Senatskanzlei

Auszeichnung 1838 Georg Michael Gramlich (1795-1880)

Georg Michael Gramlich (1795-1880)

Auszeichnung 1838

Senatsbeschluss vom 14. Mai 1838, Verleihung am 20. Juli 1838.

Begründung von 1838

Aus Dankbarkeit für den Abschluss eines Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages mit Venezuela am 27. Mai 1837.

Hintergrund

Georg Michael Gramlich war ein Kaufmann und hanseatischer Generalkonsul in Venezuela. Er vertrat in einer Zeit staatlichen Zerfalls und Neubildung in Lateinamerika die Interessen der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck und handelte nach Beruhigung der Situation 1837 den für den Handel mit der Region wichtigen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrags der Hansestädte mit Venezuela aus.

Gramlich wurde 1795 in Hamburg geboren und erlernte dort den Kaufmannsberuf. Als Mitglied einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie siedelte er sich in La Guaira an und übernahm 1827 als erster hamburgischer Generalkonsul für das junge Staatengebilde Großkolumbien, das die heutigen Staaten Kolumbien, Ecuador, Panama und Venezuela sowie Teile von Peru und Guyana umfasste, die Interessenvertretung der Hansestadt. Gleichzeitig war er gemäß der damals gängigen Praxis auch für Bremen und Lübeck in gleicher Funktion tätig. Nach dem Zerfall von Großkolumbien 1830 war Gramlich nur noch für Venezuela zuständig. Nach und nach unterstützten ihn in seiner regionalen Tätigkeit weitere diplomatische Vertreter der Hansestädte. 1835 verlegte er seinen Sitz nach Caracas. La Guaira blieb auch danach eine wichtige hanseatische Dependance als Teil eines zunehmend ausdifferenzierten diplomatischen Korps in Venezuela, das Gramlich beaufsichtigte. Der Kaufmann Georg Blohm übernahm kurz darauf als Konsul in La Guaira die Vertretung Hamburgs und Lübecks und baute dort eines der größten regionalen Handelshäuser auf.

Das südamerikanische Land war bereits damals ein wichtiger Handelspartner der Hansestädte. In der Region lebten zeitweilig bis zu 1600 Deutsche, die überwiegend aus Hamburg, Bremen und Altona stammten. Umfang und Ertrag der Handelstätigkeit wurden aber lange Zeit durch die Abhängigkeit von Transportverträgen zwischen den USA und Venezuela limitiert. Der von Gramlich 1837 für die Hansestädte abgeschlossene Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag mit Venezuela erweiterte die Handelsmöglichkeiten der Hansestädte erheblich. In der Folge erhöhte sich das Handelsvolumen mit Venezuela um mehr als das Doppelte. Gramlich kehrte später nach Hamburg zurück und starb dort 1880.

Die Initiative zur parallelen Ernennung Gramlichs zum Ehrenbürger in allen drei Hansestädten ging von Hamburg aus. Damals wurde mit Blick auf die übergreifenden herausragenden handelspolitischen Leistungen Gramlichs sogar über die Vergabe eines gemeinsamen „hanseatisches Ehrenbürgerrechts“ diskutiert, wozu es aber letztlich nicht kam.