses statt. Sophie Barrelet: „Allgemeines über die Mädchenschule im Neuen Deutschland“. Adelheid Barrelet: „Die Aufgaben der Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnen im Dritten Reich“. Voll werden die Säle durch den Ankündigungszusatz: „Es ist Pflicht aller Lehrerinnen und Erzieherinnen im NSLB, an dieser Versammlung teilzunehmen.“ [20]
Sophie Barrelet berichtete fortlaufend in der HLZ von den Tagungen für weibliche Erziehung, die immer politischer wurden, vornehmlich im deutschen Osten stattfanden, in Königsberg, im „Weichselgebiet“. Thematisiert wurden die „Grenzlandprobleme“, mit Referaten über die „nationalsozialistische Arbeitsweise für Boden und Geschicke der Heimat“, Vorträgen „aus den Gebieten der Erb- und Rassenbiologie sowie auch Ostraum- und Kolonialschulung“. [21]
Sophie Barrelet schwärmte von den Gemeinschaftserlebnissen. Die Tage begannen gern um 6 Uhr mit einem Geländelauf und Gymnastik und endeten mit Nachtwanderungen und Paddelfahrten.
Mit welcher Haltung und welchen Zielsetzungen Sophie Barrelet als Leiterin der Abteilung für weibliche Erziehung wirkte, hatte sie 1934 in einem programmatischen Aufsatz zum Thema Körpererziehung der Mädchen ausgeführt:
„Für die Gesundung und Gesunderhaltung des Volkes, für die Stärkung und Erhaltung der besten rassischen Kräfte im Volke ist eine gute Körpererziehung der deutschen Jugend, der männlichen wie der weiblichen, von wesentlicher Bedeutung.“ Und weiter:
„Das Erziehungsziel steht fest: Der Knabe soll zum Mann erzogen werden, das Mädchen zur Frau und Mutter- beide zu deutschen
Menschen, die ihrem Volke zu dienen bereit und befähigt sind.“
Man glaubt, die Bilder Leni Riefenstahls vor sich zu sehen. Sophie Barrelet schrieb: „Echte, verantwortungsbewusste Körpererziehung, wie sie unser Führer für das männliche u n d weibliche Geschlecht fordert, ist nicht möglich ohne Anstrengung und Kampf“. Wobei ihr besonders die weibliche Körpererziehung ein Anliegen war: „Mut, Selbstbeherrschung, Zähigkeit und Tapferkeit werden geweckt und gestärkt durch entsprechende Anforderungen an den Leistungswillen der Mädchen. In der Überwindung von Hindernissen und Gefahren (tatsächliche oder vermeintliche), wie sie zum Beispiel das Geräteturnen und das Wasserspringen bieten, in der Bekämpfung der Müdigkeit und Unlust, wie sie bei Dauerleistungen auftreten, und in der Meisterung von Schwierigkeiten, wie Wanderungen sie mit sich bringen können, stählt sich der Wille des Kindes. Das deutsche Mädchen muß früh lernen, tapfer durchzuhalten, Entbehrungen zu ertragen.“
Und etwas später: „Dasselbe gilt aber vor allem auch für die Charakterformung. Auch die weibliche Jugend muß erfüllt werden vom heldischen Ideal; denn die zukünftige Frau und Mutter trägt im besonderen Maße die Verantwortung in sich für das kommende Geschlecht, für die Pflege von Gesittung und Volkstum in der Familie.“ [22]
Sophie Barrelet war eine selbstbewusste, streitbare Frau. Sie verfügte über gute Kontakte und war in der NSDAP und im NSLB ausgezeichnet vernetzt. Im Institut für Leibesübungen führte sie eine Auseinandersetzung mit dem Institutsdirektor, Prof. Knoll, offensiv um einen größeren Praxisbezug durch Hinzuziehung akademischer Turnlehrer bei der Lehrerausbildung. Knoll unterstellte „Fräulein Dr. Barrelet“ intrigantes Verhalten. „Ich erwarte, daß bis zum Ende des Semesters keine Quertreibereien mehr von Ihrer Seite kommen und verbleibe mit Heil Hitler“. [23]
Sophie Barrelet, bisher nur Lehrbeauftragte, pflegte auch gute Kontakte außerhalb des Dienstweges, wandte sich direkt an den Landesschulrat und NSLB-Führer Willi Schulz. Sie war aber auch fachlich vielseitig und wechselte 1936 an die Hochschule für Lehrerbildung.
Am 7.6.1940 wurde sie „im Namen des Führers“ zur Professorin ernannt, am 1.4.1942 zur stellvertretenden Leiterin der Lehrerinnenbildungsanstalt (LBA), seit 1939 war sie bis Kriegsende auch als Referentin in der Schulverwaltung tätig.
Ausschlaggebend für diesen Aufstieg waren einerseits sicherlich ihre Aktivitäten in der nationalsozialistischen Bewegung. Andererseits besaß Sophie Barrelet eine breite fachliche Qualifikation, erstklassige Zeugnisse - außerdem wurden im Oktober 1939 „5 Dozenten zum Heerdienst eingezogen“, ebenso wie mehrere Schulräte. [24]
Weil Hochschullehrer und Lehrerausbilder ebenfalls für den Kriegsdienst verpflichtet wurden, arbeitete Sophie Barrelet parallel auch noch von 1941 bis 1944 als Fachleiterin im Staatlichen Studienseminar. [25]
Sophie Barrelet blieb bis zum Ende des Nationalsozialismus aktiv. Am 27.2.1945 referierte sie vor Wehrmachtshelferinnen zum Thema „Die Position von Frauen, vom historischen Standpunkt aus gesehen“. Und am 6.3.1945 sprach sie in Osdorf vor Führeranwärterinnen über „Die Aufgabe der Wehrmachtsführerin“. [26] Ausdauer und Durchhaltevermögen waren bei ihr offensichtlich vorhanden.
Durch Verfügung der Schulverwaltung vom 8.6.1945 wurde Sophie Barrelet von ihrem Amt als Leiterin der Lehrerinnenbildungsanstalt (LBA) beurlaubt. Am 21.11.1945 erfolgte dann, ähnlich wie bei Kurt Holm [27], die Entlassung, endgültig dann durch Verfügung der Britischen Militärregierung vom 31.1.1946.
Den Entnazifizierungsbogen füllte Sophie Barrelet am 19.5.1945 aus. Ihre Sprachkompetenz bewies sie durch parallel gelieferte perfekte englische Übersetzungen ihrer Antworten. [28]
Am 23.6.1945 schien sie noch hoffnungsfroh, weiterbeschäftigt zu werden, „falls es nicht länger möglich sein sollte, mich in einer führenden Position zu beschäftigen“, bot sie eine Tätigkeit als „Tutor für training and higher education of teachers an oder in der Schule.“ [29]
Sie verwies auf ihre Schweizer und englischen Wurzeln.
Als ihre politische Überzeugung und ihre Prinzipien („I have always upheld…“) nannte sie „nationale Ehre und soziale Gerechtigkeit“, sie habe „niemals Hass oder Fanatismus“ gefördert („fostered“). Sie verwies auf ihre kurze DVP-Mitgliedschaft, die während der NS-Zeit von ihr vehement bestritten worden war.
Ihren Beitritt zur NSDAP begründete sie mit dem Glauben „in die Ideale nationaler Ehre und sozialer Gleichheit“.
Immer habe sie „gegenüber ‚defects, unadequateness or faults in the party‘ das Wort erhoben, wiederholt die Politik gegen die Juden kritisiert, keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt bekommen wegen ihres kritischen Verhaltens, niemals finanziell oder beruflich profitiert von ihrer Arbeit im NSLB oder der Frauenschaft.“ [30]
Später schrieb sie, „nie Gehässigkeiten gegen andere gelehrt oder bei meinen Schülern geduldet zu haben.“ [31]
Am 23.3.1946 hoffte sie noch, „daß ich noch einmal Gelegenheit bekomme, an der deutschen Jugend zu arbeiten“. [32]
Es begann eine langjährige Auseinandersetzung um die geforderte Wiedereinstellung, später, als ihr klar wurde, wie aussichtslos dieses Anliegen schien, auch um die Festsetzung der Versorgungsbezüge. Dabei wurde Sophie Barrelet zum Teil von ihrem Neffen, dem Rechtsanwalt Horst Barrelet vertreten.
Die Anwälte benannten Leumundszeugen, die Sophie Barrelet entlasten oder Persilscheine ausstellen sollten.
So schrieb die spätere Direktorin des Institutes für Lehrerbildung, Anne Banaschewski, am 5.11.1947, dass sie selbst auf Vorschlag von Fritz Köhne Ostern 1944 an die Lehrerinnen-Bildungsanstalt abgeordnet worden sei. „Es war Fr. Dr. Barrelet bekannt, dass ich nicht Parteimitglied war; trotzdem hat sie mich ohne politische Beaufsichtigung arbeiten lassen. Allerdings übte sie einen gewissen Druck auf mich aus, dass ich mich irgendwo ‚einsetzen‘ müsste. An ihrer überzeugten nationalsozialistischen Einstellung war nicht zu zweifeln, doch versuchte sie auch zu jenen ihrer Mitarbeiterinnen, die nicht Parteimitglieder waren, (wir waren zwei) in ein menschlich anständiges Verhältnis zu kommen.“ [33]
Einen echten Persilschein erhielt Sophie Barrelet von dem ehemaligen Oberschulrat Dr. Wilhelm Oberdörffer. Er bescheinigte ihr, „nie über das durch ihr Amt gebotene Maß“ politisch hervorgetreten zu sein, „nie verschärfend, sondern stets ausgleichend in ihrem Arbeitsbereich gewirkt“ zu haben. [34]
Sophie Barrelet verwies in ihrem Einspruch gegen die Entlassung wieder auf ihre englischen und Schweizer familiären Wurzeln und erklärte: „Ich bin mit vielen Engländern, Amerikanern und Franzosen verwandt und befreundet.“
Der Beratende Ausschuss lehnte die Wiedereinstellung am 23.4.1948 erneut ab: „Nach eingehender Beratung und vor allem nach längerer Rücksprache mit Frau Oberschulrätin Beckmann sind wir der Meinung, dass sie unmöglich im aktiven Schuldienst wieder beschäftigt werden kann. Der Gewährung einer Pension widersetzen wir uns nicht.“ [35]
Das war besonders interessant, wurde Barrelet doch mit Emmy Beckmann in der Zonta-Portrait-Sammlung 50 Jahre später auf eine Stufe gestellt.
Emmy Beckmann musste noch einmal als Zeugin aussagen, weil der Berufungsausschuss für die Ausschaltung von Nationalsozialisten am 8.12.1948 die Tatsache prüfen lassen wollte, „dass Barrelet in Berlin die Auflösung des Philologinnenvereins mit beschlossen habe. Barrelet weist darauf hin, dass sie in Hamburg zur 1.Vorsitzenden des Philologinnenvereins gewählt worden wäre und deshalb dahin gefahren wäre.“ Nach der Aussage von Emmy Beckmann wurde festgestellt, „Barrelet hatte entgegen dem Votum des Hamburger Philologinnenvereins sich in Berlin parteigetreu für die Auflösung eingesetzt“. [36]
In der Sitzung des Berufungsausschusses am 9.2.1949 wurde Sophie Barrelet damit konfrontiert, ob sie „noch im April 1945 eine Art Gedenkfeier anläßlich Hitlers Tod veranstaltet“ habe. Laut Vermerk erwidert sie: „Ich hatte in meiner Schule ein Wohnheim Ende April oder Anfang Mai, als die Truppen einrückten. Als dieses Wohnheim aufgelöst wurde und die Mädel weggingen, sind wir noch einmal in die Aula gekommen. Daß bei dieser Gelegenheit Hitler gedacht wurde, ist mir nicht erinnerlich.“ [37]
Es war wieder einmal Fritz Köhne, der bestätigte, dass Barrelet keinen Druck auf politisch „nicht als richtige Nationalsozialisten“ zu bezeichnende Lehrer ausgeübt habe. „Meine persönlichen Beziehungen zu Frau Barrelet sind stets angenehm gewesen und hatten keineswegs eine politische Note.“ [38]
Der Berufung wurde stattgegeben Barrelet als Studienrätin mit 75% in den Ruhestand versetzt und in Kategorie IV eingestuft (Mitläuferin). Als Lehrerin sei „sie nicht mehr tragbar“. [39]
Am 16.10.1952 änderten sich die Grundlagen für Sophie Barrelet. Der Leitende Ausschuss entschied gemäß § 6 des Gesetzes zum Abschluss der Entnazifizierung, dass sie mit Wirkung vom 1.10.1952 in Kategorie V eingestuft werde. Damit war sie als unbelastet entnazifiziert. [39]
Im Weiteren wurde ihre Wiederverwendung sowohl vom Lehrerbetriebsrat als auch von der Deputation nicht getragen. Ähnlich wie im Fall Kurt Holm war auch bei ihr nicht vergessen worden, wie sie im Sinne der Nationalsozialisten zur Auflösung der alten Lehrerorganisationen aktiv beigetragen hatte. Eine Rolle, die in den Akten nicht zu verifizieren ist, hat sicherlich auch Heinrich Landahl gespielt, nach 1945 Schulsenator in Hamburg, vor 1933 Schulleiter der Lichtwarkschule, an der Sophie Barrelet einige Jahre gearbeitet hatte. Aus eigener Anschauung und in langjähriger Kenntnis der Person hatte Landahl sich nicht für die Wiedereinstellung von Barrelet eingesetzt.
Erst nach den Bürgerschaftswahlen 1953 unter der Regierung des Hamburg-Blocks mit dem neuen Schulsenator Hans Wenke wurde die Wiedereinstellung von Sophie Barrelet betrieben. In der Zwischenzeit hatte sie bei der privaten Rakow-Schule Sprachen unterrichtet.
Mit Wirkung vom 1.4.1954 wurde sie, 61-jährig an der Wissenschaftlichen Oberschule für Jungen im Alstertal eingestellt, wo sie Religion, Englisch, Latein, Spanisch und Nadelarbeit unterrichtete. Der Schulleiter begutachtete Sophie Barrelet und lobte sie am 2.2.1956 in den höchsten Tönen: „Frau Barrelet hat sich schnell in das Schulleben hineingefunden und verrichtet ihre Arbeit mit Lust und Liebe. Bei ihrem vorgerückten Alter ist sie von einer außerordentlichen körperlichen und geistigen Frische und Lebendigkeit und besitzt ein erfreuliches Maß von Humor und guter Stimmung. Für alle schulpolitischen und pädagogischen Probleme ist Frau Barrelet aufgeschlossen.“ [39] Hier schloss sich ein weiterer Kreis. Schulleiter war Dr. Hans Roemer, der mit Sophie Barrelet als Lehrer zusammen an der Lichtwarkschule gearbeitet hatte.
1958 wurde Sophie Barrelet in den Ruhestand geschickt.
Zu ihrem 70. Geburtstag beglückwünschte sie der Landesschulrat, Ernst Matthewes. Er gratulierte und erwähnte, dass sie noch bis zum 69. Lebensjahr Lehraufträge übernommen hatte, „einen Verein für das Frauenrudern leiten, noch an schwierigen Kletterpartien teilnehmen würde und frisch und munter wie eine junge Forelle“ wäre. [40]
Auch Ernst Matthewes, der Barrelet in den Auseinandersetzungen der 1930er Jahre kennengelernt hatte, machte offenbar knapp 30 Jahre später seinen Frieden mit ihr.
Text: Hans-Peter de Lorent
Anmerkungen:
1 Traueranzeige „Hamburger Abendblatt“ vom 30.10.1987.
2 Siehe: Curt Grass u.a.: Allgemeiner Alster-Club Hamburg von 1844- 1969, Hamburg 1969 .
3 „Hamburger Abendblatt“ vom 1.12. 1975.
4 „Hamburger Abendblatt“ vom 12.5 2006, Heike Gätjen: „Der Club der starken Frauen.“
5 „Welt- online“ vom 1.12. 2002, Saskia Bertling: „Auf den Spuren besonderer Frauen.“
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Traute Hoffmann: Der erste deutsche Zonta-Club. Auf den Spuren außergewöhnlicher Frauen, Hamburg 2002, S. 144 ff.
9 „Hamburger Abendblatt“ vom 12.5.2006
10 Siehe Traute Hoffmann, a.a.O.
11 Ebd., S. 146
12 Wenn nicht anders genannt, laut ihrer Personalakte, BSB-Archiv.
13 Schreiben von Sophie Barrelet vom 25.6.1945 an die Schul- und Hochschulabteilung in Hamburg, ebd.
14 Joachim Wendt: Die Lichtwarkschule in Hamburg, Hamburg 2000, S. 358
15 Siehe: Hans-Peter de Lorent: Personalpolitik. In: Reiner Lehberger/Hans-Peter de Lorent (Hg.). „Die Fahne hoch“. Schulpolitik und Schulalltag unterm Hakenkreuz, Hamburg1986, S. 205.
16 Siehe Biografie Deuchler in diesem Buch.
17 Siehe auch: Sophie Barrelet: Leben und Schaffen, in: www.romanistinnen.de/frauen/barrelet.html.
18 Personalakte, a.a.O.
19 HLZ Nr. 23- 1934, S. 374.
20 Ebd.
21 Siehe etwa: HLZ 31/32-1935, S. 316; HLZ 48-1935, S. 470 ; HLZ 16- 1936, S. 176 .
22 HLZ 7- 1934, S. 100 ff.
23 Personalakte Sophie Barrelet, a.a.O.
24 Schreiben vom 25.10 1939, ebd.
25 Nach ihren eigenen Angaben, siehe Entnazifizierungsakte Sophie Barrelet, StA HH, 221-11_Ed 9754
26 Ebd.
27 Siehe Biografie Kurt Holm in diesem Buch.
28 Alle Zitate aus der Entnazifizierungsakte Sophie Barrelet a.a.O., falls nicht anders angegeben.
29 Ebd.
30 Ebd.
31 Ebd.
32 Ebd.
33 Ebd.
34 Siehe Biografie Oberdörffer in diesem Buch. Oberdörffer war mit Sophie Barrelet in den 1920er Jahren Mitglied der DVP.
35 Personalakte Barrelet, a.a.O.
36 Ebd.
37 Ebd.
38 Ebd.
39 Schulleiter Roemer am 2.2,.1955, ebd.
40 Ernst Matthewes am 9.1.1968, ebd.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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August 2021: Esther Bejarano, Gerda Zorn, Sara Susanne Pander, Christa Mulack, Jutta Rall-Niu, Antonia Hilke

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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Dr. Rita Bake
rita.bake@hamburg.de

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