Zeitlicher Überblick Chronologie der Städtepartnerschaft

Im Kontext von Perestroika, Glasnost und schließlich der deutsch-deutschen Wiedervereinigung fand die Städtepartnerschaft Hamburg - Dresden in einer historisch einzigartigen Umbruchsphase ihren Anfang. Sie leistete in den Nachwendejahren einen großen Beitrag im Bemühen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Ost und West zu stärken. Die Elbe als verbindendes Element beider Partnerstädte verlieh den Beziehungen zwischen Hamburg und Dresden darüber hinaus von Beginn an eine besondere Intensität.

Dresden: Frauenkirche und Neumarkt (c) DMG / Christoph Muench Dresden: Frauenkirche und Neumarkt

Chronologie der Städtepartnerschaft

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Die Elbe als Gemeinsamkeit

Als Hamburg und Dresden 1987 die Partnerschaftsurkunde unterzeichneten, war dies der Beginn einer ganz besonderen Städtepartnerschaft, die im geteilten Deutschland keine Selbstverständlichkeit war. Historisch gesehen hatte die enge Verbindung der beiden Städte Tradition. Und mit der Elbe, der gemeinsamen Lebensader Hamburgs und Dresdens, verfügten Hamburg und Dresden auch geografisch über eine stete Verbindung.

Schon im 19. Jahrhundert hatten die Handelsbeziehungen zwischen beiden Städten so große Bedeutung erlangt, dass 1850 in Dresden ein erstes Hamburger Konsulat eröffnet wurde. Auch bei diesen wirtschaftlichen Kontakten spielte die Elbe eine wichtige Rolle. Bereits 1868 wurde in Dresden die Elbschiffahrtsgesellschaft „Die Kette“ gegründet, die bis 1935 Transportschiffe an einer langen Eisenkette elbaufwärts beförderte und damit den Schiffsverkehr zwischen Hamburg und Sachsen erheblich beschleunigte und intensivierte. 

Darüber hinaus gab es vielfältige kulturelle und wissenschaftliche Kontakte. So erhielt der Maler Philipp Otto Runge seine Ausbildung in Dresden und erreichte seine frühe künstlerische Vollendung in Hamburg. Der Hamburger Gottfried Semper erbaute 1838 das bis heute berühmte Dresdner Opernhaus. Und der Architekt Fritz Schumacher, der in Hamburg maßgebliche städteplanerische Akzente setzte, war zugleich Professor in Dresden. In den 1980er Jahren war es vor allem die Hamburgische Staatsoper, die mit Aufführungen in Dresden einen Kulturaustausch realisierte.

Städtepartnerschaften im innerdeutschen Kontakt

Städtepartnerschaften zwischen bundesdeutschen Städten und Kommunen der DDR ließen sich nicht mit den „normalen“ Verbindungen mit ausländischen Städten vergleichen. So waren die kommunalen Verbindungen mit der DDR von der politischen Großwetterlage in Europa und dem Tauwetter des Kalten Krieges abhängig. Bezeichnenderweise wurden die deutsch-deutschen Städtepartnerschaften erst in der Mitte der 1980er Jahre geschlossen, obwohl es die Bemühungen darum schon lange vorher gegeben hatte.

Interessen der DDR contra Hallstein-Doktrin

In den 1950er und 1960er Jahren waren sie zunächst von der DDR ausgegangen, die damit die Isolierung im Zuge der „Hallstein-Doktrin“ zu überwinden versuchte.

Mit dieser 1955 verkündeten Politik – benannt nach einem der wichtigsten außenpolitischen Berater Adenauers, Staatssekretär Walter Hallstein – lehnte die Bundesrepublik Deutschland die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zu Staaten, die diplomatische Kontakte zur DDR unterhielten, ab. Darunter fielen aus Sicht der Bundesrepublik auch städtepartnerschaftliche Beziehungen zu Städten oder Kommunen in der DDR.

Das Interesse der DDR an kommunalen Kontakten nahm etwa gleichzeitig mit der Aufgabe der „Hallstein-Doktrin“ durch die sozialliberale Bundesregierung ab. Im Rahmen der neuen bundesdeutschen Ostpolitik der Annäherung bemühten sich vermehrt bundesdeutsche Städte um Kontaktaufnahme mit Städten der DDR, denen diese nun aber ablehnend gegenüber standen. Als schwammige Begründung wurde die gesamtpolitische Lage genannt, die für solche Städtepartnerschaften nicht die richtigen Voraussetzungen mit sich bringe.

Saarlouis - Eisenhüttenstadt: erste innerdeutsche Städtepartnerschaft

Völlig überraschend sagte dann Erich Honecker, der Staatsratsvorsitzende der DDR, im November 1985 dem damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine bei einem Besuch in Ostberlin die erste innerdeutsche Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt zu, die nach langwierigen Verhandlungen im April 1986 unterzeichnet wurde. Dieses Ereignis hatte Signalwirkung unter den bundesdeutschen Kommunen und in der Folgezeit bemühten sich zahlreiche Städte um eine Partnerschaft mit einer Kommune in der DDR.

Hamburg und Dresden auf dem Weg zu ihrer Städtepartnerschaft 

Seit dem Frühsommer 1985 bestanden Kontakte zwischen den beiden Städten und Bemühungen um eine Städtepartnerschaft. Die Elbe als verbindendes Element schließlich überzeugte Erich Honecker 1987 der Städtepartnerschaft zuzustimmen.

Erste Bemühungen Hamburgs

Auf ein erstes Bemühen um Gesprächskontakte von Seiten des damaligen Hamburger Ersten Bürgermeisters, Klaus von Dohnanyi, reagierte der Dresdner Oberbürgermeister Gerhard Schill im Frühsommer 1985 noch ablehnend. Mit der bekannten Standardformulierung, es würden die Voraussetzungen fehlen, wies Dresden das Bemühen Hamburgs zurück. 

Auch noch Anfang 1986 signalisierte der Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn, Ewald Moldt, dass die Städtepartnerschaft zwischen Eisenhüttenstadt und Saarlouis ein Einzelfall bleiben würde und Hamburg nicht weiter auf einer Städtepartnerschaft insistieren sollte.

Verhandlungen hinter den Kulissen

Doch Hamburg blieb hartnäckig und die Verhandlungen gingen hinter den Kulissen weiter – auch unter Zuhilfenahme von privaten und halbamtlichen Kontakten, die bereits zwischen den beiden Städten bestanden. Als sich beispielsweise im Dezember 1986 der Intendant der Dresdner Semper-Oper, Professor Gerd Schönfelder, in Hamburg anlässlich der Geburtstagsfeier seines Freundes und Kollegen Professor Ernst Schönfelder, dem Chef des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, aufhielt, nutzte er den Besuch auch, um Bürgermeister von Dohnanyi das Interesse des neuen Dresdner Oberbürgermeisters Wolfgang Berghofer an einer Städtepartnerschaft mit Hamburg zu übermitteln. Berghofer galt im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Reformsozialist, der die Hamburger Signale positiv aufgenommen hatte. 

Aufgrund des „demokratischen Zentralismus“ der DDR-Verwaltung konnten Entscheidungen über eine Städtepartnerschaft nicht ohne Ostberlin getroffen werden. Hamburg verfolgte daher eine Doppelstrategie. Einerseits bemühte es sich um einen Ausbau der informellen Beziehungen, andererseits erfolgte gleichzeitig die weitere Sondierung auf höchster Ebene in Ostberlin. Als „heimliche Mittler“ dienten neben Vertretern der Senatskanzlei auch Hamburger Bürgerinnen und Bürger, denen die Städtepartnerschaft am Herzen lag.

Die Elbe überzeugte auch Honecker

Das entscheidende Gespräch fand Anfang Juli 1987 in Ostberlin mit Erich Honecker anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins statt. In den Verhandlungen hob von Dohnanyi das gemeinsame Band der Elbe zwischen Hamburg und Dresden hervor, das eine natürliche Verbindung zwischen beiden Städten herstellte – ein Argument, das Honecker überzeugte. 

Kurze Zeit später erreichte die Hamburger Senatskanzlei dann das offizielle Signal, dass auf eine schriftliche Initiative der Hansestadt nun eine positive Reaktion erfolgen würde. Auf einen Brief des Hamburger Bürgermeisters folgte in der Tat vier Wochen später die positive Antwort aus Dresden. Bürgermeister Berghofer teilte darin mit, dass „sich die Stadt Dresden entschieden hat, in Verhandlungen über die Aufnahme einer Städtepartnerschaft mit der Freien und Hansestadt Hamburg zu treten.“

Erfolgreiche "Politik der Elbe"

Mit der sich nun anbahnenden Partnerschaft stiegen auch die Chancen, dass sich die Menschen in Dresden und Hamburg kennen lernen und gemeinsame Probleme leichter lösen könnten. Aus Hamburger Sicht erhielt die seit vier Jahrzehnten praktizierte „Politik der Elbe“, also freundschaftliche Beziehungen zu den Ländern Mittel- und Osteuropas zur Überwindung des Eisernen Vorhangs, immer mehr neue Impulse und eine immer breitere Grundlage. Die Verbindung mit Dresden war dabei ein „Baustein der Vertrauensbildung“ (so Bürgermeister von Dohnanyi). Nach zügigen Verhandlungen konnte die „Vereinbarung über die Städtepartnerschaft“ am 14. Dezember 1987 in Dresden und am 16. Dezember 1987 in Hamburg unterzeichnet werden.

Der Beginn einer langen Freundschaft

Kultureller und politischer Auftakt

Mit einem hochwertigen kulturellen Ereignis startete die noch junge Städtepartnerschaft in das neue Jahr 1988: Am 7. Januar gaben gleichzeitig die Dresdner Staatskapelle in der Hamburger Musikhalle und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg im Dresdner Kulturpalast vor ausverkauften Häusern umjubelte Gastspiele. 

Um die gemeinsame jüngere Geschichte beider Städte und die gemeinsame Verantwortung in der Zukunft ging es bei der ersten großen politischen Veranstaltung im Rahmen der Städtepartnerschaft. Im März 1988 trafen sich eine Hamburger und Dresdner Delegation unter der Leitung der beiden Stadtoberhäupter zum „Symposium Frieden und Abrüstung“ in Dresden. Beiträge zu Friedenssicherung, Vertrauensbildung und das Gedenken an die Opfer des Krieges waren ausdrückliche Inhalte Partnerschaftsvertrags gewesen. Diesen Zielen wurde mit der in Hamburg fortgesetzten Vortragsreihe Rechnung getragen. Auch hier verbindet die beiden Städte eine Gemeinsamkeit: Sowohl Hamburg als auch Dresden wurde im Krieg stark zerstört – eine Zerstörung, die deutliche Narben in den Stadtbildern hinterlassen hat und viele menschliche Tragödien verursachte.

Austauschprogramme erweitern Kontakte

Nicht ahnend, dass das Jahr 1989 einen Umbruch mit sich bringen sollte, der die ganze Welt und somit auch die Beziehungen Hamburg – Dresden verändern würde, wurde bis Mitte 1989 das Rahmenprogramm für die Städtepartnerschaft innerhalb der politischen Gegebenheiten abgesteckt: Austauschprogramme sollten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit verschaffen, an der Städtepartnerschaft zu partizipieren und Kontakte herstellen, die sich außerhalb staatlicher Kontrolle und Aufsicht entwickeln konnten. Umweltschutz, Friedenspolitik, Stadtplanung und Kultur waren hier die Themen, die die beiden Städte anvisierten. Auch im Jugendbereich sollte ein verstärkter Austausch angestrebt werden.

Im Hamburger Interesse: Reinhaltung der Elbe

Der Umweltschutz war ein Bereich, in dem eine rasche Kooperation zwischen den beiden Städten von Nöten war, da Hamburg durch die Elbe direkt von ökologischen Missständen betroffen war. Seit Jahren bemühte sich die Hansestadt erfolglos um Gespräche mit der DDR über die gemeinsame Reinhaltung der Elbe, denn teure Reinigungsmaßnahmen des Stroms in seinem Unterlauf waren vergeblich, solange die schrottreifen Industrien in der damaligen DDR und der Tschechoslowakei ihre Abfälle tonnenweise in Elbe und Moldau entsorgten. Dresden beispielsweise, eine Stadt mit immerhin einer halben Million Einwohner, leitete seine Abwässer sämtlich ungeklärt in die Elbe.

Für Hamburg hatten somit Gespräche über die Reinhaltung der Elbe absolute Priorität und schon Anfang 1989 führten erste Begegnungen zu konkreten Absprachen. DDR-Umweltminister Hans Reichelt und Hamburgs Umweltsenator Jörg Kuhbier unterzeichneten in Dresden eine Vereinbarung, die die Unterstützung Hamburgs bei Umweltinvestitionen vorsah.

Raddampfer "Dresden" in Hamburg

Beim 800. Hamburger Hafengeburtstag im Mai 1989 präsentierte sich die Partnerstadt Dresden dem Hamburger Publikum mit einer großen Bandbreite an Veranstaltungen. Der Raddampfer „Dresden“ hatte im Hamburger Hafen festgemacht und wurde zu einem Publikumsmagneten. Der Besuch dieses Schiffes galt als Sensation, war die „Dresden“ doch trotz aller Differenzen zwischen Bonn und Ost-Berlin über den Grenzverlauf auf der Elbe nach Hamburg gefahren, was Honecker erstmals einem DDR-Schiff erlaubte. Das Dresdner Luxushotel „Bellevue“ gab ein kulinarisches Gastspiel im Hamburger Hotel „Atlantic“, das Dresdner Robotron-Ensemble gastierte in der Musikhalle und in der Handwerkskammer waren Dresdner Fotoausstellungen zu sehen. All dies machte Appetit auf mehr – und in der Senatskanzlei häuften sich in der Folgezeit die Anfragen interessierter Bürger nach Besuchsmöglichkeiten und Reiseerleichterungen im Rahmen der Städtepartnerschaft. Aufgrund der restriktiven Besuchspraxis der DDR-Behörden konnten diese Anfragen nur in wenigen Fällen positiv beantwortet werden, doch wurde deutlich, dass ein großer Wunsch nach Intensivierung der Städtepartnerschaft vorhanden war.

Der Umbruch 1989

Im Sommer 1989, nur wenige Wochen nach dem Hamburger Hafengeburtstag, überschlugen sich die Ereignisse in der DDR. Die friedliche Revolution, die im Sommer und Herbst 1989 ganz Osteuropa erfasste, sollte die Welt verändern, wie kaum ein anderes Ereignis zuvor. Und die Städtepartnerschaft Hamburg – Dresden fand sich nur knapp 2 Jahre nach ihrer Gründung in einer komplett veränderten politischen Lage wieder.

Hamburg war in diesen ereignisreichen Monaten bemüht, seinen Dresdner Partnern so viel Unterstützung wie möglich zukommen zu lassen. Anfang November 1989 reiste Hamburgs Bürgermeister Voscherau nach Dresden und machte sich ein eigenes Bild von der Umbruchstimmung dieser Zeit, als er in der Nacht vom 2. auf den 3. November mit Oppositionellen der „Gruppe der 20“ in Dresden zusammentraf. Voscherau wollte durch dieses Treffen sowie mit einem weiteren Treffen mit Vertretern des damals noch illegalen „Neuen Forum“ politische Rückendeckung geben. Denn die weitere politische Entwicklung schien zu diesem Zeitpunkt noch offen und ihr Ausgang ungewiss – eine Stimmung, die in den mitternächtlichen Gesprächen deutlich spürbar war. Nicht frei von Angst und Pessimismus sahen die Bürgerrechtler der Zukunft entgegen. Nur wenige Tage später aber - mit der Öffnung der innerdeutschen Grenzen – wurde die positive Entwicklung deutlich.

Die Städtepartnerschaft erwacht zum wahren Leben

Mit dem Fall der Mauer waren auch sämtliche Reise- und Besuchsbeschränkungen für DDR-Bürger gefallen und auf Hamburg kam ein Besuchsansturm nicht geahnten Ausmaßes zu. Bürgermeister Voscherau erhielt zahlreiche Briefe, in denen hilfesuchende Dresdner Familien um eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit „in Ihrem schönen Hamburg“ baten.

Für Hamburg bedeutete dies, dass die Partnerschaft sich nun endlich mit wirklichem Leben füllte. Neben den individuellen Familienreisen nahmen auch die Besuche Dresdner Gruppen – u.a. von Schülern und Studenten – zu.

Sonderzug Dresden - Hamburg

Einen absoluten Höhepunkt bildete der inzwischen schon „historische“ Sonderzug am 25. November 1989 von Dresden nach Hamburg, der erstmals in der Geschichte innerdeutscher Städtepartnerschaften eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürger zusammenbrachte. 920 Dresdnerinnen und Dresdner an Bord des Sonderzugs „Elbflorenz“ fuhren in die Hansestadt und konnten ihre Partnerstadt ein Wochenende lang aus nächster Nähe erleben. 

Bürgermeister Voscherau hatte die Hamburger Bevölkerung um ihre Gastfreundschaft gebeten. Die Reaktion war überwältigend. Über 2.000 Angebote von Familien, die Dresdner Gäste aufnehmen wollten, gingen in der Senatskanzlei ein und alle Dresdner konnten ohne Schwierigkeiten untergebracht werden. Zusätzlich zum Begrüßungsgeld, der freien Unterkunft und Verpflegung wurde für die Gäste ein Besuchsprogramm arrangiert, aus dem der deutsch-deutsche „Abend der Begegnung“ auf dem Hamburger Messegelände hervorragte. Über 2.000 Dresdner Gäste und Hamburger Gastgeber feierten ihr Kennenlernen und die vor ihnen liegenden Chancen. Freundschaften entstanden zwischen Menschen, die sich erst vor wenigen Stunden zum ersten Mal begegnet waren. Die Städtepartnerschaft war endlich bei den Bürgerinnen und Bürgern angekommen.

Sonderzug Hamburg – Dresden

Kurz vor Weihnachten 1989, am 16. und 17. Dezember, kam es zu dem verabredeten Gegenbesuch von rund 850 Hamburgerinnen und Hamburgern, die ebenfalls mit einem Sonderzug nach Dresden fuhren. Der Empfang und die Gastfreundschaft waren auch hier überwältigend. Die in Hamburg geschlossenen Kontakte wurden vertieft und die Städtepartnerschaft erreichte eine neue Dimension. 

Auf dem weihnachtlich geschmückten Strietzelmarkt wandte sich Bürgermeister Voscherau spontan mit einer Rede an die Dresdnerinnen und Dresdner: „In diesen Tagen des Aufbruchs, des Neubeginns und der Selbstbestimmung in Ihrem Land möchte ich Ihnen allen sagen, dass Ihre Partnerstadt Hamburg an Ihrer Seite steht. Nicht, um Ihnen unerbetene Ratschläge zu geben, sondern als Freunde und Landsleute, die Ihre freie Entscheidung über die Zukunft der DDR und das Zusammenwachsen der deutschen Nation achten. Und wir werden zur Stelle sein, wann immer unser Rat und unsere Hilfe gefragt sein sollten.“ In kürzester Zeit waren Tausende zusammengeströmt, um den Hamburger Bürgermeister zu hören. Bei dessen vorsichtigen Bemerkungen über die deutsche Einheit schallten Voscherau unüberhörbar „Deutschland einig Vaterland“-Rufe entgegen. „Von diesem Moment an“, so erinnerte sich Voscherau später, „wurde mir klar, dass es künftig nur einen politischen Weg geben würde: die Vereinigung von beiden deutschen Staaten.“

Hilfe und Know-how-Transfer in den 1990er Jahren 

Nach der Wende in der damaligen DDR wurde die Partnerschaft zwischen Hamburg und Dresden noch enger – auf politischer, wirtschaftlicher und bürgergesellschaftlicher Ebene. Die 1990er Jahre waren geprägt von Enthusiasmus und großer Hilfsbereitschaft auf beiden Seiten.

Noch im Dezember 1989 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft auf Antrag des Senats mit dem „Kooperationsfonds für die östlichen Bundesländer und die Staaten Osteuropas“ ein umfangreiches Hilfsprogramm, das nicht nur finanzielle Mittel für die Partnerstadt an der Oberelbe, sondern auch für Projekte in der DDR, Polen und Russland bereitstellte. 

Darüber hinaus sagte der Hamburger Senat Ende November 1989 der sächsischen Partnerstadt seine Unterstützung bei dringend notwendigen städtebaulichen Maßnahmen zur Rettung der Dresdner Neustadt zu. Neben finanzieller Unterstützung umfasste dieses Programm auch den Austausch von Fachleuten aus Städtebau und Stadterneuerung. 

Hamburg unterstützte den Aufbau Dresdens als moderne Kommune durch die Entsendung hochqualifizierter hamburgischer Beamter, die mithalfen, die Verwaltungsstrukturen der Stadt zu professionalisieren.

Wirtschafts- und Finanzhilfe und neue Kooperationen

Über die Verwaltungshilfe hinaus leistete Hamburg massiv Finanz- und Sachmittelhilfe, um die Lebensqualität der Dresdner Bevölkerung zu verbessern. Diese finanzielle Unterstützung erhielt Dresden schneller als andere Kommunen in Ostdeutschland, denn die bereits bestehenden Kontakte mit Hamburg auf allen Gebieten kommunalpolitischen Handelns ermöglichten rasche und unbürokratische Maßnahmen. Aus dem bereits erwähnten Hamburger Kooperationsfonds wurden zahlreiche Unterstützungsmaßnahmen und Förderprojekte finanziert, mit denen die städtischen Dienste in allen Bereichen verbessert wurden. Hier zeigte sich, dass die bisherige Entwicklung der Städtepartnerschaft eine solide und breite Grundlage für die gemeinsame Lösung der anstehenden Probleme geschaffen hatte. 

Auch in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft wuchsen die Kooperationen: Mit der Vorgabe, eine marktwirtschaftliche Ordnung unter Einbeziehung einer starken sozialen und ökologischen Komponenten in Dresden zu erreichten, wurden in Arbeitsgruppen und zahlreichen bilateralen Gesprächen konkrete Schritte wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Dresdner und Hamburger Firmen vereinbart. Umfassende Unterstützung dabei leisteten u. a. die Handwerks- und Handelskammer Hamburg. Und Hamburger und Dresdner Hochschulen vereinbarten Kooperationen, um die Durchführung gemeinsamer wissenschaftlicher, künstlerischer und praxisbezogener Projekte zu aktuellen Problemen zu realisieren.

Hamburger „Senatsbeauftragter“ in Dresden

Um die die sich rasch entwickelnde Zusammenarbeit zwischen beiden Städten und die umfangreiche Hilfe des Hamburger Senats besser zu koordinieren, beschloss der Senat im Juli 1990 die Berufung eines „Beauftragten der Freien und Hansestadt Hamburg in Dresden und Sachsen“. Mit diesem wichtigen Amt war bis Juni 1992 Staatsrat a.D. Helmut Bilstein betraut, gefolgt von seinem Büroleiter Gerd Hoffmann, der als Referent der Senatskanzlei die Leitung des Hamburg-Büros in der Partnerstadt Dresden  bis zu dessen Schließung im Herbst 1995 übernahm. Der Schwerpunkt ihrer Aufgaben lag in der Wahrnehmung der Chancen und Interessen Hamburgs, die sich aus den Veränderungen der politischen Bedingungen in Ostdeutschland ergaben, und die Abstimmung der umfangreichen Hilfsmaßnahmen Hamburgs in der Partnerstadt – Aufgaben, die das Büro erfolgreich wahrnahm.

Breites Spektrum an Kooperationen

Nicht nur von der Politik kamen wichtige Impulse für die Zusammenarbeit. Eine große Bandbreite an Hamburger Akteuren engagierte sich für die sächsische Partnerstadt.

Einen wichtigen Beitrag für die Zusammenarbeit leistete seit Anfang 1991 das „Hafen Hamburg Büro“, das von der Hamburger Hafenwirtschaft in Dresden errichtet wurde. Unter Leitung von Bernd Engelmeier wirkte das Büro über zehn Jahre erfolgreich an der Verbindung zwischen dem Dresdner Binnenhafen und dem Hafen Hamburg mit seinen weltweiten Beziehungen mit. 

Die HEW entsandte Mitarbeiter nach Dresden, die bei der Erstellung eines modernen Strom- und Fernwärmekonzepts halfen. Hier war dringender Handlungsbedarf und der Erfolg blieb nicht aus: Dank des nur mit Erdgas betriebenen neuen Strom- und Fernwärmenetz konnte bis 1999 die Luftverschmutzung gegenüber 1990 um 90 % reduziert werden. 

Die Dresden-Werbung und Tourismus GmbH holte sich Anregungen bei der Hamburger Tourismuszentrale (TZH) in Sachen Tourismus-Marketing – mit großem Erfolg: Heute zählt Dresden zu einem der wichtigsten Städtereiseziele in Deutschland. 

Es kam zu Begegnung von Journalisten aus Dresden und Hamburg, einer Berufsgruppe, die in den beiden Medienstädten eine lange Tradition hat.

Die Handwerkskammer Hamburger war ab 1990 mit einem ständigen Vertreter in Dresden vor Ort, um den dortigen Kolleginnen und Kollegen in Fragen von Berufsbildung,  Betriebsgründung, Finanzierung etc. beratend zur Seite zu stehen.

Novellierung der Städtepartnerschaftserklärung

Die politischen Umwälzungen ließen die ursprüngliche Städtepartnerschaftserklärung von 1987 als nicht mehr zeitgemäß erscheinen und eine Anpassung an die neuen politischen Rahmenbedingungen war überfällig. Und so unterzeichneten im April 1994 Bürgermeister Dr. Henning Voscherau und Dresdens Oberbürgermeister Herbert Wagner eine neue Vereinbarung, in der beide Städte sich auch weiterhin zu einer umfassenden Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Umwelt, Jugend und Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie verpflichteten. Auch die Schließung des 1990 in Dresden eröffneten Hamburg-Büros im September 1995 war Ausdruck dieser veränderten Rahmenbedingungen: Die Aufgabe der Unterstützung der Städtepartnerschaft unmittelbar nach der Wiedervereinigung hatte das Büro bestens erfüllt, die weitere Pflege der Kontakte und Kooperationen sollte nunmehr von den zuständigen Stellen beider Rathäuser übernommen werden. Ohnehin war es nie Absicht der Stadt Hamburg gewesen, auf Dauer in Dresden präsent zu sein.

Gründung des „Freundeskreis Dresden-Hamburg e.V.“

Um die durch das Hamburg-Büro in Dresden begründeten vielseitigen Kontakte zu erhalten und zu intensivieren sowie die „Hamburg-Sächsischen Abende“ weiterhin durchzuführen, gründeten Hamburger und Dresdner Bürgerinnen und Bürger im November 1995 im Taschenberg-Palais den „Freundeskreises Dresden-Hamburg e.V.“. Insbesondere die Pflege wirtschaftlicher, kultureller, gesellschaftlicher und sportlicher Beziehungen liegt den Mitgliedern am Herzen. Der in Dresden sehr beliebte „Hamburg-Sächsische Abend“, der seit 1990 regelmäßig stattfindet und viele gesellschaftliche Gruppen zusammen bringt, leistet dazu bis heute einen wichtigen Beitrag.

Jubiläum 1997 – Zehn Jahre Städtepartnerschaft 

Mit einem großen Festakt begingen die Hamburger und Dresdner am 9. Dezember 1997 das 10jährige Bestehen der Städtepartnerschaft. Sie blickten auf ein turbulentes Jahrzehnt deutsch-deutscher Geschichte zurück, das die Freundschaft zwischen den beiden Städten gefestigt hatte.

Die einzelnen Festivitäten waren so bunt wie die Städtepartnerschaft selber: Ob ein Galopprennen des Dresdner Rennvereins, das die Freundschaft mit dem Hamburger Renn-Club e.V. zum Ausdruck brachte, der Besuch des Hamburger Wasserflugzeugs, das die Dresdner zu einem Rundflug über ihre schöne Stadt einlud oder Ausstellungen im Dresdner Rathaus, die verschiedene Aspekte Hamburgs in Fotografie und Malerei zeigten – eine Vielzahl an Akteuren war an diesem Jubiläum beteiligt und die Resonanz bei den Dresdner Bürgerinnen und Bürgern war groß. Und natürlich durfte auch der traditionelle Hamburgisch-Sächsische Abend nicht fehlen, der bereits zum 26. Mal mit allerhand Prominenz stattfand.

Freundschaft in Krisenzeiten - Elbe Hochwasser 

Einen weiteren, wenn auch traurigen Höhepunkt erreichte die Städtepartnerschaft beim Elbe-Hochwasser 2002. Die Hilfe aus Hamburg für die betroffene Partnerstadt kam prompt und in großem Umfang. Die Betroffenheit in der Hansestadt über die Katastrophe in Dresden war groß. Die Stadt stellte Finanzmittel zur Verfügung und die Bevölkerung spendete schnell und großzügig insgesamt elf Millionen für die Beseitigung der Flutschäden.

Die Hamburger Hochbahn AG half in Dresden mit Pumpen, Notstromaggregaten etc. aus. Fahrerteams mit Bussen sprangen auf den zerstörten Straßenbahnlinien ein. Die Hamburger Feuerwehr rückte zum Großeinsatz nach Dresden aus, die Hamburger Polizei unterstützte ihre Kollegen in Dresden bei Evakuierungen und weiteren Schutzmaßnahmen, befreundete Hamburger Schulen sammelten für ihre Partnerschulen in Dresden und unzählige freiwillige Helfer aus der Hansestadt packten mit an. Koordinierte und organisiert wurde die gesamte Hamburger Hilfe in Dresden und seiner Umgebung in hervorragender Weise vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Hamburg unter Leitung von Knut Fleckenstein.

Diese Zeit zeigte deutlich: Auch oder gerade in Krisenzeiten bewährte sich die Partnerschaft und die Menschen von Ober- und Unterelbe hielten zueinander.

Das Jubiläum 2007 

2007 feiert die Städtepartnerschaft ihren 20. Geburtstag. Dresden lud dazu im September zu einer feierlichen Festmatinee ins Dresdner Rathaus. In einer bewegenden Rede erinnerte sich der ehemalige Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau an die ersten, äußerst intensiven Jahre der Partnerschaft, die er im Amt begleitet hatte.

Im Rückblick auf die letzten 20 Jahre waren sich alle einig: Die Städtepartnerschaft Hamburg – Dresden ist etwas Besonderes. Die Freude, aber auch Ungewissheit der Umbruchsphase Anfang der 1990er, der Tatendrang der Wendejahre, die Höhen und Tiefen, die man gemeinsam durchlebte, haben diese Städtepartnerschaft ganz deutlich von den anderen Partnerschaften abgehoben. 

Heute ist die Städtepartnerschaft im positiven Sinne in der Normalität angekommen. Es ist keine große Flankierung der Politik mehr nötig, um die zahlreichen Kooperationen voranzutreiben. Denn aus der Städtepartnerschaft sind zahlreiche Freundschaften gewachsen.

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