Senatskanzlei

Auszeichnung 1917 Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934)

Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934)

Auszeichnung 1917

Senatsantrag vom 26. September 1917 (SVorl. 110), Bürgerschaftsbeschluss vom 1. Oktober 1917, Übergabe des Ehrenbürgerbriefs 1919.

Begründung von 1917

"In dankbarer Verehrung des siegreichen und ruhmgekrönten Feldherrn und in bewundernder Anerkennung dessen, was er Großes geleistet hat und noch täglich leistet“.

Hintergrund

Paul von Hindenburg war ein deutscher Spitzenmilitär im Range eines Generalfeldmarschalls und als Reichspräsident deutsches Staatsoberhaupt. Er erhielt die Auszeichnung mit dem hamburgischen Ehrenbürgerrecht als Identifikationsfigur der deutschen Siegeshoffnung im Ersten Weltkrieg anlässlich seines 70. Geburtstages am 2. Oktober 1917.

Der 1847 in Posen geborene Hindenburg entstammte den altmärkischen Adelsgeschlechtern von Beneckendorff und von Hindenburg. Später wurde „von Hindenburg“ alleiniger gebräuchlicher Familienname. Nach mäßig erfolgreichem Schulbesuch wechselte Hindenburg auf eine Kadettenanstalt, um die für ihn vorbestimmte militärische Laufbahn einzuschlagen. Er nahm 1866 am Krieg zwischen Preußen und Österreich und 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg teil. Im Deutschen Reich machte Hindenburg als geistiger „Schüler“ des preußischen Generalfeldmarschalls Alfred Graf von Schlieffen militärische Karriere im Generalstab, galt als „Schlachtendenker“ und rückte 1897 in den Generalsrang auf. Vielfach ausgezeichnet, trat Hindenburg 1911 in den Ruhestand ein.

Nach Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 reaktivierte Kaiser Wilhelm II. den zunächst vergeblich um ein Kommando ersuchenden Hindenburg schließlich und ernannte ihn zum Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Ostpreußen. Zusammen mit Erich Ludendorff, seinem Generalstabschef, bereitete er der anfangs übermächtig erscheinenden russischen Armee bei Tannenberg eine vernichtende Niederlage. Dadurch erwarb er sich einen geradezu legendären lebenslangen Ruf. Er wurde zum Generalfeldmarschall befördert und bildete mit Ludendorff zusammen ab 1916 die Oberste Heeresleitung. Diese gewann rasch starken Einfluss auf die Politik des Deutschen Reiches und zeichnete hauptverantwortlich für zentrale Entscheidungen, die schließlich in die Kapitulation Deutschlands mündeten. Hindenburg überstand durch geschicktes öffentliches Agieren die militärische Niederlage ohne größeren Verlust seiner politischen Reputation.

Als erklärter Monarchist und Gegner der ersten deutschen Republik und ihres parlamentarisch-demokratischen Systems zog sich Hindenburg 1919 auf seinen Alterssitz in Hannover zurück. Zuvor hatte er als Mitinitiator der „Dolchstoß-Legende“, der zufolge die Schuld für die von den Militärs zu verantwortende Niederlage auf demokratische Politiker abgewälzt werden sollte, der Weimarer Republik eine schwere Hypothek mit auf den Weg gegeben. 1925 gewann er als Kandidat politisch rechtsgerichteter Parteien die Wahl zum Reichspräsidenten. Im Frühjahr 1932 wiedergewählt, entschloss er sich nach anfänglichem Zögern im Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen und mit der Bildung einer Koalitionsregierung politisch rechter Parteien zu beauftragen. Hindenburg starb 1934 auf Gut Neudeck in Ostpreußen.

Hindenburg profitierte von 1914 bis zu seinem Tod sehr von seinem Ruf als „Held von Tannenberg“, er geriet aber spätestens nach 1945 stark in die Kritik. Heute wird ihm vor allem vorgeworfen, „Steigbügelhalter“ Hitlers gewesen zu sein, sich aus der Verantwortung für die militärische Niederlage Deutschlands gestohlen zu haben und mit der „Dolchstoß-Legende“ und anderen politischen Aktivitäten den ersten demokratischen Gehversuch in Deutschland belastet beziehungsweise beschädigt zu haben.