Senatskanzlei

Auszeichnung 1813 Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn (1778-1845)

Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn (1778-1845)

Auszeichnung 1813

Senatsbeschluss vom 24. April 1813, Verleihung am 24. April 1813.

Begründung von 1813

"Als erstem Überbringer der erfreulichen Botschaft der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Hamburgs und als Demjenigen, der die Befreiung der Stadt [von französischer Fremdherrschaft] so glücklich geleitet und ausgeführt hat, zur Bestätigung des Dankes und der Erkenntlichkeit Hamburgs“.

Hintergrund

Friedrich Karl von Tettenborn war Offizier, badischer Minister und Diplomat. Im Dienste der russischen Armee befreite er für wenige Monate Hamburg von französischer Fremdherrschaft und unterwarf die Stadt einer militärischen Schutzbesetzung.

Als Sohn eines Jägermeisters 1778 im damals badischen Sponheim (heute Pfalz) geboren, trat Tettenborn nach dem Studium der Forstwissenschaften in Waltershausen, Göttingen und Jena 1794 in den österreichischen Militärdienst ein. In den französischen Revolutionskriegen stieg er rasch zum Rittmeister auf. Im sogenannten Dritten Koalitionskrieg zwischen Frankreich und seinen deutschen Verbündeten einerseits und den Alliierten um Russland, Großbritannien, Schweden und Österreich andererseits wurde er 1805 mit dem Maria Theresien-Orden ausgezeichnet. Unumstritten war er nie. Tettenborn galt zwar als Spezialist im Kleinkrieg, erwarb sich aber früh auch den Ruf eines abenteuerlustigen Kavallerieoffiziers. Sein Umgang mit Frauen, Wein und Beutegeldern regte bereits die zeitgenössische Phantasie und Legendenbildung an.

Nach weiteren militärischen Stationen in St. Petersburg und Paris trat Tettenborn 1812 als Oberstleutnant in den Dienst der russischen Streitkräfte. An der Spitze eines aus Russen und Preußen zusammengesetzten Regiments errang er mehrere Siege gegen die zurückweichenden napoleonischen Truppen. Von Berlin aus rückte er auf Hamburg vor.

Nachdem die Franzosen die Stadt verlassen hatten, marschierte er am 18. März 1813 ein. Der Zar beförderte ihn anschließend zum General. Tettenborn unternahm allerdings wenig, um die Verteidigungsfähigkeit Hamburgs zu erhöhen. Als wenig später französische Truppen anrückten, verließ der General die Stadt mit seinen Soldaten wieder. Am 30. Mai 1813 war Hamburg erneut unter napoleonischer Besatzung. Die endgültige Befreiung sollte – dann ohne direkte Beteiligung Tettenborns – erst ein Jahr später erfolgen. Tettenborn befreite mittlerweile im Herbst 1813 Bremen und nahm anschließend an der „Bataille de France“ teil, die zur Absetzung und vorübergehenden Verbannung von Napoleon Bonaparte ins Exil auf die Insel Elba führte. Für seine militärischen Verdienste erhielt Tettenborn mehrere Auszeichnungen. Nach Kriegsende machte er politische Karriere als bevollmächtigter Minister und ab 1819 als badischer Gesandter am Wiener Hof. Dort starb er 1845.

Tettenborn setzte in Hamburg 1813 die Lossagung der einheimischen Autoritäten von Napoleon und die Restauration der traditionellen Institutionen durch und erlangte insofern zentrale Bedeutung. Sein insgesamt jedoch fragwürdiges Verhalten und die Ereignisse in Hamburg lösten bereits damals erregte Debatten in ganz Europa aus. In der historischen Forschung sieht man neben seinen militärischen und administrativen Versäumnissen auch die von ihm selbst veranlasste Auszeichnung mit dem Ehrenbürgerrecht, welche er zudem mit einem Geldgeschenk verknüpft hatte, kritisch.