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Frauenbios

Bertha Katzenstein

( Bertha Katzenstein, geb. Ehrlich )
(6.1.1862 Gehaus – deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, dort verstorben am 15.11.1942)
Opfer des Nationalsozialismus
Heimfelder Straße 80 (Wohnadresse)
Stolperstein vor dem Wohnhaus Heimfelder Straße 80 (Harburg, Heimfeld)
Bertha-Katzenstein-Weg, Neugraben-Fischbek, seit 2020
Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler wurde, wohnte Bertha Katzenstein, die Tochter jüdischer Eltern, in der Heimfelder Straße 80 in einem der vornehmeren Viertel Harburgs. Das große Mehrfamilienhaus befand sich im Besitz der angesehenen Familie Rosenschein, die es vermietet hatte und selbst in einer Villa am Bleicherweg 2 wohnte. Bertha Katzenstein war seit mehr als zwei Jahren Witwe, nachdem ihr Ehemann, der damals lokal sehr bekannte Justizrat Isidor Katzenstein (geb. 21.4.1856), am 5. April 1931 im Alter von 75 Jahren gestorben war. Zu Lebzeiten hatte er in einer Sozietät in der Wilstorfer Straße 11 mit den Rechtsanwälten Paul Friedmann und Georg Schaeffer zusammengearbeitet. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg.
1934 gab Bertha Katzenstein ihre Harburger Wohnung – vermutlich aus finanziellen Gründen – auf. Sie zog nach Hamburg, wo sie in der Klosterallee 36 eine neue Bleibe fand. Am 28. April 1934 trat sie der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde bei. We¬gen ihrer geringen Rente von 69 RM im Monat war sie von der Zahlung einer Kultussteuer befreit. Zwei Jahre später musste sie erneut umziehen. Sowohl das Haus in der Innocentiastraße 19 als auch der Gebäudekomplex in der Schäferkampsallee 25/27, in dem Bertha Katzenstein anschließend unterkam, gehörten der Hamburger Jüdischen Gemeinde bzw. der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. Die Räume dieses Doppelhauses, in denen ursprünglich mehrere jüdische Institutionen beheimatet waren, wurden gegen Ende der 1930er Jahre immer stärker für die Unterbringung alter und pflegebedürftiger Gemeindemitglieder genutzt. Je größer die Wohnungsnot wurde, desto mehr alte Menschen mussten hier auf engstem Raum miteinander auskommen.
Unter den vielen meist hochbetagten Bewohnerinnen dieses Alten- und Pflegeheims, die am 15. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden, befand sich auch Bertha Katzenstein. Die gebrechlichen Menschen wurden am Vortag mit ihrem Gepäck in die nahe gelegene Schule Schanzenstraße 20 gefahren, die als Sammelstelle für diesen Transport vorgesehen war. Dort erwarteten sie in mehreren Zimmern Gestapoleute und Beamte der Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten, die ihre achtseitige Vermögenserklärung und ihre Gepäckliste überprüften. Am Abend wurden "ungefähr 50 Personen zugleich in einen Raum geführt, der 25 obere und 25 untere Betten aufwies. Einfache Holzbetten, ohne irgendeine Matratze. Es war die Unterbringung für die kommende Nacht".
Nur Stunden später drangen andere Finanzbeamte in die Zimmer und Wohnungen der auf ihren Weitertransport Wartenden ein, um die Vermögenserklärungen vor Ort zu überprüfen. Alles, was die Beamten für geeignet hielten, wurde wenige Tage später öffentlich "zu Gunsten des Reiches" versteigert.
Als Bertha Katzenstein im Alter von 80 Jahren am 16. Juli 1942 in Theresienstadt eintraf, dürfte ihr schon der erste Eindruck die Augen geöffnet haben, wenn sie der Mär vom "Mustergetto" überhaupt je Glauben geschenkt hatte. Der größte Teil der Neuankömmlinge fand sich in Massenunterkünften wieder. In der alten Garnisonsstadt, in der vor dem Zweiten Weltkrieg ca. 7000 Menschen gelebt hatten, waren im Juli 1942 ca. 53000 Menschen zusammengepfercht.
Der ständige Hunger und die vielen Krankheiten, von denen gerade die alten Menschen verstärkt betroffen waren, erhöhten das Leid der Verschleppten. Diese erbärmlichen Lebensumstände gingen mit einer hohen Sterblichkeitsrate einher, die als Teil der "Endlösung" durchaus gewollt war.
Bertha Katzenstein lebte noch vier Monate in Theresienstadt, bis sie am 25. November 1942 für immer die Augen schloss. Als Todesursache vermerkte der behandelnde Arzt eine Lungenentzündung, gepaart mit einer Herzmuskelschwäche.
Text: Klaus Möller, aus: www.stolpersteine-hamburg.de
Quellen:
Staatsarchiv Hamburg, 522-1, Jüdische Gemeinden, 992b, Kultussteuerkarte der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg.
Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Gedenkbuch, Veröffentlichung aus dem Staatsarchiv Hamburg, Bd. XV, bearbeitet von Jürgen Sielemann unter Mitarbeit von Paul Flamme, Hamburg 1995.
Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bd. I-IV, herausgegeben vom Bundesarchiv Koblenz. Koblenz 2006.
Theresienstädter Gedenkbuch. Die Opfer der Judentransporte aus Deutschland nach Theresienstadt 1942-1945. Prag 2000,
Yad Vashem. The Central Database of Shoa Victims´ Names: www.yadvashem.org.
Bezirksamt Harburg [Hrsg.]: Harburger Opfer des Nationalsozialismus, Hamburg. Recherche: Matthias Heyl und Margit Maronde-Heyl. Hamburg 2002.
Matthias Heyl: „Vielleicht steht die Synagoge noch!“ Jüdisches Leben in Harburg 1933-45. Norderstedt 2009, S. 196.
Wilhelm Mosel: Wegweiser zu den ehemaligen jüdischen Stätten des Leidens in Hamburg und im übrigen Europa. Wissenschaftliche Dokumentationen. Schriftenreihe der Deutsch-Jüdischen Gesellschaft, Heft 2. Hamburg 1994, S. 27ff.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand August 2021: 1257 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

August 2021: Esther Bejarano, Gerda Zorn, Sara Susanne Pander, Christa Mulack, Jutta Rall-Niu, Antonia Hilke

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

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    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
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  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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