Senatskanzlei

Auszeichnung 1986 Dr. Karl Anton Martin Gerhard „Gerd“ Bucerius (1906-1995)

Dr. Karl Anton Martin Gerhard „Gerd“ Bucerius (1906-1995)

Auszeichnung 1986

Senatsbeschluss vom 8. April 1986 (Drs. 11/6018), Bürgerschaftsbeschluss vom 15. Mai 1986, Verleihung am 15. Mai 1986.

Begründung von 1986

Hat sich „um den Aufbau der Bundesrepublik Deutschland“ verdient gemacht und „entscheidend dazu beigetragen“, Hamburg zur „Pressestadt der Bundesrepublik Deutschland“ zu machen.

Hintergrund

Gerd Bucerius war ein deutscher Verleger, Politiker und Stifter. Er gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den führenden Repräsentanten der Medienmetropole Hamburg, war einige Monate als hamburgischer Bausenator tätig und über ein Jahrzehnt Mitglied des Deutschen Bundestages.

Bucerius wurde 1906 im westfälischen Hamm geboren. Er kam 1922 als Schüler nach Hamburg, als sein Vater das Bürgermeisteramt in Hannover niederlegte und den Posten als Direktor der Hugo Stinnes AG für Seeschifffahrt und Überseehandel in Hamburg annahm. Später machte sich der Vater in Altona als Rechtsanwalt und Notar selbstständig. Nach dem Abitur 1924 in Hamburg studierte Bucerius Rechtswissenschaften und schloss die darauffolgende Referendarsausbildung 1932 ab. Anschließend war er als Richter in mehreren norddeutschen Kommunen tätig. Im Frühjahr trat Bucerius in die Kanzlei seines Vaters ein, der er bis 1946 angehörte. 1934 wurde er an der Universität zum Dr. jur. promoviert.

Seit 1932 mit einer Jüdin verheiratet, verteidigte Bucerius im „Dritten Reich“ auch jüdische Mitbürger wie den Hamburger Reeder Arnold Bernstein, einem frühen Opfer nationalsozialistischer „Arisierung“. Seine Frau emigrierte 1938 nach England und ließ sich später scheiden. Im Zweiten Weltkrieg leistete Bucerius zwei Monate Kriegsdienst. Von 1943 bis 1945 war er als stellvertretender Geschäftsführer und Syndikus eines als kriegswichtig eingestuften Hamburger Unternehmens tätig.

1946 gründete Bucerius zusammen mit Lovis H. Lorenz, Richard Tüngel und Ewald Schmidt di Simoni die Wochenzeitung DIE ZEIT, deren alleiniger Gesellschafter er 1957 nach mehrjährigen internen Auseinandersetzungen wurde. Bis 1951 übernahm er als Verleger die florierende Illustrierte „Stern“, wodurch er die damaligen Verluste der ZEIT kompensieren konnte. 1965 gründete er die Gruner + Jahr GmbH & Co. KG, die rasch zum zweitgrößten Pressekonzern des Landes avancierte. Bucerius übertrug seine Gruner + Jahr-Anteile 1973 an die Bertelsmann AG, in der er zeitweilig als Aufsichtsratsvorsitzender mitwirkte. Parallel löste er DIE ZEIT aus dem Gütersloher Medienkonzern heraus und stellte sie durch die Gründung des Zeitverlages auf eigene unternehmerische Füße.

Neben seiner verlegerischen Tätigkeit war Bucerius 1946 mehrere Monate als Hamburger Bausenator politisch aktiv. In dieser Zeit trat er der CDU bei. Anschließend wirkte er in zonalen Beiräten mit und wurde 1949 in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort engagierte er sich als Vorsitzender des Berlin-Ausschusses mit einigem Erfolg für die wirtschaftliche Förderung der Stadt an der Spree. 1961 überwarf er sich mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und der CDU-Führung über einen kirchenkritischen Artikel des „Stern“. Zudem war er mit der Ostpolitik seiner Partei nicht einverstanden. Bucerius legte Anfang 1962 sein Mandat nieder und trat aus der CDU aus.

In der Folgezeit konzentrierte sich Bucerius auf seine verlegerische und journalistische Tätigkeit. Ferner gründete er 1971 die Zeit-Stiftung, die er zur Alleinerbin seines Vermögens bestimmte. Die Zeit-Stiftung förderte zunächst den journalistischen Nachwuchs und weitete ihr Engagement später auf bildungspolitische Initiativen aus. Sie ist heute vielfältig aktiv und betreibt seit 2000 unter anderem die Bucerius Law School. Bucerius starb 1995 in Hamburg. Ein Jahr später wurde DIE ZEIT gemäß seiner Verfügung in die Holtzbrinck-Verlagsgruppe eingegliedert.

Der als „eigenwillig und mutig“ (Erik Blumenfeld) charakterisierte Bucerius erhielt bereits zu Lebzeiten mehrere hohe Ehrungen und Auszeichnungen. Die Freie und Hansestadt Hamburg verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde anlässlich seines 80. Geburtstages zeitgleich mit dem gleichaltrigen SPD-Politiker Herbert Wehner.