Senatskanzlei

Auszeichnung 1991 Dr. h.c. Kurt A. Körber (1909-1992)

Dr. h.c. Kurt A. Körber (1909-1992)

Auszeichnung 1991

Senatsantrag vom 12. März 1991 (Drs. 13/7831), Bürgerschaftsbeschluss vom 24. April 1991, Verleihung am 24. April 1991.

Begründung von 1991

Herausragende Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, den Wiederaufbau Hamburgs und die Förderung von Wissenschaft und Kultur.

Hintergrund

Kurt A. Körber war ein international tätiger Unternehmer, Stifter und Mäzen. Er entfaltete von seiner Wahlheimat Hamburg aus nach 1945 ein wirtschaftliches, kulturelles, bildungs- und sozialpolitisches Engagement, das weit über die Freie und Hansestadt hinaus wirkte.

Als Sohn eines Automobiltechnikers 1909 in Berlin geboren, zeigte Körber ein frühes erfinderisches Talent. Insgesamt sind über 200 Patente mit seinem Namen verbunden. Nach einer Lehre bei der Allgemeinen Maschinenbau-Gesellschaft in Chemnitz arbeitete er zunächst mehrere Jahre für die Siemens-Halske Werke in Berlin. 1935 wechselte er zur „Universelle“ Maschinenfabrik J.C. Müller & Co. in Dresden, einem führenden Hersteller von tabakverarbeitenden Maschinen, deren Technischer Direktor er 1940 wurde. Im gleichen Jahr trat Körber in die NSDAP ein. Die „Universelle“ übernahm frühzeitig Rüstungsaufgaben. Nach Kriegsende engagierte sich Körber mit Hilfe der Fürsprache von Widerstandskämpfern an leitender Stelle für den Wiederaufbau der „Universelle“. In Hamburg-Bergedorf gründete er 1946 die HAUNI (HAnseatische UNIverselle), die eine monopolartige Stellung auf dem Weltmarkt in der Herstellung von Maschinen für die Produktion von Filterzigaretten errang. Aus diesem Werk erwuchs ein international führender Technologiekonzern für tabak-, papier- und tissueverarbeitende Maschinen sowie für Werkzeugmaschinen.

Körber war parallel an vielen Stellen kulturpolitisch aktiv, unter anderem für den Wiederaufbau des Thalia Theaters, als Mitglied der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Kunstsammlungen und für die Hamburgische Staatsoper. Ende der 1980er Jahre förderte er die Umgestaltung der Deichtorhallen zum Ausstellungszentrum für Moderne Kunst. Mit seinen seit 1981 in der heutigen Körber-Stiftung vereinigten Stiftungen initiierte und förderte er bildungs- und sozialpolitische Einrichtungen wie die Fachhochschule Hamburg und das überregional beachtete Modellprojekt der offenen Altenhilfe und Seniorenarbeit „Haus im Park“. Körber lobte zahlreiche kulturpolitische Preise aus, seine Stiftung führt seit 1973 den „Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten“ durch und prämiert mit dem „Körber-Preis“ seit 1985 in Europa forschende Wissenschaftler.

Internationale Anerkennung genießt der von Körber 1961 ins Leben gerufene „Bergedorfer Gesprächskreis“, der weltweit an wechselnden Orten Tagungen zu Kernproblemen der Gesellschaft und zur Völkerverständigung durchführt. Für seine Verdienste um die Stadt Hamburg erhielt Körber unter anderem 1980 die Bürgermeister-Stolten-Medaille und wurde 1988 Ehrensenator der Universität Hamburg. Er starb 1992 in Hamburg.

Kurt A. Körbers stifterisches Erbe erfährt bis heute hohe allgemeine lokale, nationale und internationale Anerkennung und Wertschätzung. Bei der Verleihung des Ehrenbürgerrechts wurde Körber vorgeworfen, in illegitime Rüstungsgeschäfte verwickelt gewesen zu sein. Die Vorwürfe waren aber so nicht haltbar und erschienen auch eher tagespolitisch motiviert gewesen zu sein. Kritisch wird allerdings inzwischen sein teilweise opportunistisches Verhalten als leitender Angestellter der Dresdner „Universelle“ in der Zeit des Nationalsozialismus gesehen.