Senatskanzlei

Auszeichnung 1834 Dr. James Colquhoun (1780-1855)

Dr. James Colquhoun (1780-1855)

Auszeichnung 1834

Senatsantrag vom 26. Mai 1834, Bürgerschaftsbeschluss vom 18. September 1834, Verleihung am 18. September 1834.

Begründung von 1834

Auf Empfehlung von Dr. August Abendroth „im Hinblick auf besondere Verdienste“.

Hintergrund

James Colquhoun war ein promovierter Jurist und Kaufmann sowie Ministerresident und hanseatischer Generalkonsul in London. Als Verwaltungschef des Londoner Areals der Hansekaufleute, des „Stalhofs“, und Geschäftsträger der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck förderte er deren Geschäftsbeziehungen, besonders durch seine maßgebliche Beteiligung an wichtigen internationalen Vertragsabschlüssen.

Colquhoun wurde 1780 auf dem Gut Kelvingrove im schottischen Lanarkshire geboren. Nach dem Jurastudium trat er in die Geschäfte seines Vaters Patrick Colquhoun ein, der nicht nur als Kaufmann, Politiker und Diplomat agiert, sondern sich als eine Folge eigener umfangreicher statistischer Erhebungen auch um präventive Polizeiarbeit in Großbritannien verdient gemacht hatte. Nach dem Tod des Vaters 1820 übernahm James Colquhoun dessen Funktion als diplomatischer Agent der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck. Er begleitete in deren Auftrag die komplizierten Abschlüsse handelspolitischer Verträge zwischen den europäischen Großmächten und den nach diplomatischer Anerkennung strebenden ehemaligen Kolonien in Mittel- und Südamerika. Es kam unter anderem zu erfolgreichen Abschlüssen von Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsverträgen der Hansestädte mit dem Vereinigten Königreich (1825) und mit den Vereinigten Staaten von Amerika (1827). Die Verträge wurden später vom Norddeutschen Bund übernommen und blieben bis zum Ersten Weltkrieg in Kraft. Colquhoun gehörte dabei zu den Unterhändlern, die den Verträgen ihren juristischen Stempel aufdrückten.

Für seine erfolgreiche Vermittlungstätigkeit ernannte ihn Bremen bereits 1826 zum Ehrenbürger. Nach der Beteiligung an weiteren wichtigen Vertragsabschlüssen der Hansestädte mit lateinamerikanischen Staaten zeichneten auch Hamburg (1834) und Lübeck (1835) Colquhoun mit der Ehrenbürgerwürde aus. Er blieb ein wichtiger Lobbyist hanseatischer Interessen. Bereits ein Jahr nach dem Abschluss eines Freundschaftsvertrages zwischen Großbritannien und dem Osmanischen Reich 1838 schlossen unter Colquhouns Federführung auch die Hansestädte einen Vertrag mit den osmanischen Machthabern. Dies trug erheblich zur Befriedung und Rechtssicherheit des Handels im Mittelmeer bei. Colquhouns Sohn Patrick wurde 1841 erster hanseatischer Konsul in Konstantinopel. James Colquhoun starb 1855 in London.

James Colquhoun gehört zu den wenigen Personen, die in allen drei Hansestädten mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet wurden. Er verdankt dies seiner herausragenden diplomatischen Tätigkeit, die erheblich zur handelspolitischen Blüte der Hansestädte nach Ende der französischen Besatzungsherrschaft beitrug. Der Impuls zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts in Hamburg kam dementsprechend aus der lokalen Kaufmannschaft.