Senatskanzlei

Auszeichnung 1991 Dr. h.c. Alfred C. Toepfer (1894-1994)

Dr. h.c. Alfred C. Toepfer (1894-1994)

Auszeichnung 1991

Senatsantrag vom 12. März 1991 (Drs. 13/7831), Bürgerschaftsbeschluss vom 24. April 1991, Verleihung am 24. April 1991.

Begründung von 1991

Herausragende Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, den Wiederaufbau Hamburgs und die Förderung von Wissenschaft und Kultur.

Hintergrund

Alfred Toepfer war ein international tätiger Unternehmer, Stifter und Mäzen. Er engagierte sich früh in der Jugendförderung und als Stifter. Nach 1945 machte er sich besonders um die Förderung kultureller Projekte und um den Landschafts- und Naturschutz verdient.

Der 1894 in Altona geborene Toepfer entstammte kleinbürgerlichen Verhältnissen. Seine Mutter hatte als Dienstmädchen gearbeitet und sein Vater sich vom Matrosen zum Betriebsleiter eines mittelständischen Unternehmens hochgearbeitet. Toepfer absolvierte nach der Volksschule eine Kaufmannslehre. In Abendkursen holte er die mittlere Reife nach und lernte mehrere Sprachen. In seiner Freizeit war er ein leidenschaftlicher Anhänger der Wandervogel-Bewegung. Während des Ersten Weltkrieges wurde der in der Infanterie eingesetzte Toepfer mehrmals verwundet. Nach Kriegsende beteiligte er sich in Freikorps an Einsätzen gegen aufständische sozialistische und kommunistische Arbeiter. Er lehnte den Versailler Friedensvertrag ab und gehörte zu den Vertretern völkisch-nationalen Gedankenguts, engagierte sich aber nicht parteipolitisch.

Nach seiner Rückkehr nach Hamburg gründete Toepfer das nach ihm benannte Unternehmen, das weltweiten Handel mit landwirtschaftlichen Produkten betrieb. Er gewährte den Mitarbeitern bald überdurchschnittliche Sozialleistungen. Parallel förderte er den Bau von Jugendherbergen und anderen Jugendprojekten. 1931 gründete er die Stiftung F.V.S. (heute Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.), die laut Satzung das deutsche Volkstum in Europa fördern sollte. Anschließend baute Toepfer die Stiftung aus und berief namhafte Nationalsozialisten in den Stiftungsrat. Ab 1935 lobte die Stiftung mehrere Kulturpreise aus.

Toepfers Verhalten im „Dritten Reich“ war von großer Nähe zu nationalsozialistischen Zielen wie auch von Widerspruch gegen das Regime gekennzeichnet. So trat er einerseits öffentlich für jüdische Hamburger Kaufleute ein und kritisierte die NS-Wirtschaftspolitik, unterstützte aber andererseits das Konzept eines deutschen Führungsanspruchs. 1937 wurde Toepfer mit dem Vorwurf eines Devisenvergehens für fast ein Jahr inhaftiert und ohne Urteilsspruch wieder frei gelassen. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er zeitweilig für die deutsche Abwehr in Paris, später in der Wirtschaftsabteilung der deutschen Besatzung in Frankreich. Kurz vor Kriegsende wurde Toepfer aus dem Wehrdienst entlassen.

Nach 1945 entfaltete Toepfer mit seiner Stiftung und durch weitere Aktivitäten ein großes und vielfältiges Engagement. Unter anderem initiierte er eine Stiftung zum Wiederaufbau der Hamburgischen Staatsoper und förderte die deutsch-französische Verständigung. Vor allem machte er sich einen Namen beim Landschafts- und Naturschutz. Zu seinen favorisierten Projekten gehörten der Erhalt der Lüneburger Heide und die Anlage von Naturschutzparks in Deutschland. Für sein stifterisches und mäzenatisches Engagement bekam er schon zu Lebzeiten zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Alfred Toepfer starb 1994 in Hamburg.

Gleichwohl gab es mit Blick auf das Verhalten Toepfers in der Zeit des Nationalsozialismus nach 1945 wiederholt Vorwürfe gegen seine Person und gegen die Stiftung. Toepfer äußerte sich selbst kaum öffentlich dazu. Nach seinem Tod eskalierte die Kritik, was die Stiftung bewog, eine Historikerkommission zur Erforschung der Biografie des Stifters und der Geschichte der Stiftung einzusetzen. Diese sprach Toepfer zwar von dem Vorwurf frei, zentrale Ziele und Motive des Nationalsozialismus geteilt zu haben, was aber die Kritik an ihm nicht verstummen ließ.